Bin ich froh, dass ich Microsoft mit der Veröffentlichung meines Gesamtwerks nicht betraut habe. Der Mensch braucht immer etwas Glück. Und Microsoft hat die Kundschaft seines E-Verlags nur glücklos gemacht.
Da ich aber vom Glück rede, hier zunächst eine kleine Anekdote.
Gestern erspähte ich auf der Straße ein Graffito mit folgendem Text: „Hanf im Glück“.
Lustig, dachte ich. Wahrlich ein gelungenes Wortspiel.
Prompt überlegte ich, wie ich das Gleiche auf Englisch übertragen könnte – d.h., ohne das Wortspiel zu verlieren. Ja, es stimmt, ich puzzle gern. Wortspiel heißt auf Englisch, falls Sie’s noch nicht wissen, „pun“. Manche sagen über ein englischsprachiges Wortspiel, das es „punny“ ist, was auch irgendwie ein Wortspiel ist.
Ich hab mich jedenfalls gleich an die Arbeit gemacht, das Rätsel zu lösen – falls es sich überhaupt lösen lässt.
Als erstes sammelte ich alle mir bekannte englische Begriffe für Hanf, also „hemp“, „marijuana“, „grass“, „maryjane“ etc. Gleiches machte ich mit Wörtern, die „Glück“ bedeuten, also „luck“, „good fortune“, „success“, „felicity“. Viele Synonyme hat das „luck“ irgendwie nicht. Deshalb muss man sich freuen, wenn man ab und zu ein bisschen davon abbekommt.
Nun begann ich zu kombinieren in der Hoffnung, etwas ebenso witzig zu kreieren wie „Hanf im Glück“. Gar nicht so einfach...
Ich könnte diese Geschichte mühelos in die Länge ziehen, um die Spannung ein wenig wachsen zu lassen. Das tu ich aber nicht. Fakt ist: Ich habe die Lösung innerhalb sage und schreibe Minuten gefunden. Und sie war perfekt!
Ich sollte hinzufügen, dass ich gestern mit R., einem lieben alten Freund aus Zürich, war, und zwar in einem Museum. Dort war ich dabei, ihm diese Geschichte über meine Suche nach einer Lösung zum Wortspielrätsel zu erzählen. Plötzlich stellte ich fest, dass eine Frau neben uns stand, und sie schien ganz Ohr zu sein, als wartete auch sie darauf, wie ich das Problem mit „Hanf im Glück“, gelöst habe.
Als ich die Lösung kundtat: „Potluck!“, verlor die Dame die Beherrschung. „Ja! Richtig!“ jubelte sie und lachte äußerst beglückt, als wäre sie volle Teilnehmerin in unserem Gespräch. „Richtig! Perfekt! Genau!“
Wissen Sie, was „potluck“ auf Englisch bedeutet? So nennen wir es, wenn jeder Gast etwas – Überraschendes – zum Essen mitbringt, als würde man alles in einem „Pot“, also „Topf“ werfen und vermischen. Was man bekommt ist allerdings letztendlich Glücksache. „Pot“ bedeutet aber ebenfalls „Marijuana“. „Potluck“ ist also – meiner Meinung nach (und der der Dame) – eine passende Übersetzung für „Hanf im Glück“.
Und das mit Microsoft? Jetzt kehren wir zur virtuellen Glücksache zurück.
Falls Sie es noch nicht erfahren: Microsoft hat den Verkauf von E-Büchern eingestellt. Offensichtlich laufen die Geschäfte auf dieser Sparte nicht besonders gut.
Was macht eine multinationale Großfirma, wenn sich das Gewinnversprechen nicht erfüllt? Ganz easy. Man steigt aus. In diesem Fall bedeutet der Ausstieg allerdings den Einzug aller E-Bücher, die diese Firma jemals an Kunden lizenziert hat. Falls Sie es nicht wissen: Wer ein E-Buch kauft, besitzt das Buch nicht. Es ist nicht wie bei Papier. Man besitzt lediglich eine Nutzungslizenz für die Datei, die man erworben hat. Mit einem Kommando werden diese Dateien – dank einem DRM-Progrämmchen – gelöscht. Puff! Weg!
Immerhin verspricht Microsoft, die Geschädigten für Ihre Verluste zu kompensieren. Die „Bücher“ sind trotzdem weg. Habe ich „kompensieren“ gesagt? Man bekommt ein Guthaben auf dem eigenen Microsoftkonto, damit man andere Microsoftprodukte (sprich lizenzierte Produkte) erwerben kann. So hab ich’s gelesen.
Also wünsche ich viel Glück, liebe Lesende des Infozeitalters. Was Sie elektronisch besitzen, ist wahrlich „Potluck“ – hier ohne Wortspiel. Guten Appetit!
Bewohner dieses Planeten, morsfschte. So klingt es, wenn sie sich grüßen, oder?
Morsfschte Ihnen und Ihrem Stamm. Wir verstehen Ihre Sprache nicht. Wir haben lediglich diese Texte von einem Ihrer renommierten Kommunikatoren entdeckt. Er heißt Sprachbloggeur. Sie kennen Ihn mit Sicherheit. Wir haben seine Texte durch unseren Verarbeiter entziffern lassen.
Er schreibt „über Gott und die Welt“ in Ihrer Sprache. Auch wir schreiben über Gott und Welt. So ein schöner Zufall, dass wir seine Worte in unserer Anlage entdeckt haben. Morsfschte und zweimal morsfschte.
Sicher werden Sie in unserer Darstellung Ihrer Weltsprache ein paar Ungereimendheiten finden. Unsere Verarbeitungsssysteme sind leider nicht so – wie sagen Sie es…? – „ausgefuchst“ wie die Texte Ihres Kommunikators Sprachbloggeur. Ja, die Kuh ist noch nicht in trockenen Tüchern. Wir bemühen uns aber.
Wir wissen nicht, wie weit entfernt von uns Sie leben. Wir wissen lediglich, dass Ihre Signale uns in skriptomatischer Form erreicht haben, das heißt die Signale Ihres Kommunikators Sprachbloggeur.
