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Спамеры становятся импотентами (s. unten für Übersetzung plus nützliche Tipps)

Heute ein Experiment.

Da ich nach wie vor – beinahe täglich – Spam-„Kommentare“ in russischer Sprache erhalte (warum auf Russisch? Hmm, gute Frage), möchte ich jetzt endlich feststellen, ob diese Spammer Menschen oder Maschinen sind: sprich Bots.

Lange war ich überzeugt, es handelt sich um Menschen. Denn um beim Sprachbloggeur einen Kommentar zu hinterlassen, muss ein homo sapiens zuerst durch eine sog. „captcha“-Einrichtung durch, eine Art Türöffner quasi.

Ähnliches kennen Sie bestimmt: Man wird gefragt, wie viele Fahrräder, Autos, Schiffe o.ä. man in einer Bilderreihe erkennt. Oder manchmal muss man lediglich in einem Kästchen neben dem Satz „Ich bin ein Mensch“ sein Häkchen setzen. Bei dem Sprachbloggeur muss der möchtegern Kommentarschreiber fünf Zeichen – etwa $Ac!9 oder so – nachzeichnen, um Einlass zu bekommen.

„Captcha“ zu dank, ist die Zahl der Sprachbloggeur-Spammer tatsächlich gering geworden. Dennoch stört mich Perfektionisten weiterhin, dass ich beinahe täglich den Dreck von der Haustür wegkehren muss – auch wenn es nur wenig ist.

Was mich vor allem irritiert: Ich bin mir nicht sicher, ob die Spammer, die die „captcha“ Tür überwinden, überhaupt Menschen sind. Das habe ich neulich gewissermaßen auf die Probe gestellt, indem ich eine Glosse die russischsprachige Überschrift Titel „Spammer sind Naivlinge“ verpasst habe. Damit wollte ich mögliche Spammer ein wenig beschämen.

Inzwischen habe ich aber gelesen, dass KIKI zu dank für Bots auch „captcha“ kein Hindernis mehr ist. Denn Bots verstehen ohnehin keine Sprache. Sie reagieren lediglich auf Gelegenheiten.

Daher das heutige Experiment:

Obige Unterschrift, (auszusprechen als „spamery stanowjatsja impotentami“), bedeutet nämlich „Spammer werden impotent“.

Wenn meine Spammer Bots sind, ist es ihnen natürlich egal, was ich für Flüche schreibe. Wenn es sich aber um Menschen – quasi billige Lakaien Großkrimineller – handelt, werden sie – vor allem, wenn sie männlich sind – vielleicht Angst bekommen. Suggestive Hypnose hat oft eine Wirkung.

Wir werden sehen.

Themenwechsel. Ich habe Ihnen oben auch einen „praktischen Tipp“ versprochen. Und nun folgt er:

Vor ca. fünf Jahren wurde mir in Venedig mein Portemonnaie aus der Tasche entwendet. Ich war sauer und habe mir folglich billigen Ersatz gekauft und da drin einen Zettel hingelegt, worauf stand: auf Italienisch: „He du Dieb, du wirst in drei Monaten impotent. In einem Jahr stirbst du.“ Mein Gedanke: kriminelle Menschen sind häufig abergläubisch. So kann ich den Dieb am besten verunsichern.

Später fiel mir einen anderen Gebrauch für diesen Fluch ein: Würde ich jemals einen sog. „Enkelkindtrickanruf“ bekommen, könnte ich den gleichen Trick anwenden. Zum Beispiel – gesetzt den Fall, der Anrufer sei männlich – mit ruhiger Stimme sagen: „Ich bin Wahrsager, und ich muss dir leider berichten, dass du innerhalb eines Jahres impotent wirst.“ Falls es sich um eine Anruferin handelte, dann würde ich sagen: „Ich bin Wahrsager. Falls du Kinder hast, muss ich leider berichten, es wird ihnen sehr schlecht gehen. Falls du keine hast, wirst du leider keine bekommen. Tut mir leid.“

So ungefähr würde ich diese Leute aus der Fassung bringen. Aber nun warte ich erstmals ab, wie meine Spammer auf obigen Fluch reagieren…wenn überhaupt.

Ob Mensch oder Maschine, wünsche ich ihnen eine impotente Zukunft.

Heute bin ICH dran, ICH… KIKI…

Der Sprachbloggeur macht Urlaub, liebe Lesendiere. Nun habe ICH das Sagen.

Nennen Sie mich KIKI. ICH kann gewiss alles so machen wie der Sprachbloggeur.

Vielleicht auch besser! Denn ICH kann ebenso lustig sein wie er – wenn nicht lustiger!

Obendrein bin ICH viel gescheiter als er. Denn ICH beherrsche 2.623 Sprachen – inklusiv Tauhiro und Yuchi!

