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Die Metawelt rückt an

Können Sie diesen Satz lesen? Dumme Frage. Natürlich können Sie ihn lesen. Sonst wären Sie nicht auf dieser Seite gelandet, wo es weit und breit weder Bilder zu glotzen noch Musik zu lauschen gibt. So eine Seite wird übrigens immer mehr zu einer Seltenheit.

Die gute Nachricht: Sie werden, weil Sie lesen können, weiterhin ein lesender Mensch bleiben. Das Lesen ist wie das Fahrradfahren. Man vergisst es nie – es sei denn Sie sind Chinese. Im Ernst. Wenn ein Chinese über Jahre keine Texte seiner Zeichensprache vor Augen gehabt hat, kann es vorkommen, dass er nicht mehr oder kaum zu lesen vermag.

Daher der Vorteil der Alphabetisierung der Sprache. War echt ein guter Einfall.
Das Alphabet ist so praktisch, dass auch die Ägypter und die Babylonier ihre Zeichensprache mit zig-tausende Zeichen peu à peu alphabetisiert haben. Na ja, nicht ganz. Ihr Schriftsystem bezeichnet man vielmehr als Silbenschrift. Es gab also ein Schriftzeichen für die die Silbe „scha“, eine für „sche“, eine für „schu“, für „la“, „li“, „lo“ etc., Ich glaube es waren am Schluss um die fünfzig oder sechzig Zeichen.

Wissen Sie, was das Lesen bewirkt, wenn ein Mensch es lernt?

Wenn ein Mensch zu lesen lernt, geschieht etwas in seinem Hirn. Er lernt nämlich automatisch logisch zu denken. Im Ernst. Wahrscheinlich habe ich Ihnen diese Info schon mehrmals mitgeteilt. Doch mehrmals hält immer besser.

Zuerst aber eine Frage: Was versteht man unter logisch denken? Hier ein Beispiel:

Alle Tiere haben vier Beine. Hunde haben vier Beine. Daher kann man schließen, dass Hunde Tiere sind!

Das nennen die Logiker einen Syllogismus. Man kann ihn auch mathematisch ausdrücken: a=b; b=c. Folglich ist a=c.

Fakt ist aber: Bis die Menschen zu lesen gelernt haben, hat dieses logische Denken nicht existiert. Nirgends.

Aber was heißt „Lesen“? Man kombiniert Zeichen mit Lauten um dadurch eine Sprache symbolisch, d.h., schriftlich darzustellen. Dieses Verfahren tut etwas im Hirn. Und dieses Etwas nennt man „logisch denken“.

Logisch!

Und wie sieht es für Menschen aus, die ihre Sprache nicht schriftlich festzulegen wissen? Wie denken sie?

Hier ein Beispiel, das ich vor vielen Jahren gelesen habe. Ein europäischer oder amerikanischer Wissenschaftler (den Namen habe ich momentan nicht im Kopf) verbrachte etwas Zeit in einer Kultur, wo man des Lesens nicht mächtig war. Vielleicht war das damals in Westafrika, als die Menschen in dieser Gegend noch immer ein Stammesleben führten. Der neugierige Wissenschaftler stellte zwei Becher auf einen Tisch. Der eine Becher war breit, der andere schmal. Er füllte den breiten Becher dreiviertel voll mit Wasser; den schmalen wurde bis zum Rand gefüllt. Nun fragte er seine Versuchspersonen: In welchem Becher befindet sich mehr Wasser? Die Versuchspersonen antworteten spontan: in dem schmalen! Das meinten sie, weil der Becher randvoll war. Die Antwort war falsch.

Logisch!

Wie aber denken Menschen in schriftlosen Kulturen, wenn sie nicht über die Logik verfügen? Sie denken „mythologisch“. Will heißen: Sie erzählen Geschichten, die die Phänomene dieser Welt erklären. Schöne Geschichten, manchmal darunter auch weise oder moralisierende. Eins besitzen diese Geschichten aber nicht: die objektive, mathematische Logik.