Wir antworten über gleiche onomatische Kanäle. Ja, morsfschte…
Liebe Lesende, obiges hab ich heute zu meiner großen Überraschung auf meinem Rechner vorgefunden. Ich habe keine Ahnung, wer der Urheber ist oder wie dieser Text dorthin gelangt ist. Vielleicht spielt die Tatsache mit, dass mein Email-Provider gestern gesponnen hat. Wörter wie „skriptomatisch“, „onomatisch“ und „morsfschte“ sagen mir übrigens nichts.
Dennoch habe ich eine Theorie, wie ich zu diesem Text gekommen bin.
Vor zwei Jahren – oder waren es schon drei Jahren? – wurde diese Webseite, die ich noch immer einen „Wortladen“ nenne, von Hackern in Beschlag genommen. Ich bin überzeugt, dass ich nur ein Zufallsopfer war, Opfer sozusagen eines „drive-by-shooting“. Will sagen: wenn einer – am Vorbeifahren – mit einer Waffe in einen anderen Wagen ballert, um zu sehen, was passiert. (Ähnliches geschieht momentan in Großbritannien, allerdings mit Messern).
„Der Sprachbloggeur“ wurde damals von Hackern befallen mit dem Ergebnis, dass diese Seite ca. zwei Monaten unter Quarantäne stand und für die meisten vom Bildschirm verschwunden war – eine Art Cyber-Fukushima oder Cyber-Tschernobyl. Es war für mich sehr frustrierend, und als ich endlich wieder ins Internet durfte, hat mein Provider – als Sicherheitsmaßnahme – die Kommentar-Vorrichtung – abgeschaltet. Jegliches Feedback fehlte. Einsam.
Aber zurück zur obigen Botschaft.
Ich vermute, dass diese Seite während der Zeit der Cyber-Entführung auf andere, uns unbekannte virtuelle Wege wanderte und von Außerirdischen aufgefangen wurde. Wie Newton sagt: Energie kann man nicht vernichten, lediglich verwandeln.
So, denke ich, geriet der Inhalt dieser Webseite, bzw., die digitalen Signale dessen, auf ungewöhnliche Kanäle. Keine Ahnung, warum.
Wie dem auch sei: „Der Sprachbloggeur“ landete wohl im Kommunikationssystem einer entfernten Welt und diente dann als „Futter“ für eine Art „Google Translate“. Immerhin: Abgesehen von einigen Danebentreffern, war das Deutsch nicht ganz schlecht. Komisch, dass sie dort das Deutsche für eine Weltsprache halten. Vielleicht verfügen sie wirklich um nur eine Sprache…so wie wir mal vor der Babelturm-Episode.
Mehr über diese Thematik habe ich nicht zu sagen. Ich will nicht fantasieren. Fest steht jedenfalls: Die Botschaft wurde aus irgendeinem Grund jäh unterbrochen.
Ich werde aber bestimmt die Sache etwas näher unter die Lupe nehmen. Wenn ich mehr Infos habe, sag ich Bescheid.
Gern möchte ich wissen, wie man „morsfschte“ ausspricht. Leider war kein mp4-Datei dabei.
Charlie verdient 4000 pro Woche und fragt: „Und du?“ Alisa behauptet Gleiches. Auch sie fragt: „Und du?“ Welch Zufall! Joanna will wissen: „Was machen mir?“ und Antja hat „Hunger nach Mann“ (Nebenbei: Warum hat kein „Steve“ im Namen der Gleichberechtigung „Hunger nach Frau“ – oder gar „nach Mann? Und warum hat Antja keinen „Hunger nach Frau“? Wie gesagt: nur nebenbei).
Luise Schuster bietet mir Kredit bis 100.000 Euro „trotz Schufa“. Auch Jeremy Keller will mir „trotz Schufa“ ebenso viel borgen. Falls Interesse besteht: Hier Jeremys Emailadresse: svxbptw at yahoo.com, und hier nun Luises: dwynb at outlook.com. Vertrauenswürdig, gell?
Et cetera.
Aber zurück auf die Erde: Gibt es wirklich Leute, die sich auf diese seichte, leicht durchschaubare Spammails noch einlassen?
„Aber selbstverständig“, sagt mir E. Er ist Informatiker und soll das wissen.
Ich glaub es trotzdem nicht. Ich glaube, die Botschaft hat sich längst rumgesprochen und dass diese Masche bald verschwinden wird, so wirkungslos wie die Überzeugung: Bald wird man Dinosaurier klonen können. Der nötige Aufwand, diesen Dreck global zu schleudern, lohnt sich einfach nicht mehr, wenn sich nur noch zwei, drei Deppen auf dem ganzen Planeten finden lassen, die bereit sind, sich auf peinlich plumpe Angebote einzulassen. Okay: Vielleicht sind es zehn, die an Joanna und Antja (und Steve?) zurückschreiben. Doch auch diese Naivlinge wissen, dass es keine Joanna oder Antja (oder Steve) in Wirklichkeit gibt. Sie erhoffen sich lediglich ein bisschen Hilfe aus der Einsamkeit, wenn es vielleicht nix kostet.
Hallo, liebe Lesende. Hier spricht der Sprachbloggeur. Schon wieder ärgert er sich, dass er Unmengen von toten Fliegen vor seinem Wortladen täglich wegfegen muss. Umweltverschmutzung!
Ja, Umweltverschmutzung. Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten für eine Spamfirma. Täglich schleudern Sie Millionen Spammails durch die Weltgeschichte. Damit produzieren Sie mehr CO2 als Lufthansa und der Bundestag zusammen. Walfische, Skorpionen, Teddybären und Würgeschlangen würden an der Hälfte dieser Menge CO2 ersticken.
He Greta! He Kids! Warum kein Schulstreik gegen Spammer? Ahnt ihr nicht die Zusammenhänge? D.h., wie viel Strom (sprich CO2 Bomben) verbraucht wird, um Spam herzustellen?
