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Liebe SpammerInnen, dies hab ich für Sie geschrieben

Beinahe wollte ich – schon wieder – über die Genderpolitik der Sprachpolizei schreiben. Kommt sicherlich wieder, ein Fass ohne BodenIn, aber ich möchte vorerst eine Pause einlegen. Außerdem hätte ich gern ein schniekes deutsches Wort für „Genderpolitik“. Fehlt mir noch. Falls Sie eins kennen, bitte melden Sie sich…

Doch vorläufig noch nicht. Denn das mit der Kommentarfunktion dieser virtuellen Leseseite ist momentan leider schwer erreichbar. Erreichbar schon – aber zuerst müsste ich nach einem richtigen Kommentar regelrecht suchen, um ihn von unter den hunderten – ja, hunderten! – Spamkommentaren herauszufischen. Ja, so viel Spam erhalte ich im Augenblick, und zwar täglich – ja, täglich!

All dies sehen Sie nicht. Sie klinken ein, und alles erscheint Ihnen friedlich, ordentlich…normal – wie im wahren Leben (haha).

Hinter der Kulisse aber sieht es – zumindest momentan – alles anders aus als ordentlich. Seit einer Woche hört das Einspammen nicht auf. Es sind mittlerweile ein paar Tausende gewesen. Mehrmals täglich muss ich die Innenräume dieser Seite vom Dreck säubern. Die „Kommentare“ drängen am Tor und wollen rein. Übernacht sind das manchmal 200 Stück! Es dauert zwar nicht lang, und bald habe ich alle restlos gelöscht. Ich muss aber trotzdem alles kurz überfliegen, falls sich etwas Seriöses in der Masse des Schmutzes begraben liegt. Bin mittlerweile eingeübt.

Besagte „Kommentare“ sind vielsprachig: Polnisch, Russisch, Englisch, Japanisch etc. Ich lese sie natürlich nie, sehe nur die Überschriften. Hier ein paar Beispiele:

Włókna nie wierzy na to, ażeby sektor mobile w Polsce skończył
Nic nie radzi na więc, aby targ mobile w Polsce przerwał
Знакомства для брака и серьезных отношений
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Alles klar? Mein lieber Freund M. sagt, dass das Polnisch zum Teil Fantasiepolnisch ist. Ich kann das fürs Englische bestätigen.

Mein lieber Blogkollege Gorg von „Lustwort“ hat mir Mut gemacht. Er meint, die „Kommentare“ müssen zuerst durch ein „Captcha“-Tor durch, bevor sie mein heiliges Territorium betreten können. Da ich sie lösche, bleiben sie stets draußen vor dem Tor.

Mein langjähriger, geschätzter Internetguru G. meint, dass mein Administrator die Feuerwall dicht machen müsse, so dass die Spammer nach und nach erkennen, dass sie mit einer Veröffentlichung ihrer Texte bei mir nicht rechnen können. Denn schließlich verdienen die Spammenden Ihr Geld dadurch, das sie…äähm…“Dienstleistungen“ anderer an die MannInnen bringen.

Ich bleibe also zuversichtlich. Es ist ohnehin nicht das erste Mal, dass diese Seite von hirnlosen AngreiferInnen überfallen wird. Aber so ist das Leben im WehWehWeh, gell? Auf Englisch sagen wir: „If it’s too hot for you, get out of the kitchen!”

Nein, es wird mir nicht zu heiß. Das WehWehWeh ist gleichsam eine große Gemeinschaftsküche, wo jeder sein eigenes Süppchen kochen will.

Außerdem weiß ich, dass meine SpammerInnen nix Persönliches gegen mich haben. Ich bin bloß Zufallszielscheibe. Sie ahnen nicht, welch hehre Dinge, sie zu beschmuddeln suchen. Es sind letztendlich kleine Wichte, die ein bisschen Geld verdienen möchten. Das Leben ist teuer, und jeder will auf seine Kosten kommen. Oder?

Trotzdem sind meine SpammerInnen BetrügerInnen. Dafür stehen sie (hoffentlich) auf dem untersten Grad dieser Gattung. Schlimmer sind diejenigen, die verdatterte alte Menschen anrufen, um ihnen auszunehmen.
Diese HandlangerInnen sind meistens junge Menschen zwischen 18-30, die zu faul oder dumm sind, Geld anders zu verdienen.

Ihre ArbeitgeberInnen, sprich die HinterfrauInnen, leben ganz woanders und wie Göttin im Frankenreich; sie sind wohlhabend, haben Wasserhähne aus vergoldetem Silber im GästInnenbad, fahren große Schlitten, tragen Rolex Uhren und was weiß ich, was sie sonst für Fantasien des Reichtums haben. Letztendlich aber sind sie Erzkriminelle, die elend sterben werden – mit schlechtem Gewissen dazu – wenn sie Glück haben.

Insofern habe ich ein gewisses Mitgefühl für die Dienstleisterin, die ihren Rechner irgendwo – wohl in Polen oder in der Ukraine – einem kriminellen Verband zur Verfügung gestellt hat. Wenn sie Glück hat, wird sie rechtzeitig erwachen und eine andere Tätigkeit suchen. Eines Tages wird sie dann zurückdenken und sich schämen, dass sie so rücksichtslos mit anderen Menschen umgegangen war…zumindest, wenn sie Glück hat.

Mein erster Plan war, einen Dialog zu schreiben: ein Gespräch zwischen mir und meiner Spammerin.

Aber nein, dazu habe ich keine Lust. Denn ich weiß, dass diese MenschIn im Augenblick nichts zu sagen hat.

Wie sagt man „Zigeunerschnitzel“ auf Deutsch?

Sorry. Hier wird über Meghan und Harry und ihre komplizierte Beziehung zum vormaligen Arbeitgeber, Windsor GmbH, nicht berichtet. Hier finden Sie auch nix über Montecito, Kalifornien, einen Ort, den ich übrigens sehr gut kenne, wo die gekränkten Royals a.D. in eine 14mio Dollar Bleibe geflüchtet sind, um ihre seelischen Wunden auszuheilen.

Dafür möchte ich ein anderes Szenario aus der Opferszene präsentieren. Es geht hier um eine Vokabel. Denn schließlich bin ich Sprachbloggeur von Berufung. Besagte brisante Vokabel werde ich aber nur mit Anführungszeichen versehen ausschreiben, damit ich bloß niemanden verletze. Es geht um das Wort…“Zigeuner“.

