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Wie sagt man „dumme Gans“ auf PETA-Deutsch?

Ich lebte damals erst ein paar Jahre in München, und meine Deutschkenntnisse waren noch bescheiden. Beim Aussteigen aus dem Bus bewegte sich die betagte Dame (oder war das ein betagter Herr?) vor mir langsam und behutsam. Hinter mir stand eine Frau in den spätmittleren Jahren. Offensichtlich hatte sie es eilig. Noch dazu – so denke ich heute – hatte sie keine Erklärung fürs verzögerte Aussteigen.

Leichtes schimpfendes Murmeln ertönte und dann mit einem Mal hat sie mich mit beiden Händen grob geschubst.

Ich war natürlich überrascht. Und wie! Ich wandte mich ihr zu und sagte: „Blöde Gans!“ Ich habe das nur deshalb gesagt, weil meiner Deutschkenntnisse die Möglichkeit einer ausführlichen sachlichen Beschreibung der Situation fehlte.

Ich erinnere mich aber, als ich endlich festen Boden unter den Füßen hatte, dass mir gleich durch den Kopf ging, wie harmlos „dumme Gans“ klingt als Schimpfwort.

Auf Englisch hört man hier sogar etwas Freundliches heraus. „Silly goose“ hat irgendwie etwas Neckisches. Will man wirklich schimpfen, gäbe es mehrere deftige Alternativen.

Ich komme auf diese Erinnerung zu sprechen, weil ich neulich beim Ausmisten meines Arbeitszimmers auf einen Artikel aus der Münchener Abendzeitung vom Anfang 2024 (klingt mittlerweile wie ewig her!) gestoßen bin.

Erörtert wurde ein Versuch seitens der Tierschutz-Organisation „PETA“ („People for the Ethical Treatment of Animals“) tierfreundliche Alternativen für Schimpfwörter zu finden, die sich traditionell auf Tiere beziehen, damit das arme Tier mit Respekt behandelt und nicht so diskriminiert werde.

„Speziesismus“nannte PETA diese Unsitte im Anklang an „Rassismus“. „Spezie“ also als Gegenpart zu „Rasse“.

PETA gibt als Beispiele für diese Respektlosigkeit gegenüber Tieren „dumme Gans“ (die Frau war wirklich eine dumme Gans!), „Rabeneltern, „ein Hühnchen rupfen“, „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ u.v.a.m.

Aus diesem Grund suchten die Tierliebenden dieses Vereins nach brauchbaren Alternativen für jene Tierbeleidigungen.

Beispiel: Anstatt „ein Hühnchen zu rupfen“ „Weinblätter rollen“. Sicherlich könnte man sich daran gewöhnen.

Oder anstelle von den „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, „Erbsen auf eine Gabel laden“.

Mein Lieblingsspruch lautet: „die vegane Calzone aufschneiden“. Falls Sie den nicht verstehen. Es geht um eine lustige Alternative für „die Katze aus dem Sack lassen“.

Es gäbe noch viele andere Beispiele aus dem Katzensack von PETA. Diese können Sie selber googeln.

Doch stellen Sie sich vor: Wenn Tiere die Welt herrschten, würden sie ebenso sachte mit den Menschen umgehen, wie PETA von uns Tieren gegenüber wünscht?

Wenn Sie mich fragen, ist es an der Zeit, dass PETA eine Kampagne ins Leben ruft, die sich an tierfressende Vögel und Raubtiere richtet, um ihnen Essensalternativen zu zeigen und bieten. Haben Sie jemals gesehen, was ein Reiher mit einem aufgeschnappten Maultier macht? Schauen Sie sich mal so etwas an. Sie werden verstehen, dass Reiher eigentlich Dinosaurier sind.

Nebenbei: Leider weiß ich nicht, wie PETA „dumme Gans“ vegan übersetzt hat. Mein Vorschlag aber: „du mit besonderen Bedürfnissen denkender Kräuterseitling!“?

Die wichtigsten „G“ Wörter

Sie können es nicht wissen, wenn ich es Ihnen nicht verriete, aber die beiliegende Glosse ist die erste, die ich auf meiner neuen Tastatur schreibe.

Die alte habe ich, wie man so sagt, entsorgt. Nach mehreren Jahren war sie total ausgelatscht – oder vielleicht besser gesagt: durchgeschrieben. Es fehlten bereits Tasten.

Ich danke dir, altes, treues Werkzeug! Möge man dich gewinnbringend recyceln. Wer weiß, was aus deinen Tasten und Drähten, Alu und Gummi mal werden wird!

Doch jetzt zum Buchstaben „G“. Diese Taste hat übrigens bis zum Schluss noch funktioniert – im Gegensatz zu „Y“.

Auch „Glosse“ fängt mit einem „G“ an und bedeutet auf Griechisch „Zunge“. In dieser Glosse möchte meine Zunge aber ein paar andere „G“-Wörter erörtern.

Zum Beispiel „Gaslighting“. Sagt man auch auf Deutsch und nicht „Gaslichten“.

Unter „Gaslighting“ versteht man ein Phänomen, wenn einer (bzw. eine) einen anderen (bzw. eine andere) glauben lässt, dass er oder sie allmählich wahnsinnig wird. Zum Beispiel: Der Täter schaltet ein Licht aus und fragt das Opfer, warum es das Licht ausgeschaltet habe.