Im Ernst, liebe Lesende. Information (ob sinnvoll oder sinnlos) muss über Leitungen geschickt werden. Hab ich nicht irgendwo mal gelesen, dass die Menge an Emails, die jeden Tag gesendet wird, beinahe zu 90% einen spämigen Inhalt hat? Irgendwie glaub ich, dass diese Zahl stimmt.
Komischerweise fällt dieses Phänomen gar nicht auf, wenn über C02 die Rede ist. Noch komischer: Nix liest man im Grünen oder im sonstigen Programm darüber.
Deshalb halte ich es für meine bürgerliche Pflicht, Sie mit den grausamen Fakten bekannt zu machen.
Nicht einmal Rezo sprach dieses Thema in seiner „Zerstörung“ an! Alle reden davon, dass die Walfische nicht an Plastik aus dem Supermarkt ersticken dürfen. Aber ebenso heißt es: Finger weg von meinem Handy, meinem Spotify, Twitter, Instagram und Facebook!
Hat Greta ein Handy? Hat Rezo ein Handy? Vielleicht ein iPhone? Hab ich nicht mal gelesen, dass die Arbeitsbedingungen für die Herstellung von Phones (weiß nicht mehr, ob es nur Apple betrifft) erbärmlich ist? Und was ist mit den „seltenen Erden“, die erforderlich für die Manufaktur von Handys sind und deren Gewinnung mit schrecklichen Umweltschäden verbunden sind?
He Kids! Wie wäre es mit einem Handystreik am nächsten Freitag. Oder muss ich es selbst machen als einsame Figur auf dem Marienplatz in München, ein handgemaltes Transparent in den Händen, worauf steht: „Handys verpesten die Umwelt“.
Ach, ich fürchte, ich werde kein Publikum finden, das ich mit dieser Causa – mit dieser „lost cause“ – beflügeln könnte. Dennoch zählt diese Idee zu den subversivsten auf der ganzen Welt. Im Ernst.
Was machen wir jetzt, Gretchen?
Leider finde ich keine Übersetzung für den englischsprachigen Begriff „household word“, die das gleiche Bild verwendet wie im Original.
Ein „household word“ ist ein Wort für den tagtäglichen Gebrauch, ähnlich den Gegenständen, die man täglich im Haushalt gebraucht, etwa eine Zahnbürste oder das Spüli.
Zu einem sozusagen Haushaltswort ist seit einer Woche oder so ein gewisser Rezo geworden. Sie wissen, wen ich meine: den jungen Mann mit dem netten Lächeln und den blauen Haaren. Vielleicht sind auch die Augen blau. Das weiß ich nicht.
Rezo war wohl schon lange in den YouTubekreisen bei denen bekannt, die sich für Musik interessieren. Meistens waren seine Fans im jugendlichen Alter. Mir war er kein Begriff. Die YouTubevideos, die mich – momentan – am meisten interessieren, kreisen um die Mandoline den griechischen Baglamas und den Kalimba. Manchmal lausch ich auch Joseph Schmidt oder Billie Holliday.
Im Grunde weiß ich nicht, wie man den Namen Rezo ausspricht. Ich lebe so lange in Deutschland, dass ich alles Fremdes gleich verdeutsche. Ich möchte also „Re-Zo“ sagen. In den Nachrichten habe ich aber ein paar Mal „rie-so“ vernommen.
Egal. Rezo hat auf einmal – wie wir auf Englisch sagen – „a big splash“ gemacht, was ihn über Nacht zum Alltagsbegriff verwandelte. Kann es sein, dass er bereits zum Coverboy im Spiegel auserwählt wurde? Oder war es im Stern? Nicht so wichtig.
Sein „claim to fame“ (ja, heute lauter engl. Idioms) ruht auf ein 55 minutiges politisches Video mit dem Titel „Zerstörung der CDU“.
Im Nu war es ihm gelungen, „to ruffle a few feathers”. Im obersten Stockwerk des Konrad-Adenauer-Hauses sind die Leute plötzlich umhergerannt wie „chickens without a head“. Instinktiv zuckte die Obrigkeit die Waffen, um dem Jungspund – freilich im übertragenen Sinn – „kalt“ zu machen, was eigentlich nicht so einfach war. AKK (ich vergesse ihren Namen ständig) antwortete mit Sarkasmus, doch sie fiel prompt auf die christdemokratische Nase.
Dann hat man einen aus der Jungenunion auf ihn gehetzt (Jugend gegen Jugend, gell?). Fehlanzeige. Hat die Sache nur noch verschlimmert.
Ganz ehrlich, hab ich mir das verruchte Video des Rezo nicht angeschaut. Hat meine Frau aber. Ich weiß nicht, was ihre Meinung dazu war. Vielleicht hab ich vergessen zu fragen. Mir waren 55 Minuten einfach zu viel Zeit, um einem Referat über die „Zerstörung der CDU“ zu lauschen.
Doch zufällig hab ich – war das im SPON (Spiegel online)? – ein kurzes Interview mit dem sympathischen blauhaarigen jungen Mann entdeckt. Dort hab ich – zumindest für mich – das Wichtigste über Rezos „Zerstörung“ erfahren.
Damit meine ich den Sinn des Wortes „Zerstörung“.
Denn „Zerstörung“ bedeutet in diesem Zusammenhang keineswegs das, was man üblicherweise unter „Zerstörung“ versteht.
Im alten Sinn ist, wie jeder weiß, eine „Zerstörung“ das, was man tut, um etwas oder jemanden gründlich kaputtzumachen oder gar buchstäblich zu vernichten.
Dies ist aber mit der „Zerstörung der CDU“ nicht gemeint.
„Zerstörung“ – wie in „Zerstörung der CDU“ bedeutet in der Jugendsprache in etwa „scharf kritisieren“. Auf Englisch hieße das „to bash on“ oder „to bash“.
Rezo wollte also gar nichts vernichten. Er wollte lediglich eine vernichtende Kritik liefern. Ich weiß nicht, ob alle dessen bewusst sind. Man soll diesen „harangue“ (sprich ha-räng) also „Worterguss“, nicht in die falsche Kehle kommen lassen.