Folgendes ist geschehen…

Letzte Woche, als ich wie beinahe jeder auf dem Globus der baldigen Ausstrahlung des Interviews mit Familie Sussex entgegenfieberte, erhielt ich eine Mail von einem lieben Freund, den ich hier lediglich als „A“ kennzeichnen möchte. Wenn man über Empfindliches berichtet, anonymisiert man am besten. Sonst droht Unbill. Denn wir leben in gefährlichen Zeiten. Sagt man Falsches, muss man mit einem Schittstorm oder mit noch Schlimmerem rechnen.

„A“ schickte mir eine Mail, die er von…“B“ erhalten hatte. „B“ sollte einen Text aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen, und „A“ bat mich um meine Meinung über die dt. Übersetzung. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich mich ob dieses Auftrags sehr geehrt gefühlt habe. Denn normalerweise läuft es andersrum: Man bittet mich um eine Übersetzungshilfe vom Deutsch ins Englische! Kann es sein, dass ich …nach so vielen Jahren…in die dt. Sprache…endlich „arriviert“ bin?

Wie dem auch sei. Es ging um die Kindheitserinnerung eines Menschen, der in seiner nichtenglischen Heimat die vorbeiziehenden „Gypsy wagons“ bewunderte. Die Frage an mich lautete: „Wie kann man „Gypsy wagon“ am besten ins Deutsch übersetzen, ohne das die dt. Übersetzung Gefühle verletze.

Ich habe mir prompt und gewissenhaft Gedanken darüber gemacht. Denn ich weiß, dass das deutsche Wort…nennen wir es das „Z“-Wort als nicht mehr salonfähig, bzw., einsetzbar, gilt. An seiner Stelle gebraucht man Termini wie „Roma“ oder „Sinti“.

Die Aufgabe war gar nicht einfach. Denn wie soll ich wissen, ob in besagten „Gypsy wagons“ Sinti oder Roma saßen. Da gibt es nämlich einen Unterschied nicht unwesentlicher als den zwischen Schwaben und Bayern. Schreibt man die falsche Bezeichnung, so könnte einem eine Geschichtsklitterung angelastet werden.

Was macht man also? Eigentlich gibt es nur zwei Alternative: Entweder wendet man sich an den Zentralrat der Sinti und Roma um einen Rat, oder man fragt den Vorsitzenden Google! Da ich nicht allzu viel Zeit mit dieser Angelegenheit verbringen wollte, entschied ich mich für zweitere.

Und zack! wurde ich fündig! Denn gleich bin ich auf den Begriff „die Fahrenden“ gestoßen. Klingt nett, habe ich gedacht und obendrein mit dem Duft des Abenteuers umwoben. Was will man mehr? Keine Diskriminierung, kein Wort mit zweideutigem Stammbaum. Mein Vorschlag war also: Man soll die „Gypsy wagons“ zu „Waggons der Fahrenden“ machen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, klingt meine rasch zusammengeschusterte Lösung etwas holprig in meinen Ohren. Doch besser als nichts, habe ich gedacht. Und man umschifft das politisch Unkorrekte mit Eleganz.

Die erste Reaktion von „B“ war wohlwollend. Doch bald las ich in den Mails zwischen „A“ und „B“ (ich war auf „cc“), dass sie den Begriff als „humorvoll“ betrachteten. Da war ich auf einmal verblüfft. Wo war denn der Humor, fragte ich mich und ahnte – schon wieder – eine Lücke in meinem Feingefühl für die dt. Sprache.

Die Frage stellte ich allerdings nicht. Schließlich bin ich nicht so überempfindlich wie Harry und Meghan oder wie diejenigen, die das „Z“-Wort für verletzend halten.

Wie die Sache zwischen „A“ und „B“ ausgeht, weiß ich nicht. Ich habe keine Mails mehr erhalten. Noch dazu hielt sich meine Neugier in Grenzen.

By the way: Ich verstehe nicht, warum das „Z“-Wort so kränkend sein soll. Früher bin ich davon ausgegangen, dass es von „Zieh-Gauner“ abgeleitet wäre, was wirklich als verletzend gelten sollte. Diese Mutmaßung stimmt aber nicht. Nebenbei: „Gauner“ stammt von „Ioner“ ab. D.h., liebe Hellenen, Sie sollten auf die Palme gehen, damit auch dieses Wort, dieses „G“-Wort, schleunigst aus dem Verkehr gezogen wird! Aber in Wirklichkeit hat das „Z“-Wort nix mit dem „G“-Wort gemeinsam. Das „Z“-Wort ist höchstwahrscheinlich die Verballhornung eines alten Stammesnamens dieses Volkes, das einst aus dem fernen Indien über Persien und die Türkei nach Europa einwanderten. D.h.: das „Z“-Wort wäre quasi den Bezeichnungen „Sinti“ und „Roma“ ähnlich.

Die Sache wird immer komplizierter. Ich will hier aber keine Doktorarbeit schreiben.

Doch jetzt kehre ich zur Frage im Titel dieser Glosse zurück: Wie soll man den „Zigeunerschnitzel“ auf Deutsch umbenennen, um ihm eine Harmlosigkeit zu verleihen? Wenn Sie „Sintischnitzel“ antworten, dann lassen sie die Roma außen vor. Vielleicht „Manoucheschnitzel“. „Manouche“ gilt noch immer als politisch korrekt. Auch „Gypsy Jazz“ ist noch ein erlaubter Begriff. Doch wie lange noch? Aber jetzt reicht es mir.

Vielleicht weiß die Familie Sussex etwas mehr über dieses Thema. Sie scheint Expertise in Sache Verletzbarkeit zu haben.

„Lustwort“ oder „Wortlust“? Einführung in die Gedächtniskunst

Stammgäste dieser Seite wissen, dass ich manchmal auf „Lustwort“, einen Nachbar auf der Blogstraße, hinweise. Diese Straße befindet sich übrigens in einer ruhigen Wohn- und Einkaufsgegend weit vom Zentrum jener regen und zum Teil gefährlichen Stadt namens WehWehWeh.

Sollten Sie meinen Nachbarn Gorg, so heißt der Inhaber des Nachbarwortladens, besuchen, was ich empfehle, sage ihm von mir einen schönen Gruß. Gorg ist m.E. ein viel konsequenterer Bloggist als ich. Er meldet sich mit mal längeren mal kürzeren Beiträgen nur wenn er unbedingt das Bedürfnis hat, etwas mitzuteilen. Er buhlt also nie um Leserschaft. Wer das Glück hat, seinen eleganten Laden zu betreten, wird ein großes, diverses Angebot vorfinden.