Natürlich behauptet das Opfer, dies nicht getan zu haben. Aber das ist nur der Anfang. Am Tisch zu Abend fehlt Besteck. „Bekommen wir keine Gabel?“ fragt der Täter. „Aber ich habe Gabel auf den Tisch gelegt“, die Antwort. „Wo sind sie wohl geblieben?“

Usw. Bis das Opfer das Gefühl hat, nicht ganz richtig im Kopf zu sein.

Das Wort entstammt einem britischen Theaterstück aus dem Jahr 1938, das 1944 zu einem sehr beliebten Film, „Gaslight“ (dt.: „Das Haus der Lady Alquist“) mit Charles Boyer als Bösewicht und Ingrid Bergman als Opfer.

Der böse Ehemann lässt seine Frau zunehmend an ihre Zurechnungsfähigkeit zweifeln, indem er eine Gaslaterne (damals gab es diese noch) mal rauf mal runter dreht, um sie heller oder dunkler leuchten zu lassen. Zum Glück fliegt die heimtückische Machenschaft auf. Happyend.

Der Begriff „Gaslighting“ wurde in der engl. Sprache schnell geläufig und irgendwann mal auch in der deutschen.

Aber jetzt noch ein „G“-Wort: „Ghosting“. Auch ohne jegliche Veränderung aus dem Englischen ins Deutsche übernommen…wie „Deal“.

Man schickt eine Mail bzw. ein „Message“ an jemanden und bekommt keine Antwort. Als würde man nicht existieren. Als wäre man ein Gespenst.

Wahrscheinlich ist der Begriff so beliebt, weil das Ghosting dank der Socialmedien immer häufiger wird.

Ich als Schriftsteller werde oft geghostet. Früher bekam man immer eine Antwort, ob positiv oder negativ, auf ein Angebot.

Das wird sich mal alles wieder beruhigen, sagt der langfristige Optimist. Immerhin: Die Digitalisierung steckt noch immer in den Kinderschuhen.

Und noch ein „G“ Wort (es gibt soviele!): „GenZ“ – oder ist das ein „Z“ Wort? Das mit dem Bezeichnen von Generationen ist im Augenblick ein großes Geschäft geworden. Aber Vorsicht! Bald wachsen den GenZs die ersten graue Haare. GenAlpha steht schon in den Startlöchern.

Ach! Beinahe habe ich die allerwichtigsten „G“ Wörter vergessen: „Geschäft“ und „Geld“. Diese Begriffe versteht jeder. Zum Beispiel: Man geht ins Geschäft und kauft mit Geld eine neue Tastatur.

Wie man eine Fremdsprache akzentfrei lernt

Ich erinnere mich an ihn noch genau. Er hieß Peter und war Deutscher oder Schweizer. Seine Brille war rund wie ein Vollmond, und er trug eine kurze Hose. Vielleicht eine Lederhose.

Wir standen in der Schulbibliothek – die ganze Klasse – um gegen Kinderlähmung geimpft zu werden.

Notabene: Dies geschah in einem anderen Jahrtausend und in der viel mythologisierten Bronx USA. Vielleicht waren wir sieben oder acht Jahre alt.

Das Ereignis, woran ich denke, fand entweder vor oder nach der Impfung statt. Auf einmal fällt Peter wie ein wackliger Turm nach vorne und ist ohnmächtig geworden. Er knallte mit dem Gesicht auf den Boden. Die Vollmondbrille ging zu Bruch, und Peter war – zumindest kurz – fern dieser Welt.

Es war das einzige Mal, dass ich erlebt hatte, wie jemand ohnmächtig wurde. Er ist nicht in sich zusammengesunken. Er stürzte glatt nach vorne.

Der kleine Peter ist mir aber auch aus anderen Gründen in Erinnerung geblieben. Denn er kam ohne Englischkenntnisse in die Grundschulklasse. Nach wenigen Monaten beherrschte er meine Muttersprache allerdings perfekt.

Zufällig habe ich neulich im Spiegelonline über eine Studie der Universität Halle-Wittenberg gelesen. Es ging um den Spracherwerb bei Flüchtlingskindern.

Ach! Entschuldigung! Ich hätte eigentlich „junge Geflüchtete“ schreiben müssen. Die Medien bedienen sich gern der inklusiven Sprache. Man hofft wohl dadurch, dass eines Tages aus jungen inkludierten Geflüchteten mal junge Studierende werden.

Die oben erwähnte Studie lässt allerdings bezweifeln, ob dies jemals möglich sein wird.

Denn nun haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die sog. „Willkommensklassen“, in denen Flüchtlingskinder intensiv Deutsch büffeln, untauglich seien, um Deutsch zu lernen.

Im Ernst.

Denn was ist eine „Willkommensklasse“ überhaupt? Antwort: Lauter Ausländerkinder hocken zusammen in einer Gruppe und werden zwangsangedeutscht.

Viel schneller und besser – so die Studie – lernen solche Kinder die Fremdsprache – in diesem Fall Deutsch – wenn sie direkt in die Regelklasse eingeschult werden.

Irgendwie logisch…oder? Denn in der Regelklasse reden alle Kinder und die Lehrer Deutsch. Der kleine Flüchtling saugt die Sprache geschwind auf. So wie der kleine Peter, der damals in Ohnmacht fiel.

