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Harry und Bill und Jeff und Elon und…Sie!

Quizfrage! Scharf nachdenken! Also: Wenn ich den Namen „Harry“ sage und dazu auch „und“, welches Folgewort fällt Ihnen spontan ein? Wenn sie auf „Meghan“ tippen, haben Sie die Frage richtig beantwortet. Klar gibt es „Harry und Sally“ (Filmtitel) oder „Harry und Louis“ (Friseuren), doch ganz oben auf der Liste stehen Harry und Meghan.

Nächste Frage: Wenn ich „Bill“ und dann „und“ sage… Was folgt jetzt? Klar, dass die Antwort „Melinda“ heißen muss. Was sonst? Doch nun weiter…

Sage ich „Jeff und…“ „Biiiiip! Ich glaube, jemand hat gerade „Mackenzie“ gedacht. Guter Versuch, aber sorry. Diesmal liegen Sie falsch. Richtig wäre: Auf „Jeff“ folgt „Annie“. Mir leider kein Begriff. Ihnen vielleicht.

Sag ich „Jeff Bezos“ gefolgt von „und“, lande ich sofort bei „Amazon“, „Washington Post“, „Elon Musk“ oder „Lauren Sanchez“. Denn so heißt Jeffs neue Freundin.

Wie sollen wir dieses Spiel nennen? He! Wie wäre es mit „Google Suche“! Denn genau das, was wir hier machen, heißt bei Google „Suchalgorithmus“.

Und? Was hat all das für eine Bewandtnis?

Ganz einfach. Google macht täglich milliardenfach genau das, was wir täglich tausende Male mit unseren kleinen grauen Zellen machen. Wir „assoziieren“. Schönes lateinisches Wort für „Vorstellungen mit etwas verknüpfen“.

Heißt das, dass wir denken wie Google? Ne-e-e-in. Das Gegenteil ist wahr: Google denkt wie wir! Mit dem Unterschied: Google kann viel umfangreicher assoziieren als wir. Aus diesem Grund hat uns Google den Gang zur Bibliothek erspart, wo wir früher stundenlang in nach Holz riechenden Karteikartenkatalogen und in dicken nach alter Tinte riechenden Wälzern recherchierten, um diverse Trivialitäten an den Tag zu legen.

Jetzt aber noch eine Quizfrage. Wie heißt der Gründer von Google? Ha! Ich wette, dass Ihnen dieser Name weniger geläufig ist als der der oben erwähnten Promis. Außerdem gibt es den Gründer nicht, sondern nur die Gründer, und sie heißen Larry Page und Sergey Brin.

Hätte ich diese letzte Frage wie oben formuliert, also mit „Larry und…“, wären Sie nicht weitergekommen. Sie hätten vielmehr „Larry and Brady“ gegoogelt. Vielleicht kennen Sie sie nicht? Es sind zwei putzige schwule Jünglinge, die eine profitable YouTube-Karriere mit Videos aufgebaut haben mit Titeln wie „Making my boyfriend do whatever I say“ oder „We had a baby“ usw.

Oder Sie wären auf „Larry and Jenny“ gestoßen. Das sind zwei Reality Stars aus den USA, die sich auf einer einschlägigen Reality Show verlobt haben. Mehr darüber weiß ich leider nicht. Können Sie selbst googeln.

Oder „Larry und Gaby“, zwei wichtige Figuren aus einer brasilianischen Soap.

By the way: Ganz unten auf der Suchseite (oder vielleicht auf Seite zwei) wären Sie endlich bei „Larry und Sergey“ gelandet. Falls es Sie interessiert: Larry ist mit Lucinda und Sergey mit Nicole verheiratet.

Skandalöses habe ich über beide auf Anhieb nicht gefunden. Nein, stimmt nicht. Ich habe gelesen, dass die einstige Firmenlosung von Google „Don’t be evil“, also „Sei nicht böse“ lautete; dass diese aber seit 2018 vom Verhaltenskodex dieser multinationalen Krake entfernt worden war. Warum, weiß ich nicht. Google zufolge, möchte Google keine Details zu diesem Thema preisgeben.

Wie Sie sehen, liebe Sprachbloggeurist*I**nnenennin, nun hat das 21. Jahrhundert endlich begonnen. Viel Spaß! Google zufolge wird dieses neue Jahrhundert sehr spannend sein…und das 22. noch spannender!

Das Allerwichtigste über das „N-Wort“

Nein. Nicht, was Sie denken. Nicht das „N-Wort“, wie Sie vielleicht meinen. Gedanken über diese verruchte N-Vokabel werden Sie im folgenden Text nicht finden. Nicht jedenfalls heute. Vielleicht ein anderes Mal.

Das „N-Wort“, worüber hier doziert wird, lautet schlicht und einfach „Normalität“. Klingt harmlos, nicht wahr? By the way, wissen Sie, woher diese Vokabel stammt? Wahrscheinlich nicht. Ich denke, nur wenige wissen es.

Das lateinische „norma“ bedeutete „Zimmermannswinkel“, will sagen: das Werkzeug, das jeder Zimmermann seit den obskuren Anfängen der Zivilisation verwendet, um Ecken zuverlässig und genau zu errechnen.

Es ist offensichtlich! Ohne haargenaue Maßstäbe kann man keine Häuser und sonstige rechteckige Dinge zustande bringen.

Dass die Römer dieses Wort auch im übertragenen Sinne benutzten, um auf jeglichen „normierenden“ Maßstab hinzudeuten, liegt auf der Hand.

Manchmal denke ich, dass es schön wäre, wieder in einer Welt zu leben, wo eine gewisse Normalität vorherrschte.

STÖHN…höre ich. Und auf einmal sagt einer:

„Also dann bitte, Herr Sprachbloggeur, was ist denn Ihrer Meinung nach ‚normal‘?“

Gute Frage. Und jetzt folgen zwei unaussprechbare Wörter – nein, nix, was mit dem sog. N-Wort zu tun haben – , sondern zwei Perlen aus dem Wortehimmel: Kataphase und Apophase. Ich glaube, sie stammen aus der Theologie der Orthodoxen Kirche und haben mit der Gottesfrage zu tun. Kataphase bedeutet den Versuch die Eigenschaften Gottes aufzulisten. Apophase ist das Gegenteil. Man definiert Gott, indem man sagt, was er (er?) nicht ist.