Doch nun muss ich Peinliches eingestehen:

Manchmal komme ich mit dem Namen seines Wortladens „Lustwort“ durcheinander. Ich bilde mir ein, es müsste „Wortlust“ heißen…
Was irgendwie logisch wäre. „Wortlust“ signalisiert, dass einer – oder eine – Lust auf Wörter bzw. Worte hat. Oder?

Denke ich hingegen an „Lustwort“, fällt mir zuerst die Vokabel „Lust“ ein, ein Wort, das man zweierlei deuten kann. Man fragt sich: 1.) Geht es hier um Schweinereien? Oder: 2.) Verkündet der Ladeninhaber seine Lust auf Wörter bzw. Worte?

Vielleicht existiert diese Konfusion nur in meinem Kopf. Eines Tages fragte ich den Vorsitzenden Google über den Begriff „Wortlust“ aus. Im Nu erfuhr ich, dass ein URL mit diesem Namen zu erwerben wäre!

Gestern suchte ich wieder nach diesem Begriff. Und siehe da! Jemand hatte den URL gekauft! Diese „Wortlust“ scheint eine Art Erotik-Agentur geworden zu sein. Ich habe die Sache nicht näher untersucht.

Komisch, wie man sich täuschen kann.

Doch jetzt komme ich endlich zum eigentlichen Thema. Ich stellte mir die Frage: Was kann ich tun, damit ich nie wieder „Lustwort“ und „Wortlust“ durcheinanderbringe? Die Antwort ist easy, und sie lautet: Ich brauche lediglich einen Trick der altertümlichen Gedächtniskunst anzuwenden.

Noch nie davon gehört? Der Tradition zufolge wurde diese Kunst von einem gewissen Simonides von Keos erfunden. Er florierte am Anfang des 5. Jh. vor der Zeit und ging in die Geschichte ein als großer Lyriker. Leider haben nur ein paar seiner Gedichte den Zahn der Zeit überstanden. Das wäre für die Menschen der Antike, als würde ich sagen, es gab mal einen Typen namens Goethe. Wir kennen sein Werk aber nur aus einigen Fragmenten. Lediglich ein Gedicht, das mit den Worten „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“ ist noch vollständig vorhanden.

Heute weiß man nicht, wie das Gedächtnislehre Simonides aussah. Die ersten ausführlichen Quellen entstanden in Rom. Das älteste Werk zum Thema heißt „Rhetorik für Herennius“ (Rhetorica ad Herennium) und wurde ca. 80 v.d. Z. verfasst. Man kennt den Autor nicht. Früher meinten die Gelehrten, es wäre wohl Cicero gewesen. Stimmt nicht.

Das Buch wurde extra für Rhetoriker geschrieben, weil die Rhetoriker lange Texte bzw. Plädoyers auswendig lernen mussten. Der unbekannte Autor hat viele praktische Tricks in petto. Alles kann ich in kurzen Worten nicht erläutern. Müssten Sie selbst lesen. Nur einen Trick verrate ich hier. Und den können Sie bestens verwenden, um Begriffe wie „Wortlust“ und „Lustwort“ auseinanderzuhalten. Darüber hinaus ist dieser Trick auch praktisch, falls Sie ohne Einkaufsliste in den Supermarkt vorpreschen möchten.

Es funktioniert folgendermaßen: Das, was man sich einprägen will, muss man bunt und fantasievoll einkleiden. Das heißt: sich ein Bild – ja ein richtiges Bild – ausdenken. Beispiel: Will ich mir einprägen, dass Gorgs Seite „Lustwort“ heißt, stelle ich mir vor, dass Gorg ein Pferd und sein Wortladen ein Pferdewagen ist. Gorg zieht den Wagen von links nach rechts voran. Das heißt: Das Pferd steht näher zum Wort „Wort“ als zum Wort „Lust“. Ich brauche lediglich jedesmal an dieses Bild zu denken, und prompt weiß ich, dass Gorgs Laden „Lustwort“ heißt.

Das wäre nur eine Möglichkeit. Jeder darf sich eine eigene ausdenken. Der anonyme Autor von „Rhetorik für Herennius“ empfielt auch derbe Schweinereien als Bilder, wenn sie helfen, etwas einzuprägen.

Lesen Sie „Ad Herrenium“ selber. So ein Buch vergisst keiner.

„Lustwort“ oder „Wortlust“? Einführung in die Gedächtniskunst

Stammgäste dieser Seite wissen, dass ich manchmal auf „Lustwort“, einen Nachbar auf der Blogstraße, hinweise. Diese Straße befindet sich übrigens in einer ruhigen Wohn- und Einkaufsgegend weit vom Zentrum jener regen und zum Teil gefährlichen Stadt namens WehWehWeh.

Sollten Sie meinen Nachbarn Gorg, so heißt der Inhaber des Nachbarwortladens, besuchen, was ich empfehle, sage ihm von mir einen schönen Gruß. Gorg ist m.E. ein viel konsequenterer Bloggist als ich. Er meldet sich mit mal längeren mal kürzeren Beiträgen nur wenn er unbedingt das Bedürfnis hat, etwas mitzuteilen. Er buhlt also nie um Leserschaft. Wer das Glück hat, seinen eleganten Laden zu betreten, wird ein großes, diverses Angebot vorfinden.

Doch nun muss ich Peinliches eingestehen:

Manchmal komme ich mit dem Namen seines Wortladens „Lustwort“ durcheinander. Ich bilde mir ein, es müsste „Wortlust“ heißen…
Was irgendwie logisch wäre. „Wortlust“ signalisiert, dass einer – oder eine – Lust auf Wörter bzw. Worte hat. Oder?

Denke ich hingegen an „Lustwort“, fällt mir zuerst die Vokabel „Lust“ ein, ein Wort, das man zweierlei deuten kann. Man fragt sich: 1.) Geht es hier um Schweinereien? Oder: 2.) Verkündet der Ladeninhaber seine Lust auf Wörter bzw. Worte?

Vielleicht existiert diese Konfusion nur in meinem Kopf. Eines Tages fragte ich den Vorsitzenden Google über den Begriff „Wortlust“ aus. Im Nu erfuhr ich, dass ein URL mit diesem Namen zu erwerben wäre!

