Darf ich vorstellen: Lisa Golden.
Heute habe ich von ihr eine Mail - adressiert an den Sprachbloggeur - erhalten.
Die Mail war auf Englisch. Es handelte von einer „article placement inquiry“, will sagen, dass Lisa mir ein Angebot gemacht hat, einen Text („article“) im Stil des Sprachbloggeurs schreiben zu lassen, der anstelle eines von mir geschriebenen Textes auf diese Seite platziert (placement) werden sollte.
Hier nun eine Leseübung für Fans des Englischen: „We would get the German article written“…“to fit the nature/topic of your site.”
Der von Lisas MitarbeiterInnen auf Deutsch geschriebene Text sollte also der „Natur“ und dem „Themenbereich“ dieser Seite angepasst werden.
Doch jetzt der Clue…: .“In the article there is a good chance there will be a link going to a gaming/betting review site.”
Eine “gute Chance”, also eine hohe Wahrscheinlichkeit, meint Lisa…Verzeihung…Frau Golden, dass dem Text, der sprachbloggeurisch geschrieben werden sollte, ein Link zu einer Spielseite beigelegt werden sollte. Das heißt: Sie lesen einen Text, der nach Art dieser Seite geschrieben wird, und Sie finden - mit hoher Wahrscheinlichkeit - einen (oder mehrere) Link(s), der/die Sie auf ein digitales Wettbüro weiter befördert.
Ganz ehrlich: Ich finde die Idee gar nicht schlecht. Erstens, weil ich mich dann jede Woche nicht bemühen müsste, einen unterhaltsamen Text mit Tiefgang zu erzeugen. Das kann der Autor von Frau Golden mit Sicherheit ebenso gut - vielleicht auch besser als ich! Und zweitens, weil es auch Geld in die Kasse spült! Jawohl! Money Money Money! Frau Golden hat nämlich gefragt, wie viel Geld ich mir für diese Zusammenarbeit vorstelle. Bezahlt wird übrigens über Paypal. Frei und ohne klebendem Schmutz.
Ja, ich komme wirklich schwer in Versuchung, zumal ich heute irgendwo gelesen hab, dass einem Reporter von ABC in den USA und einem Hedgefondfritzen (sprich Heuschrecke) zufolge, bis 2022 eine einzige Bitcoin 250.000 Dollar wert sein wird. Nicht schlecht, gell? Ich hab überlegt, ob ich für meine Zusammenarbeit mit Lisa Gold vier Bitcoins kosten lasse. In vier Jahren habe ich dann eine Million US-Kröten! Wenn das kein gutes Geschäft ist!
Doch dann bin ich auf den Boden der Tatsachen schnell wieder zurückgekehrt. Denn ich habe mich gefragt: Wer ist diese Lisa Golden eigentlich? Ich meine, heutzutage kann sich jeder im Internet hinter jedem beliebigen Namen verstecken. Und wenn sich eine Mitarbeiterin eines Wettbüros „Golden“ nennt, so kann man sich vorstellen, dass sie in Wirklichkeit vielleicht doch anders heißt.
Oder vielleicht nicht. Vielleicht gibt es diese Lisa Golden tatsächlich. Vielleicht verbringt sie ihren traurigen Alltag damit, nach Kundschaft zu suchen, weil auch sie überleben muss, und auch sie kein einfaches Leben hat.
Vielleicht ist sie eine einsame Frau, Mitte 50, die in einer kleinen Wohnung in New York oder Kiew lebt. Die Wohnung ist sauteuer, und sie muss viel Geld verdienen, um im Winter die Heizkosten zu decken und um eine Zahnarztrechnung zu zahlen. Vielleicht hat sie Kinder, die sie unterhalten muss, weil der Mann (der Schuft) vor Jahren mit einer Tussi abgehauen ist und keinen Unterhalt bezahlt. Oder vielleicht ist sie eine junge Frau, die nur diese Arbeit findet und mit einem Alkoholiker liiert ist, der alles Geld versäuft.
Würde ich auf Lisas Angebot eingehen, dann werden wir wohl beide geholfen. Das muss man alles in Erwägung ziehen.
Verstehen Sie nicht? Wir sitzen irgendwie alle im selben Boot, und jede muss etwas tun, damit das Boot nicht untergeht und wir alle ertrinken…
Pausieren wir heute vom Lärm des Kriegsgedröhns.
Reden wir lieber vom deutschen Plural - zu Deutsch: von der Mehrzahl. Ein schönes Thema, denn es gibt uns auch von den schönen Dingen mehr.
Das Interessante: Die deutsche Mehrzahl ist selbst ein mehrfaches Gebilde. Anders als Englisch oder Französisch, die sich mit einer einzigen Mehrzahlform begnügen (zumindest meistens), kann man im Deutschen sogar die gleichen Dinge vielfach vermehren (zumindest manchmal): Dinge und Dinger, Worte und Wörter. Manche Vokabeln haben hingegen gar kein Plural, z.B. „Vergnügen“. Egal wie viele davon man hat, heißen alle „Vergnügen“.
Neulich unterhielt ich mich mit Frau M., Inhaberin des „Paradies“, meines Lieblingsobstundgemüseladens, über dieses Thema. (Nebenbei: Die süßen Erdbeeren sind schon da!).