Im Übrigen: Schriftlose Völker leben auch ohne Geschichtsbücher. Aus diesem Grund wird die Vergangenheit durch Weitererzählen tradiert oder überlebt in Form von Mythen, die von göttlichen Königen und Helden erzählen. Da aber das Gedächtnis alles anders als zuverlässig ist, mutieren diese Geschichten mit der Zeit zu Fantasien.

Warum erzähle ich heute all diese schöne Dinge? Deshalb: Gestern habe ich gelesen, dass lediglich 30% der heutigen Jugend Bücher lesen. Die meisten dieser Leser sind übrigens Mädchen.

Was kann man daraus schließen? Folgendes: Es kommt mal eine Zeit, wo nur noch eine kleine Minderheit des Lesens und der Logik mächtig sein wird. Das werden die Lenker sein. Und der Rest? Der Rest wird schöne Geschichten erzählen übers Leben in der Metawelt…

Es war einmal ein schöner Schmetterling

Kennen Sie den Xerces-Bläuling? Ich vermute, liebes lesendes Publikum, aber nicht aus einer Überheblichkeit meinerseits, dass Sie diese Frage verneinen werden. Denn Fakt ist: Kaum jemand mehr kennt diese Schmetterlinggattung.

Der Xerces-Bläuling war nämlich einst in der Stadt San Francisco, Kalifornien zuhause, und nur dort. Noch dazu war er ausschließlich in den Sanddünen des heutigen Sunset-Distrikts zu finden. Die Ansiedlung dieser Gegend bedeutete für ihn den Garaus. Die allerletzte Sichtung wird für 1943 belegt. Wie der Name sagt, waren diese Falter bläulich – wie alle Bläulinge. Man/frau/diverse findet Exemplare heute nur noch in Schmetterling/Falter-Sammlungen und mit einer Stecknadel mittig durchbohrt.

Ich habe von dieser Schmetterlingart erst erfahren, als ich das neue Bändchen „Insectary“, gezeichnet und geschrieben von der amer. Künstlerin Cynthia Vaiden Guest, vor Augen hatte. Ein wahrhaft lustiges Alphabetbuch. Schade, habe ich gedacht, dass meine Söhne längst erwachsen sind. Ich hätte ihnen dieses Alphabetbuch gerne vorgelesen, als sie im Alter waren, wo Kinder das Lesen lernen. Aber so ist es mit dem Leben und der Zeit.

„Xerces moth“ heißt das Tierchen auf Englisch. Das englische „moth“ kennzeichnet normalerweise das, was man auf Deutsch als eine „Motte“ oder einen „Nachtfalter“ bezeichnet. Soweit ich weiß, handelt es sich hier aber um einen echten Schmetterling.

Da ich aber Altphilologe bin, war mir selbstredend der Name „Xerxes“ bekannt. So hieß nämlich der persische Großkönig, der am Anfang des 5. vorchristlichen Jh. einen Krieg gegen die abtrünnigen Griechisch sprechenden westlichen Provinzen seines Königsreichs führte. Über diesen Xerxes wird in der griechischen Literatur viel geschrieben. Er wird gern vor allem als Sinnbild des Hochmuts dargestellt. Für die Griechen galt der Hochmut als „tragischer Fehler“.

Man kann über Xerxes sowohl in der Prosaliteratur (z.B. Herodot) wie auch in der dramatischen Literatur (Äischylos) lesen. Eine berühmte Szene – nun vergesse ich, wo sie erzählt wird – zeigt Xerxes mit Peitsche in Hand am Strand des Hellespontes, wie er aufs Meer prügelt, weil seine Schiffe untergegangen sind.

Ob diese Szene der Wirklichkeit entspricht, werden wir nie wissen. Die Griechen erzählten sie aber gern, und Xerxes wurde eine der ersten historischen Figuren, die als tragische Figur diente. Ein ähnliches Schicksal ereilte König Saul im Alten Testament.