Gestern suchte ich wieder nach diesem Begriff. Und siehe da! Jemand hatte den URL gekauft! Diese „Wortlust“ scheint eine Art Erotik-Agentur geworden zu sein. Ich habe die Sache nicht näher untersucht.

Komisch, wie man sich täuschen kann.

Doch jetzt komme ich endlich zum eigentlichen Thema. Ich stellte mir die Frage: Was kann ich tun, damit ich nie wieder „Lustwort“ und „Wortlust“ durcheinanderbringe? Die Antwort ist easy, und sie lautet: Ich brauche lediglich einen Trick der altertümlichen Gedächtniskunst anzuwenden.

Noch nie davon gehört? Der Tradition zufolge wurde diese Kunst von einem gewissen Simonides von Keos erfunden. Er florierte am Anfang des 5. Jh. vor der Zeit und ging in die Geschichte ein als großer Lyriker. Leider haben nur ein paar seiner Gedichte den Zahn der Zeit überstanden. Das wäre für die Menschen der Antike, als würde ich sagen, es gab mal einen Typen namens Goethe. Wir kennen sein Werk aber nur aus einigen Fragmenten. Lediglich ein Gedicht, das mit den Worten „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“ ist noch vollständig vorhanden.

Heute weiß man nicht, wie das Gedächtnislehre Simonides aussah. Die ersten ausführlichen Quellen entstanden in Rom. Das älteste Werk zum Thema heißt „Rhetorik für Herennius“ (Rhetorica ad Herennium) und wurde ca. 80 v.d. Z. verfasst. Man kennt den Autor nicht. Früher meinten die Gelehrten, es wäre wohl Cicero gewesen. Stimmt nicht.

Das Buch wurde extra für Rhetoriker geschrieben, weil die Rhetoriker lange Texte bzw. Plädoyers auswendig lernen mussten. Der unbekannte Autor hat viele praktische Tricks in petto. Alles kann ich in kurzen Worten nicht erläutern. Müssten Sie selbst lesen. Nur einen Trick verrate ich hier. Und den können Sie bestens verwenden, um Begriffe wie „Wortlust“ und „Lustwort“ auseinanderzuhalten. Darüber hinaus ist dieser Trick auch praktisch, falls Sie ohne Einkaufsliste in den Supermarkt vorpreschen möchten.

Es funktioniert folgendermaßen: Das, was man sich einprägen will, muss man bunt und fantasievoll einkleiden. Das heißt: sich ein Bild – ja ein richtiges Bild – ausdenken. Beispiel: Will ich mir einprägen, dass Gorgs Seite „Lustwort“ heißt, stelle ich mir vor, dass Gorg ein Pferd und sein Wortladen ein Pferdewagen ist. Gorg zieht den Wagen von links nach rechts voran. Das heißt: Das Pferd steht näher zum Wort „Wort“ als zum Wort „Lust“. Ich brauche lediglich jedesmal an dieses Bild zu denken, und prompt weiß ich, dass Gorgs Laden „Lustwort“ heißt.

Das wäre nur eine Möglichkeit. Jeder darf sich eine eigene ausdenken. Der anonyme Autor von „Rhetorik für Herennius“ empfielt auch derbe Schweinereien als Bilder, wenn sie helfen, etwas einzuprägen.

Lesen Sie „Ad Herrenium“ selber. So ein Buch vergisst keiner.

Achtung: Zwei neue Wörter, die alles wieder in Frage stellen könnten

Zwei Wörter, die es in sich haben. Das eine ist noch kein deutsches, aber warten Sie ab. Das andere könnte – zumindest theoretisch – schon heute anstandslos in die neue Dudenin aufgenommen werden. Irgendwie ist es bereits ein deutsches Wort. Sie kennen es bloß nicht.

Doch jetzt zu den Details…

Vokabel Numero eins hat zwar, wie schon gesagt, noch keinen dt. Pass. Vielleicht sind Sie dennoch auf sie gestoßen. Wäre nicht unmöglich. Meine eigene oberflächliche Suche in den Gefilden des Vorsitzenden Google haben schnell ergeben, dass bereits einige deutschsprachige Reporter sie entdeckt haben. Letztes Jahr, z.B., hatte die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet. Ebenso erschien etwas zum Thema in „Die Welt“. Es gab auch andere Berichte.

Ist was schon in der Luft, wird es von mehreren empfindlichen Nasen gewittert. War schon immer so.

Aber jetzt zur Sache: Es geht um den „Simp“. Schon davon gehört?

Meine Vermutung: Wenn Sie noch kein 18 sind, dann evtl. doch.

Letztendlich aber handelt es sich um einen nagelneuen Begriff aus dem amer. Jugendslang, der wohl von der Vokabel „simple“ oder „simpleton“ („Einfallspinsel“) abgeleitet wird.

„Simps“ sind fast ausschließlich Jungs, die willig sind allerlei Peinlichkeiten und Demütigungen auf sich zu nehmen, um akzeptiert, bzw., gemocht zu sein. Insbesondere wird das Wort verwendet, um die Bemühungen von Jungs zu beschreiben, wenn sie das Wohlwollen von Mädchen durchs Nettsein zu gewinnen erhoffen.

Mädchen (notabene: gemeint ist die neueste Generation der weiblichen Geschlechtsreifen) scheinen nicht auf solche Typen zu stehen. Das Herz dieser neuen Frauengeneration schlägt (zum Leid der Eltern und Erzieher kann man wohl annehmen) vielmehr für Typen, die groß, stark und frech sind.

War es nicht schon immer so in der Zeit des ersten Aufruhrs? Natürlich! Doch dann brach das Zeitalter des „sensitivity training“ an. Es sollte nur noch SiegerInnen geben, und jederIn sollte jedemer gleich und nett behandeln. Fairness halt. „Me too“ etc. hat sich tierisch bemüht, endgültig den uralten Balzritualen der Jugendlichen einen Strich durch die Rechnung zu ziehen.

Und siehe da: Auf einmal riskierten die Jungs, kaum zuhause in den frisch sexualisierten Leibern, ein „ sensitivity training“ aufgebrummt zu bekommen, falls sie was Falsches machten. Und die Mädchen wussten auch nicht weiter. Höflichkeit und Langeweile waren plötzlich „in“.