Fällt mir ein: Mein Titel ist falsch. Ich will diese „Zerstörung“im Sinne Rezos nicht im alten Sinn zerstören, lediglich genauer verstehen.
Kennen Sie die Geschichte von Toto dem Gorillababy? Wahrscheinlich nicht, es sei denn, Sie haben mein Buch „Kaspar Hausers Geschwister – auf der Suche nach dem wilden Menschen“ (Franz Steiner Verlag 2018) gelesen. Ach du Heiliger! Schleichwerbung in eigener Sache! Soll man verbieten.
Toto war ein putziges Gorillakind, genauer gesagt, Gorillamädchen. …Hat man eine Möglichkeit in der deutschen Sprache junge Primaten nach Geschlecht – ich meine nach dem Vorbild Mädchen und Bube – zu differenzieren? Ich kenne keine Entsprechung.
1932 wurde Toto von einer betuchten Dame namens Maria Hoyt in Pflege genommen. Ich glaube, es war in New York, damals eine wunderschöne Stadt, auch architektonisch.
Toto war ein kluges Affenkindchen und verstand es sehr schnell, sich auch Menschengepflogenheiten anzueignen. War es ihr kalt, zog sie sich einen Pullover und Strümpfe an. Und sie hat im Hoyt’schen Haushalt alles gegessen, was ihr serviert wurde – was bei Menschenkindern nicht immer der Fall ist.
Darunter gab‘s Steak, Huhn und sogar Bohnensuppe. Keine übliche Kost für Gorilla*Innen. Zur Erinnerung: Dies war die Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Vielen Menschen - auch in den USA – ging es mit Abstand nicht so gut wie Toto.
Im Übrigen wurde Toto schnell stubenrein. Wahrscheinlich viel eher als die meisten Menschenkinder. Denn Primaten kapieren die Welt (mit Ausnahme der Menschen) sehr früh. Sie müssen das.
Eines lernte Toto allerdings nicht: zu sprechen wie ein Mensch. Sowieso unmöglich. Die Affenhard- und Software unterscheidet sich erheblich von der unseren. Soweit ich weiß, hat es Mrs. Hoyt gar nicht interessiert, ob Toto reden lernt oder nicht. Dieses Experiment machte erst Penny Patterson in den 1970er Jahren mit der Gorilladame Koko, die jüngst mit über 40 Jahren gestorben ist. Koko konnte zwar nicht im üblichen Sinn sprechen. Ihr wurde eine Art Zeichensprache beigebracht. Manche behaupten, sie hat mehr als 1000 Sprachbegriffe verstanden und gebraucht. Ich bleibe da etwas skeptisch.
Frau Hoyt war ohnehin keine Forscherin. Sie hat ihre Toto einfach geliebt.
Die gescheite Toto war noch klein und knuddelig, als sie lernte, wie man Steine und Stöcke in Waffen umfunktioniert. Das klingt hingegen sehr menschlich. Wir Menschen meinen allerdings, dass sich eine solche Charaktereigenschaft häufiger bei Menschenknaben als bei Menschenmädchen vorkommt. Gorillas sind wohl diesbezüglich etwas egalitärer.
Die Jahre vergingen, und Toto wurde immer größer und kräftiger. Und dann begann sie es mit dem Kräftemessen – ähnlich heranwachsenden Menschen, könnte man sagen. Ist ja letztendlich normal und gesund: ein Zeichen, dass man*Innen auf ein selbstständiges Leben zielt.
Wie reagierte Frau Hoyt? Eine Zeitlang hat sie ihren Zögling mit einem Stock zur Räson gebracht. Doch irgendwann klappte auch dies nicht mehr. Toto kam in einen Käfig. Obendrein engagierte Frau Hoyt einen Pfleger, der künftig über Toto wachte.
Wenn die junge Gorilladame zu aufmüpfig wurde, drohte dieser mit Elektroschocks, brennenden Fackeln, ja sogar mit lebendigen Schlangen.
Es hat alles nicht genutzt, und schließlich gab Frau Hoyt ihre Toto schweren Herzens an den Ringling-Brothers-Zirkus ab. In diesem Ambiente lernte Toto ihre große Liebe kennen. Er hieß Gargantua. Das Affenpärchen wurde ein beliebtes Duo beim Zirkus.
Ende der Story?
Aber nein. Frau Hoyt litt unterdessen Jahre lang an Gewissensbissen, weil sie ihre Tierfreundin so herzlos verstoßen hatte. 1956 – da war Toto bereits ca. 34 Jahre alt – kaufte die betagte Dame ihre Toto vom Zirkus ab. Das letzte Lebenszeichen, das ich über diese einzigartige Liebesgeschichte herausfinden konnte, stammt aus dem Jahr 1964. Frauchen und Äffchen lebten in New York zusammen in häuslicher Harmonie. Und wenn sie nicht gestorben sind…
Ich hab’s getan! Hurra! Ich hab’s getan!
Was haben Sie getan, lieber Sprachbloggeur?
Ich hab… zum… ersten… Mal… in meinem Leben Google-Übersetzer benutzt! Und nun bin ich überzeugt, dass das Ding tatsächlich funktioniert! Zumindest für Vietnamesisch.
Der Hintergrund: Vor ca. einem Monat wurde diese Seite mit Mengen von falschen Kommentaren überschwemmt. An einem einzigen Tag waren es 37!
Es fiel mir leicht, die fremde Sprache als Vietnamesisch zu identifizieren. Jeder Amerikaner meiner Generation und jeder Deutsche der heutigen Zeit, der ein vietnamesisches Restaurant besucht, erkennt diese Sprache, auch wenn er (oder sie) – wie ich – nicht in der Lage ist, ein einziges Wort zu baldowern.
Da ich allerdings zu Skepsis neige, bin ich davon ausgegangen, dass man mir keine wirklichen Kommentare auf Vietnamesisch geschickt hatte, sondern dass es sich bei diesen Zuschriften lediglich um Spam handelte. Na ja, Hauptsache kein virtuelles Ungeziefer dabei (aber wer weiß?).