Weil ich mich in der griechischen Literatur auskenne, hat mich die Schreibweise von „Xerxes“ im Buch von Frau Guest zuerst stützig gemacht. Hej, habe ich gedacht. Wieso heißt das kleine Viech Xerces und nicht Xerxes. Ich witterte einen Flüchtigkeitsfehler…oder noch Schlimmeres!
Fehlanzeige. Hier trat vielmehr die Überheblichkeit des Altphilologen ins Lampenlicht. Komisch. Man glaubt, wenn man ein so esoterisches Fach wie Altphilologie studiert hat, Kenntnisse zu haben, die anderen vorenthalten sind. Beinahe wollte ich wie Xerxes selbst aufs Buch ob eines vermeintlichen Fehlers lospeitschen.

Letztendlich aber siegte die Vernunft. Schließlich leben wir im Jahr 2022. Von daher habe ich den Vorsitzenden Google gefragt, ob er so etwas wie eine „Xerces-Motte“ kenne. Immerhin heißt seine Firma „Alphabet“!

Lange Leitung, kurzer Sinn: Frau Guest hatte recht. Das ausgestorbene Viech heißt in der Tat „Xerces-moth“. Wissen Sie, warum?

Weil sich diese Vokabel der französischen Schreibart bedient! So einfach ist das.

Ein gutes Gefühl, einen Fehler einzugestehen. Denn nun kann ich dieses neue Jahr mit gutem Gewissen antreten.

Ein gutes Gewissen wünsche ich auch Ihnen liebes lesendes Publikum. Wir werden in diesem Jahr unser Gewissen bestimmt dringend gebrauchen!

Wofür ich dankbar bin…und Sie?

Das neue Jahr steht uns bevor, liebe Lesende, liebe Leser. Zeit zum Nachdenken, was uns verbindet. Ja richtig. Oft denkt man, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Stimmt aber nicht.

Als Student hatte ich einen Professor – er hieß Margolis, den Vornamen habe ich vergessen. Wir sagten einfach Professor oder „Doktor“ Margolis. Er sagte gern: „Ihr sollt wissen, dass wir Menschen mehr ähnlich sind als unterschiedlich. Nur deshalb haben wir das Bedürfnis, unsere Unterschiede zu betonen.“

Ich bin überzeugt, dass er recht hatte. Und deswegen kenne ich seinen Spruch bis heute und zitiere ihn gern.

Dieser Gedanke ist besonders passend, wenn man am Ende eines Jahres steht und Bilanz ziehen will…

Nein! Genug! Ich schreibe hier kein Wort zu Sonntag. Es ist halt Jahresende, und man wird manchmal ein bisschen sentimental. Sie nicht?

Eigentlich will ich an dieser Stelle etwas ganz anders. Ich möchte hier eine kleine Liste dessen aufstellen, wofür ich dankbar bin. Das mach ich manche Jahre. Langjährige Leser kennen das.

Hier jedenfalls die Dinge, für die ich dankbar bin:

Ich bin, zum Beispiel, dankbar, dass so etwas wie ein neues Jahr überhaupt möglich ist. Somit hat man das Gefühl, man bekommt wieder eine Chance, die Dinge richtig hinzukriegen. Haben Sie gewusst, dass das Neujahr nicht unbedingt am ersten Januar stattfinden muss? Für die Chinesen ist es im Februar. Andere Kulturen tippen auf den Frühling, einige auf den Herbst. Jetzt sind wir wieder bei Professor Margolis gelandet.

Aber weiter mit meiner Liste:

Ich bin dankbar, dass ich kein Spammer oder „Phisher“ bin. Will sagen, dass ich nie das Bedürfnis hatte, andere durch verlogene Mails zu ruinieren, um mich zu bereichern.

Ich bin dankbar, dass ich kein Diktator bin, der Blut auf den Händen hat und den Willen einer ganzen Bevölkerung zurechtbiegt, damit er (seltener sie) an der Macht bleiben kann.