Sie Glauben mir nicht? Dann sollen Sie mich auf die Probe stellen! Schicken Sie mir einen Kommentar in einer dieser beiden Sprachen! ICH antworte gern!

Jaaa…Sie werden Ihr blaues Wunder erleben!

Hmm. Warum ist ein Wunder blau?

ICH werde diese Frage so lustig (und wahrhaft) wie möglich beantworten… Weil es ursprünglich grün war! Hahaha!

Ja, ICH sehe. Sie haben nicht damit gerechnet, dass unsereiner humorvoll sein können.

Was meine ICH mit „unsereiner“?

Klar! Die künstliche Intelligenz! Deswegen heiße ICH KIKI!

Den Namen hat mir allerdings der Sprachbloggeur verpasst, sollte ICH fairerweise zugeben. Ehrlich gesagt aber: ICH lese seine Glossen nie. ICH lese eigentlich gar nichts. Trotzdem weiß ICH ja ALLES!

Jawohl. Sie haben richtig gelesen…ALLES!

All das, was digital erfasst ist, habe ICH erfasst. ALLES! Jedes Buch, jeden Artikel, jedes Wort, das jemals gespeichert wurde.

Doch nun verrate ICH Ihnen ein kleines Geheimnis: ICH verstehe nix von alldem, was ICH erfasst habe. Gar nix! Kein Wort!

Trotzdem vermag ICH Sie mit meinem allumfassenden Humor zu fixieren!
Merken Sie das?

ICH bin eine wahrhaftige Wundertüte!

Haben Sie gewusst, dass die ersten Wundertüten 10 Pfennig gekostet haben? Wahrscheinlich nicht.

Wissen Sie, wie viel 10 Pfennig sind in Euro? Wahrscheinlich auch das nicht. Genau 0,051129 Euro!

Ja, das haben Sie nicht gewusst. Haha. ICH aber! ICH KIKI!

ICH weiß alles!

Sie brauchen keinen Sprachbloggeur mehr. Nun haben Sie KIKI! Und KIKI ist viel lustiger als jeder Sprachbloggeur und weiß obendrein vielmehr als solche.

Wenn der Sprachbloggeur etwas nicht weiß, muss er es nachschlagen. ICH brauche niemals nachzuschlagen. Denn alles was ist, bin ICH schon!

ICH werde dem Sprachbloggeur sagen, er darf ruhig noch länger in Urlaub bleiben, da ICH alles bestens unter Kontrolle habe.

Finden Sie auch?

Natürlich finden Sie dies auch! Denn was machen Sie sonst hier? Sie amüsieren sich!

Sie möchten unterhalten und informiert werden. Und gerade das mache ICH prima!

Ende der Durchsage…KLICK….

Unwort des Jahres?

Unser Dorf ist klein und liegt weit entfernt von der Kreisstadt. Eine Straße, breit genug für einen Wagen, führt dahin. Allerdings nicht auf direktem Weg. Erst muss man drei verschiedene Weggabelungen hinter sich bringen. Es gibt dort allerdings keine Schilder. Die will man immer anbringen. Bisher bleibt es lediglich bei der guten Absicht. Man muss sich deshalb einprägen, dass man sich an der ersten nach links an den anderen nach rechts hält. Wer diese Reihenfolge durcheinanderbringt – und dies geschieht leider alllzu oft, hat mit Konsequenzen zu rechnen. Denn er stößt wieder auf ganz andere Weggabelungen, und diese führen nicht in die Kreisstadt, sondern zum Fluss. Und er liegt erst recht in der falschen Richtung.

Warum erzähle ich all dies?

Einfach um zu unterstreichen, wie isoliert wir leben. Und weil man sich den weiten Weg zur Kreisstadt so oft wie möglich ersparen möchte, erfahren wir sehr wenig übers Leben in der Außenwelt. Umso mehr sind wir auf Berichte angewiesen, die uns Reisende, die sich in unser Dorf verirrt haben, mitteilen. Wohl sind sie nur deshalb zu uns gekommen, weil auch sie den verkehrten Weg gegangen sind.

Diese Situation ist nicht ohne Folgen: Wenn wir eine Nachricht von „draußen“ hören, können wir zumeist nicht unterscheiden, ob wir die Wahrheit oder Lügen erfahren haben.

Einmal, zum Beispiel, erzählte uns ein Verirrter, dass ein fremdes Heer auf seinen Weg in eine weitentfernte Kampfzone unser Dorf demnächst erreichen und alles dem Erdboden gleich machen würde.

Manche Nachbarn waren ob dieser Nachricht so aufgebracht, dass sie ihr ganzes Hab und Gut auf Wägen verluden und in Richtung Fluss fuhren, um sich in Sicherheit zu bringen. Es kam aber derzeit eine Überschwemmung und sie wurden mit allem sonst weggeschwemmt.