Fakt ist: Kinder schnappen mühelos Fremdsprachen auf – vor allem in der Gesellschaft anderen Kinder, die diese Fremdsprache unentwegt plappern.

Ich habe das gleiche mal auch bei einem ungarischen Flüchtlingsbuben erlebt. Er war allerdings etwas älter als derzeit Peter. Sein Englisch war bald perfekt – nicht aber akzentfrei. Dafür gab es einen guten Grund.

Beispiel Henry Kissinger und sein Bruder Walter. Sie flüchteten
mit Familie in den 1930er Jahren in die USA. Henry war bereits in der Pubertät, Walter nicht. Henry sprach Englisch bald perfekt – aber stets mit Akzent. Walters Englisch war akzentfrei. Nebenbei: Auch der Sprachbloggeur spricht Deutsch mit Akzent.

Die Pubertät. Darum geht es. Vor der Pubertät bleibt das Menschenhirn biegsamer als danach.

Dennoch sollten wir den Wissenschaftlern der Uni Halle-Wittenberg dankbar sein. Sie haben etwas wiederentdeckt, dass früher allgemein bekannt war.

Hören Sie, Ausländeramt? Oder wie auch immer man sie heute nennt…

Heute möchte der Sprachbloggeur nur lästern (doch warum auch nicht?)

Sind Sie noch da, liebe Leser?

Nein, ich frage nicht, ob Sie als Leser noch da sind. Würden Sie nicht lesen, wäre die Frage ohnehin überflüssig.

Ich frage, ob Sie…wie soll ich es sagen?...ob Sie noch das Gefühl haben, dass Sie als Mensch noch da sind…besser gesagt: ob Sie geerdet sind?

Ja, geerdet. Der Begriff entstammt der Elektrotechnik. Ist etwas geerdet, besteht keine Gefahr, dass es von einem Blitzschlag beschädigt wird.

Auch Menschen sollten…auf ihre Art… geerdet sein. Man könnte auch „bodenfestig“ sagen.

Meine Befürchtung ist, dass – zumindest gegenwärtig – die Bodenfestigkeit erheblich nachlässt. Wofür es auch gute Gründe gibt…

Ja, liebe Miterdlinge, wir schreiben die Geburtsjahre eines sich zusehends digitalisierenden Zeitalters. Digitalisierung bedeutet, dass wir auf konkrete Dinge, Dinge, die man mit den Händen ergreifen kann, immer mehr freiwillig verzichten. Manche kennen sich noch gar nicht aus – aber sie sind meistens alt, manche schwimmen wie in Trance in den Strömungen mit. Die Wenigsten machen sich um die Sache Gedanken.

Zum Beispiel Geld. Können Sie sich erinnern? So lange ist es nicht her, dass man viele Dinge des täglichen Lebens mit Münzen und Scheinen bezahlt haben?

In Deutschland kann man das zwar noch immer tun – aber solche Menschen sind meistens alt. In Dänemark und Schweden erblickt man Münzen und dergleichen kaum mehr. Automatisch zuckt man die Kunststoffkarte bzw. das Phone oder die Smartuhr und – zack! Man hat bezahlt.

Jaja. Ich erzähle hier nix Neues.

Aber die Konsequenzen. Haben Sie daran gedacht? Haben Sie daran gedacht, wie sehr man von diesen Dingen abhängig geworden ist?

Was geschieht bitteschön, würde der Strom ausgehen? Haben Sie das mal erlebt? Ich schon. Man ist plötzlich alleingelassen. Nicht einmal in der Lage, telefonisch nach Hilfe zu rufen. Oder was geschieht, würde ein anderes Land (heute keine Namen) das Stromnetz sabotieren? Kommt auch mal vor. Plötzlich ist man auf diejenigen angewiesen, die in der unmittelbaren Nähe sind. Das kann gut oder schlecht ausgehen.

Nur dann stellen Sie fest: Oje! Ich bin nicht mehr geerdet!

Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: Wir leben tatsächlich in gefährlichen Zeiten. Und noch schlimmer: Im Augenblick gibt es keine Wahrheit, sondern lediglich Wahrheiten.

So ein Zustand ist freilich nichts Neues. Lügen, Klatsch, Propaganda und Co. haben immer eine große Rolle gespielt – auch in der Antike, wenn gewisse Menschen um die Macht ringen. Man lügt über Feinde…und über Freunde.

Neu ist lediglich die Tatsache, dass Lügen weder kurze oder lange Beine zu haben brauchen. Sie sausen über die ungeerdete Erde im Nu. Elektronischen Impulse sind noch schneller als der Wind.

Was tun? Nein keine Sorge, Sie müssen Ihr Phone, Ihren Rechner, Ihre Plastikzahlkarten usw. nicht recyclen.

Nein nein. Die Zukunft bleibt digital.

Mein Vorschlag: Erden sie sich.

Komischer Ausdruck. Verlernen Sie das Schreiben mit der Hand nicht (auch das Kursiv nicht). Verlernen Sie, wie man einen Knopf annäht, nicht. Spielen Sie ein Instrument…

Ach du lieber! Heute habe ich etwas geschrieben, was kaum mit Sprache zu tun hat. D.h.: mit Ausnahme eines einzigen Wortes: Erden. Schönes Wort. Schlagen Sie nach.