Ich bin dankbar, dass ich kein Drogenbaron bin, dessen Beruf es ist, den Tod durch die Welt zu vertreiben, damit er in Saus und Braus und Blut schwelgen kann.

Ich bin dankbar, dass ich kein „falscher Polizist“ bin, der alten Menschen Angst einjagt, um ihnen ihres Geldes, Schmucks oder Golds zu erleichtern.

Ich bin dankbar, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, dass Gott oder ein von Gott Gesandter mich befohlen hat, andere zu peinigen oder morden, die meine Überzeugung nicht teilen.

Ich bin dankbar, dass ich keine Pläne schmiede, Menschen auf den Mars zu schicken, damit alle mich bewundern und über mich schreiben. Und dass ich nicht auf die Idee komme, andere Menschen mit Mikrochips zu versehen!
Ich bin dankbar, dass ich keine Firma gegründet habe, die den Zweck hat, Taxifahrer mittels billiger Fahrten zu unterbieten, um dann später meine Preise zu erhöhen.

Am meisten aber bin ich dankbar, dass ich Sie als Leser haben. Denn ohne Sie würde es keinen Spaß machen, dankbar zu sein.

Ach! Es gibt so viel, wofür ich dankbar bin. Doch ich möchte diesen Text kurzhalten. Anyway, Sie sind vielleicht dankbar für ganz andere Dinge. Das würde gut zu Professor Margolis Theorie passen.

Ein gutes neues Jahr! Auch alte Besen kehren gut!

Ihr

Sprachbloggeur

Wofür ich dankbar bin…und Sie?

Das neue Jahr steht uns bevor, liebe Lesende, liebe Leser. Zeit zum Nachdenken, was uns verbindet. Ja richtig. Oft denkt man, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Stimmt aber nicht.

Als Student hatte ich einen Professor – er hieß Margolis, den Vornamen habe ich vergessen. Wir sagten einfach Professor oder „Doktor“ Margolis. Er sagte gern: „Ihr sollt wissen, dass wir Menschen mehr ähnlich sind als unterschiedlich. Nur deshalb haben wir das Bedürfnis, unsere Unterschiede zu betonen.“

Ich bin überzeugt, dass er recht hatte. Und deswegen kenne ich seinen Spruch bis heute und zitiere ihn gern.

Dieser Gedanke ist besonders passend, wenn man am Ende eines Jahres steht und Bilanz ziehen will…

Nein! Genug! Ich schreibe hier kein Wort zu Sonntag. Es ist halt Jahresende, und man wird manchmal ein bisschen sentimental. Sie nicht?

Eigentlich will ich an dieser Stelle etwas ganz anders. Ich möchte hier eine kleine Liste dessen aufstellen, wofür ich dankbar bin. Das mach ich manche Jahre. Langjährige Leser kennen das.

Hier jedenfalls die Dinge, für die ich dankbar bin:

Ich bin, zum Beispiel, dankbar, dass so etwas wie ein neues Jahr überhaupt möglich ist. Somit hat man das Gefühl, man bekommt wieder eine Chance, die Dinge richtig hinzukriegen. Haben Sie gewusst, dass das Neujahr nicht unbedingt am ersten Januar stattfinden muss? Für die Chinesen ist es im Februar. Andere Kulturen tippen auf den Frühling, einige auf den Herbst. Jetzt sind wir wieder bei Professor Margolis gelandet.

Aber weiter mit meiner Liste:

Ich bin dankbar, dass ich kein Spammer oder „Phisher“ bin. Will sagen, dass ich nie das Bedürfnis hatte, andere durch verlogene Mails zu ruinieren, um mich zu bereichern.

Ich bin dankbar, dass ich kein Diktator bin, der Blut auf den Händen hat und den Willen einer ganzen Bevölkerung zurechtbiegt, damit er (seltener sie) an der Macht bleiben kann.