Ich weiß nicht, wer das Wort „Simp“ aus dem Boden gestampft hat. Waren es die frustrierten Mädchen oder die frustrierten Jungs? Fest steht: Den jüngsten Berichten zufolge, werden die braven, angepassten „Simps“ im Augenblick von den Gleichaltrigen beider Geschlechter gnadenlos runtergeputzt.

Was könnte dies für Folgen haben? Ganz simpel: Eine Rückkehr zum natürlichen Umgang miteinander wäre möglich! D.h.: Freche Jungs werden – wie schon immer – Mädchenherzen brechen, coole Mädchen werden die hübschesten Jungs den Mitbewerberinnen wegschnappen und die schüchternen Jungs verscheuchen. So ist die Biologie ausgerichtet. Erst später, d.h., im Heiratsalter, wird man (so war es immer) nach anderen Qualitäten suchen – und alles ohne „sensitivity training“.

Es lohnt sich, das Phänomen weiter zu verfolgen.

Ach ja! Ich habe Ihnen zwei neue Wörter versprochen…und bisher habe ich nur übers eine geschwafelt.

Also nun zum zweiten:“Nipah-Virus“.

Noch nie davon gehört?

Ich glaube, es stammt aus Malaysien und ist bereits in Indien unterwegs. Fest steht nur: Wenn Sie meinten, dass das Corona-Virus ein Störenfried wäre, dann kennen Sie die beeindruckenden Möglichkeiten des Nipah-Virus noch nicht.

Hoffentlich müssen wir sie nie kennenlernen… Können Sie selbst über diesen Begriff nachschlagen.

PS Willkommen im 21. Jahrhundert!

Achtung: Zwei neue Wörter, die alles wieder in Frage stellen könnten

Zwei Wörter, die es in sich haben. Das eine ist noch kein deutsches, aber warten Sie ab. Das andere könnte – zumindest theoretisch – schon heute anstandslos in die neue Dudenin aufgenommen werden. Irgendwie ist es bereits ein deutsches Wort. Sie kennen es bloß nicht.

Doch jetzt zu den Details…

Vokabel Numero eins hat zwar, wie schon gesagt, noch keinen dt. Pass. Vielleicht sind Sie dennoch auf sie gestoßen. Wäre nicht unmöglich. Meine eigene oberflächliche Suche in den Gefilden des Vorsitzenden Google haben schnell ergeben, dass bereits einige deutschsprachige Reporter sie entdeckt haben. Letztes Jahr, z.B., hatte die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet. Ebenso erschien etwas zum Thema in „Die Welt“. Es gab auch andere Berichte.

Ist was schon in der Luft, wird es von mehreren empfindlichen Nasen gewittert. War schon immer so.

Aber jetzt zur Sache: Es geht um den „Simp“. Schon davon gehört?

Meine Vermutung: Wenn Sie noch kein 18 sind, dann evtl. doch.

Letztendlich aber handelt es sich um einen nagelneuen Begriff aus dem amer. Jugendslang, der wohl von der Vokabel „simple“ oder „simpleton“ („Einfallspinsel“) abgeleitet wird.

„Simps“ sind fast ausschließlich Jungs, die willig sind allerlei Peinlichkeiten und Demütigungen auf sich zu nehmen, um akzeptiert, bzw., gemocht zu sein. Insbesondere wird das Wort verwendet, um die Bemühungen von Jungs zu beschreiben, wenn sie das Wohlwollen von Mädchen durchs Nettsein zu gewinnen erhoffen.

Mädchen (notabene: gemeint ist die neueste Generation der weiblichen Geschlechtsreifen) scheinen nicht auf solche Typen zu stehen. Das Herz dieser neuen Frauengeneration schlägt (zum Leid der Eltern und Erzieher kann man wohl annehmen) vielmehr für Typen, die groß, stark und frech sind.

War es nicht schon immer so in der Zeit des ersten Aufruhrs? Natürlich! Doch dann brach das Zeitalter des „sensitivity training“ an. Es sollte nur noch SiegerInnen geben, und jederIn sollte jedemer gleich und nett behandeln. Fairness halt. „Me too“ etc. hat sich tierisch bemüht, endgültig den uralten Balzritualen der Jugendlichen einen Strich durch die Rechnung zu ziehen.

Und siehe da: Auf einmal riskierten die Jungs, kaum zuhause in den frisch sexualisierten Leibern, ein „ sensitivity training“ aufgebrummt zu bekommen, falls sie was Falsches machten. Und die Mädchen wussten auch nicht weiter. Höflichkeit und Langeweile waren plötzlich „in“.

Ich weiß nicht, wer das Wort „Simp“ aus dem Boden gestampft hat. Waren es die frustrierten Mädchen oder die frustrierten Jungs? Fest steht: Den jüngsten Berichten zufolge, werden die braven, angepassten „Simps“ im Augenblick von den Gleichaltrigen beider Geschlechter gnadenlos runtergeputzt.

Was könnte dies für Folgen haben? Ganz simpel: Eine Rückkehr zum natürlichen Umgang miteinander wäre möglich! D.h.: Freche Jungs werden – wie schon immer – Mädchenherzen brechen, coole Mädchen werden die hübschesten Jungs den Mitbewerberinnen wegschnappen und die schüchternen Jungs verscheuchen. So ist die Biologie ausgerichtet. Erst später, d.h., im Heiratsalter, wird man (so war es immer) nach anderen Qualitäten suchen – und alles ohne „sensitivity training“.

Es lohnt sich, das Phänomen weiter zu verfolgen.

Ach ja! Ich habe Ihnen zwei neue Wörter versprochen…und bisher habe ich nur übers eine geschwafelt.

Also nun zum zweiten:“Nipah-Virus“.

Noch nie davon gehört?

Ich glaube, es stammt aus Malaysien und ist bereits in Indien unterwegs. Fest steht nur: Wenn Sie meinten, dass das Corona-Virus ein Störenfried wäre, dann kennen Sie die beeindruckenden Möglichkeiten des Nipah-Virus noch nicht.

Hoffentlich müssen wir sie nie kennenlernen… Können Sie selbst über diesen Begriff nachschlagen.

PS Willkommen im 21. Jahrhundert!

Gebärväter und die neue Dudenin

Haben Sie gehört? Die Dudenin schafft Fakten. Ab sofort heißt die weibliche Person, die Sie zum Essen oder zum Kaffee und Kuchen einladen, eine Gästin. Und sollte sie sich als Ekelin entpuppen, dürfen Sie sie als „Bösewichtin“ bezeichnen. Die Dudenin hat die Botschaft verstanden: Entweder mit der Zeit fließen oder aus der Zeit fallen!