Doch nun zurück zum „Normalen“ – und zwar mit Hilfe der Apophase.
Will sagen: Was ist also die Normalität nicht?

Zum Beispiel, das Leben während einer Pandemie! Oder?

Ja! Es ist wohl nicht normal, dass man unter einem Lockdown oder Lockup, mit täglichen Inzidenzzahlen, Verimpfungsnachrichten u.d.gl. lebt. Ja. Genau. Das ist einfach nicht normal.

Vielleicht deshalb behaupten manche Leute, dass unsere Pandemie keine richtige ist, und sie nennen sich „Querdenker“.

Aber Achtung! Wenn einer von sich behauptet, er sei ein „Querdenker“, dann sind die anderen, die nicht so denken wie er, automatisch „Normaldenkende“. Aber: Wenn die Pandemie das Gegenteil von Normalität ist, dann ist der „Querdenker“ derjenige, der sich für „normal“ hält. Very confusing…oder?

In den USA ist die Situation bezüglich der Normalität verworren auf eine andere Art – ich meine hier in Bezug auf die Pandemie. Dort lassen sich nur diejenigen gegen das Virus impfen, wenn sie auch gegen Trump sind; diejenigen die gegen Biden sind, lassen sich hingegen nicht impfen. Und beide halten sich für normal, und zwar in einer Zeit, die nicht normal ist.

Dazu fallen mir die islamischen Fundamentalisten in Pakistan und in Afghanistan ein. Sie verbieten jegliche Impfung gegen Kinderlähmung. Man bekomme Aids. Jungs werden impotent, Mädchen unfruchtbar etc. Das Resultat: Die Kinderlähmung grassiert noch immer in diesen Gegenden.

Sie sehen. Nun habe ich Ihnen ein paar Beispiele gegeben, die zeigen, was nicht normal ist. Irgendwie haben beide mit Krankheit und Pandemie zu tun.
Eigentlich könnte ich diese apophasische Liste um einige Gebiete ergänzen. Ich schreibe hier aber keine Doktorarbeit. Außerdem wirkt dieser Text meiner Meinung nach bereits zu polemisch. Und so einer bin ich wirklich nicht.

Kennen Sie den alten chinesischen (oder englischen) Fluch: Mögen Sie in interessanten Zeiten leben? So spannend ist es ja am Anfang des 21. Jh zu leben. Es kann nur noch normaler werden! Aber nicht vergessen: Auch in der Zukunft werden die Menschen Häuser bauen müssen.

Ein kleines Glossar zum Opfersein

Heute pauken wir den Wortschatz der Gleichberechtigung, liebe Lernende. Ich brauche nicht zu betonen, wie wichtig es ist, diesen Wortschatz zu meistern. Umso mehr, falls Sie zu den Privilegierten gehören…was ich allerdings nicht wissen kann. Denn ich sehe Sie nicht.

Aber lange Hose kurze Beine. Jetzt ans Eingemachte!

Im Grunde möchte ich lediglich das mit Ihnen teilen, was ich selber neulich gelernt habe. Ich bin nämlich in der Wochenendausgabe der Münchener Abendzeitung ( „AZ“ genannt) auf ein Interview mit der Filmemacherin Doris Dörrie gestoßen. Frau Dörrie leitet ein Seminar über „weiße Privilegiertheit“.

Es scheint wohl eine neue Vokabel zu sein, diese „Priviligiertheit“. Man hätte wahrscheinlich in Altdeutsch „Privileg“ oder noch besser „Bevorzugung“ oder „Sonderrechte“ gesagt.

Aber die Zeiten ändern sich nun mal und ebenfalls die Sprache.

Wie schon gesagt. Ich kann nicht wissen, wer meine Leser sind – erst recht nicht, ob sie privilegiert sind oder nicht…oder ob sie überhaupt Menschen sind. Manche könnten Bots sein. Kommt heute immer häufiger vor.

Hier geht es lediglich darum, Ihnen mit dem passenden Wortschatz zum Thema aufzuwarten. Denn die AZ hat nämlich mit dem erwähnten Interview ein kleines „Glossar“ des „Privilegiertheitsseins“ mitgeliefert. Da findet man alle wichtigen Termini, die „Privilegierten“ (gemeint sind „privilegierte Weißen“) verhelfen sollten, Ihrer Privilegien bewusst zu werden. Hier nun einige Beispiele:

Oben auf der Liste steht „critical Whiteness“. Ich bin mir leider nicht sicher, ob dieser Begriff bereits die Dudenaufnahmeprüfung bestanden hat. Sicherlich wird das bald der Fall sein. Im früheren Deutsch hätte man dieses Konzept vielleicht mit „Selbstkritik seitens weißhäutiger Europäer bezüglich ihrer besonderen Privilegien in der europäischen Gesellschaft“ wiedergegeben.

Zugegeben: „Critical Whiteness“ sagt all dies viel knapper. Vielleicht deshalb sind manche der Meinung, man sollte diese umständliche dt. Sprache endlich zu Grabe tragen, und stattdessen Englisch reden.

Als Gegensatz zu den privilegierten Weißen findet man im Glossar „POC“. Damit sind „people bzw. person of color” gemeint. Das sind diejenigen, die wegen der Privilegiertheit der Weißen eben unterprivilegiert bzw. unprivilegiert sind.

Die Lösung zu dieser Problematik – so das Glossar – wäre für den weißen Privilegierten „color blindness“ zu praktizieren, also Farbenblindheit.

Aber Achtung! Bevor Sie mit obigen neuen Begriffen losziehen, folgender Hinweis: Es gibt nämlich in meiner engl. Muttersprache den Begriff „colored people“ – singular: „colored person“. Diese Formulierung darf man ja nicht mit „people/person of color“ verwechseln. Das wäre ebenso tückisch wie „schwül“ mit „schwul“ zu verwechseln – was übrigens manche Menschen mit Migrationshintergrund – unabhängig von ihrer Hautfarbe – tun.