Ich bin dankbar, dass ich kein Drogenbaron bin, dessen Beruf es ist, den Tod durch die Welt zu vertreiben, damit er in Saus und Braus und Blut schwelgen kann.

Ich bin dankbar, dass ich kein „falscher Polizist“ bin, der alten Menschen Angst einjagt, um ihnen ihres Geldes, Schmucks oder Golds zu erleichtern.

Ich bin dankbar, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, dass Gott oder ein von Gott Gesandter mich befohlen hat, andere zu peinigen oder morden, die meine Überzeugung nicht teilen.

Ich bin dankbar, dass ich keine Pläne schmiede, Menschen auf den Mars zu schicken, damit alle mich bewundern und über mich schreiben. Und dass ich nicht auf die Idee komme, andere Menschen mit Mikrochips zu versehen!
Ich bin dankbar, dass ich keine Firma gegründet habe, die den Zweck hat, Taxifahrer mittels billiger Fahrten zu unterbieten, um dann später meine Preise zu erhöhen.

Am meisten aber bin ich dankbar, dass ich Sie als Leser haben. Denn ohne Sie würde es keinen Spaß machen, dankbar zu sein.

Ach! Es gibt so viel, wofür ich dankbar bin. Doch ich möchte diesen Text kurzhalten. Anyway, Sie sind vielleicht dankbar für ganz andere Dinge. Das würde gut zu Professor Margolis Theorie passen.

Ein gutes neues Jahr! Auch alte Besen kehren gut!

Ihr

Sprachbloggeur

Angst vor Omikron?

Verunsichert wegen der neuen OMIKRON-Variante? Dann sind Sie beim Sprachbloggeur richtig. Hier erfahren Sie Beruhigendes.

Vorab aber Folgendes: ich bin weder Impfgegner noch ein Bolsanaro, lediglich Sprachennarr. Beim Sprachbloggeur geht es immer um die Sprache und auch die Metasprache. Achtung: „Metasprache“ hat mit „Metaversum“ nix zu tun.

Bald schreiben wir anno Coronae III. Will sagen: Wir (Sie und ich) sind längst alte Hasen im Punkto Pandemie. Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Eine Notlage ruft stets das Beste und das Schlechteste in Menschen hervor. Das aber nur nebenbei.

Mir geht es heute nur darum, Ihnen zu erläutern, warum Sie keine Angst vor „Omikron“ zu haben brauchen.

Vielleicht können Sie sich erinnern. Am Anfang der Pandemie hat man die verschiedenen Varianten (sprich Mutationen) nach dem geographischen Entstehungsort genannt. Es gab das chinesische Virus, das englische etc.

Vor einem Jahr (oder war es noch länger?) haben sich die Wissenschaftler (oder waren es die Politiker oder Journalisten?) entschlossen, das mit den geographischen Assoziationen einzustellen. Man wollte dadurch keine unnötigen Animositäten erwecken. Man kam auf die Idee, die Virusmutationen einfach nach den Buchstaben des griechischen Alphabets zu nennen. Das war wahrscheinlich gut so.

Seitdem ist das griechische Alphabet zuständig als Namensgeber für die jeweilige Ausführung der Seuche. Das Urvirus, die Alpha-Variante, ist längst „Geschichte“ (notabene: neudeutsche Vokabel). Die ersten Impfstoffe wurden erfunden, um Alpha zu besiegen.

Was mit „Beta“ und „Gamma“ war, habe ich leider vergessen. Dafür aber hat sich das böse „Delta“ ziemlich gut festgesetzt, mit dem Resultat, dass man sich in großem Stil dagegen hat impfen lassen. Man bekommt sogar eine dritte Impfung. Diese nennt man einen „Booster“. „Boost“ bedeutet auf Englisch „unterstützen“. Und zack! Nun entstand das neudeutsche Verb „boostern“.