Also hab ich alle Kommentare dieses Angriffs einfach gelöscht – bis auf einen. Diesen wollte ich der netten Dame im sehr leckeren vietnamesischen Restaurant um die Ecke – ich glaube, es heißt „Co Be“ oder so (Schleichwerbung, wie Sie sehen) fragen und um eine Übersetzung bitten.
Letztendlich aber hab ich gezögert. Was ist, wenn es sich um Unanständiges handelt? Das wäre ihr und mir vielleicht sehr peinlich.
Erst gestern bin ich – endlich – auf die Idee gekommen, den Google-Übersetzer-Dienst zu tätigen. Bisher hatte ich nie das Bedürfnis mich mit G.-Ü. auseinanderzusetzen. Ich gab also folgenden Text ein:
Thứ tư, độ bền của cửa Nhôm Xingfa được đánh giá cao.
Haben Sie alles verstanden? Ich nicht. Nur die drei großgeschrieben Wörter schienen etwas zu verraten. Das eine markierte wohl den Anfang des Satzes. Die anderen zwei, „Nhôm“ und „Xingfa“…hmmm. Ein Name? Ein Ort? Keine Ahnung.
Google-Übersetzer hatte hingegen sehr wohl eine Ahnung. Und sie lautete folgendermaßen:
„Viertens wird die Haltbarkeit von Xingfa-Aluminiumtüren sehr geschätzt.“
Hui! War ich erleichtert. Noch dazu war ich überzeugt, dass Google recht hatte. Wer erfindet eine solche Übersetzung? Außerdem klang sie – in dem gegebenen Zusammenhang – nachvollziehbar. Werbung! Aber was bedeutete das großgeschriebene „Nhôm“? Auch dies hab ich G.-Ü. gefragt. Die Antwort: Was sonst? Es bedeutet „Aluminium“! Die Firma heißt also „Aluminium-Xingfa“. Zu vergleichen mit Kugelfischer (nein, keine Schleichwerbung, nur Grammatik).
Mag sein, dass die o.g. Google-Übersetzung nicht zu 100% stimmt. Immerhin weiß ich aber, dass der Spruch keinen Schweinkram beinhaltet.
Was die anderen, gelöschten vietnamesischen Sprüche unterbreiten wollten, werde ich nie rausfinden. Fest steht aber: Keiner glich dem anderen. Ich geh jedenfalls davon aus, dass es sich bei allen um harmlose Werbung handelte.
Meine Frage aber: Warum wollten diese vietnamesischen Werbefritzen ausgerechnet beim Sprachbloggeur das Werbespam parken?
Weil ich ein Sprachbloggeur bin?
Oder einfach deshalb, weil sie den Auftrag hatten, die frohe Botschaft über diese verdammten Aluminiumtüre – koste, was es wolle – durch die ganze Welt zu versenden? Letztere Möglichkeit lässt eine gewisse Naivität erahnen. Und gesetzt den Fall, ich hätte diese Scheißwerbung veröffentlicht, wie viele Leser hätten sie verstanden? Aber wirklich.
Ganz ehrlich: Wäre ich Nhôm Xingfa, würde ich mir eine andere Werbeagentur aussuchen…
Geschrieben, liebe Historiker der Zukunft, in den ersten, wilden Jahren der sog. Info-Revolution.
Ich hab’s getan! Hurra! Ich hab’s getan!
Was haben Sie getan, lieber Sprachbloggeur?
Ich hab… zum… ersten… Mal… in meinem Leben Google-Übersetzer benutzt! Und nun bin ich überzeugt, dass das Ding tatsächlich funktioniert! Zumindest für Vietnamesisch.
Der Hintergrund: Vor ca. einem Monat wurde diese Seite mit Mengen von falschen Kommentaren überschwemmt. An einem einzigen Tag waren es 37!
Es fiel mir leicht, die fremde Sprache als Vietnamesisch zu identifizieren. Jeder Amerikaner meiner Generation und jeder Deutsche der heutigen Zeit, der ein vietnamesisches Restaurant besucht, erkennt diese Sprache, auch wenn er (oder sie) – wie ich – nicht in der Lage ist, ein einziges Wort zu baldowern.
Da ich allerdings zu Skepsis neige, bin ich davon ausgegangen, dass man mir keine wirklichen Kommentare auf Vietnamesisch geschickt hatte, sondern dass es sich bei diesen Zuschriften lediglich um Spam handelte. Na ja, Hauptsache kein virtuelles Ungeziefer dabei (aber wer weiß?).
Also hab ich alle Kommentare dieses Angriffs einfach gelöscht – bis auf einen. Diesen wollte ich der netten Dame im sehr leckeren vietnamesischen Restaurant um die Ecke – ich glaube, es heißt „Co Be“ oder so (Schleichwerbung, wie Sie sehen) fragen und um eine Übersetzung bitten.
Letztendlich aber hab ich gezögert. Was ist, wenn es sich um Unanständiges handelt? Das wäre ihr und mir vielleicht sehr peinlich.
Erst gestern bin ich – endlich – auf die Idee gekommen, den Google-Übersetzer-Dienst zu tätigen. Bisher hatte ich nie das Bedürfnis mich mit G.-Ü. auseinanderzusetzen. Ich gab also folgenden Text ein:
Thứ tư, độ bền của cửa Nhôm Xingfa được đánh giá cao.
Haben Sie alles verstanden? Ich nicht. Nur die drei großgeschrieben Wörter schienen etwas zu verraten. Das eine markierte wohl den Anfang des Satzes. Die anderen zwei, „Nhôm“ und „Xingfa“…hmmm. Ein Name? Ein Ort? Keine Ahnung.
Google-Übersetzer hatte hingegen sehr wohl eine Ahnung. Und sie lautete folgendermaßen:
„Viertens wird die Haltbarkeit von Xingfa-Aluminiumtüren sehr geschätzt.“
Hui! War ich erleichtert. Noch dazu war ich überzeugt, dass Google recht hatte. Wer erfindet eine solche Übersetzung? Außerdem klang sie – in dem gegebenen Zusammenhang – nachvollziehbar. Werbung! Aber was bedeutete das großgeschriebene „Nhôm“? Auch dies hab ich G.-Ü. gefragt. Die Antwort: Was sonst? Es bedeutet „Aluminium“! Die Firma heißt also „Aluminium-Xingfa“. Zu vergleichen mit Kugelfischer (nein, keine Schleichwerbung, nur Grammatik).