Und letztlich steht im Glossar folgender Terminus „kulturelle Aneignung“. Falls Sie mit diesem Begriff keine Erfahrung haben, hier die Erklärung. Ich zitiere: „…die Übernahme und Beschreibung fremder Kulturen und Lebenswirklichkeiten durch KünstlerInnen, die dieser Lebenswirklichkeit selbst nicht angehören.“

Ich wünschte, ich könnte obige Definition verstehen. Wenn ich mich nicht irre, bedeutet es, dass ich als Amerikaner die Werke von Goethe ins Englische nicht übersetzen dürfte, weil ich Wolfgangs Lebenswirklichkeit nicht angehöre. Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Lustigerweise hat ein Albaner, dessen Familie viele Jahre in München lebt, einen Leserbrief zum erwähnten Interview geschrieben. Er sei zwar weißhäutig, schreibt der Münchner mit Balkan Migrantenhintergrund, habe sich aber nie als privilegiert empfunden. Im Gegenteil. Er musste ständig gegen Vorurteile kämpfen.

O o. Jetzt wird's schwierig. Was sagen Sie dazu, Frau Dörrie?

Ein kleines Glossar zum Opfersein

Heute pauken wir den Wortschatz der Gleichberechtigung, liebe Lernende. Ich brauche nicht zu betonen, wie wichtig es ist, diesen Wortschatz zu meistern. Umso mehr, falls Sie zu den Privilegierten gehören…was ich allerdings nicht wissen kann. Denn ich sehe Sie nicht.

Aber lange Hose kurze Beine. Jetzt ans Eingemachte!

Im Grunde möchte ich lediglich das mit Ihnen teilen, was ich selber neulich gelernt habe. Ich bin nämlich in der Wochenendausgabe der Münchener Abendzeitung ( „AZ“ genannt) auf ein Interview mit der Filmemacherin Doris Dörrie gestoßen. Frau Dörrie leitet ein Seminar über „weiße Privilegiertheit“.

Es scheint wohl eine neue Vokabel zu sein, diese „Priviligiertheit“. Man hätte wahrscheinlich in Altdeutsch „Privileg“ oder noch besser „Bevorzugung“ oder „Sonderrechte“ gesagt.

Aber die Zeiten ändern sich nun mal und ebenfalls die Sprache.

Wie schon gesagt. Ich kann nicht wissen, wer meine Leser sind – erst recht nicht, ob sie privilegiert sind oder nicht…oder ob sie überhaupt Menschen sind. Manche könnten Bots sein. Kommt heute immer häufiger vor.

Hier geht es lediglich darum, Ihnen mit dem passenden Wortschatz zum Thema aufzuwarten. Denn die AZ hat nämlich mit dem erwähnten Interview ein kleines „Glossar“ des „Privilegiertheitsseins“ mitgeliefert. Da findet man alle wichtigen Termini, die „Privilegierten“ (gemeint sind „privilegierte Weißen“) verhelfen sollten, Ihrer Privilegien bewusst zu werden. Hier nun einige Beispiele:

Oben auf der Liste steht „critical Whiteness“. Ich bin mir leider nicht sicher, ob dieser Begriff bereits die Dudenaufnahmeprüfung bestanden hat. Sicherlich wird das bald der Fall sein. Im früheren Deutsch hätte man dieses Konzept vielleicht mit „Selbstkritik seitens weißhäutiger Europäer bezüglich ihrer besonderen Privilegien in der europäischen Gesellschaft“ wiedergegeben.

Zugegeben: „Critical Whiteness“ sagt all dies viel knapper. Vielleicht deshalb sind manche der Meinung, man sollte diese umständliche dt. Sprache endlich zu Grabe tragen, und stattdessen Englisch reden.

Als Gegensatz zu den privilegierten Weißen findet man im Glossar „POC“. Damit sind „people bzw. person of color” gemeint. Das sind diejenigen, die wegen der Privilegiertheit der Weißen eben unterprivilegiert bzw. unprivilegiert sind.

Die Lösung zu dieser Problematik – so das Glossar – wäre für den weißen Privilegierten „color blindness“ zu praktizieren, also Farbenblindheit.

Aber Achtung! Bevor Sie mit obigen neuen Begriffen losziehen, folgender Hinweis: Es gibt nämlich in meiner engl. Muttersprache den Begriff „colored people“ – singular: „colored person“. Diese Formulierung darf man ja nicht mit „people/person of color“ verwechseln. Das wäre ebenso tückisch wie „schwül“ mit „schwul“ zu verwechseln – was übrigens manche Menschen mit Migrationshintergrund – unabhängig von ihrer Hautfarbe – tun.

Und letztlich steht im Glossar folgender Terminus „kulturelle Aneignung“. Falls Sie mit diesem Begriff keine Erfahrung haben, hier die Erklärung. Ich zitiere: „…die Übernahme und Beschreibung fremder Kulturen und Lebenswirklichkeiten durch KünstlerInnen, die dieser Lebenswirklichkeit selbst nicht angehören.“

Ich wünschte, ich könnte obige Definition verstehen. Wenn ich mich nicht irre, bedeutet es, dass ich als Amerikaner die Werke von Goethe ins Englische nicht übersetzen dürfte, weil ich Wolfgangs Lebenswirklichkeit nicht angehöre. Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Lustigerweise hat ein Albaner, dessen Familie viele Jahre in München lebt, einen Leserbrief zum erwähnten Interview geschrieben. Er sei zwar weißhäutig, schreibt der Münchner mit Balkan Migrantenhintergrund, habe sich aber nie als privilegiert empfunden. Im Gegenteil. Er musste ständig gegen Vorurteile kämpfen.

O o. Jetzt wird's schwierig. Was sagen Sie dazu, Frau Dörrie?

Kanye Wests sauteuere Turnschuhe als Algorithmus?