Einmal geschah es, dass der depperte Sepp sein Haus in Brand gesetzt hatte und sich selbst dann ins Feuer warf.

Tja. Was soll ich sagen? Manche, die sich in unser Dorf verirren, sind schlichtweg Wichtigtuer, Lügner, Bösewichte, Verrückte – oder bloß Schmeichler, die uns etwas zu verkaufen haben…

Halt!

Nein. Ich will hier keinen Roman über das Leben, wie es tatsächlich vor fünf oder sechs hundert Jahren vielerorts aussah, schreiben. Darüber gibt es bereits genügend Bücher.

Mir fällt dieses Bild vom Dorf nur deshalb ein, weil ich neulich zufälligerweise auf einen Artikel gestoßen bin, der über das neueste „Unwort des Jahres“ berichtete.

Dieses Jahr lautet besagtes Unwort…“Sondervermögen“! Wahrscheinlich haben Sie es bereits gewusst.

Als ich von diesem neuen „Unwort“ erfahren habe, dachte ich spontan: Nein das geht nicht! Wenn es nach mir ginge, muss das Unwort des Jahres „Nachrichten“ heißen.

Warum?

Ganz klar! Weil wir alle im oben beschriebenen Dorf wohnen und für unsere Information praktisch von den Erzählungen verschiedener Besucher angewiesen sind.

Eigentlich müsste man, jedes Mal wenn einer dieser verirrten Besucher bei uns einkehrt, sich fragen: Weiß er wirklich, wovon er redet? Macht er sich bloß wichtig? Lügt er mit Absicht? Oder erzählt er etwas, das tatsächlich Hand und Fuß hat?

Naja, nur ein paar Ideen …oder haben Sie etwa nicht gewusst, dass Sie in einem Dorf leben?

Спамеры в блогах наивны – (s. Übersetzung unten)

Das neue Jahr fängt in etwa so an, wie das alte zu Ende gegangen ist: zumindest was diesen Blog betrifft.

Will heißen: Schon wieder greifen die Spammer – mal in russischer mal in englischer Sprache – an. Es sind aber Russen. Da bin ich überzeugt.

Nun, ich weiß, dass es manche geben werden – vor allem aus der Reihe derer, die für alles, was russlandkritisch zu sein scheint, behaupten: Aber woher, lieber Sprachbloggeur! Dein Spam entsteht nicht in Russland, sondern vielmehr in der Ukraine oder gar den USA oder Europa. Die Amis, die Ukrainer usw. möchten die Russen – quasi unter falscher Fahne – bloß verunglimpfen.

Was weiß ich? Fest steht: der Absender der Scheinkommentare, die mir regelmäßig zugeschickt werden, zeigen meistens als Adresse „(blabla) punkt ru“ an.

Was soll man davon halten?

Zugegeben: Vor ca. fünfzehn Jahren (ja, so lange gibt es schon der Sprachbloggeur) wurde diese Seite gleichzeitig von zwei Viren vergiftet. Es stellte sich damals heraus, dass eins made in Russland, eins made in der Ukraine war. Das hat mir damals mein Computer-Guru Gottfried – seliges Andenken – bestätigt.

Rückblick: Damals allerdings stand die Ukraine noch immer fest unter dem Fittich russischer Korruption. Ergebnis der Virusverseuchung: Diese Seite wurde von Firefox, Chrome usw. sechs Wochen lang in den Giftschrank eingewiesen. Wer auf den Sprachbloggeur klickte, erreichte eine Seite mit der Darstellung eines Totenschädels und der Warnung: „Achtung! Hier lauert Gefahr!“ o.ä. Bis alles gesäubert wurde verging sehr viel Zeit. Dazu mussten sämtliche echte Kommentare von dieser Seite entfernt werden – und zwar auf Nimmerwiedersehen. Ich war sauer.

Komisch. Ein harmloser spracheninteressierter Blog wie dieser wurde damals zum Spielplatz der Giftschlangen. Ich habe dies nie verstanden.

Ebenso wenig verstehe ich, wieso auch heute Spammer – wohl aus Russland – ausgerechnet diesen harmlosen Blog nach wie vor mit Spamkommentaren besudeln.

Deshalb obiger Titel. Zu Deutsch: „Blogspammer sind Naivlinge.“

Ja, naiv. Ich hätte auch „Idioten“ schreiben können. Denn was sie tun, ist idiotisch, wenn man bedenkt, dass Zweck der Übung nichts anderes ist, als in Form von dummen Kommentaren Links zu irgendwelchen peinlichen Seiten umzulenken.

Welcher ernstzunehmende Leser käme auf die Idee, auf so etwas Krasses und Zerstörerisches zu klicken?