Mag sein, dass die o.g. Google-Übersetzung nicht zu 100% stimmt. Immerhin weiß ich aber, dass der Spruch keinen Schweinkram beinhaltet.
Was die anderen, gelöschten vietnamesischen Sprüche unterbreiten wollten, werde ich nie rausfinden. Fest steht aber: Keiner glich dem anderen. Ich geh jedenfalls davon aus, dass es sich bei allen um harmlose Werbung handelte.
Meine Frage aber: Warum wollten diese vietnamesischen Werbefritzen ausgerechnet beim Sprachbloggeur das Werbespam parken?
Weil ich ein Sprachbloggeur bin?
Oder einfach deshalb, weil sie den Auftrag hatten, die frohe Botschaft über diese verdammten Aluminiumtüre – koste, was es wolle – durch die ganze Welt zu versenden? Letztere Möglichkeit lässt eine gewisse Naivität erahnen. Und gesetzt den Fall, ich hätte diese Scheißwerbung veröffentlicht, wie viele Leser hätten sie verstanden? Aber wirklich.
Ganz ehrlich: Wäre ich Nhôm Xingfa, würde ich mir eine andere Werbeagentur aussuchen…
Geschrieben, liebe Historiker der Zukunft, in den ersten, wilden Jahren der sog. Info-Revolution.
Haben Sie Probleme? Keine Sorge. Hilfe ist unterwegs.
Das weiß ich, weil ich täglich die Überschiften im Spiegel-Online (auch „SPON“ genannt) lese. Heute, zum Beispiel hieß es: „Diese Maschine wird unser Leben ändern“.
Hmm, hab ich gedacht. Um welche Maschine wird es wohl handeln? Nein, nicht die Waschmaschine (die unser Leben tatsächlich geändert hat), auch nicht der Rasenmäher oder der Toaster. Nein, es ging um den… Quantencomputer! Schönes Wort. Scheint wohl mit der Quantenmechanik (s. Max Planck) und dem Computer zu tun. Er soll jedenfalls, so SPON „Millionen Mal schneller als moderne Schnellrechner“ rechnen. Und er könne „die großen Probleme der Menschheit“ lösen. Das alles habe ich im Vorspann gelesen.
Was mich natürlich neugierig gemacht hat. Aber dann…
Ja, dann stellte ich fest, dass ich, um noch mehr über das Thema zu erfahren, eins von zwei Dingen erst tun müsste: entweder da wo „mehr“ steht, klicken, was wiederum zu einem Bezahlportal führt, wo man sich registrieren lässt und – wenn ich mich richtig entsinne – für 49 Cents den Artikel lesen darf, oder die neue Spiegel-Printausgabe kaufen. Da erscheint der Artikel nämlich in gedruckter Form.
Es gäbe freilich andere Lösungen, um an erwähnte spannende Information zu gelangen. Man geht, z.B., in die nächste Stadtbücherei. Hat man Glück, liegt die gesuchte Ausgabe des Spiegels vor. Das erfordert natürlich etwas mehr Zeit. Oder man googelt den Begriff „Quantencomputer“ und hofft, auf andere Webseiten zu stoßen, die – kostenlos – über das gleiche Thema berichten.
Aber Vorsicht: Es gibt nix für nix. War aber schon immer so. Würde man einfach auf gut Glück googeln, könnte man auf einer Seite landen, die darauf besteht, „Cookies“ (allmählich mag ich dieses verharmlosende Wort nicht) auf Ihren Rechner zu platzieren, damit Werbetreiber Ihren Weg durch das WehWehWeh mitverfolgen dürfen, um Informationen über Ihre Gewohnheiten etc. einzusammeln. Die Menge an Privatinfos, die sich so aufklauben lässt, ist riesig. Hätte früher das Herz zahlloser Schlapphüte höher schlagen lassen.
„Alles kostenlos heute. Das kann nicht gut gehen“, sagt meine Frau. „Man soll ruhig für Dienstleistungen bezahlen.“
Ja, hat sie recht. Aber demnach müsste man eigentlich für den Besuch bei jedem „Dienstleister“ im Web ein Obolus hinwerfen. Würde auch für diese Seite gelten. (Keine Sorge, liebe Leser. Der SB bleibt kostenlos. Nur so fühl ich mich frei, alles zu sagen, wozu ich Lust und Laune habe).
Stellen Sie sich vor: Eine ganze Generation wird bald heranwachsen, ohne zu wissen, wie es früher war. Ich meine: dass man in einen Zeitungsladen (bzw. einen Kiosk) ging und dies oder jenes Blatt kaufte. Ja, so war es in der Analogwelt. Jedes Blatt hatte sein Publikum…oder nicht.
Spiegel ist marktführend im Nachrichteninternet. Er hat sich ein schlaues Geschäftsmodell ausgedacht. Wer will, bekommt eine kostenlose Dienstleistung. Wer mehr will, muss durch das Bezahlportal durch. Doch auch die nichtzahlenden Besucher verhelfen der Zeitschrift zu einem Gewinn. Denn ohne Abschalten des Werbeblockers darf man den SPON nicht lesen. Willigt man ein, so landet man prompt in einem See von Inseraten.
Wie bin ich denn auf dieses Thema gekommen? Eigentlich wollte ich vom Quantencomputer erzählen. Dem SPON zufolge stehen wir nämlich vor einer „technischen Revolution“. Man liest so was, und zack! wird man neugierig.
Doch jetzt habe ich keine Zeit mehr. Falls Sie mehr über dieses Thema wissen möchten, wenden Sie sich bitte an den SPON, oder fragen Sie Onkel Google (manche sagen der Gleichberechtigung zuliebe „Tante Google“). Er oder sie hilft gern weiter.
Ich jedenfalls lass mich überraschen. Wäre nett sämtliche Probleme lösen zu können, nur weil man schnell rechnen kann.