Zum Beispiel Kanye Wests Turnschuhe – Genauer gesagt: seine Nike Air Yeezy 1 Prototypen. Sie wurden 2008 für den Sänger anlässlich der Grammy-Verleihung handangefertigt. Neulich wurden sie bei Sotheby‘s versteigert. Wissen Sie, wieviel bezahlt wurde?

Antwort: 1,8 mio US-Dollar. Letztes Jahr erzielte ein Paar Nike Air Jordan 1s 615.000 US-Dollar. Leider vermag ich nicht zu sagen, wie viel KW 2008 für die Sneakers ausgegeben hat.

Sie fragen sich natürlich, wer sich so etwas ersteigert, nicht wahr?

Antwort: Es war eine Internet-Plattform namens RARES, die auf seltenes („rar“) Schuhwerk spezialisiert ist. Sicherlich kann man sie im WehWehWeh finden. Denn: Falls Sie Interesse haben, könnten auch Sie einen eigenen Anteil dieser kostbaren Schuhe ergattern. Will sagen: Für den Fall, dass sie wiederverkauft werden, machen auch Sie evtl. einen Gewinn! Ein wenig wie bei der Börse.

Der Verkäufer war ein Schuhwerksammler namens Ryan Chang. Der Name des eigentlichen Käufers bei RARES bleibt selbstverständlich unbekannt. Das ist doch klar. Persönlichkeitsrecht usw.

Ach ja, beinahe vergessen: Kanye West trägt Größe 45-46 (US=12; UK=11).

„So idiotisch“, sagte meine Frau. „Die Leute haben einfach zu viel Geld. Sie sollten lieber mehr Steuer zahlen oder das Geld für den Kauf von Impfstoffen für Afrika etc. zur Verfügung stellen.“

So kann man es auch sehen.

Eigentlich wollte ich heute über Algorithmen schreiben, aber obige Geschichte hat mich unversehens ergriffen. Über Algorithmen habe ich früher mal berichtet. Doch dann gestern habe ich von einer lieben Freundin aus der Jugendzeit einen Link erhalten zur Webseite eines gewissen amer. Zeitgeistkritikers namens Seth Godin. Er ist offensichtlich sehr bekannt. Mir sagte der Name leider nichts. Nicht nur betreibt er einen Blog mit dem Namen „Seth’s Blog“, er schreibt auch unzählige Bücher, tingelt durch die Fernsehanstalten und weissagt über den Zerfall der Wirtschaftsstrukturen, wie wir sie bisher kennen. Er will uns mit anderen Worten ins 21. Jahrhundert führen, in eine Welt, wo keiner mehr mit einer Arbeit auf Lebenszeit rechnen kann.

Neulich „postete“ (notabene: Neudeutsch) Mr. Godin einen Blog über den Begriff Algorithmus, ein Thema, das auch mich in letzter Zeit wieder interessiert. Vielleicht deshalb, weil ich mich momentan frage, wieso YouTube immer weiß, a.) was ich für Videos sehen möchte…oder was dahintersteckt, wenn YouTube versucht mich b.) mit mir unbekannten Themen zu belabern – bzw. zu becircen. Die Sache ist mir unheimlich.

Das Gleiche Phänomen gilt für Amazon. Stets entscheidet Amazon – ohne mein Zutun – , welche Produkte meine „Lieblingsprodukte“ sind bzw. sein sollten.

Seth Godin liefert eine simple Antwort auf dieses verblüffende Prozedere: Alles liegt am Algorithmus. Sie wissen schon: Damit sind jene mathematischen Vorgangsweisen gemeint, die im Internet formelhaft angewendet werden, um uns mit unseren Interessen zu vereinen.

Godin zufolge haben Algorithmen nicht die Funktion, Information bzw. Wissen zu verbreiten, sondern lediglich unsere „Aufmerksamkeit“ („Attention“) willkürlich zu steuern. Ich zitiere:

“The algorithm needs to send attention somewhere, and for a while, it sent it over there. But it almost certainly won’t last. Because the ecosystem is changing, all the time.”

Zu Deutsch (dem Sinne nach): “Der Algorithmus muss diese (Ware namens) Aufmerksamkeit irgendwohin weiterbefördern, weshalb sie eine Zeitlang (quasi willkürlich) irgendwohin geschickt wird. Diese Verquickung hält allerdings nicht ewig. Denn das Ökosystem ist stets im Wandel begriffen.“

Und weiter:

“You can’t post on a same platform twice, because the second time, it’s not the same platform as it was last time.”

Neudeutsch: „Du kannst auf einer Plattform nie zweimal posten. Denn das zweite Mal ist die Plattform eine ganz andere.“

Seth stellt ebenfalls die Frage, wer die Strippenzieher sind? Facebook, Twitter usw. lautet seine Antwort. Ich möchte Google, Microsoft, Amazon etc. hinzufügen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was all dies mit Kanye Wests sehr teuren Sportschuhen zu tun hat. Ich bin dennoch überzeugt, dass da etwas ist, was uns diese Air Yeezy Prototypen von West belehren könnten.

Wie ich, Bonobi, zum Menschen wurde

Wo soll ich anfangen? Als ich klein war, nannten mich alle Bonobi. Und wenn ich’s hier sagen darf…ich wurde…als Schimpanse geboren. Im Ernst.

Ich war ein waschechter Schimpanse und lebte in einer Schimpansenreserve in Florida in den USA. Wir waren eine lustige Gruppe von Schimpansen, und ich…ich habe einfach das gemacht, was Schimpansen üblicherweise tun: essen, blödeln, und noch wichtiger: meinen Platz lernen in der strengen Schimpansenhierarchie. So sind nun mal Schimpansen. Viel zu reden gab es bei uns nicht – außer vielleicht übers Fressen.

So weit so gut. Aber dann wurde ausgerechnet ich ausgewählt – wie soll ich’s sagen? – um einen Chip ins Hirn eingesetzt zu bekommen.