Was die meisten Menschen – die Dudenin inklusiv – sicherlich nicht ahnen: Ich habe das Wort „Gästin“ vor Jahrzehnten erfunden! Doch leider zu früh. Mir erschien es als Sprachneuling in diesem Land geradezu logisch, dass, wo es „Gäste“ gibt, die „Gästinnen“ auch da sein müssten.

„No no no“, wurde mir gütig eingeschärft. „Das sagen wir nicht. Es gibt in unserer Sprache nur den Gast und die Gäste.“

Wenn es so ist, ist es ebenso, hab ich damals gedacht und die Info dankend entgegengenommen.

Auch „Bösewichtin“ stand damals auf meiner Liste der Möglichkeiten in der Fremdsprache. Doch auch diese Vokabel, so ließ ich mir erklären, existiere nicht.

Und hier noch ein Beispiel meiner zukunftsweisenden Sprachinstinkte. In einem Text, den ich einst für die Münchener Abendzeitung geschrieben hatte, ging es um die britische Königin, die mit etwas nicht einverstanden war. Leider habe ich den Zusammenhang vergessen. Spielerisch habe ich geschrieben: „Die Queen war nicht amüsiert“.

„No no, Herr Blumenthal. Das sagen wir nicht so. ‚Amüsieren‘ hat nämlich eine ganz andere Bedeutung in unserer Sprache. Man amüsiere sich, z.B., wenn man ins Theater geht. Sie möchten vielmehr ‚Die Queen war nicht erfreut‘ sagen.“

Jahre lang habe ich deshalb, wenn es um den Missmut der Queen ging, sie als unerfreut darstellte.

Das war ja damals. Inzwischen schreibt jeder, dass die Queen, wenn ihr eine Laus über die Leber läuft, nicht „amüsiert“ ist.

Was lernen wir daraus?

Ganz einfach: Wehe, wenn der Quotenausländer versucht, die Adoptivsprache mit Neuem zu bereichern. Um es auf den Punkt zu bringen: Einmal rügte ein Textchef, als ich für eine Sprachformulierung in meinem Text argumentierte, „Na na na, Herr Blumenthal, so geht es nicht. Schließlich ist es unsere Sprache nicht Ihre.“

Erst letzte Woche habe ich das gleiche erlebt. Ich hatte in einem – bisher unveröffentlichten – literarischen Werk über einen „formschönen Indianer“ geschrieben. Damit meinte ich einen gutaussehenden Menschen, der als Gegenstand und nicht als Person betrachtet wird. Ja klar, es steckte ein Häppchen Ironie in der Formulierung. „Nein, dass darfst Du auf Deutsch nicht so sagen“, tadelte eine liebe Freundin. „‘formschön‘ bezieht sich nur auf Dinge nicht auf Menschen.“

Vergebliche Liebesmühe dagegen zu argumentieren. Dennoch habe ich meine formschöne Formulierung nicht fallenlassen.

Eigentlich wollte ich heute gar nicht jammern. Komisch aber, wie man so leicht abgelenkt wird, wenn man über sich selbst nachdenkt. Heute wollte ich vielmehr darüber schwadronieren, wie sehr die Sache mit der Gendergleichheit von Sprache zu Sprache rein willkürlich gehandhabt wird.

Während dt. Genderrechtler ins Feld ziehen, um die Ebenbürtigkeit der „Gästin“ mit dem „Gast“, die „Schauspielerin“ mit dem „Schauspieler“, die „Journalistin“ mit dem „Journalist“ durchzusetzen, verlangen die angelsächsischen Kameraden genau das Gegenteil. Nur ein paar Beispiele: Früher unterschieden Anglophonen zwischen „actor“ und „actress“ – wie eben Deutschsprachige. Heute gibt es nur noch den „actor“. Gleiches gilt für den „poet“. Die „actress“, die „poetess“ sind out. Allein die männliche Form ist in. Das wäre, als wollte der dt. Genderist „dier SchauspielerIn“ zugunsten „der Schauspieler“ entsorgen!

Aber zum Schluss eine besonders knifflige Frage: Wie nennt man das Organ, in dem ein Fötus heranwächst? Ja, jeder weiß, dass das „Gebärmutter“ heißt. Aber was ist, wenn die Mutter als Transsexual zum Mann migriert ist und trotzdem schwanger wird? (ist schon geschehen). Wie bezeichnet man dieses Organ unter solchen Umständen? Ganz klar: Gebärvater!

Gebärväter und die neue Dudenin

Haben Sie gehört? Die Dudenin schafft Fakten. Ab sofort heißt die weibliche Person, die Sie zum Essen oder zum Kaffee und Kuchen einladen, eine Gästin. Und sollte sie sich als Ekelin entpuppen, dürfen Sie sie als „Bösewichtin“ bezeichnen. Die Dudenin hat die Botschaft verstanden: Entweder mit der Zeit fließen oder aus der Zeit fallen!

Was die meisten Menschen – die Dudenin inklusiv – sicherlich nicht ahnen: Ich habe das Wort „Gästin“ vor Jahrzehnten erfunden! Doch leider zu früh. Mir erschien es als Sprachneuling in diesem Land geradezu logisch, dass, wo es „Gäste“ gibt, die „Gästinnen“ auch da sein müssten.

„No no no“, wurde mir gütig eingeschärft. „Das sagen wir nicht. Es gibt in unserer Sprache nur den Gast und die Gäste.“

Wenn es so ist, ist es ebenso, hab ich damals gedacht und die Info dankend entgegengenommen.

Auch „Bösewichtin“ stand damals auf meiner Liste der Möglichkeiten in der Fremdsprache. Doch auch diese Vokabel, so ließ ich mir erklären, existiere nicht.

Und hier noch ein Beispiel meiner zukunftsweisenden Sprachinstinkte. In einem Text, den ich einst für die Münchener Abendzeitung geschrieben hatte, ging es um die britische Königin, die mit etwas nicht einverstanden war. Leider habe ich den Zusammenhang vergessen. Spielerisch habe ich geschrieben: „Die Queen war nicht amüsiert“.