Aber genug. Ende des Gezeters.

Kurzer Streifzug durch die Volkskrankheiten…

Fangen wir erst mit ein paar altgediegenen Volkskrankheiten an.

Als ich vor vielen Jahren in Deutschland eintraf, hieß die beliebteste Volkskrankheit im Lande „Kreislaufprobleme“.

Man sagte: „O je. Ich hab’s heute mit dem Kreislauf“, oder „Bei mir ist der Kreislauf wirklich im Keller…“ usw.

Damals habe ich als Neuling nicht gewusst, dass auch ich einen Kreislauf hatte. Man musste mir erst erklären, was das mit dem Kreislauf bedeutete. Trotzdem habe ich nicht ganz verstanden.

Auf jeden Fall: Sobald mir beigebracht wurde, dass auch ich einen hatte, wurde mir eingetrichtert, dass er im Keller war. Vielleicht weil sich junge Leute in der Früh oft schlapp fühlen. Nie hingegen am Abend.

Nebenbei: Ich habe damals auch erfahren, dass die Engländer keinen Kreislauf hatten, dafür aber Rückenschmerzen.

Das war aber damals. Heute reden fast nur noch alte Menschen von ihrem Kreislaufleiden.

Was gibt es denn heute für Volkskrankheiten?

Zum Beispiel ADHS. Das steht für „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung“. Eigentlich eine amer. Volkskrankheit. Dort sagt man ADS, „Attention deficit syndrome“.

Es gibt diese Störung, wenn ich mich nicht täusche, seit ca. 30-40 Jahren. Damals bekamen „hyperaktive“ Kinder zur Behandlung „Ritalin“. Ich weiß nicht, ob das immer noch geläufig ist. Wenn ich mich erinnere, hatte die Behandlung irgendwelche unangenehme Nebenwirkungen. Vielleicht irre ich mich. Google weiß alles und KIKI noch mehr. Man ist schnell im Bild. Siehe da.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin überzeugt, dass es tatsächlich Kinder – und Erwachsene – gibt, die ein ernstes Problem mit der Konzentration haben – so wie es Menschen gibt, die richtige Kreislaufprobleme haben.

Nur, ich frage mich: Ist Konzentration ein Fixum? Oder kann es sein, dass manche Leute mehr andere weniger davon haben?

Ich will aber hier keine Doktorarbeit über dieses Thema schreiben, Ich teile mit Ihnen lediglich ein paar Gedanken, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gehen.

Heute würde man sagen: Menschen mit diversen Konzentrationsfähigkeiten seien „im Spektrum“.

Und prompt sind wir bei der nächsten neuen Volkskrankheit: Autismus.
Ist es Ihnen aufgefallen, dass immer mehr Menschen heute als „autistisch“ gelten – insbesondere, wenn sie schüchtern oder – wie man früher sagte – „introvertiert“ sind?

Weil ich ein Buch über sog. „Wolfskinder“ geschrieben habe: „Kaspar Hausers Geschwister“, habe ich dieses Thema ausführlich recherchiert. Denn viele Forscher waren lange der Meinung, dass auch viele sog. Wolfskinder in Wirklichkeit Autisten waren. So einfach ist die Sache aber nicht. Lesen Sie halt mein Buch. Nein, keine Werbung in eigener Sache.

Klar: Wie bei der AHDS gibt es tatsächlich richtige Autisten, will heißen, Menschen, die tatsächlich mit einem ernsthaften Verhaltensproblem leben. Auch diesbezüglich hilft KIKI (und mein Buch) weiter. Die meisten jedoch sind lediglich, „im Spektrum“, weil sie schüchterner sind als andere. So ist es mit den Volkskrankheiten.

Ach ja! Das Wichtigste hab ich dummerweise vergessen! Die Geschlechtsdysphorie! Notabene: Das Wort ist beinahe nagelneu, frisch aus der Vokabelfabrik. So frisch, dass man noch nicht auf die Idee gekommen ist, dass es auch in der Sexualität ein „Spektrum“ der Empfindungen gibt, so dass chirurgische und medikamentöse Eingriffe zu einer schrecklichen Makulatur werden…

Ich hätte viel mehr über dieses Thema zu sagen. Doch leider ist heute mein Kreislauf am Arsch. Vielleicht ein andres Mal.

In eigener Sache: Bin bald auf Forschungsprojekt. Nächste Glosse Anfang August. Tja. Und dann zack! haben wir Herbst!

Was ist denn das: Cosplay?

Nein, heute spiele ich Cosplay nicht.

Cosplay? „Spielen“? Eigentlich weiß ich nicht, was man das nennt, was man mit Cosplay tut.

Praktiziert man es? (Nebenbei: Es heißt das Cosplay). Tut man es? Lässt man sich darauf ein? Keine Ahnung.

Kein Wunder: Ich bin dieser Vokabel erst vor ein paar Tagen begegnet. Natürlich in den, wie man sagt, „Sozialmedien“. In meinem Fall bedeutet das lediglich YouTube. Das Wort „Cosplay“ stand auf der Titelseite eines Videos. Man sah kostümierte Menschen abgebildet.

„Cosplay“?, dachte ich und schlug nach. Will heißen: Ich hab Herrn Google gefragt.