Aber zurück zum „Omikron“-Virus. So heißt der neueste Plagegeist, und er gilt als besonders ansteckend. Impfgegner sind nunmehr ebenso verunsichert wie die Impfwilligen.

Doch warum heißt er „Omikron“?

Bedenken Sie: Der letzte virale Hammer hieß „Delta“. Nach „Delta“ folgen im griechischen Alphabet „Epsilon“ und dann „Zeta“, „Eta“, „Theta“, „Iota“, „Kappa“, „Lambda“, „Mu, und „Nu“. Können Sie sich an diese Covidvarianten erinnern? Ich mich nicht. Vielleicht hatte ich mal etwas über ein „Lamda“ gehört. Die Erinnerung aber steckt im Nebel, und die Variante war ohnehin schnell wieder weg.

Irgendwo habe ich gelesen, dass „Nu“ deshalb übersprungen wurde, weil es viel zu niedlich klang.

Nach „Nu“ folgt im griechischen Alphabet „Xi“. Klar, dass es unmöglich war, diesen Buchstaben als Namensgeber für einen Krankheitserreger zu verwenden. Jeder hätte die Krankheit mit dem chinesischen Führer in Verbindung gebracht. Manche behaupten, dass Mr. Xi gewisse Ähnlichkeiten mit dem Pu-Bär vorweist. Er gilt aber als sehr überempfindlich. In China darf man deshalb keine Bilder vom berühmten Bären veröffentlichen. Stellen Sie sich vor, es gäbe ein „Xi“-Virus!

So sind wir wohl auf „Omikron“ gekommen.

Wissen Sie aber, was „Omikron“ bedeutet? „O“ ist der Vokalklang „O“. „Mikron“ heißt auf Griechisch „klein“. „O-mikron“ ist also das „kurze O“.

Für langes „O“ sagt man auf Griechisch „O-mega“. Wie Sie vielleicht wissen, wird das Omega als Symbol für die Apokalypse gebraucht. Zum Beispiel in den „Offenbarungen“ im Neuen Testament. Man redet auch vom „Alpha“ und „Omega“: Anfang und Ende. Das wäre auch im Reich eines Virus unerwünscht.

Da unser Virus als „klein“ bezeichnet wird, können wir davon ausgehen, dass die Welt wegen ihm doch nicht zugrunde gehen wird. Eine gute Nachricht, oder?

Na? Fühlen Sie sich jetzt wohler in Ihrer Haut? Es bleibt nur noch zu wünschen: frohe Weihnachten – ob mit oder ohne Lockdown!

Angst vor Omikron?

Verunsichert wegen der neuen OMIKRON-Variante? Dann sind Sie beim Sprachbloggeur richtig. Hier erfahren Sie Beruhigendes.

Vorab aber Folgendes: ich bin weder Impfgegner noch ein Bolsanaro, lediglich Sprachennarr. Beim Sprachbloggeur geht es immer um die Sprache und auch die Metasprache. Achtung: „Metasprache“ hat mit „Metaversum“ nix zu tun.

Bald schreiben wir anno Coronae III. Will sagen: Wir (Sie und ich) sind längst alte Hasen im Punkto Pandemie. Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Eine Notlage ruft stets das Beste und das Schlechteste in Menschen hervor. Das aber nur nebenbei.

Mir geht es heute nur darum, Ihnen zu erläutern, warum Sie keine Angst vor „Omikron“ zu haben brauchen.

Vielleicht können Sie sich erinnern. Am Anfang der Pandemie hat man die verschiedenen Varianten (sprich Mutationen) nach dem geographischen Entstehungsort genannt. Es gab das chinesische Virus, das englische etc.

Vor einem Jahr (oder war es noch länger?) haben sich die Wissenschaftler (oder waren es die Politiker oder Journalisten?) entschlossen, das mit den geographischen Assoziationen einzustellen. Man wollte dadurch keine unnötigen Animositäten erwecken. Man kam auf die Idee, die Virusmutationen einfach nach den Buchstaben des griechischen Alphabets zu nennen. Das war wahrscheinlich gut so.