He Zé! Klar, dass sie nein sagen. Du hast eine „Hybride“ geschrieben. Die Verlage sind wirklich überfordert, wenn sie außerstande sind, zwischen Reisebericht und Roman zu unterscheiden. Hat wohl etwas mit Marketing zu tun. Man will halt alles schön nach Kategorie einordnen können. Als es früher noch keine Vegetarier bzw. Veganer gab, hätte man gesagt, „Was Sie geschrieben haben, ist weder Fisch noch Fleisch“. Ich verstehe diese Angst vor der „Hybride“ aber nicht. Ist momentan in den USA der letzte Schrei. Wahrscheinlich hätten die dt. Verlage auch Cervantes und Grimmelshausen abgelehnt. Mein „Wie ich die deutsche Sprache eroberte“ wird auch als „Hybride“ verteufelt, da eine Mischung aus Roman und Sprachlehre. Eine Agentin meinte noch dazu – deutlich naserupfend: „Man merkt, dass der Autor Ausländer ist.“
Uppps! War ich gerade die ganze Zeit auf Sendung? Habe glatt nicht gemerkt, und nun wurde dieses Fragment eines privaten Gesprächs öffentlich. Verzeihung, liebe Lesende des Sprachbloggeurs. Ich war grad eben dabei, mich mit Zé do Rock zu unterhalten und hab nicht rechtzeitig umgeschaltet. Was Sie vernommen haben, war eigentlich nicht als Teil dieser Glosse gemeint.
Aber es ist passiert, und da mein Gesprächspartner noch da ist, darf ich vorstellen: Zé do Rock…meine Leser; liebe Leser… Zé do Rock.
Zé do Rock: ba ba.
Zé do Rock endet seine Mails an mich stets mit „ba ba“. Ganz ehrlich weiß ich nicht, was das bedeutet, bilde mir aber ein, dass es eine Abwandlung von „bye bye“ ist. Oder vielleicht wiederum nicht. Im Übrigen weiß ich nicht, wie er „Zé“ ausspricht. Wie das „ze“ in „Zebra“ oder das „s“ in „Salbei“? Muss ihn mal fragen.
Zé und ich haben jedenfalls einiges gemeinsam und einiges nicht gemeinsam.
Zu den Gemeinsamkeiten: 1.) Wir sind beide langjährige Migrantler in Deutschland. 2.) Wir wohnen beide in München, Schwabing (obwohl er mittlerweile nur noch seine Datscha in München hat). 3.) Mein Zahnarzt (bei dem ich heute war) hat seine Praxis auf derselben Straße, wo Zé wohnt. Sein Zahnarzt hingegen hat seine Praxis auf der Fortsetzung meiner Straße. 4.) Und schließlich: Wir sind beide Schriftsteller, für die Deutsch eigentlich eine Fremdsprache ist.
Nun zu den Unterschieden: 1.) Ich bin gebürtiger Amerikaner mit englischer Muttersprache. Zé stammt aus Brasilien, also mit Muttersprache Portugiesisch. Aber halt! Zé bezeichnet Portugiesisch zwar als Muttersprache, er stamme aber – zumindest teilweise – von deutschen Vorfahren. In Brasilien kam er auch in näherem Kontakt mit dem heimischen dt. Dialekt „Catarinisch“, was offenbar auf eine altertümliche Art Deutsch basiert ist – wie wohl das Amische in Pennsylvania.
Ääämm…d.h., wenn es Catarinisch überhaupt gibt. Ich habe den Begriff nämlich gegoogelt und bin ausschließlich auf Seiten gestoßen, wo Zé selbst darüber berichtet. Ich geh aber davon aus, dass er diese Sprache nicht erfunden hat.
2.) Zé hat eine eigene Orthographie fürs Deutsch aus dem Boden gestampft und nennt sie „ultradoitsch“. Seine bereits erschienenen Bücher wurden nach dieser Art geschrieben. Ich empfehle Ihnen, die Bücher zu googeln. Sie werden schnell fündig. Er schreibt übrigens s e h r witzig…und mit Tiefgang. Zé ist freilich nicht der erste, der sich eine eigene Orthographie ausgedacht hat. So was war wohl früher gang und gebe. Ich bin überzeugt, dass Grimmelshausen ganz ohne spellcheck gedichtet hat. Hier jedenfalls ein Beispiel des ultradoitsch:
„Der mensch mag halt spilen. Ich find auch, di lerer konzentriren sich zu oft auf di gramatik, statt auf das sprechen. In 3 wochen Russland hab ich vil mer russisch gelernt als in eim jar russisch-kurs. Ich hab grammatisch alles falsch gesagt, aber ich konnte immerhin geschichten und witze erzälen, was ich ni könnte, nach dem kurs. Nach dem kurs konnt ich dekliniren, konjugiren aber mein wortschatz begrenzte sich vileicht auf 20 wörter, di hälfte davon völlig unwichtige wörter, wi sessel, apfelbaum und gazelle.“
Nebenbei: Guter Tipp fürs Sprachenlernen.
3.) Anders als Zé halte ich mich streng an der dt. Orthographie, preise sogar ihre Klarheit und Logik. Das „Groß- und Kleinschreiben befriedigt mein Bedürfnis nach Ordnung“, hab ich Zé erklärt.
Seine Antwort: „Man könNte auCh dEn zweIten Buchstaben beI dEn Artikeln grosZ schreIben, beI Präpositionen dEn driTten, beI Adjektiven dEn vieRten, beI Adverbien dEn fünFten, beI Verben dEn secHsten Buchstaben, vorauSgesetzt natüRlich, dAs Wort ist lanG genuG... dann wüsstE man immeR, um welche graMmatikalischen Klasse es sich geraDe handeLt...“
Sie sehen: zwei Früchte des Schriftstellerbaums. Das Schöne an diesem Baum: Jede Frucht schmeckt anders.
Gell, Zé. Hmm. Er scheint nicht mehr da zu sein. Aber warten Sie: Er hat einen Zettel hinterlassen. Hmm. Darauf steht – was sonst? – „ba ba“.