Frau M. hatte berichtet, dass sie jüngst am offenen Fenster einen komischen Vogelgesang vernommen hätte. Es war gegen Mitternacht, und das Getriller klang besonders virtuos.
Ich ahnte gleich, um welchen Vogel es handeln musste: eine Nachtigall! Zwar hatte ich in meinem Leben noch nie bewusst eine gehört - aber welcher Vogel würde sonst mitten in der Nacht mit einem so gekonnten Liederschatz aufwarten, dachte ich.
„Ja, genau“, meinte Frau M. Ich hab nämlich am nächsten Tag unter Stichwort ‚Nachtigall‘ gegoogelt. Vom Aussehen her ist es ein unscheinbarer Vogel, aber das Lied, das ich im Internet hörte, ähnelte haargenau dem des Vogels, den ich gehört hatte.“
Doch dann fragte ich wie aus heiterem Himmel: „Und wie lautet die Mehrzahl von ‚Nachtigall‘?“
„Hmm“, sagte sie. „Ich vermute ‚Nachtigallen‘.“
„Schade“, sagte ich. „Mir wäre ‚Nachtigälle‘ lieber. Klingt lyrischer.“
„Ja, das stimmt“, sagte sie. „Oder ‚Nachtigalle‘. Ich weiß nicht, warum es ausgerechnet ‚Nachtigallen‘ heißt.“
„Ich hab das gleiche Problem mit ‚Balkon‘“, sagte ich. „Für mich wäre die ideale Mehrzahlform ‚Balköne‘. ‚Balkonen‘ klingt einfach zu fade.“
„Und gestern kamen zwei Mädchen in den Laden. Es waren keine Deutsche, und sie haben mich gefragt, ob ich ‚Öbste‘ hätte. Selbstverständlich, sagte ich…und sie haben sich ein paar…‘Öbste‘ gekauft. Ich wollte ihnen gar nicht verraten, dass es so etwas in der deutschen Sprache nicht gibt. Das Wort find ich köstlich.“
Irgendwie kamen wir dann auf die Persimone im Laden zu sprechen. Upps. Ich hab’s bereits verraten. Das Plural von ‚Persimon‘ lautet ‚Persimone‘. Mir wäre lieber, wenn es ‚Persimöne‘ wäre. Auch das hab ich Frau M. beteuert.
„Sie haben es heute mit den Umlauten, Herr Sprachbloggeur. Irgendwie scheinen sie Ihnen zu gefallen.“
„Irgendwie schon“, antwortete ich. Die kommen mir so musikalisch vor - wie halt der Nachtigall Gesang. „
„Von mir aus, warum nicht?“
Ja, das sagt Frau M. immer. Sie ist nämlich ein sehr toleranter Mensch.
„Und wie heißt die Mehrzahl von ‚Primel‘?“ fragte ich. Denn Frau M. verkauft im Paradies neben Obst und Gemüse auch Blumen. Was erwartet man sonst im Paradies?
„Ich tippe auf Primeln, und ich glaube, ich habe recht.“
Frau M. hatte recht. Doch dann hab ich nach der engl. Übersetzung gegoogelt. ‚Primrose‘ heißen sie. „Wissen Sie, Frau M., egal wie viele Primeln man hat, ‚Primrose‘ klingt, meiner Meinung nach allemal schöner…“
Aber genug der Ablenkung: Zurück in die beunruhigende Welt. Keine Sorge aber: Der Sprachbloggeur wird sich Mühe geben, Sie ab und zu vom nörgelnden Kriegsgedröhn abzuwenden. Denn Kriegsgedröhn hat nämlich keine Mehrzahl.
Pausieren wir heute vom Lärm des Kriegsgedröhns.
Reden wir lieber vom deutschen Plural - zu Deutsch: von der Mehrzahl. Ein schönes Thema, denn es gibt uns auch von den schönen Dingen mehr.
Das Interessante: Die deutsche Mehrzahl ist selbst ein mehrfaches Gebilde. Anders als Englisch oder Französisch, die sich mit einer einzigen Mehrzahlform begnügen (zumindest meistens), kann man im Deutschen sogar die gleichen Dinge vielfach vermehren (zumindest manchmal): Dinge und Dinger, Worte und Wörter. Manche Vokabeln haben hingegen gar kein Plural, z.B. „Vergnügen“. Egal wie viele davon man hat, heißen alle „Vergnügen“.
Neulich unterhielt ich mich mit Frau M., Inhaberin des „Paradies“, meines Lieblingsobstundgemüseladens, über dieses Thema. (Nebenbei: Die süßen Erdbeeren sind schon da!).
Frau M. hatte berichtet, dass sie jüngst am offenen Fenster einen komischen Vogelgesang vernommen hätte. Es war gegen Mitternacht, und das Getriller klang besonders virtuos.
Ich ahnte gleich, um welchen Vogel es handeln musste: eine Nachtigall! Zwar hatte ich in meinem Leben noch nie bewusst eine gehört - aber welcher Vogel würde sonst mitten in der Nacht mit einem so gekonnten Liederschatz aufwarten, dachte ich.