Sie wissen schon: Die Menschen sind einfach neugierig zu erfahren, was passiert, wenn man dies oder jenes ausprobiert. In meinem Fall hieß der Mensch, der diese Idee hatte, Elon Musk. Vielleicht kennen Sie den Namen.

Ich kann mich freilich nicht mehr an die Operation erinnern, außer dass ich plötzlich in einen tiefen Schlaf verfallen war. Fest steht aber: Als ich wieder zu mir kam, hatte ich plötzlich ein starkes Interesse an Computerspiele – besser gesagt, einen Drang danach. Ich war allerdings, wie ich später erfuhr, nicht der erste Schimpanse, bei dem diese Operation vorgenommen wurde. Elon hatte bereits anderen Schimpansen und Affen solche Chips ins Hirn einpflanzen lassen. Irgendwie hatte es etwas mit seiner Mars-Mission zu tun. Die ersten haben allerdings nur einfache Spiele gelernt. Zu meiner Zeit wurden die Games echt krass.

Eigentlich sollte dies das Ende der Geschichte sein…und wäre es auch wahrscheinlich…wenn es nicht für einen Zufall gewesen war, einen Zufall, mit dem keiner – nicht einmal Elon – gerechnet hat. Ich war nämlich eines Abends mit meinem Lieblingsspiel, Cyberpunk 2077, beschäftigt. Ja, ich weiß, dass es inzwischen ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Manchmal mag man die alten Sachen trotzdem. Ich hockte draußen auf einem Baum, meiner Lieblingsdattelpalme in der Reserve. Und plötzlich nahte ein Unwetter. Nichts Ungewöhnliches in Florida. Aber dann ist es auf einmal passiert: Knall! Krach! Ein Blitz traf genau den Baum, auf dem ich saß und Cyberpunk 2077 spielte.
Ab diesem Augenblick kann mich an nichts mehr erinnern. Ich war weg…noch weiter weg, als damals nach der Chip-Implantation.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Krankenhaus in Miami. Ich machte die Augen auf. Es standen lauter Ärzte um mich rum, und ich sagte…“Was ist passiert?“

„Hab ich‘s Dir nicht gesagt?“ sagte ein Arzt zu einem zweiten. „Er redet, und zwar perfekt. Und schau, wie sich sein Aussehen verändert…Hier sind ein paar Fotos von letzter Woche.“ Nun zog er meine Decke zurück, was mir, ehrlich gesagt, irgendwie peinlich war. „…Schau dir den Körper und das Gesicht an. Sie wirken Tag für Tag immer menschenähnlicher. Wer soll so etwas erklären?“

Ich hoffe, Sie schütteln jetzt nicht mit dem Kopf, liebe Leser. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin selber nicht weniger verblüfft als Sie. Wenn ich mir aber eine Theorie erlaube: Ich vermute, dass, wenn ich’s sagen darf, die Kombination von Chip und Blitzschlag etwas…etwas…Evolutionäres in mir bewirkt hat. Denn nun war ich auf einmal ein Mensch – so wie Sie und alle Menschen sind. Und seitdem heiße ich übrigens nicht mehr Bonobi, sondern Robert Logan. Ja, so nennt man mich offiziell. Keine Ahnung, warum. Alle nennen mich aber „Bob“.

All dies eigentlich nur als Hintergrund. Denn ab jetzt fängt das an, was ich für den wichtigsten Teil meiner Geschichte halte.

Wegen der ungewöhnlichen Situation hat mich Elon oft besucht. Er war – was soll ich sagen? – fasziniert, und bald hat er mich eingeladen bei sich und seiner Familie zu wohnen.

Elon hat mehrere Kinder, und sie sind alle ganz super. Wirklich. Doch eine seiner Töchter, Q-T-π-PG-16 und ich haben uns – wie soll ich’s sagen? – ja…ineinander verliebt. Solche Dinge passieren im Leben. Und jetzt möchte ich um ihre Hand halten. Denn ohne sie wäre mein Leben eine Öde.

Seit langem möchte ich Elon darauf ansprechen. Das will auch Q-T-π-PG-16. Bloß, wir wissen beide nicht, wie er reagieren wird. Er ist zwar noch immer ein toller, kreativer Kerl, echt krass. Manchmal aber denke ich, er sieht mich in seinem Herzen immer noch als Schimpansen…obwohl er mich im Herbst nach Harvard schicken will.

Wie dem auch sei: Das Problem ist längst nicht ausgestanden. Ich hatte es jedenfalls nötig, dieses für mich äußerst wichtige Thema wenigstens kurz zu erörtern. Drücken Sie mir den Daumen. Ich werde Sie auf den Laufenden halten…

Hier wird ein Berufsgeheimnis aus der Zeitungsbranche verraten…im ernst!

Vielleicht liest mein Blogkollege Gorg von Lustwort (siehe da) diese Glosse. Er hat mir neulich den Vorschlag gemacht, dass wir mal – jeder auf seine Art – gemeinsam ein Thema durchackern – wie zwei Gäule halt. Bekannterweise können zwei Pferde tiefer furchen als eins.

Ein gemeinsames Thema wäre, meinte er, das Hickhack bezüglich der jungen Amerikanerin Amanda Gorman, deren Hiphop-Gedicht an der Amtsvereidigung vom neuen US-Präsidenten Joe Biden große Wellen schlugen – nicht nur weil ihre „Performance“ (notabene: neudeutsches Wort) so süß war, sondern wegen des Identitätskulturkriegs, der dadurch ausgelöst wurde.

Sie wissen schon: Es ging darum, wer das niedliche Hiphop-Erzeugnis in andere Sprachen übersetzen darf. Ich brauche über dieses Thema sicherlich nicht weiter Bericht zu erstatten. Kennt jeder die Story.