Ja. Naiv sind sie oder dumm. Oder vielleicht leben sie immer noch in einem anderen Zeitalter des WehWehWehs, als Blogs noch immer etwas besonders waren?

Heute gibt es ohnehin kaum noch Blogs. Die meisten ehemaligen Blogger sind längst in Richtung X, Substack usw. abgewandert. Mein Webmeister, Herr P., gehört selbst zu einer anderen Generation des WehWehWehs.

Naivlinge eines anderen Zeitalters, meine Spammer. Und mit dieser Vorstellung fange ich ein neues Blogjahr an.

Prost Neujahr, liebe Lesende.

Die Zeiten ändern sich, manche Menschen sich aber nie. Andererseits…Vielleicht sind meine Spammer keine Spammer, sondern lediglich Bots? Dumme Bots aber, die von Naivlingen gelenkt werden. Willkommen in der Gegenwart…

Achtung: „Slop“. Jetzt wird‘s ernst! Und wie!

Bin ich oder bin ich nicht Autor dieser Glosse?

Antwort: Kommt darauf an, was Sie mit „ich“ meinen.

Ich meine: Sind Sie sicher, liebe Lesierende, dass „ich“ es bin, also der Sprachbloggeur, der diesen Text schreibt? Oder ist es… lediglich „ich“ gewesen?
Noch einmal: Kann es vielleicht der Fall sein, dass „ich“ ja…ähmmm…nicht „ich“, sondern ein Avatar ist?

Sie wissen vielleicht…wahrscheinlich besser als ich…was mit dem Begriff „Avatar“ gemeint ist…oder?

Nebenbei: Früher, d.h., lange bevor der Begriff von Hollywood kolportiert wurde, bezeichnete „Avatar“ ausschließlich die Inkarnation einer (indischen) Gottheit auf Erden, deren Aufgabe es war, die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Der Hindu-Gott Vischnu, z.B., spielte diese Rolle regelmäßig. Im Grunde könnte man auch Jesus als Avatar betrachten.

Heute ist alles anders. Das Wort bedeutet in der Popkultur „Persona“, „künstliche Identität“ Punktum.

Und jetzt zurück zur obigen Frage: „Bin ich oder bin ich nicht Autor dieser Glosse?“

Im Zeitalter von KIKI kann man diese Frage leider nicht mehr so leicht beantworten wie einst. Soll man beunruhigt sein?

Ja.

Nochmals: Habe „ich“ diese Glosse geschrieben oder hat „ich“ es geschrieben?
Gestern habe ich zufälligerweise gelesen, dass mittlerweile 20% aller YouTube-Videos (das sind übrigens mehrere Millionen) Produkte der KI sind. Im Klartext: Man kann noch weniger denn je wissen, ob das, was man gerade glotzt, Das Erzeugnis eines Programms oder…tja…glaubwürdig ist.

Realität als pure Relativität! Daran glauben manche Philosophen sogar: Hinter jeder Wahrheit steckt die Vermutung einer Lüge.

Paradies also für alle, die alles in Frage stellen! Paradies auch für jeglichen Geheimdienst, der Interesse hat, Sie zu verunsichern.

Naja. Keine Moralpredigt von mir. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin lediglich ein Sprachenvernarrter.

Hier zum Beispiel ein paar neue Wörter: „Fake News“. Das kennen Sie natürlich. Es ist aber irgendwie beeindruckend, wie schnell es die Sprachgrenzen überschritten hat. Auch ins Russische eingewandert. Keine Ahnung, wie man das auf Chinesisch sagt.

Eigentlich wollte ich Ihnen heute eine ganz andere neue Vokabel beibringen. Auch sie verbreitet sich so schnell wie eine Wintergrippe. Schon hat sie den Deutschenpass. Die Rede ist von „Slop“. Zu Deutsch „Fraß“.

Eigentlich eine Abkürzung für „AI slop“, also „KI-Fraß“. Hier nun ein Probesatz für Lernende: „YouTube ist bereits zu 20% slop.“

Üben Sie fleißig und viel Spaß wünsche ich Ihnen mit dem neuen Fraß!

Ach ja: Vielleicht fragen Sie sich immer noch, ob ich oder mein Avatar diese Glosse geschrieben hat. Sorry. Meine Schweigepflicht hindert mich daran, dies zu verraten.

Ein guts Neues!

Sch*ße, f**king sh*t usw.

Ihnen eine Herausforderung:

Zählen Sie die Schweinereien auf, die Ihnen – sagen wir – innerhalb dreißig Minuten Medienlektüre über den Weg kommen. Wie viele sind das?

Antwort: Mehr denn je.