Nebenbei: Ich schaute mir das Video nicht an.

Wahrscheinlich bin ich – wie so oft – bloß ein Nachzügler. Möglicherweise kennen Sie sich bereits auf dem Gebiet des Cosplay bestens aus; und Sie lesen das, was ich hier schreibe, weil Sie hoffen, ich werde etwas Überraschendes zum Thema beifügen.

Könnte ja sein!

Das Wort, so stellt es sich heraus, ist ein Kofferwort. Darüber habe ich neuerdings geschrieben. Also, ein Begriff, der aus einer Zusammenverschmelzung zweier bereits existierender Begriffe formiert wird. Etwa „Brunch“ aus „Breakfast“ und „Lunch“, „Smog“ aus „Smoke“ und „Fog“ usw.

In diesem Fall heißt das Elternpaar „costume“ und „play“. Allerdings ist dieses Wort ausnahmsweise kein modisches englisches Kofferwort. Cosplay ist…japanisch und stammt aus der sog. Manga/Anime-Szene.

Sie kennen schon „Manga“, nicht wahr? Jene Comics mit puppenhaften androgynen Figuren, die auf Abenteuer gehen und ab und zu mal ein wenig knutschen. „Anime“ ist das gleiche nur als Video dargestellt.

Die Manga-Szene wurde in den 1990er Jahre Mode. Das Wort „Cosplay“ selbst – so Wikipedia – wurde bereits 1983 von einem gewissen Nobuyuki Takahashi aus dem Boden gestampft. Auf Japanisch heißt es „kosupure”. Aussprache mir unbekannt. Mehr Infos können Sie selber bei Wiki lesen – oder bei Googles KIKI.

Es geht offensichtlich ums Rollenspielen. Ursprünglich schlüpfte man in die Kostüme einer Lieblings-Mangafigur. Wieso man so etwas tat, weiß ich leider nicht. Wenn das alles bereits in den 1990er Jahren geschehen ist, kann man davon ausgehen, dass die Jugendlichen, die damals diese Rollen so eifrig spielten, mittlerweile um die 50 Jahre alt sind.

Hallo GenZ, Lieblinge der Zeitschriften und der Sozialmedien! Auch Ihr werdet mal 50 Jahre alt (und wohl noch älter!).

Irgendein Idiot wie ich wird dann über eure Vorlieben schreiben als ein Phänomen aus der Vergangenheit. Vielleicht wird es einer sein, der sich GenAlpha oder gar eine GenBeta nennt?

Egal. Im Augenblick ist, soweit ich das verstehe, Cosplay auch ein GenZ Ding.
Gern spielt man Rollen. Zu jeder Zeit. Wahrscheinlich sind die Cosplay-Kostüme nicht gerade billig, es sei denn, man bastelt an einem selbst.

Ich erzähle lediglich etwas, worüber ich sehr wenig weiß. Ich gehe aber davon aus, dass auch diejenigen, die sich auskennen, nur wenig darüber wissen. Man weiß oft nichts; man tut nur.

Für Sie habe ich ein wenig Klatsch…

Waren Sie auf der Bezos-Sanchez Hochzeit?

Welch Zufall! Ich auch nicht.

Doch Hand aufs Herz: Haben Sie mehr als fünfzehn Sekunden Ihrer kostbaren Zeit auf Erden mit den ausführlichen (auch mal lästernden) Nachrichten darüber verplempert?

Falls die Antwort „nein“ lautet, dann sind Sie – wie ich – jemand, der sich mit Vorsicht an die Medien antastet.

Falls Ihre Antwort „ja“ lautet, stelle ich Ihnen eine zweite Frage: Hat es sich gelohnt, sich im Detail über dieses Thema zu informieren?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte weder die „Ja“- noch die „Nein“-Sager auf irgendeine Weise bevorzugen.

Man ist nicht besser, weil man kein Interesse an die Bezos’sche Hochzeit aufbringt, und man ist auch kein alberner Mensch, wenn man…tja…neugierig wird.

Heute geht es mir vielmehr darum, auf die Klatschigkeit der Nachrichten hinzuweisen. Nein, nichts Originales (außer obigem Wort) meinerseits. Hat schon der Amerikaner Neil Postman in den 1980er Jahren bzgl. des Glotzens sehr elegant und auch ausführlich geschildert. Er ist im Jahr 2003 gestorben. Würde er heute noch leben!

Nebenbei: Es gibt momentan überall Kriege. Allerdings werden nur über die „beliebtesten“ berichtet.

Zum Beispiel: Wenn die Aufmerksamkeit der Medien in Richtung Israel oder Iran gerichtet wird, dann erfährt man so gut wie nichts über die Angriffe der Russen auf die Ukraine – oder wenn plötzlich die Ukraine in den Mittelpunkt rückt, weiß man nur wenig darüber, was im Nahe Osten los ist.

Was die anderen grausamen Schauplätze betrifft, etwa Sudan, Kongo, Myanmar usw., da erfährt man ohnehin kaum etwas oder gar nichts – egal wie düster die Lage ist.

Aber halt! Ich habe nicht vor, hier eine Polemik zu schreiben und erst recht kein politisches Pamphletchen. Die Politik war noch nie meine Leidenschaft. Da gibt es genügend andere, die gerne ihre Meinungen ver-öffentlich-en. (Ja, so versteht man die genaue Bedeutung dieser Vokabel).