Nur eins möchte ich dazu sagen. Falls jemand diese meinen Glossen in eine Fremdsprache übertragen will, bestehe ich nicht darauf, dass der Übersetzer oder die Übersetzerin, alt, weiß und männlich sei und auch nicht, dass dieser Mensch Linkshänder sein müsse wie ich – obwohl das mit dem Linkshänder sein bestimmt für meine Sensibilität eine Schlüsselrolle gespielt hat. Denn meine ersten Versuche mit einem Füllfederhalter zu schreiben, endeten immer mit entsetzlichen Schmierereien, was weder mich noch meine damaligen Lehrerinnen glücklich machte. Ja, Lehrerinnen. Es waren alle miteinander Frauen, die meine ersten Jahre an der Schulbank prägten.

Aber zurück zum gemeinsamen Thema, das ich mit Gorg fuhrwerken könnte. Die Richtung müssen wir noch ausführlicher besprechen. Auch er hat seinen Zweifel gemeldet, was Amanda Gorman betrifft. Zu sehr Eintagsfliege im medialen Zirkus.

By the way: Merken Sie auch, wie einfach es ist, sich vom Trivialen becircen zu lassen? Dazu reihe ich die Amanda Gorman Story ein. Ein Thema wird in den Nachrichten, in Filmen, Unterhaltungssendungen usw. angeboten, und zack! Der Leser konsumiert nicht, er wird selbst konsumiert!

Nun möchte ich Ihnen ein Geheimnis lüften, das ich vor vielen Jahren von einem lieben Bekannten, einem Reporter bei einer Boulevardzeitung, erfuhr.

Es war Ende August. Wir hatten uns zum Mittagessen getroffen – ich glaube, es war in der Kantine besagter Boulevardzeitung, deren Namen ich hier nicht verraten werde.

„Wissen Sie“, sagte er. Ja damals haben sich Menschen, mit denen man auch über persönliche Dinge redete, noch siezen können. „Bald ist die Ferienzeit vorbei. Da brauchen wir einen echten Knüller als neue Serie fürs Blatt. Denn im Lauf des Urlaubs haben viele Leute uns vergessen. Wir müssen sie wieder süchtig machen.“

Haben Sie das gewusst? Ich meine, dass Ihre Gewohnheiten als Medienkonsument(in) eine Ähnlichkeit mit Suchtverhalten hat? Wahrscheinlich nicht. Wer denkt an so etwas?

Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie ihre Lieblingssendungen oder Infoquellen einfach abschalten würden. Ginge die Welt unter?

Zu bemerken: Hier ist die Rede nicht von wichtigen Infos aus der Politik, aus dem Weltgeschehen, der Wirtschaft. Auch das Wetter kann – und oft ist – ein wichtiges Thema. Die Rede ist von den Klatschthemen, die nur hypnotisieren.

O je. Ich merke schon. Ich betrete schwierigen Terrain. Denn Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, und ich versuche wirklich nicht, meine Leser in Verzichtsfanatiker zu verwandeln. Der Sprachbloggeur ist kein Verbotsverein.

Trotzdem: Es schadet nicht, wenn man wenigstens über diese Dinge ein wenig nachdenkt.

Über ein gemeinsames Thema mit Gorg möchte ich auch nachdenken.

Auf Englisch sagt man: „Put your thinking cap on!”

Einstweilen: Lesen Sie weiter!

Rezo und die „Dullis“

Erinnern Sie sich an Rezo? Das war der putzige Junge, der sich damals die CDU in einem sehr langen YouTube-Video vorknüpfte…Entschuldigung… der sie „zerstörte“. So hat er das genannt. Da ich das Video nie gesehen habe, wäre es meinerseits anmaßend, es zu kommentieren.

Lediglich auf ein paar Standbilder im WehWehWeh bin ich damals gestoßen. Deshalb weiß ich, das Rezo blaue oder grüne Haare (wahrscheinlich grün) und ein nettes, freundliches Lächeln hat. Woher er sein Pseudonym „Rezo“ hat, weiß ich nicht.

Dennoch bin ich sicher, dass ich seine Kritik der CDU (oder waren es die Unionsparteien schlechthin?) in wenigen Worten oder Sätzen zusammenfassen kann: Die CDU ist baabaa. Pfui Teufel. Sie taugt nicht…usw.

Wenn ich mich erinnere, hatte Rezo seine Karriere als YouTube-Star im Bereich der Musik begonnen. Er war, glaub ich, Discjockey o.ä. Mehr weiß ich über ihn leider nicht.

Sie sehen, liebe Lesende: Auch dieser Text wird mit der üblichen Sorgfalt recherchiert. Fürs Übrige wenden Sie sich bitte an Vorsitzenden Google. ER ist allmächtig. ER weiß alles, und ist letztendlich auch großzügig.

Ach ja. Und ich weiß, dass man inzwischen den bürgerlichen Namen dieses Kriegers für die Wahrheit kennt. Schade. Ich mag gern das Mysteriöse.
Ob er selbst seinen Namen preisgab oder ob er von „Freunden“ (haha) verraten wurde, vermag ich nicht zu sagen. Fest steht, der blau- oder grünhaarige „Influencer“ ist mittlerweile ein richtiger bunter Hund. Wer über ihn schreibt, kann sicher sein dadurch, Interesse zu erwecken. Jetzt denken Sie: Machen Sie nicht dasselbe, lieber Herr Sprachbloggeur?

Eigentlich nicht. Ich befasse mich mit Rezo nur wegen eines Wortes. Denn schließlich bin ich ein Sprachbloggeur.

Es geht um Folgendes: Zufällig sah ich, dass sich besagter Rezo ein neues „Zerstörungs-Video“ veröffentlicht hat. Diesmal geht es um – tja, was sonst? – um die Corona-Pandemie!

Auch diesmal habe ich mir sein neuestes Video nicht angeschaut. Ich weiß nicht einmal, wie lang es ist. In den wenigen Sätzen, die ich darüber gelesen habe, scheint er auch weiterhin die Unionsparteien ins Visier genommen zu haben. Sein gutes Recht, und ich möchte ihn deshalb keinesfalls kritisieren. Was kritisieren? Ich kenn das Video nicht. Was mich dazu bewegt über ihn zu schreiben hat natürlich einen sprachlichen Bezug!