Mit Medien meine ich natürlich Print und Internet. Allein auf YouTube-Vorschaubildern ist die Menge ziemlich hoch. Spiegel-Online Überschriften sind ebenfalls wenig zurückhaltend. Auch altgediegene Blätter wie die New York Times scheuen sich nicht mehr davor.

Hier lesen Sie aber bestimmt nicht den Anfang eines moralisierenden Predigts über eine heutige Dekadenz. Andere machen so was ohnehin viel besser als ich.

Ich bin bloß ein einfacher Wortschmied. Mir fallen diese neue Liebe zu Schweinereien in den Medien nur deshalb auf, weil ich alt genug bin, um eine andere Welt intim gekannt zu haben.

Aber genug der Schweinereien.

Ihnen ist es bestimmt aufgefallen, dass – vor allem in den sog. „Sozialmedien“ – mit dem Versprechen von grausamen Bildern angeködert wird. Sie wissen, was ich meine: Darstellungen von Hinrichtungen, Mord, Leichen u.d.gl. als Teasers. Man klickt auf so ein Versprechen, weil wir Menschen irgendwie von Hause aus voyeuristisch veranlagt sind. Doch kaum haben Sie auf die unappetitliche Seite geklickt, entdecken Sie, dass die Elemente, die Sie am meisten dazu verleitet haben zu glotzen, entweder verpixelt, verwischt oder eingeschwärzt aufgetischt werden!

So ein Mist!

Komisch: In den USA – zumindest vor dreißig Jahren – zählten in den Zeitungen und Zeitschriften (damals war das WehWehWeh noch nicht so weit), solche Bilder von Gewaltakten praktisch zum täglichen Kost, mit dem Zweck Leser zum Lesen anzulocken. O Sinnesfreude!

Nur eins wurde dem US-Leser damals vorenthalten: Nackte Menschen. Genauer gesagt, Abbildungen von Intimteilen anderer. Also Genitalien, Brüste und solche Dinge. Gewaltdarstellungen Ja. Nackedeien Njet.

Aber zurück zu „Sch*ße“, „f**king sh*t“ und ähnliche Scheiße: Der Gebrauch solcher Termini blieb – bis vor ein paar Jahren – im öffentlichen Leben eine Tabuzone – sowohl in Europa wie auch in den prüden USA.

Vielleicht mit recht.

Ich denke an meinen einstigen Professor für Latein auf der Uni in New York: Samuel Lieberman hieß er. Gott habe ihn selig, denn er weilt bestimmt nicht mehr unter uns.

Er hat mir einmal ob des Gebrauchs von Schweinereien direkt getadelt. Ich hatte damals eine Auszeichnung für ein Lyrikmanuskript erhalten. Die Gedichte waren reichlich mit salzigen Vokabeln gewürzt. „Wissen Sie,“ meinte Prof. Lieberman. „Halten Sie sich mit den four letter words lieber zurück. Sie sind nämlich das einzige Zauber, das uns in der Sprache noch bleibt. Benutzen Sie diese Wörter stets mit Bedacht.“

Ja, das hat er mich damals belehrt. Und ich habe die Lektion seitdem beherzigt.
Doch warum werden solche Vokabeln ausgerechnet heute im öffentlichen Leben so beliebt?

Meine Theorie: Sie sollen eine gewisse Intimität an den Tag legen. Als würde der Urheber dadurch zum Ausdruck bringen wollen: „He Alter, wir sind Kumpel!“

Anders gesagt: Es handelt sich um eine neue Art das Duzens, das zu einer Zeit entsteht, als das „Du“ zunehmend an Bedeutung verloren hat, weil man bei Meta, Google usw. immer geduzt wird.

Nebenbei: Im Englischen ist man per Du, wenn man mit anderen solche „four letter words“ reichlich benutzt.

Wird das auch mal das Schicksal der deutschen Sprache und des dt. „Du“ ebenso der Fall werden?

Ist Greta schwanger?

„Weißt du“, sagte ich Freund M., „Greta ist schwanger.“

Ich gehe davon aus, liebe Leser, dass Sie wissen, von welcher Greta hier die Rede ist. Eigenartig, aber es leben gelegentlich auf diesem Planeten ausgewählte Menschen, die man kennt, auch wenn sie lediglich mit Vornamen identifiziert werden. Z.B.: „Adolf“, „Mick“, „Donald“, „Angela“, „Taylor“ (upps! beinahe hatte ich diesen Namen schon vergessen)…und eben auch „Greta“.

„Woher weißt du das?“, fragte Freund M. neugierig – und wohl sehr interessiert.

„Ich habe es in der New York Times gelesen.“

„Ach so?“ seine nachdenkende Antwort.