He Zé! Klar, dass sie nein sagen. Du hast eine „Hybride“ geschrieben. Die Verlage sind wirklich überfordert, wenn sie außerstande sind, zwischen Reisebericht und Roman zu unterscheiden. Hat wohl etwas mit Marketing zu tun. Man will halt alles schön nach Kategorie einordnen können. Als es früher noch keine Vegetarier bzw. Veganer gab, hätte man gesagt, „Was Sie geschrieben haben, ist weder Fisch noch Fleisch“. Ich verstehe diese Angst vor der „Hybride“ aber nicht. Ist momentan in den USA der letzte Schrei. Wahrscheinlich hätten die dt. Verlage auch Cervantes und Grimmelshausen abgelehnt. Mein „Wie ich die deutsche Sprache eroberte“ wird auch als „Hybride“ verteufelt, da eine Mischung aus Roman und Sprachlehre. Eine Agentin meinte noch dazu – deutlich naserupfend: „Man merkt, dass der Autor Ausländer ist.“
Uppps! War ich gerade die ganze Zeit auf Sendung? Habe glatt nicht gemerkt, und nun wurde dieses Fragment eines privaten Gesprächs öffentlich. Verzeihung, liebe Lesende des Sprachbloggeurs. Ich war grad eben dabei, mich mit Zé do Rock zu unterhalten und hab nicht rechtzeitig umgeschaltet. Was Sie vernommen haben, war eigentlich nicht als Teil dieser Glosse gemeint.
Aber es ist passiert, und da mein Gesprächspartner noch da ist, darf ich vorstellen: Zé do Rock…meine Leser; liebe Leser… Zé do Rock.
Zé do Rock: ba ba.
Zé do Rock endet seine Mails an mich stets mit „ba ba“. Ganz ehrlich weiß ich nicht, was das bedeutet, bilde mir aber ein, dass es eine Abwandlung von „bye bye“ ist. Oder vielleicht wiederum nicht. Im Übrigen weiß ich nicht, wie er „Zé“ ausspricht. Wie das „ze“ in „Zebra“ oder das „s“ in „Salbei“? Muss ihn mal fragen.
Zé und ich haben jedenfalls einiges gemeinsam und einiges nicht gemeinsam.
Zu den Gemeinsamkeiten: 1.) Wir sind beide langjährige Migrantler in Deutschland. 2.) Wir wohnen beide in München, Schwabing (obwohl er mittlerweile nur noch seine Datscha in München hat). 3.) Mein Zahnarzt (bei dem ich heute war) hat seine Praxis auf derselben Straße, wo Zé wohnt. Sein Zahnarzt hingegen hat seine Praxis auf der Fortsetzung meiner Straße. 4.) Und schließlich: Wir sind beide Schriftsteller, für die Deutsch eigentlich eine Fremdsprache ist.
Nun zu den Unterschieden: 1.) Ich bin gebürtiger Amerikaner mit englischer Muttersprache. Zé stammt aus Brasilien, also mit Muttersprache Portugiesisch. Aber halt! Zé bezeichnet Portugiesisch zwar als Muttersprache, er stamme aber – zumindest teilweise – von deutschen Vorfahren. In Brasilien kam er auch in näherem Kontakt mit dem heimischen dt. Dialekt „Catarinisch“, was offenbar auf eine altertümliche Art Deutsch basiert ist – wie wohl das Amische in Pennsylvania.
Ääämm…d.h., wenn es Catarinisch überhaupt gibt. Ich habe den Begriff nämlich gegoogelt und bin ausschließlich auf Seiten gestoßen, wo Zé selbst darüber berichtet. Ich geh aber davon aus, dass er diese Sprache nicht erfunden hat.
2.) Zé hat eine eigene Orthographie fürs Deutsch aus dem Boden gestampft und nennt sie „ultradoitsch“. Seine bereits erschienenen Bücher wurden nach dieser Art geschrieben. Ich empfehle Ihnen, die Bücher zu googeln. Sie werden schnell fündig. Er schreibt übrigens s e h r witzig…und mit Tiefgang. Zé ist freilich nicht der erste, der sich eine eigene Orthographie ausgedacht hat. So was war wohl früher gang und gebe. Ich bin überzeugt, dass Grimmelshausen ganz ohne spellcheck gedichtet hat. Hier jedenfalls ein Beispiel des ultradoitsch:
„Der mensch mag halt spilen. Ich find auch, di lerer konzentriren sich zu oft auf di gramatik, statt auf das sprechen. In 3 wochen Russland hab ich vil mer russisch gelernt als in eim jar russisch-kurs. Ich hab grammatisch alles falsch gesagt, aber ich konnte immerhin geschichten und witze erzälen, was ich ni könnte, nach dem kurs. Nach dem kurs konnt ich dekliniren, konjugiren aber mein wortschatz begrenzte sich vileicht auf 20 wörter, di hälfte davon völlig unwichtige wörter, wi sessel, apfelbaum und gazelle.“
Nebenbei: Guter Tipp fürs Sprachenlernen.
3.) Anders als Zé halte ich mich streng an der dt. Orthographie, preise sogar ihre Klarheit und Logik. Das „Groß- und Kleinschreiben befriedigt mein Bedürfnis nach Ordnung“, hab ich Zé erklärt.
Seine Antwort: „Man könNte auCh dEn zweIten Buchstaben beI dEn Artikeln grosZ schreIben, beI Präpositionen dEn driTten, beI Adjektiven dEn vieRten, beI Adverbien dEn fünFten, beI Verben dEn secHsten Buchstaben, vorauSgesetzt natüRlich, dAs Wort ist lanG genuG... dann wüsstE man immeR, um welche graMmatikalischen Klasse es sich geraDe handeLt...“
Sie sehen: zwei Früchte des Schriftstellerbaums. Das Schöne an diesem Baum: Jede Frucht schmeckt anders.
Gell, Zé. Hmm. Er scheint nicht mehr da zu sein. Aber warten Sie: Er hat einen Zettel hinterlassen. Hmm. Darauf steht – was sonst? – „ba ba“.
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