„Ja, genau“, meinte Frau M. Ich hab nämlich am nächsten Tag unter Stichwort ‚Nachtigall‘ gegoogelt. Vom Aussehen her ist es ein unscheinbarer Vogel, aber das Lied, das ich im Internet hörte, ähnelte haargenau dem des Vogels, den ich gehört hatte.“
Doch dann fragte ich wie aus heiterem Himmel: „Und wie lautet die Mehrzahl von ‚Nachtigall‘?“
„Hmm“, sagte sie. „Ich vermute ‚Nachtigallen‘.“
„Schade“, sagte ich. „Mir wäre ‚Nachtigälle‘ lieber. Klingt lyrischer.“
„Ja, das stimmt“, sagte sie. „Oder ‚Nachtigalle‘. Ich weiß nicht, warum es ausgerechnet ‚Nachtigallen‘ heißt.“
„Ich hab das gleiche Problem mit ‚Balkon‘“, sagte ich. „Für mich wäre die ideale Mehrzahlform ‚Balköne‘. ‚Balkonen‘ klingt einfach zu fade.“
„Und gestern kamen zwei Mädchen in den Laden. Es waren keine Deutsche, und sie haben mich gefragt, ob ich ‚Öbste‘ hätte. Selbstverständlich, sagte ich…und sie haben sich ein paar…‘Öbste‘ gekauft. Ich wollte ihnen gar nicht verraten, dass es so etwas in der deutschen Sprache nicht gibt. Das Wort find ich köstlich.“
Irgendwie kamen wir dann auf die Persimone im Laden zu sprechen. Upps. Ich hab’s bereits verraten. Das Plural von ‚Persimon‘ lautet ‚Persimone‘. Mir wäre lieber, wenn es ‚Persimöne‘ wäre. Auch das hab ich Frau M. beteuert.
„Sie haben es heute mit den Umlauten, Herr Sprachbloggeur. Irgendwie scheinen sie Ihnen zu gefallen.“
„Irgendwie schon“, antwortete ich. Die kommen mir so musikalisch vor - wie halt der Nachtigall Gesang. „
„Von mir aus, warum nicht?“
Ja, das sagt Frau M. immer. Sie ist nämlich ein sehr toleranter Mensch.
„Und wie heißt die Mehrzahl von ‚Primel‘?“ fragte ich. Denn Frau M. verkauft im Paradies neben Obst und Gemüse auch Blumen. Was erwartet man sonst im Paradies?
„Ich tippe auf Primeln, und ich glaube, ich habe recht.“
Frau M. hatte recht. Doch dann hab ich nach der engl. Übersetzung gegoogelt. ‚Primrose‘ heißen sie. „Wissen Sie, Frau M., egal wie viele Primeln man hat, ‚Primrose‘ klingt, meiner Meinung nach allemal schöner…“
Aber genug der Ablenkung: Zurück in die beunruhigende Welt. Keine Sorge aber: Der Sprachbloggeur wird sich Mühe geben, Sie ab und zu vom nörgelnden Kriegsgedröhn abzuwenden. Denn Kriegsgedröhn hat nämlich keine Mehrzahl.
Der Anfang kam völlig unerwartet - zumindest in München, wo uns bislang die Unannehmlichkeiten, die anderswo an der Tagesordnung waren, erspart geblieben waren.
Es war kurz vor 11 Uhr, am Marienplatz.
Wie immer hatte sich eine erhebliche Menschenmenge angesammelt, um die beliebte Glockenspielvorführung zu bestaunen. Es waren natürlich hauptsächlich Touristen, die die Zeit abwarteten, Köpfe nach hinten gerenkt, bis das Schauspiel im Glockenturm des Rathauses um punkt 11 beginnen sollte. Die Hiesigen schauten (wie üblich) nicht einmal hin, nicht weil sie sich nicht dafür interessiert hätten, sondern weil sie um Himmelswillen nicht mit Auswärtigen verwechselt werden wollten. Eine gewisse Lässigkeit zu bewahren war Ehrensache.
Endlich läutete die Stunde. Und nun ruckelten da oben die bunten Höflinge und Moriskentänzer tikkitakki vorbei, so als ob sie jauchzend an der Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen teilnahmen.
Plink plink. Plink-i-klink. Klink-i plink plink plink-i-plink usw. bimmelten die munteren Glocken.
Alle Augen (d.h. der Touristen) waren auf das Ereignis gerichtet. „Uuuh! Ahhh!“ staunten manche. A Gaudi. Und dann geschah es.
B U M ! ! PLATSCH! PLATSCH! PLATSCH!
Denn plötzlich flogen mit einem Affenzahn aus allen Richtungen lauter fettige Weißwurststücke - samt süßem Senf - durch die Luft über den Marienplatz. Ein wurstiger Regen platschten unbarmherzig gegen Körper und Dinge.
Alles war scheinbar bestens koordiniert. Das fleischige Geschoss traf nämlich innerhalb Sekunden alle Umeinanderstehende.
Die Luft roch so stark nach Kalbsfleisch, nach süßem Senf, nach Fett, man hätte sich in einer alten bayerischen Gaststätte gewähnt. Es fehlten nur die Brezen. Unterdessen stieg ein kollektives Geschrei vom Publikum hinauf, was das Staunen und die Freude der vergangenen Minuten schleunigst zunichte machte. Ade liebliche Fantasiewelt, wo ruckelnde Roboter eine historische Hochzeit nachempfinden ließen. Sofort saß der Schock tief.