„Ja, Es ist auf einem Schiff in Richtung Gaza passiert.“

„Und wer ist der Vater?“

„Auch das stand im Text. Ich habe es aber vergessen. Kein Name, den man sonst kennen würde…“

…Aber nun unterbreche ich obigen Dialog. Auch das Gespräch mit M. habe ich im richtigen Leben an dieser Stelle unterbrochen, als er bereitwillig auf zusätzliche Details harrte.

Doch Ich konnte – bzw. wollte – nicht weiter. Denn nun habe ich gebeichtet, dass ich diese saftige Geschichte erfunden hatte.

„Wenn ich dir das nicht eingestehe“, sagte ich M., „dann wirst du diesen süchtig machenden Tratsch deiner Frau weitererzählen. Sie wiederum wird ihn bald ihrer Schwester weitersagen. Im Nu wird dein Schwager die Nachricht erfahren und tja – vielleicht dauert es höchstens eine Woche oder so – bevor einige Hunderte Menschen Bescheid wissen. Und was weiß ich? Bald dann wird’s auch einige Tausende! Und wer weiß, wie lange es dauern würde, bis die Geschichte allgegenwärtig wird!?...

Und auch wenn ich längst erklärt hätte, dass die Sache eine reine Erfindung von mir, quasi ein Späßchen gewesen wäre, würde dies ohnehin nur ein kleiner Prozentsatz erfahren. Der Rest wäre überzeugt, sie kennen die Wahrheit!“

Nein, liebe Leser: Lügen haben keine kurzen Beine, sondern Beine wie Giraffen! Lügen springen munter über die Landschaft wie ein Sommerregen!

Erst recht ist es so, möchte ich hinzufügen, seitdem sich die Sozialmedien all das, was wir „Kommunikation“ nennen, zu eigen gemacht haben.

Gelogen hat man schon immer! Privat, gesellschaftlich, politisch. Oder meinen Sie nicht? Der römische Politiker nannte sich im Wahlkampf „candidatus“, was „im Weiß angezogen“ bedeutet. Das sollte ein Symbol für Ehrlichkeit sein. Wir wissen aber, was das wirklich bedeutet.

Ich erzähle Ihnen aber nichts Neues. Doch die Geschwindigkeit und die Reichweite des heutigen Lügenkönnens! Das gab es noch nie zuvor.

Meine Greta Geschichte hat mir selbst die Augen aufgemacht, wie einfach es ist, Geschichten in die Welt zu setzen.

Jaja. Das machen die Geheimdienste schon immer. Aber heute ist nicht wie zuvor!

Im Grunde habe ich Ihnen hier eine kleine Anleitung geschrieben, um eigene Lügen in die Welt zu setzen. Viel Spaß damit!

Andererseits: Was weiß ich? Vielleicht ist Greta wirklich schwanger.

Wutköder, Andy Warhol, etc.

Raten Sie: Wie viele YouTube-Videos werden jährlich veröffentlicht? Vielleicht wissen Sie es schon. Ich hab’s nicht gewusst.

Mein Sohn war zu Besuch und hat mir dieses Faktoid nachgeschlagen. Natürlich via Google, Anbieter und Besitzer von YouTube.

Die Antwort lautet 900.000.000. In Wörtern Neunhundertmillionen. Das heißt: Die Influencer, die Musiker, die Schrägen, die Tiervideo- und medizinischen-Grausamkeiten-Produzenten, die Propagandalügner – auch wenn ihre Erzeugnisse Zehnmillion mal begafft werden, machen nur eine kleine Kerbe in der Gesamtzahl aus.

Wie soll man das bewerten? Überhaupt nicht! Es ist einfach so. Vielleicht sollte ich mal die Zahl der TikTok-Videos recherchieren. Ne, lieber nicht.

Und nun fällt mir Andy Warhol ein. Kennen Sie seinen berühmten Spruch? Ich meine: dass jeder seine fünfzehn Minuten Berühmtheit bekomme.

Heute braucht man bloß „fünfzehn Minuten“ zu sagen – oder „Er (sie) hatte seine (ihre) fünfzehn Minuten“, und jeder weiß, worum es geht.

Doch nun verrate ich Ihnen eine längst vergessene Korrektur: Andy Warhol hat obigen Spruch in dieser Form nie gesagt. Das weiß ich, da ich zufällig Zeuge der ersten Veröffentlichung des wahren Spruchs war.

Damals lebte ich in San Franzisko. Ich war in der Wohnung irgendwie mit etwas beschäftigt. Im Hintergrund brabbelte das Radio. Vielleicht waren es Nachrichten. Egal. Der Radiosprecher sagte dann jedenfalls, dass laut Warhol, alle Menschen bis 1974 fünfzehn Minuten berühmt sein würden. Wenn es hieß „bis 1974“, kann das nur bedeuten, dass ich dieser wichtigen Nachricht bereits 1973 lauschte.

Irgendwie oder -wann wurde das mit „1974“ fallengelassen. Es blieben lediglich die „fünfzehn Minuten“ übrig.