„No no, Herr Blumenthal. Das sagen wir nicht so. ‚Amüsieren‘ hat nämlich eine ganz andere Bedeutung in unserer Sprache. Man amüsiere sich, z.B., wenn man ins Theater geht. Sie möchten vielmehr ‚Die Queen war nicht erfreut‘ sagen.“

Jahre lang habe ich deshalb, wenn es um den Missmut der Queen ging, sie als unerfreut darstellte.

Das war ja damals. Inzwischen schreibt jeder, dass die Queen, wenn ihr eine Laus über die Leber läuft, nicht „amüsiert“ ist.

Was lernen wir daraus?

Ganz einfach: Wehe, wenn der Quotenausländer versucht, die Adoptivsprache mit Neuem zu bereichern. Um es auf den Punkt zu bringen: Einmal rügte ein Textchef, als ich für eine Sprachformulierung in meinem Text argumentierte, „Na na na, Herr Blumenthal, so geht es nicht. Schließlich ist es unsere Sprache nicht Ihre.“

Erst letzte Woche habe ich das gleiche erlebt. Ich hatte in einem – bisher unveröffentlichten – literarischen Werk über einen „formschönen Indianer“ geschrieben. Damit meinte ich einen gutaussehenden Menschen, der als Gegenstand und nicht als Person betrachtet wird. Ja klar, es steckte ein Häppchen Ironie in der Formulierung. „Nein, dass darfst Du auf Deutsch nicht so sagen“, tadelte eine liebe Freundin. „‘formschön‘ bezieht sich nur auf Dinge nicht auf Menschen.“

Vergebliche Liebesmühe dagegen zu argumentieren. Dennoch habe ich meine formschöne Formulierung nicht fallenlassen.

Eigentlich wollte ich heute gar nicht jammern. Komisch aber, wie man so leicht abgelenkt wird, wenn man über sich selbst nachdenkt. Heute wollte ich vielmehr darüber schwadronieren, wie sehr die Sache mit der Gendergleichheit von Sprache zu Sprache rein willkürlich gehandhabt wird.

Während dt. Genderrechtler ins Feld ziehen, um die Ebenbürtigkeit der „Gästin“ mit dem „Gast“, die „Schauspielerin“ mit dem „Schauspieler“, die „Journalistin“ mit dem „Journalist“ durchzusetzen, verlangen die angelsächsischen Kameraden genau das Gegenteil. Nur ein paar Beispiele: Früher unterschieden Anglophonen zwischen „actor“ und „actress“ – wie eben Deutschsprachige. Heute gibt es nur noch den „actor“. Gleiches gilt für den „poet“. Die „actress“, die „poetess“ sind out. Allein die männliche Form ist in. Das wäre, als wollte der dt. Genderist „dier SchauspielerIn“ zugunsten „der Schauspieler“ entsorgen!

Aber zum Schluss eine besonders knifflige Frage: Wie nennt man das Organ, in dem ein Fötus heranwächst? Ja, jeder weiß, dass das „Gebärmutter“ heißt. Aber was ist, wenn die Mutter als Transsexual zum Mann migriert ist und trotzdem schwanger wird? (ist schon geschehen). Wie bezeichnet man dieses Organ unter solchen Umständen? Ganz klar: Gebärvater!

Gebärväter und die neue Dudenin

Haben Sie gehört? Die Dudenin schafft Fakten. Ab sofort heißt die weibliche Person, die Sie zum Essen oder zum Kaffee und Kuchen einladen, eine Gästin. Und sollte sie sich als Ekelin entpuppen, dürfen Sie sie als „Bösewichtin“ bezeichnen. Die Dudenin hat die Botschaft verstanden: Entweder mit der Zeit fließen oder aus der Zeit fallen!

Was die meisten Menschen – die Dudenin inklusiv – sicherlich nicht ahnen: Ich habe das Wort „Gästin“ vor Jahrzehnten erfunden! Doch leider zu früh. Mir erschien es als Sprachneuling in diesem Land geradezu logisch, dass, wo es „Gäste“ gibt, die „Gästinnen“ auch da sein müssten.

„No no no“, wurde mir gütig eingeschärft. „Das sagen wir nicht. Es gibt in unserer Sprache nur den Gast und die Gäste.“

Wenn es so ist, ist es ebenso, hab ich damals gedacht und die Info dankend entgegengenommen.

Auch „Bösewichtin“ stand damals auf meiner Liste der Möglichkeiten in der Fremdsprache. Doch auch diese Vokabel, so ließ ich mir erklären, existiere nicht.

Und hier noch ein Beispiel meiner zukunftsweisenden Sprachinstinkte. In einem Text, den ich einst für die Münchener Abendzeitung geschrieben hatte, ging es um die britische Königin, die mit etwas nicht einverstanden war. Leider habe ich den Zusammenhang vergessen. Spielerisch habe ich geschrieben: „Die Queen war nicht amüsiert“.

„No no, Herr Blumenthal. Das sagen wir nicht so. ‚Amüsieren‘ hat nämlich eine ganz andere Bedeutung in unserer Sprache. Man amüsiere sich, z.B., wenn man ins Theater geht. Sie möchten vielmehr ‚Die Queen war nicht erfreut‘ sagen.“

Jahre lang habe ich deshalb, wenn es um den Missmut der Queen ging, sie als unerfreut darstellte.

Das war ja damals. Inzwischen schreibt jeder, dass die Queen, wenn ihr eine Laus über die Leber läuft, nicht „amüsiert“ ist.

Was lernen wir daraus?

Ganz einfach: Wehe, wenn der Quotenausländer versucht, die Adoptivsprache mit Neuem zu bereichern. Um es auf den Punkt zu bringen: Einmal rügte ein Textchef, als ich für eine Sprachformulierung in meinem Text argumentierte, „Na na na, Herr Blumenthal, so geht es nicht. Schließlich ist es unsere Sprache nicht Ihre.“

Erst letzte Woche habe ich das gleiche erlebt. Ich hatte in einem – bisher unveröffentlichten – literarischen Werk über einen „formschönen Indianer“ geschrieben. Damit meinte ich einen gutaussehenden Menschen, der als Gegenstand und nicht als Person betrachtet wird. Ja klar, es steckte ein Häppchen Ironie in der Formulierung. „Nein, dass darfst Du auf Deutsch nicht so sagen“, tadelte eine liebe Freundin. „‘formschön‘ bezieht sich nur auf Dinge nicht auf Menschen.“

Vergebliche Liebesmühe dagegen zu argumentieren. Dennoch habe ich meine formschöne Formulierung nicht fallenlassen.