Kein Mensch hätte berichten können, was ihm geschehn war. Aus der Entfernung vernahm man das Geplärr der Martinshörner. Das hysterische Tatütatü näherte sich dem Marienplatz aus allen Richtungen zugleich.
Inzwischen hatten sich Benommene kopfschüttelnd auf den Boden hingesetzt, unfähig anderes zu tun. Auch Einheimische zählten zu den Verletzten. „Verletzte“ ist vielleicht übertrieben, besser gesagt „Betroffene“. Denn kein Mensch kam wirklich zu Schaden. Die Verletzungen waren vielmehr in der Seele.
Umso weniger war keiner in der Lage, das wurstige Attentat zu erklären. Denn zu Lange hatte man München für eine Insel der Seligen gehalten.
Damit war aber vorerst vorbei. München war ebenso verletzlich wie jede andere Stadt in Deutschland, in Europa, in den Amerikas und in Asien.
So viel stand fest: Es handelte sich mit Sicherheit um eine Verschwörung. Doch wer steckte dahinter?
Außer Theorien hatte bisher niemand eine Ahnung. Jeder hatte bis vor kurzem geglaubt: Die Ruhe wird bald in die Welt zurückkehren. Die „verrückten Jahre“, wie man die vorigen vier Jahre allgemein bezeichnete, seien vorbei. Jetzt geht’s wieder aufwärts.
Wohl nicht. Denn das, was hier beschrieben wird, war erst der Anfang. „Der Terror“, wie man es inzwischen global nannte, sei nicht mehr wegzudenken.
Es gab viele Fragen und noch immer kaum Antworten…
Es lebe das freie Tibet! Ich finde den Dalai Lama großartig! Xi Jinping ist ‘n Frotzlamperl!
Pause.
Ist was geschehen?
Ich frage nur, weil man sagt, dass die made-in-China Rechner total verwanzt sind und den Inhalt meines Rechners direkt an den chinesischen Geheimdienst weiterleitet.
Bisher nix geschehn. Ich meine, der Rechner ist nicht in die Luft gegangen o.ä. Soweit so gut.
Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich hier nun meine private Wäsche öffentlich aushänge. Ich mache es nur deshalb, weil ich mir neulich einen chinesischen Rechner, der notebookcheck mit „sehr gut“ ausgezeichnet hatte, gekauft habe und ich weiß nicht, ob die Gerüchte stimmen.
„Kauf Dir bloß keinen chinesischen Rechner“, hatte meine Frau gesagt. „Sie sind alle mit einem Chip versehen, der alles direkt nach China schickt.“ Meine Frau hat das vielleicht in der Süddeutschen Zeitung gesehen oder auf einem der Nachrichtendienste, den sie mittels ihres - notabene koreanischen - Smartphones - ansurft. Ich weiß es nicht so genau.
„Du meinst, die wissen alles, was auf meinem Rechner steht? Jede Mail, jede Sprachbloggeur-Glosse, jeden Roman, jede Kurzgeschichte, jedes Gedicht, jedes Foto? Klingt wie der amer. Santa Claus: He knows when you’ve been naughty, he knows when you’ve been nice…“
„Kann durchaus der Fall sein.“
„Na endlich,“ sagte ich, „habe ich dann noch mehr Leser. Besser wäre es, wenn sie mir für meine Sachen auch etwas bezahlen würden.“
„Du nimmst die Sache nicht ernst“, erwiderte sie. „Vergiss nicht: Wir leben im Facebook-Zeitalter.“
„Nein. Im Gegenteil. Ich nehme die Sache sehr ernst. Du denkst das, weil ich Witze mache. Aber nur so KANN ich manchmal den Ernst der Sache ausdrücken. Weiß du was? Ich werde in meinem nächsten Blog ein paar sehr provokative Sätze hineinschreiben, die die chinesischen Schlapphüter, wenn sie mich wirklich abhorchen, bestimmt ärgern werden.“
„Sei bloß vorsichtig.“
Daher, liebe Lesende, die obigen Sätze am Anfang dieser Glosse.
Mag aber sein, dass die Chinesen auf einen solchen Schabernack nicht reinfallen. Denn ich habe meine Provokationen auf Deutsch geschrieben. Vielleicht verstehen sie kein Deutsch. Vielleicht wäre es wirksamer, wenn ich all dies auf Englisch schriebe. Die Chinesen lernen bestimmt schneller Weltsprache Englisch als Dichter-und-Denker-Sprache Deutsch.
Also dann:
Long live free Tibet! The Dalai Lama is fantastic! Xi Jinping is a blinkfurble!
Pause.
Na? Was passiert?
Auf dem Rechner bisher nichts. Vielleicht erst, wenn ich die Glosse ins Netz hochlade.
Nun bin ich sehr gespannt. Falls mir aber, bzw. dieser Webseite, etwas widerfährt, liebe Lesende, dann wissen Sie, warum. Hoffentlich haben sie kein Nervengift im Bios-Chip versteckt.
Ein Ohr schnell an den Rechner halten, liebe Surfende. Hören Sie es? Ein leises Knirschen soll es sein. Noch nicht wahrgenommen? Also tief einatmen und nochmals versuchen. Hören Sie es jetzt? Eigentlich ein Knirschen mit einem ebenso leisen Stöhnen vermischt.