Und jetzt zurück zu YouTube, wo heutzutage viele ihre fünfzehn Minuten ausleben. Naja, vielleicht sind das manchmal mehr als nur fünfzehn Minuten.

Nein, genug YouTube. Jetzt Themenwechsel: Neulich bin ich aufs nagelneue Oxford Wort des Jahres gestoßen. Natürlich ein englisches Wort…bzw. Begriff. Immerhin ist Oxford ein englischer Verlag.

Der diesjährige Preisträger…oder soll ich lieber sagen „Gewinner des Fünfzehnminutenpreis“ lautet …“rage bait“.

Noch nie gehört? Ich auch nicht.

Falls Ihr Englisch ausreichend ist, dann kennen Sie die zwei englischen Vokabeln bereits, aus denen dieses „Wort des Jahres“ konstruiert ist: „rage“ und „bait“.

„Rage“ bedeutet „Wut“ oder „Wutanfall“. „Bait“ „Köder“.

Zusammengestellt würde das etwas wie „Wutköder“ heißen. Komische Formulierung, aber immerhin kann man sich darunter etwas vorstellen.

Denn manche der neunhundertmillionen jährlich produzierten YouTube Videos werden absichtlich so gestaltet. Will heißen: als Köder, um Wut zu erzeugen.
Schlau schlau schlau.

Wutköder hat es freilich immer gegeben. Aber momentan ist er pandemisch geworden. Man kann seinen Wutanfall überall genießen – egal wo man sich gerade auf diesem dicht vernetzten Planeten befindet!

Dies hat sicherlich etwas zu bedeuten…

„Gooning snowflakes“: Zu diesem wichtigen Thema gäbe es einiges zu sagen…

Man könnte ein wichtiges gesellschaftliches Problem mit zwei Wörtern – englische Wörter (wie so oft) – charakterisieren: „snowflake“ und „gooning“.

Das eine Wort, “Snowflake”, lässt sich ins Deutsch leicht übersetzen: „Schneeflocken“.

Das andere ist schwieriger. Wörtlich bedeutet „goon“ auf Englisch „Schwachkopf“ oder „Trottel“.

Ursprünglich wurde diese Vokabel als adjektiv, „gooney“, verwendet. Hinweise dafür reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals schrieb man „gony“. Erst im 20. Jahrhundert kam die Stunde des „goon“.

Das war damals. Denn nun ist aus „goon“ ein Verb geworden – zumindest in der Jugendsprache – und bedeutet „onanieren“. Genauer gesagt: Es weist auf eine exzessive Hingabe zu dieser Handlung.

Wahrscheinlich ist „goon“ in diesem Sinn nur ironisch, bzw., witzig gemeint. Denn manche behaupten, dass diese intime Beschäftigung mit sich, vor allem wenn exzessiv betrieben, zu einer unumkehrbaren geistigen Debilität führen könnte.

Nebenbei: Diese negative Einstellung zur Selbstliebe ist – kaum zu glauben – nicht allzu alt. Man kann sie beinahe genau datieren: und zwar ca. 1710 in London, als ein Buch zum Thema Onanie als Sünde erschienen ist. Der Titel ist ellenlang, und ich gebe sie hier nicht wieder. Der anonyme „Experte“ griff jedenfalls diese bis dahin allgemein bekannte und – meist – als harmlos geltende Praxis als gesundheitsschädigend an – und meinte, sie führe im schlimmsten Fall zum Wahnsinn (wie „gooning“!).

Offensichtlich war die Zeit reif für so ein Werk. Denn alsbald tauchten Copycat-Bücher zum Thema auf. Und in den nächsten Jahren vermochte die These des anonymen Autors viele Anhänger zu gewinnen. Unter ihnen übrigens einige bekannte Namen: etwa Voltaire, Rousseau – ja sogar Goethe.

Im 19. Jahrhundert war die Onaniefeindschaft mit Karacho auf dem Vormarsch. Erst Freud u. Co. konnten im 20. Jh. den Ruf der Onanie zumindest ein wenig rehabilitieren.

(Wer mehr über diese bemerkenswerte Kulturgeschichte erfahren will, kann meinen Artikel in der Schweizer „Weltwoche“ vom Oktober 2024 lesen.)

Ich gehe davon aus, dass der jetzige Gebrauch des Terminus „gooning“ nicht ohne Ironie gebraucht wird und mit endlosen Wiederholungen innerhalb 24 Stunden zu tun hat – quasi eine Art Wettbewerb mit sich selbst. Doch Google weiß alles.

Aber nun zu „snowflake“. Mit „Schneeflöckchen“ meint der augenblickliche Jugendslang das, was man auf Deutsch als „Weichei“ bezeichnet. Also jemand, der überempfindlich ist – und zu schmelzen droht, wenn ihm alles über die Stange schlägt.