Denn in Rezos Kritik über die Coronapolitik beschreibt er die Politikerinnen, die das Sagen haben, als „Dullis“. Wörtlich: „So ein Haufen inkompetenter Dullis“.
Dieses Wort „Dulli“ ist mir neu. Ich weiß nicht einmal, wie man es ausspricht. Reimt es sich mit „Pulli“? Oder wird es direkt vom englischen „dull“, also „dumpfbackig“ hergeholt? Wenn Zweiteres, müsste es in etwa wie „dölli“ klingen. Weil ich diese Vokabel nicht kenne, bat ich – wie so oft – den Vorsitzenden Google um Rat. Im Nu hat er mir alles Mögliche zu diesem mir unbekannten Begriff dargeboten, und ich bedanke mich bei ihm herzlich.

Mit „Dulli“, so „Familienbande24.de“ bezeichne man „eine etwas trottelige, aber dafür liebenswerte/knuffige Person. Der Begriff wird teilweise liebevoll benutzt, kann aber auch eine Person bezeichnen, die durch unnötige Fehler andere behindert, jedoch keinen ernsthaften Schaden anrichtet.“

Klingt logisch – und passend.

Laut „giga.de“ kann es auch „als Beleidigung benutzt werden, wird allerdings häufig eher im liebenswerten Kontext für die Bezeichnung anderer Personen eingesetzt. Man versteht hierunter eine trottelige und unbedarfte Person. Synonyme für ‚Dulli‘ können ‚Depp‘, ‚Idiot‘ oder ‚Trottel‘ sein, wobei dem ersten Begriff in der Regel nicht in so eine harte, sondern eher liebevolle Bedeutung zugetragen wird.“

Da ich mir aber die Zeit nicht genommen habe, Rezos neueste „Zerstörung“ anzuschauen, vermag ich nicht zu sagen, in welchem Sinn er den Begriff verwendet. Wird die Coronapolitik von liebenswerten oder von handelsüblichen Trotteln geführt? Das ist die Frage.

Um die Antwort rauszufinden, rate ich Ihnen, sich direkt an Rezo zu wenden. Ich persönlich habe keine Lust, mich diesbezüglich näher zu informieren. In Sache Pandemie gibt es nur Experten. Offensichtlich hat sich auch Rezo zu einem erklärt.

Massenmord, Myanmar usw.

Erinnern Sie sich noch, dass dieses Land, wo momentan Armeechef Min Aung Hlaing friedliche Demonstranten massakrieren lässt, früher mal „Birma“ hieß?
Heute sagen alle dazu „Myanmar“. Doch warum?

Handelt es um eine symbolträchtige Namensänderung, die beweisen sollte, dass das Joch des Kolonialismus endgültig abgeschüttet wurde? Ich meine, ähnlich dem einst fruchtbaren Land nördlich von Südafrika – „Rhodesia“, das in „Zimbabwe“ umbenannt wurde? Ja, man wollte den bösen Herrn Cecil Rhodes entehren…oder wie man heute sagt „canceln“. Heute werden seine Statuen usw. in die Themse usw. weggespült. Was die Vokabel „Zimbabwe“ für eine Bedeutung hat, weiß ich leider nicht. Für den Befreier Robert Mugabe war der Sinn sicherlich etwas wie „ausbeuten“.

Oder warum wurde „Ceylon“ plötzlich in „Sri Lanka“ umgeändert? In diesem Fall kenne ich die Antwort. Der Name „Ceylon“ verdanken wir den Portugiesen, die diese Insel schon im 16. Jh. erreichten. Nein, es gab damals gewiss kein Senhor Ceylon. Fakt ist: Manche Insulaner kannten ihre Heimat als „Silan“. Auch die Form „Sri Lanka“ war damals in Umgang, was auf Sanskrit „ehrenwerte Insel“ bedeutet. Ein Teil der Lokalen nannten sich „sinhala“. Das klingt wie „singhalesisch. Heute wird zwei sehr unterschiedliche Sprachen, Tamil und Singhalesisch, auf dem Inselstaat gesprochen. Im Grunde aber sind Ceylon“, „Silan“ und „Sri Lanka“ irgendwie Varianten desselben Wortes.

Alles klar?

Aber zurück zu Birma bzw. Myanmar. Notabene: Ich sage nicht „Zurück nach Birma.“ Danke, nein. Augenblicklich lieber nicht. Dort sind die MassenmörderInnen noch an der Macht. Besagter Min Aung Hlaing hat neuerdings auf einem Staatsempfang dem Mut seines Heeres gehuldigt und beschwört die Demokratie, Neuwahlen etc. Klingt beinahe wie der Massenmörder Assad in Syrien oder Herr Khameni im Iran, der nach der Wahl vor einigen Jahren Protestierende massakrieren ließ. Tian’anmen in China 1989 nicht zu vergessen.

Aber nochmals zurück zu Birma bzw. Myanmar im sprachlichen Sinn. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen „Birma“ und Myanmar. Gab es einen britischen Kolonialherrn mit dem Namen Mister Burma, der das Land einst wirtschaftlich ausblutete?

Nein. So war es nicht. Fakt ist: Dieses gebeutelte Land besteht aus einer Zusammenrottung verschiedener Stämme – gewissermaßen wie die Schweiz. Nur ohne Uhrenfabriken und Banken und ohne Bundesrat und Kantonisierung. Dafür tragen die Männer Röcke. Die vorherrschende Ethnie dieses Landes ist ein Volk namens „Bamar“…oder in einem anderen Dialekt ihrer Sprache, „Myanmar“. Für die „Bamar“- Sprechenden hieß das Land schon immer etwas wie „Bama“, was wohl für die Engländer wie „Burma“ klang. Soweit ich weiß, waren beide Formen des Namens stets im Umgang. Keine Ahnung, wieso ausgerechnet jetzt Myanmar beliebter ist als Bama. Vielleicht weil das Land des massakrierenden Generals Min Aung Hlaing samt seinem mörderischen Tatmadaw (Heer) heute „Ryidaunzu Thanmada Myama Nainngandaw“ heißt – zu Deutsch „Republik der Union Myanmar“.