Na ja, falls es Ihnen noch nicht gelungen ist, dann verrate ich Ihnen, worum es geht. Bald werden Sie es ohnehin selbst vernehmen:
Es ist das Geräusch der gebrochenen Nachrichten. Nicht breaking, sondern broken news.
Über dieses Thema hatte ich schon mal vor ein paar Jahren geschrieben. Das waren aber noch unschuldige Zeiten, lange vor dem Anbruch (Einbruch?) der „Fake News“.
Und dann hatte ich auch mal eine Glosse mit dem Titel „Big Facebook is watching you“ geschrieben, auch die war unschuldig.
Worüber schwadroniert der Sprachbloggeur heute? Sagt Ihnen der Name „Cambridge Analytica“ etwas? Falls Sie noch kein (oder ja ungenügendes) Wissen darüber haben, bitte kurz googeln, und denken Sie daran, dass Sie als Verdienst für Ihre Mühe den Sinn des Paradigmenwechsels namens Informationsrevolution endlich richtig kapieren werden.
Vor sehr langer Zeit - es dürfte mitte der 1980er Jahre gewesen sein - habe ich für die Münchner Abendzeitung einen Text über die Inforevolution geschrieben. Notabene: Damals staunten alle über meine Festplatte mit 20mb. „Du hast genug auf der Platte, um Dich für die nächsten zweihundert Jahre zu beschäftigen“, hieß es. Damals habe ich in meinem schlauen Text den Lesenden den Rat gegeben: Nur mit der Ruhe. Geht mit dem Infoschwall selektiv um. Sonst kriegt das Hirn einen Denkinfarkt.
Das habe ich wirklich geglaubt. Aber ich war schon immer ein Naivling. Denn andere haben bereits damals verstanden, was Inforevolution wirklich bedeutete: Wissen ist Macht; Information ist Übermacht.
Aber zurück zu Cambridge Analytica. Wenn die Geschichten stimmen - und heute kann alles als Fake News entlarvt werden -, dann ist der Einfluss der großen Internetfirmen noch größer als der von jedem Geheimdienst. Kein Wunder das sich China in eine Art Übergooglefacebookamazon verwandelt hat. Xi hat‘s kapiert. Hauptsache alle Leute sind mit nem glitzernden Fon online. Eine App der Firma Cambridge Analytica mit dem Namen „thisisyourdigitallife“ wurde vor ein paar Jahren über Facebook verbreitet. Es sollte eine kostenlose Personality Test sein. 270.000 Facebüchler packten eifrig zu (He! Es kostet nix, und ich erfahre etwas über MICH!). Wenn ich’s richtig verstanden habe, so wurden auch alle „Friends“ automatisch mitaufgenommen, bis auf diese Weise C.A. nützliche Psychogramme von möglicherweise 50mio Facebüchlern zusammengestellt hatte. Mit diesen Daten konnte man dann gezielt Werbung betreiben - auch Werbung politischer Art. Eine Nutznießerin dieser Software war die Trump-Präsidentschaftskampagne, auch die Brexitbefürwörter schlugen zu. Diese Methode heißt übrigens „Data Harvesting“ und „Data Mining“, also „Daten Ernten“, „Datenbergen“.
Facebook hat sich von diesem Missbrauch persönlicher Daten distanziert. Was weiß ich? Fortsetzung folgt aber. Denn die Kacke ist noch am dampfen.
Ja, Phisher, Trojaner, Ransomware, Viren…und große Firmen. Das Leben im WehWehWeh wird immer gefährlicher.
Knirschknirschknirschknirschknirschsstöhnknirsch. Ende der Aussage.
PS Heute ist das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn gestorben. Schlechte Nachricht für die Nashornwilderer - auch für diejenigen, die Nashornpulver statt Viagra schlucken.
Ein Ohr schnell an den Rechner halten, liebe Surfende. Hören Sie es? Ein leises Knirschen soll es sein. Noch nicht wahrgenommen? Also tief einatmen und nochmals versuchen. Hören Sie es jetzt? Eigentlich ein Knirschen mit einem ebenso leisen Stöhnen vermischt.
Na ja, falls es Ihnen noch nicht gelungen ist, dann verrate ich Ihnen, worum es geht. Bald werden Sie es ohnehin selbst vernehmen:
Es ist das Geräusch der gebrochenen Nachrichten. Nicht breaking, sondern broken news.
Über dieses Thema hatte ich schon mal vor ein paar Jahren geschrieben. Das waren aber noch unschuldige Zeiten, lange vor dem Anbruch (Einbruch?) der „Fake News“.
Und dann hatte ich auch mal eine Glosse mit dem Titel „Big Facebook is watching you“ geschrieben, auch die war unschuldig.
Worüber schwadroniert der Sprachbloggeur heute? Sagt Ihnen der Name „Cambridge Analytica“ etwas? Falls Sie noch kein (oder ja ungenügendes) Wissen darüber haben, bitte kurz googeln, und denken Sie daran, dass Sie als Verdienst für Ihre Mühe den Sinn des Paradigmenwechsels namens Informationsrevolution endlich richtig kapieren werden.