Eigentlich wollte ich heute gar nicht jammern. Komisch aber, wie man so leicht abgelenkt wird, wenn man über sich selbst nachdenkt. Heute wollte ich vielmehr darüber schwadronieren, wie sehr die Sache mit der Gendergleichheit von Sprache zu Sprache rein willkürlich gehandhabt wird.

Während dt. Genderrechtler ins Feld ziehen, um die Ebenbürtigkeit der „Gästin“ mit dem „Gast“, die „Schauspielerin“ mit dem „Schauspieler“, die „Journalistin“ mit dem „Journalist“ durchzusetzen, verlangen die angelsächsischen Kameraden genau das Gegenteil. Nur ein paar Beispiele: Früher unterschieden Anglophonen zwischen „actor“ und „actress“ – wie eben Deutschsprachige. Heute gibt es nur noch den „actor“. Gleiches gilt für den „poet“. Die „actress“, die „poetess“ sind out. Allein die männliche Form ist in. Das wäre, als wollte der dt. Genderist „dier SchauspielerIn“ zugunsten „der Schauspieler“ entsorgen!

Aber zum Schluss eine besonders knifflige Frage: Wie nennt man das Organ, in dem ein Fötus heranwächst? Ja, jeder weiß, dass das „Gebärmutter“ heißt. Aber was ist, wenn die Mutter als Transsexual zum Mann migriert ist und trotzdem schwanger wird? (ist schon geschehen). Wie bezeichnet man dieses Organ unter solchen Umständen? Ganz klar: Gebärvater!

Gebärväter und die neue Dudenin

Haben Sie gehört? Die Dudenin schafft Fakten. Ab sofort heißt die weibliche Person, die Sie zum Essen oder zum Kaffee und Kuchen einladen, eine Gästin. Und sollte sie sich als Ekelin entpuppen, dürfen Sie sie als „Bösewichtin“ bezeichnen. Die Dudenin hat die Botschaft verstanden: Entweder mit der Zeit fließen oder aus der Zeit fallen!

Was die meisten Menschen – die Dudenin inklusiv – sicherlich nicht ahnen: Ich habe das Wort „Gästin“ vor Jahrzehnten erfunden! Doch leider zu früh. Mir erschien es als Sprachneuling in diesem Land geradezu logisch, dass, wo es „Gäste“ gibt, die „Gästinnen“ auch da sein müssten.

„No no no“, wurde mir gütig eingeschärft. „Das sagen wir nicht. Es gibt in unserer Sprache nur den Gast und die Gäste.“

Wenn es so ist, ist es ebenso, hab ich damals gedacht und die Info dankend entgegengenommen.

Auch „Bösewichtin“ stand damals auf meiner Liste der Möglichkeiten in der Fremdsprache. Doch auch diese Vokabel, so ließ ich mir erklären, existiere nicht.

Und hier noch ein Beispiel meiner zukunftsweisenden Sprachinstinkte. In einem Text, den ich einst für die Münchener Abendzeitung geschrieben hatte, ging es um die britische Königin, die mit etwas nicht einverstanden war. Leider habe ich den Zusammenhang vergessen. Spielerisch habe ich geschrieben: „Die Queen war nicht amüsiert“.

„No no, Herr Blumenthal. Das sagen wir nicht so. ‚Amüsieren‘ hat nämlich eine ganz andere Bedeutung in unserer Sprache. Man amüsiere sich, z.B., wenn man ins Theater geht. Sie möchten vielmehr ‚Die Queen war nicht erfreut‘ sagen.“

Jahre lang habe ich deshalb, wenn es um den Missmut der Queen ging, sie als unerfreut darstellte.

Das war ja damals. Inzwischen schreibt jeder, dass die Queen, wenn ihr eine Laus über die Leber läuft, nicht „amüsiert“ ist.

Was lernen wir daraus?

Ganz einfach: Wehe, wenn der Quotenausländer versucht, die Adoptivsprache mit Neuem zu bereichern. Um es auf den Punkt zu bringen: Einmal rügte ein Textchef, als ich für eine Sprachformulierung in meinem Text argumentierte, „Na na na, Herr Blumenthal, so geht es nicht. Schließlich ist es unsere Sprache nicht Ihre.“

Erst letzte Woche habe ich das gleiche erlebt. Ich hatte in einem – bisher unveröffentlichten – literarischen Werk über einen „formschönen Indianer“ geschrieben. Damit meinte ich einen gutaussehenden Menschen, der als Gegenstand und nicht als Person betrachtet wird. Ja klar, es steckte ein Häppchen Ironie in der Formulierung. „Nein, dass darfst Du auf Deutsch nicht so sagen“, tadelte eine liebe Freundin. „‘formschön‘ bezieht sich nur auf Dinge nicht auf Menschen.“

Vergebliche Liebesmühe dagegen zu argumentieren. Dennoch habe ich meine formschöne Formulierung nicht fallenlassen.

Eigentlich wollte ich heute gar nicht jammern. Komisch aber, wie man so leicht abgelenkt wird, wenn man über sich selbst nachdenkt. Heute wollte ich vielmehr darüber schwadronieren, wie sehr die Sache mit der Gendergleichheit von Sprache zu Sprache rein willkürlich gehandhabt wird.

Während dt. Genderrechtler ins Feld ziehen, um die Ebenbürtigkeit der „Gästin“ mit dem „Gast“, die „Schauspielerin“ mit dem „Schauspieler“, die „Journalistin“ mit dem „Journalist“ durchzusetzen, verlangen die angelsächsischen Kameraden genau das Gegenteil. Nur ein paar Beispiele: Früher unterschieden Anglophonen zwischen „actor“ und „actress“ – wie eben Deutschsprachige. Heute gibt es nur noch den „actor“. Gleiches gilt für den „poet“. Die „actress“, die „poetess“ sind out. Allein die männliche Form ist in. Das wäre, als wollte der dt. Genderist „dier SchauspielerIn“ zugunsten „der Schauspieler“ entsorgen!

Aber zum Schluss eine besonders knifflige Frage: Wie nennt man das Organ, in dem ein Fötus heranwächst? Ja, jeder weiß, dass das „Gebärmutter“ heißt. Aber was ist, wenn die Mutter als Transsexual zum Mann migriert ist und trotzdem schwanger wird? (ist schon geschehen). Wie bezeichnet man dieses Organ unter solchen Umständen? Ganz klar: Gebärvater!

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