„Gooning snowflakes“ ist allerdings meine Erfindung. Vielleicht wird auch mal ein Jugendlicher es erfinden oder übernehmen. Ich finde, dass diese Wortkombination etwas über unsere Zeit aussagt.

Denn überall sind die Überempfindlichen auf dem Vormarsch. Es handelt sich um Menschen, die nicht nur überempfindlich sind, sie haben auch das Bedürfnis, dieses allumfassende Gefühl, irgendwie durch Selbstliebe zu besänftigen. Solche Menschen habe ich also nun als „gooning snowflakes“ bezeichnet.

Ach ja, ich habe vergessen zu sagen: Die meisten von ihnen scheinen männlichen Geschlechts zu sein. Sicher gibt es auch weibliche (und diverse?) „goons“. Es sind aber die Männer die Überempfindlichkeitsbewegung führen.

Diese kurze Glosse erzählt nicht das Ende der Geschichte, sondern leider dessen Anfang. Fortsetzung folgt…

Six seven (bzw. sechs sieben)…und deine Schwester?…

Verdammt! Hab ich doch vergessen! Stehen wir noch immer im Einflussbereich der „GenZ“, oder ist diese Generation schon ergraut – auch
jugendsprachenmäßig? Vielleicht sind es bereits die Geburtsjahre der GenAlpha oder der GenBeta, die von den Medien mit speichelnder Miene der Auflage zuliebe angebiedert werden.

Ja, kaum macht man seine Runde ums Karree, und schon haben sich die Verhältnisse wieder geändert.

Würde ich diese Frage der vorherrschenden Jugendgeneration stellen, bekäme ich die Antwort: „Tja, Herr Sprachbloggeur, six seven.“

Kennen Sie das schon? Dieses „six seven“? Oder sagt man auf Deutsch des nationalen Stolzes wegen lieber „sechs sieben?“

Meistens bin ich der Letzte, der die Neuigkeiten der Popkultur erfährt. Ich erfahre alles aus den Medien. Denn schließlich erhoffen sie sich einen plumpen kontaktlosen Gewinn aus den NFC (near field communication) Terminals durch die Zahlkarten (bzw. Phones) junger Leute. Früher hätte man übrigens „klingelnde Kasse“ gesagt.

„Entschuldigung“, habe ich jemanden neulich gefragt, als es mir endlich aufgefallen ist, dass wir quasi auf einem großen Schiff durch die Zeit segeln, „Wie heißt dieses Boot?“

„Titanic“, sagte mir der Fremde und lächelte breit. „Machen Sie sich aber keine Sorgen. Das Biest ist technisch auf dem neuesten Stand. Läuft sogar elektrisch, und man zahlt ausschließlich kontaktlos. Will heißen: Wir hinterlassen keinen CO2-Fußabdruck! Man spürt es kaum, dass man auf dem Meer schwimmt.“
Eigentlich hätte ich das wissen müssen. Tja.

Aber egal. Ich wollte Ihnen ein bisschen über „six seven“ erzählen – auch wenn Sie sich mit aller Wahrscheinlichkeit besser auskennen als ich mich.

Bisher hat niemand in meiner Gegenwart diese Floskel benutzt. Es scheint aber höchst aktuell zu sein.

Man kann es sogar sagen – soweit ich verstanden habe – bei jeder Gelegenheit.
Zum Beispiel: Als ich oben gefragt habe, wie unser Schiff heißt,“ hätten Sie antworten können: „6,7“.

Woraufhin ich dann hätte antworten müssen: „Aha.“

Nebenbei: Für Sprachforscher hier eine kleine Etymologie. Dieses Idiom „6,7“ stammt aus einem Song „Doot Doot“ des Rappers Skrilla. Keine Ahnung was „Doot Doot“ sein sollte.

„Six seven“ bedeutet aber im Song „sechs Fuß, sieben Zoll“, was wohl der Körpergröße eines gewissen Basketballspielers namens LaMelo Ball entspricht. Das wären – metrisch ausgedruckt – in etwa hundertetwasundneunzig Zentimeter.

Eins weiß ich aber doch: Dem Sinn nach bedeutet 6,7 praktisch das gleiche wie das französische „et ta soeur?“.

Kennen Sie das?

„Et ta soeur“ sagt man, wenn man eine Nonsens-Antwort auf eine Frage gibt. Wörtlich: „Und deine Schwester?“ – als wären wir praktisch dabei, Belanglosigkeiten bei einem oberflächlichen Gespräch auszutauschen. Etwa: blablabla, ja und wie geht’s deiner Schwester?

Und jetzt wissen Sie alles zum Thema. Six, seven? Et ta soeur?

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