Vor sehr langer Zeit - es dürfte mitte der 1980er Jahre gewesen sein - habe ich für die Münchner Abendzeitung einen Text über die Inforevolution geschrieben. Notabene: Damals staunten alle über meine Festplatte mit 20mb. „Du hast genug auf der Platte, um Dich für die nächsten zweihundert Jahre zu beschäftigen“, hieß es. Damals habe ich in meinem schlauen Text den Lesenden den Rat gegeben: Nur mit der Ruhe. Geht mit dem Infoschwall selektiv um. Sonst kriegt das Hirn einen Denkinfarkt.
Das habe ich wirklich geglaubt. Aber ich war schon immer ein Naivling. Denn andere haben bereits damals verstanden, was Inforevolution wirklich bedeutete: Wissen ist Macht; Information ist Übermacht.
Aber zurück zu Cambridge Analytica. Wenn die Geschichten stimmen - und heute kann alles als Fake News entlarvt werden -, dann ist der Einfluss der großen Internetfirmen noch größer als der von jedem Geheimdienst. Kein Wunder das sich China in eine Art Übergooglefacebookamazon verwandelt hat. Xi hat‘s kapiert. Hauptsache alle Leute sind mit nem glitzernden Fon online. Eine App der Firma Cambridge Analytica mit dem Namen „thisisyourdigitallife“ wurde vor ein paar Jahren über Facebook verbreitet. Es sollte eine kostenlose Personality Test sein. 270.000 Facebüchler packten eifrig zu (He! Es kostet nix, und ich erfahre etwas über MICH!). Wenn ich’s richtig verstanden habe, so wurden auch alle „Friends“ automatisch mitaufgenommen, bis auf diese Weise C.A. nützliche Psychogramme von möglicherweise 50mio Facebüchlern zusammengestellt hatte. Mit diesen Daten konnte man dann gezielt Werbung betreiben - auch Werbung politischer Art. Eine Nutznießerin dieser Software war die Trump-Präsidentschaftskampagne, auch die Brexitbefürwörter schlugen zu. Diese Methode heißt übrigens „Data Harvesting“ und „Data Mining“, also „Daten Ernten“, „Datenbergen“.
Facebook hat sich von diesem Missbrauch persönlicher Daten distanziert. Was weiß ich? Fortsetzung folgt aber. Denn die Kacke ist noch am dampfen.
Ja, Phisher, Trojaner, Ransomware, Viren…und große Firmen. Das Leben im WehWehWeh wird immer gefährlicher.
Knirschknirschknirschknirschknirschsstöhnknirsch. Ende der Aussage.
PS Heute ist das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn gestorben. Schlechte Nachricht für die Nashornwilderer - auch für diejenigen, die Nashornpulver statt Viagra schlucken.
Fehlt etwas im folgenden Satz?
„Die Hackergruppe Turla, die mutmaßlich das Auswärtige Amt angegriffen hat, entwendete nach SPIEGEL-Informationen auch ein Dokument zum Brexit. Derweil wird ein weiterer Angriff bekannt…“
Der Text stammt, wie zu ersehen, aus dem Spiegel, genauer gesagt, dem Spiegel-Online.
Ich habe ihn am Freitag (oder war es Samstag?) gelesen und bin gleich drüber gestolpert.
Sie auch, liebe Leser, liebe Leserinnen, liebe Lesende?
Als Migrantler, d.h., kein dt. Muttersprachler, traue ich nur begrenzt dem eigenen Sprachgefühl, wenn es um Ihre dt. Sprache geht. Deshalb wandte ich mich an meine Frau, die Muttersprachlerin ist: ob ihr vielleicht im obigen Satz etwas komisch klänge.
Sie hat die Frage sofort bejaht, ohne aber näher zu präzisieren…bis ich ihr die genaue Stelle zeigte, wo es juckt.
Es geht natürlich um die grammatikalischen Zeiten. Der Autor, die Autorin des Textes behauptet, dass die Hackergruppe Turla das Auswärtige Amt „angegriffen hat“, also Perfekt. Doch gleich daraufhin erfährt man, dass diese Hacker ein Dokument zum Brexit „entwendete“, also Präteritum.
Mein Einwand: Warum werden an dieser Stelle diese zwei unterschiedlichen grammatikalischen Zeiten verwendet? Ich behaupte, dass die Formulierung falsch ist, dass es eigentlich heißen muss, „Die Hackergruppe…, die… das A.A. angriff, entwendete…“
Harald Weinrich, einer meiner Helden der deutschen Grammatik, erklärt in seinem „Textgrammatik der deutschen Sprache“ (Sprachbloggeur Lesetipp!), dass das dt. Perfekt „Besprochenes“ und das Präteritum „Erzähltes“ wiedergibt. Wenn Sie also auf Deutsch einfach so über die Vergangenheit erzählen, ist das Perfekt die beste Wahl. „Ja, auch ich habe den Film gesehen.“ „Hast du Tommi neulich gesprochen?“ usw.