Lediglich will ich darauf hinweisen, dass sich die Nachrichten – zumindest diejenigen, auf die ich stolpere –, immer weniger über aktuelle Ereignisse befassen und immer mehr – wie Neil Postman ehemals weise erkannte – zu unterhalten beabsichtigen.

Schauen Sie sich mal die ARD bzw. ZDF Fernsehnachrichten an: lange Berichte über den Bauer, der sich bemüht, seine Felder ökologisch zu bestellen. Oder lange Berichte darüber, wie man eine Hitzewelle erlebt, wie man sich abkühlt etc. Und dann geht‘s nahtlos zum Sport rüber.

Klatsch und Unterhaltung. Das wäre es…zumindest meistens.

„Klatsch“ auf Deutsch hört man, wenn einer die Hände gegeneinanderschlägt. So macht man ein bisschen Lärm. Lustig.

Auf Englisch hat man das hübsche Wort „Gossip“: ein alter Begriff, eine Zusammenfügung von „god“ und „sibb“. „God“ ist wie „Gott“. „Sibb“ ist mit „Sippe“ verwandt. Auf Englisch heißt die „Patentante“ „godmother“, der „Patenonkel“ „godfather“ (wie im spannenden Mafia-Film). Früher waren die meisten „Paten“ Frauen. Aus Gründen, die mir unbekannt sind, meinte man in alten Zeiten, dass diese „Patentanten“ gern miteinander klatschten. So eine Klatschtante nannte man auf Englisch „Gossip“. Daraus wurde später ein Abstraktum und ein Zeitwort.

Selbstverständlich klatschen auch Männer gern.

Und weit mehr als Männer und Frauen klatschen auch die Medien, und nun wissen Sie, warum ich keine Einladung zur Bezos-Sanchez-Hochzeit bekommen habe…

Dies ist kein Podcast…

Fangen wir mit dem Kofferwort „Podcast“ an. Wie jedes Kofferwort, ist dies ein Mischprodukt zweier Wörter, die zu einem neuen Begriff zusammenschmelzen. Die bekanntesten sind wohl immer noch jene englischsprachigen Bildungen wie „smog“ („smoke“ und „fog“) und „brunch“ („breakfast“ und „lunch“).

Im Falle von „Podcast“ werden „ipod“ (antikes tragbares Musikgerät und Vorgänger des „ipad“) und „broadcast“, also Fernseh- bzw. Rundfunksendung vermischt.

Nebenbei: Der Erfinder dieses Wörterspiels und des Begriffs Kofferwortes – franz. „port-manteau“ – ist Lewis Caroll, genialer Pater von „Alice in Wunderland“. In einem der Alice-Werken erklärt Humpty Dumpty der vifen Alice, wie man Wörter miteinander vermengt, um neue Begriffe zu gebären. Diese Wörter werden Humpty Dumpty zufolge gleichsam gemeinsam in einen Koffer gelegt.

Nun wissen Sie alles, was über dieses Thema wichtig ist.

Doch mein Titel lautet: „Dies ist kein Podcast“.

Jeder weiß, was mit Podcast gemeint ist. Man läuft durch die Straßen mit „airpods“ usw. im Ohr herum, man erledigt lästige Hausarbeit, man sitzt im Bus usw. und lauscht dabei einer Diskussion bzw. einem Vortrag über irgendein spannendes Thema. Ob politisch, historisch, ist egal. Hauptsache unterhaltsam.

Auch ich höre manchmal – doch nur mitten in der Nacht, wenn ich nicht schlafen kann – Radio Podcasts. Meistens sind das politische Diskussionen zu den großen Themen.

Man hört zu, erfährt dies und jenes usw. Danach schlafe ich wieder ein. In der Früh habe ich – meistens – den Inhalt wieder vergessen. Manchmal vergesse ich überhaupt, worum es ging.

Demenz? Nein. Bloß ein natürlicher Vorgang, wenn man Informationen nur mündlich aufnimmt.

Falls Sie es vergessen haben: Das Vergessen ist das Normalste, was es gibt, wenn man Informationen nur mündlich empfängt.

Was? Sie sind mit dieser Aussage nicht einverstanden?

Neulich habe ich einen Bericht im Radio gehört. Es ging um ChatGPT und die Tatsache, dass Schüler viel geschickter mit diesem Werkzeug umzugehen vermögen als ihre Lehrer. Die Empfehlung des Berichterstatters: Die Lehrer müssen sich jetzt bemühen, diese neue Technologie sich selbst lehren zu lassen.

Ganz anders TikTok – so hieß es im Bericht. Zwar bietet die kurzen Videos auf TikTok neben pure Unterhaltung auch diverse Fakten und Infos an, welche viele junge Leute wie Würstl aufm Kirmes verschlingen.

Dennoch: Im Nu vergessen sie alles wieder.

Zufälligerweise weiß ich, warum dem so ist. Denn ich habe vor dem digitalen Zeitalter sehr viel über den Unterschied zwischen den sog. „mündlichen“ Kulturen und den Schriftkulturen recherchiert.

Die schriftlosen Kulturen unterscheiden sich von den Schriftkulturen nämlich in einem sehr wichtigen Punkt: Sie haben keinen zuverlässigen Zugang zur Vergangenheit. Sie leben stets in der Gegenwart.