Jetzt wissen Sie mehr über dieses Thema als Sie jemals erhofft haben. Das schadet nie.

By the way: General Min Aung Hlaing hat neulich sein Mitgefühl für seine SoldatInnen öffentlich zum Ausdruck gebracht. Das hat mich an eine Aussage eines andren MassenmörderIn erinnert. Er hieß Paul Blobel. 1941 ließ er bei Babij Jar in der Ukraine über 33.000 Juden binnen 48 Stunden der Reihe nach brutalst umbringen. Sein Einsatzkommando C stand nach kurzer Zeit knöcheltief in Blut. Blobel wurde 1951 in Landsberg hingerichtet. 4000 entsetzte Demonstranten forderten Gnade für ihn. Blobel hatte während seines Gerichtsverfahrens behauptet, er habe „jegliche Empfindungs- und Leidensfähigkeit“ abgelegt, weil viele seiner Opfer still in den Tod gegangen seien, ohne zu klagen. Sein Mitleid galt allein seinen „Männern, die mehr mit den Nerven runter waren als diejenigen, die erschossen werden mussten.“
Zu Abend ließ er seinen HandlangerInnen zur Belohnung einen Schnapps ausschenken.

Das könnte auch Min Aung Hlaing machen, denke ich! Es wäre sehr human. Dito Assad und wie sie alle heißen. Bitte weitersagen…

Rechtshaberisch und linkshaberisch

Heute etwas fürs Leben. Muss auch mal sein. Sonst passieren die schlimmsten Dinge. Zum Beispiel Folgendes: Man findet auf YouTube ein Video mit dem Titel „Ihr Freund ist ihr fremdgegangen und sie will ihn zurückhaben“. (Notabene: kein Komma im Original – schlampig!). Noch ärger: Man wird neugierig!

Ich bin nämlich neulich auf eben diesen Titel gestoßen und stellte fest, dass nach 19 Stunden online bereits ca. 43.000 „YouTuber“ das Video angeklickt hatten. Unfassbar…oder? Das Video ist genau sieben Minuten und dreiunddreißig Sekunden lang. Finden Sie es erstrebenswert, 7 Minuten und 33 Sekunden Ihres kurzen Lebens mit dem Inhalt eines solchen Videos zu befassen? Na ja, über die Geschmäcke sollte man nicht streiten. Aber trotzdem…

Im „Thumbnail-Teaser“ prangt ein Bild links von einer jungen Frau mit lang herunterhängenden blonden Haaren, das Gesicht etwas verpixelt; rechts eins von einem jungen Mann. Er ist unrasiert, seine Haare unten kurz geschoren, oben lang wuschelnd, so wie ein Karottenbeet. Er trägt weiße Ohrenstöpseln. Sein Gesicht ist allerdings nicht verpixelt, und er sieht dumm und arrogant aus. Zwischen den beiden hängt ein rotes Herz. Es ist – erwartungsgemäß gerissen. Aua und schluchz.

Mehr habe ich zu dieser Sache nicht zu sagen, außer dass ich nicht bereit war, 7 min 33 sek meines Lebens zu investieren, um mehr zu erfahren. Man wünscht den beiden alles Gute und hofft, dass beide den Partner – bzw. die Partnerin – finden, den/die sie verdient haben.

Eigentlich wollte ich mit einem ganz anderen leckeren Gericht aufwarten. Ich habe mir nämlich Gedanken über die Begriffe „links“ und „rechts“ gemacht.

Wie jeder weiß: Begriffe, die mit einer Form von der Vokabel „recht“ gebildet werden, stellen meistens etwas Positives dar. Man hat „recht“. Er ist ein „rechtschaffender“ Mensch. Sie sind auf den „rechten“ Weg. Auch „richtig“ ist mit von der Partei und dient als Gegensatz zu „falsch“.

Begriffe, die eine Form der Vokabel „links“ beinhalten, stellen hingegen nicht selten etwas Negatives dar. Aus ihm wird nix, er war schon immer „link“. Sorry, ich habe zwei „linke Hände“, kann also kaum einen Nagel in die Wand reinhauen. „Link“ auf Lateinisch heißt „sinister“. Die ganze verruchte Atmosphäre wirkt so…so…so…“sinister“. Oder auf Französisch „gauche“. „How gauche“, sagt man auf Englisch, also „wie krude“.

Hier sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich Linkshänder bin. Und: Ich kann den Zustand nur empfehlen. Ich habe damit beste Erfahrungen gemacht!
Immerhin werden in der Politik beide Körperseiten gleichwertig gehandhabt. Egal wie man steht, ist man überzeugt… im recht zu sein!

So weit so gut. Und jetzt komme ich endlich zurück zum Versprechen vom Anfang dieser Glosse: Ihnen heute etwas fürs Leben mit auf den Weg zu geben. Und zwar folgende Weisheit, die allerdings nicht von mir stammt. Ich bin lediglich der Bote.

Ich habe die Story vor etlichen Jahren von einem Bekannten gehört, der sie wiederum selbst lediglich als Anekdote weitererzählte. Ich weiß nicht mehr, ob er Augenzeuge war.

Es geht um den alten Herrn R, den ich selbst mal kennengelernt habe, allerdings ohne mit ihm ein Wort ausgetauscht zu haben. Er war weißbärtig und kam mir jedenfalls irgendwie fad und verdattert vor. Vielleicht war er auch damals so.

Herr R. war einmal in einem Gespräch mit einem hitzigen jungen Mann vertieft, der von Satz zu Satz immer vorlauter wurde, bis er endlich nachdrücklich beteuerte: „Aber ich habe recht!“

Daraufhin erwiderte Herr R. „Ach! Nicht nur hast du Ideen und Argumente. Du hast auch recht. O je. Mein Beileid. Recht zu haben, ist das schlimmste, was einem passieren kann.“

Nun frage ich mich, wer im oben erwähnten YouTube-Video recht hatte. Die junge Frau oder der junge Mann? Dem Sieger möchte ich nämlich mein Beileid zum Ausdruck bringen.

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