Wenn aber Sie über ein Ereignis in der Vergangenheit berichten, bzw., erzählen, dann ist das Präteritum die bessere Wahl. „Was ist passiert?“ [notabene hier noch Perfekt!] „Folgendes: Ich öffnete die Tür und kam in die Wohnung, wo mich Tommi eigentlich erwartete. So dachte ich jedenfalls. Er war aber nicht im Wohnzimmer, er war nicht auf dem Klo. Doch plötzlich stand er neben mir…“
So einfach ist die Theorie. Es gibt aber einen Haken: In vielen deutschen Dialekten (das Bayrische, z.B.) ist das Präteritum seit Jahrhunderten ein Auslaufmodel. Man erzählt über die Vergangenheit lieber im Perfekt. „Ja, wir haben ihn besucht. Er hat die Tür aufgemacht und hat uns schier überrascht.“
So betrachtet, ist das obige Zitat aus dem Spiegel-Online vielleicht doch kein falsches Deutsch, sondern lediglich lebendiges Deutsch. Trotzdem ist es falsches Schriftdeutsch, zumindest wenn man eine gewisse sprachliche Tradition aufrechterhalten will.
Aber jetzt die Pointe: Macht ein Deutscher obigen Fehler, wird man es ihm schnell verzeihen. Oder es fällt womöglich gar nicht auf. Er ist schließlich Muttersprachler und darf, solange der Akzent stimmt, alles sagen, was wie Deutsch klingt.
Schreibe ich hingegen obigen Satz, dann hab ich fehlerhaft geschrieben, weil ich als Dazugekommener die Sprachtraditionen des Deutschen missachtet habe. (Notabene: Perfekt ist richtig hier).
Fazit: Unfair.
PS Das mit dem Perfekt und Präteritum auf Englisch ist „a horse of a different color“. Mehr darüber ein anderes Mal.
Fliegen ist langweilig. Erst recht, wenn man neun Stunden in der Economy sitzt.
Manche schauen in den Monitor, um die Zeit totzuschlagen. Manche verrenken sich in den Schlaf. Es gibt auch diejenigen, die so tun, als wären sie mit etwas beschäftigt. Es sind aber nur Scheinbeschäftigungen. Fakt ist: Jeder langweilt sich fürchterlich. Die Turbulenzen machen die Situation nur noch ärger. Fliegen ist das Langweiligste, was es gibt.
Vielleicht deshalb hat sich mein Sitznachbar an mich gewandt und mich angequatscht.
Meistens vermeide ich Gespräche im Flugzeug, denn ich fühle mich trotz alledem zu unkonzentriert, um mich mit einem Fremden vernünftig zu unterhalten.
Mein Sitznachbar, ein irgendwie durchschnittlich aussehender Mensch, war offenbar anders. Er hatte das Bedürfnis zu reden, und prompt fragte er, was ich vom Beruf bin. Ich hatte aber keine Lust, mich zu sehr vor ihm zu offenbaren. Vielleicht hab ich gesagt: „Ich halte mich beschäftigt,“ oder „Das Leben ist kurz. Man muss so viel machen, wie nur möglich.“ Der Höflichkeitshalber fragte ich aber ihn dann, was er macht.
„Ich bin Spammer“, sagte ich.
„Im Ernst?“ fragte ich.
„Wer gibt so etwas zu, wenn er es nicht ernst meint?“
„Bekomme ich meinen Spam von Ihnen?“
„Wäre nicht verwunderlich.“
„Ich frage, weil ich in letzter Zeit unentwegt Mails kriege, die in der Betreffzeile, scheinbar Dringendes mitteilen. Etwa: ‚Warnung‘, oder ‚Ihre Zahlung wurde genehmigt‘, oder ‚Bestellung bestätigt‘ oder ‚Letzte Mahnung‘ usw. Es sind immer Variationen auf das gleiche Thema. Ich stelle fest, dass die Namen der Absender stets durchschnittliche deutsche Namen sind. Die Mails selbst sind einander in der Aufmachung immer sehr ähnlich. Meistens geht es um ein Angebot, schnelles Geld zu verdienen. Ein Teil der Aussage ist, glaub ich, gelb gefärbt. Man wird oft aufgefordert auf ein Video zu klicken. Und dann frag ich mich: Wer lässt sich auf so einen Scheiß ein?“
„Sie irren sich“, antwortete er. „Es gibt viele, die das tun. Sie klicken aufs ‚Video‘ - oder manchmal ist es bloß ein Link - und schon haben wir sie. Sie werden es kaum glauben: Manche klicken nur weil sie sich ärgern. Wissen Sie: Nachdem man zwanzig oder dreißig solche Mails erhalten hat, wird man neugierig, den Grund für die Störung zu erforschen. Und natürlich gibt es diejenigen, die auf den Link klicken, weil sie wirklich eine Belohnung erwarten. Die Dummheit ist noch nirgends ausgestorben, wissen Sie. So oder so haben wir sie. Wir machen ihre Rechner augenblicklich zu Zombies, um über sie noch weitere Mails zu verschicken.“
„Ja, aber wie verdienen Sie Ihr Geld?“
„Ganz einfach. Wir verkaufen die Adressen der Zombierechner an wirkliche Kriminelle. Was die anderen machen, ist nicht mein Problem. Ich kann gut von meiner Arbeit leben und ich mag sie auch, weil sie nicht so zeitintensiv ist.“
„Entschuldigung, wenn ich’s sage. Wenn Sie aber so gut verdienen, warum sitzen Sie hier in der Economy und nicht in Business oder in der ersten Klasse?“
„Hören Sie. Das mit dem ‚gut verdienen‘ ist relativ gemeint, wie alles im Leben. Meinen Sie im Ernst, dass Spammer reicher sind als andere Arbeitnehmer bzw. Unternehmer? Auch wir sind nur Menschen mit Familien und Sorgen. Auch wir müssen die Miete zahlen und hoffen auf gute Geschäfte.“
„Allerdings auf meine Kosten. Außerdem vermüllen Sie meinen Rechner mit ihrem Spam.“
„Ach, was sagen Sie. Sie löschen die Mails ohnehin innerhalb Sekunden. Oder? Ich tue Ihnen nichts und werde dafür vorverurteilt. Schämen Sie sich. Auch ich muss von etwas leben…oder? Ich mache Ihnen ein Angebot: Geben Sie mir Ihre Emailadresse, und ich werde Sie von der Liste streichen…haha…nur ein Witz.“
Wer bitte kann mir sagen, wie das Wort bzw. Unwort des vorigen Jahres (oder des vor-vorigen Jahres) lautete? Ich weiß es ganz bestimmt nicht mehr und mache mir keine Mühe, die Antwort herauszugoogeln, auch wenn dies eigentlich sehr einfach wäre. Denn so wichtig ist mir die Sache nicht.