Das klingt vielleicht erstrebenswert – insbesondere für klimarettende Träumer. Ist es aber im Grunde nicht: zumindest, wenn man technologischen Fortschritt als Ziel hat.

Die schriftlosen Kulturen sind vollkommen mythologische Kulturen. Alles, was diese Menschen wissen, erfahren sie von Mythen, also von Geschichten über Gottheiten, die vielleicht dies oder jenes erfunden haben (etwa Feuer).

Wenn hingegen in einer Kultur das Schreiben gelernt wird, passiert etwas wundersames im Hirn: Man beginnt logisch zu denken. Logik bedeutet: Tiere haben vier Beine, Katzen haben vier Beine – Katzen sind also Tiere.

In schriftlosen Gesellschaften ist ein solcher Syllogismus nicht unbedingt verständlich.

Ich halte mich heute kurz. Vielleicht schreibe ich wieder mal mehr zu diesem Thema.

Fest steht jedenfalls: Dies ist kein Podcast. Was ich hier mitteile, haben Sie gelesen. Nur deshalb wird der Inhalt intensiv verinnerlicht werden. Würden Sie diesen Text nur hören, wäre all diese Wörter im Nu wieder weg…

Tierpornos („snuff“) auf YouTube

Wie fange ich nun an?

Mit dem englischen Wort „snuff“ selbstverständlich!

„Snuff“ ist, z.B., der gängige Begriff für das, was auf Deutsch „Schnupftabak“ heißt. „Snuff“ ist auch ein enger Cousin von „sniff“, deutsch „schnupfen“.

„Schnupfen“ bzw. „sniff“ macht der Hund, die Katze usw., um etwas zu eruieren. Ich bin überzeugt, dass das, was wir „denken“ nennen, bei Tieren – vor allem bei Säugetieren – mit dem „Schnupfen“ bzw. dem „Schnuffeln“, mit der Nase also, erforscht wird.

Komisch, das man eine gewisse gemeine virale Nasenkrankheit als „Schupfen“ bezeichnet. Aber so sind die Sprachen. Eine einzige Vokabel teilt sich wie ein eineiiges Tierchen in zwei und wird auch wiederum entzweit usw. usw.
Auf jedenfalls fixieren sich „schnuffeln“ und „schnupfen“ und „sniff“ aufs Einatmen.

Und jetzt schalten wir in den nächsten Gang um. „Snuff“, im Gegensatz zu den anderen Verwandten, wird verwendet, um mal ein Einatmen, mal ein Ausatmen darzustellen.

Zum Beispiel: Auf Englisch wird eine Kerze ausgelöscht, indem man es „snuff“(t).
Weil dem so ist, hat „snuff“ im Lauf der Zeit eine Nebenbedeutung gewonnen: „töten“.

Und nun wird diese Glosse ungemütlich…

Mal von „snuff films“ gehört?

Falls nicht: Mit diesem Begriff wird auf Filme hingewiesen, in denen das Töten eines Menschen gezeigt wird. In den frühen Tagen des Internets konnte man haufenweise Hinrichtungen begaffen. Das waren alte Filmaufnahmen vom Guillotinieren, Erhängen, Erschießen etc. Vielleicht gibt es sie noch. Keine Ahnung. Ich bin nicht auf der Suche.

Dennoch waren das aber noch keine „richtigen“ Snufffilme, sondern quasi „Dokumentaraufnahmen“.

Dafür gibt es aber offensichtlich ein kriminelles Geschäft, das auf Filme spezialisiert ist, die angeblich das wahrhaftige Töten von ahnungslosen Menschen zeigen.

Das sind die sog. „Snufffilme“. Manche mutmaßen, dass diese schrecklichen Aufnahmen eigentlich nur vorgetäuscht sind, also nicht echt seien. Ich habe da keine Ahnung, und ich habe ohnehin noch nie einen solchen Film gesehen, noch hätte ich Interesse, mir so etwas anzuschauen.

Was ich zufälligerweise doch in letzter Zeit als Augenfutter bekomme – und zwar auf YouTube – sind Tierfilme, die zeigen, wie Löwen, Hyänen, Leoparden usw. Zebras, Büffel etc. in den Tod jagen.

Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen war, dass ich solche Videos auf meinem YouTube „Feed“ bekommen habe. Eines Tages waren sie einfach da, und ich habe aus Neugier einige angeschaut. Ziemlich rapide stellte ich aber fest, dass ich kein Interesse hatte, zu glotzen wie Tiere Tiere töten.

Folglich: Habe ich stets auf „kein Interesse“ gedrückt. Bald waren die Videos wieder weg.

Naja. Nicht ganz. Google ist hartnäckig. Der heilige Algorithmus denkt: Vielleicht hat er sich das inzwischen anders überlegt. Vielleicht bereut er, dass er keine Gelegenheit hat, solche Videos zu begaffen. Gelegentlich tauchen sie jedenfalls als Angebot auf. Ich ignoriere sie.

„Tiersnuffpornos“ nenne ich diese Videos.