(Un)Wörter des Jahres gibt es wie unverkaufte Schokonikoläuse. Dahingegen behaupte ich, dass es auch wahrhaftige Wörter (bzw. Unwörter) des Jahres, des Jahrzehnts oder gar des Jahrhunderts gibt. Sie müssen nicht einmal Preisträger gewesen sein. Sie sind einfach das, was sie sind. Einst davon ist erst jüngst entstanden: „fake“.
Diese Vokabel genießt, seitdem der neue US-Präsident im Amt ist, Hochkonjunktur. Zuerst in der Losung „fake news“, die sich längst in beinahe allen europäischen und sicherlich auch manchen nichteuropäischen Sprachen eingebürgert hat.
„Fake news“ war nur der Anfang. Inzwischen redet man auch von „fake shops“. Sie wissen schon: Das sind jene digitalen Straßenräubernester, die auf den Irrwegen des WehWehWehs auf Opferfang lauern. Man bestellt, z.B., ein iPhone oder sonst was Edles zu einem lächerlich billigen Preis, zahlt und zack! Geld weg und iPhone kommt nicht an oder ist womöglich ein „Fake“, ein nachgemachtes. Früher hätte man dazu eine „Fälschung“ gesagt.
Das mit den Fälschungen ist natürlich keine Erfindung des Infozeitalters. Auch in der Antike hat man Münzen gefälscht. Schon Hammurabi hat gegen die babylonischen Gewichtsfälscher schwadroniert. Und selbstverständlich wurden Fakten immerdar verfälscht. Doch früher sagte man dazu „Desinformation“. Neu ist lediglich der Gebrauch des Wortes „Fake“. Das es zum globalen Begriff geschafft hat, haben wir Mr. Trump zu verdanken.
Inzwischen hat „fake“ beinahe ein Bekanntschaftsgrad erreicht wie „okay“.
„Fake“ hat aber auch eine - weniger bekannte - positive Seite. Seit Jahrzehnten kennen und schätzen Jazz-Musiker die sog. „Fake-books“ (nicht mit „Facebook“ zu verwechseln, obwohl…). Das sind dicke Notenmappen, die verschiedene Evergreens und Ohrwürmer in schlichter Notenform wiedergeben - meistens mit den begleitenden Akkorden zusammen. Der Jazz-Musiker bedient sich eines „Fake-book“, um zu „fake“-en. „To fake“ auf Englisch bedeutete einst in der Sprache der Musiker „improvisieren“. Heute sagt man lieber „improvise“.
Kein Mensch weiß, woher diese allseits beliebte Vokabel „Fake“ stammt. Es gibt lediglich Theorien.
Eine besagt, dass ein dt. (bzw. niederländisches) Wort: „fegen“ (oder nl. „vegen“) Pate steht. Ich hab vergessen, wie man darauf kommt, und ich glaub es ohnehin nicht. Fest steht nur, dass es das Wort „fake“ im heutigen Sinn im Englischen seit dem 18. Jh. gibt.
Ich habe eine eigene Theorie über die Herkunft von „fake., die ich sonst nirgends begegnet bin. Ich behaupte, dass „fake“ mit „facsimile“ zu tun hat. Eine „Faksimile“ ist eine Kopie eines Originals. Dieser Begriff machte übrigens bereits im 17. Jh die Runde.
Ich vermute, dass „fake“ einst als Abkürzung entstanden ist. So was gibt es oft: „bio“, „abi“, „Coke®“ usw. Vielleicht hat man es auf Englisch „fac“ (sprich „fäk“) ausgesprochen. Und vielleicht ist dann aus „Fäk“ mal „fäjk“ geworden. Das wäre irgendwie nachvollziehbar.
Mehr hab ich heute nicht über dieses Thema zu sagen. Also Ende der Vorlesung.
PS Bin bald auf Erkundungsreise. Nächster Beitrag Anfang März. To be continued…
Recent comments