Ach ja, Sportfreunde. „Porno“, kurz für „Pornographie“, bedeutet auf Griechisch „Schriften („graph“) über „pornai“, also „Prostituierten“. Früher hat man solche Schriften als lustig empfunden. Das war aber eine andere Welt. Heute nimmt man beinahe alles todernst…und manchmal mit Recht…

„Nihilismus“ für Anfänger

Hmm. Welchen Wochentag haben wir? Welchen Monat? Welches Jahr?

Falls diese Fragen unsinnig klingen, nur deshalb, weil ich plötzlich das Bedürfnis habe, über das Unsinnigste der Welt zu schreiben: üben den „Nihilismus“.

Warum darüber schreiben? Weil ich neulich auf einen Artikel auf der CNN-Webseite gestoßen bin. Es ging darum, dass der Nihilismus momentan am Kommen ist.

Wie so oft habe ich auch diesen Nachrichtentext aus den Medien nur schnell und oberflächlich überflogen. Fest steht jedenfalls: Der Autor hat aus diversen ernstzunehmenden Büchern zum Thema „Nihilismus“ zitiert, bzw., den Inhalt kurz zusammengefasst. Ich bin ihm jedenfalls dankbar, weil er mir wieder etwas wachschütttelte, was ich sonst vielleicht verschlafen hätte: Der Nihilismus breitet sich jetzt rasend aus.

Nihilismus. Wissen Sie, was das bedeutet?

Es kommt vom lateinischen „nihil“, d.h., „nichts“ und ist mit „nullus“ und „non“ und „nein“ und „ne“ und „no“ verwandt. Ja, so viele „N“-Wörter gibt es!
Ein Wort also, dass man buchstäblich als „Negativum“ bezeichnen darf!

Aber Achtung! Kein Platz für falsche Rhetorik: Das „Nein“ ist im Leben ebenso wichtig wie das „Ja“.

Manchmal spielt das „Nein“ sogar eine unverzichtbare und schöpferische Rolle im Weltgeschehen.

Beispiel: In der griechischen Antike – zunächst in Ionien – waren es Menschen, manche sagen „Denker“ oder „Philosophen“, die, indem sie mal einfach „nein“ sagten, eine radikale Erneuerung auslösten.

Zur Erinnerung: Damals im 6. Jahrhundert v. Chr. musste man in den meisten Weltkulturen – z.B., Persien, Ägypten, Babylonien – mit der Vokabel „nein“ sehr sehr vorsichtig umgehen. Wenn – sagen wir – der König oder die Priester eine Meinung zu etwas hatten, und ein anderer wagte es, „nein“ oder „au contraire“ zu sagen, riskierte er nicht nur im übertragenen Sinn Kopf und Kragen.

In den dezentralisierten Städten Ioniens hingegen war alles damals anders. Da stand man nicht unter der Obhut eines mächtigen Priesters oder eines Königs. Menschen durften Sachen denken und sagen, die sie sonstwo mit dem Leben hätten bezahlen müssen. Zum Beispiel: an die Existenz der Götter zweifeln. Das tat – u.a. - ein gewisser Xenophanes. Er meinte: Wenn die Pferde und Löwen Götter hätten, würden sie aussehen wie Pferde und Löwen. Ein gewisser Demokritus hat sich damals eine Theorie ausgedacht, dass alles aus Atomen bestand - auch die Götter! Usw.

Das „Nein-sagen“ geht also mit der Geburt unserer westlichen Zivilisation einher. Zugegeben: Wir sind im Westen weit von perfekt. Es war schon immer so. Wir begehen recht oft arge Dummheiten. Trotzdem: Die Freiheit „nein“ zu sagen, hat uns weit gebracht.

Doch nun zurück zum „Nihilismus“. Das ist etwas ganz anders als das „Nein-“sagen. „Nihilismus“ geschieht, wenn man in nichts einen Sinn findet. Man will daher nur willkürlich zerstören und Chaos stiften, als würde nichts von Bedeutung sein (außer vielleicht das eigene Wohlergehen).

Denken Sie an den berühmten Spruch des zog. „islamischen Staats“ (IS) (oder war es Al-Kaida?): „Ihr liebt das Leben; wir lieben den Tod“.

Eigentlich dumm so etwas zu sagen – und beileibe keine Einstellung der meisten Muslime. Doch IS- und Al-Kaida-Anhänger sind halt Nihilisten!

Momentan scheint die Anbetung des Nichts eine Sternstunde zu erleben. Beinahe täglich ein neuer Amoklauf. Dazu die Ausbreitung von Ideologien, die nur auf Macht und Zerstörung aus sind. Denken Sie an die Randale in Paris nach dem PSG-Sieg, wo hunderte von Menschen an den Champs-Élysées statt zu feiern nur Lust aufs Zerstören und Plündern hatten. So was erinnert ans Phänomen des jagdtrunkenen Fuchses im Hühnergehege. Ja, die Opportunisten sind auf dem Vormarsch – und sie befinden sich nicht nur in der Meute, sondern auch in der Politik…

Hmm…vieles scheint momentan aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Und warum?

Meine Antwort: Wir leben in der Übergangszeit zwischen einem analogen und einem digitalen Zeitalter. Viele Menschen haben die Orientierung verloren. Eine günstige Zeit für Chaoten.

Was schlage ich vor? Gurt anschnallen und weiterfahren, bis der Spuk wieder vorbei ist. Keine Sorge. Auch diese Zeit kommt bestimmt.

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