Seitdem ist das griechische Alphabet zuständig als Namensgeber für die jeweilige Ausführung der Seuche. Das Urvirus, die Alpha-Variante, ist längst „Geschichte“ (notabene: neudeutsche Vokabel). Die ersten Impfstoffe wurden erfunden, um Alpha zu besiegen.

Was mit „Beta“ und „Gamma“ war, habe ich leider vergessen. Dafür aber hat sich das böse „Delta“ ziemlich gut festgesetzt, mit dem Resultat, dass man sich in großem Stil dagegen hat impfen lassen. Man bekommt sogar eine dritte Impfung. Diese nennt man einen „Booster“. „Boost“ bedeutet auf Englisch „unterstützen“. Und zack! Nun entstand das neudeutsche Verb „boostern“.

Aber zurück zum „Omikron“-Virus. So heißt der neueste Plagegeist, und er gilt als besonders ansteckend. Impfgegner sind nunmehr ebenso verunsichert wie die Impfwilligen.

Doch warum heißt er „Omikron“?

Bedenken Sie: Der letzte virale Hammer hieß „Delta“. Nach „Delta“ folgen im griechischen Alphabet „Epsilon“ und dann „Zeta“, „Eta“, „Theta“, „Iota“, „Kappa“, „Lambda“, „Mu, und „Nu“. Können Sie sich an diese Covidvarianten erinnern? Ich mich nicht. Vielleicht hatte ich mal etwas über ein „Lamda“ gehört. Die Erinnerung aber steckt im Nebel, und die Variante war ohnehin schnell wieder weg.

Irgendwo habe ich gelesen, dass „Nu“ deshalb übersprungen wurde, weil es viel zu niedlich klang.

Nach „Nu“ folgt im griechischen Alphabet „Xi“. Klar, dass es unmöglich war, diesen Buchstaben als Namensgeber für einen Krankheitserreger zu verwenden. Jeder hätte die Krankheit mit dem chinesischen Führer in Verbindung gebracht. Manche behaupten, dass Mr. Xi gewisse Ähnlichkeiten mit dem Pu-Bär vorweist. Er gilt aber als sehr überempfindlich. In China darf man deshalb keine Bilder vom berühmten Bären veröffentlichen. Stellen Sie sich vor, es gäbe ein „Xi“-Virus!

So sind wir wohl auf „Omikron“ gekommen.

Wissen Sie aber, was „Omikron“ bedeutet? „O“ ist der Vokalklang „O“. „Mikron“ heißt auf Griechisch „klein“. „O-mikron“ ist also das „kurze O“.

Für langes „O“ sagt man auf Griechisch „O-mega“. Wie Sie vielleicht wissen, wird das Omega als Symbol für die Apokalypse gebraucht. Zum Beispiel in den „Offenbarungen“ im Neuen Testament. Man redet auch vom „Alpha“ und „Omega“: Anfang und Ende. Das wäre auch im Reich eines Virus unerwünscht.

Da unser Virus als „klein“ bezeichnet wird, können wir davon ausgehen, dass die Welt wegen ihm doch nicht zugrunde gehen wird. Eine gute Nachricht, oder?

Na? Fühlen Sie sich jetzt wohler in Ihrer Haut? Es bleibt nur noch zu wünschen: frohe Weihnachten – ob mit oder ohne Lockdown!

Ist Liebe proaktiv?

Erinnern Sie sich, als Sie das erste Mal jemandem, den Sie besonders gerne hatte, “Ich liebe dich“ deklarierten? Ich schon. Es war auch das letzte Mal.

Meine Erfahrung mit der Floskel „ich liebe dich“ war im Grunde eine Ausgeburt eines verflossenen Zeitgeists. Will sagen: Es gehörte damals in den USA zum guten Ton dem Schatz – Neudeutsch „der Schatzin“ – „ich liebe dich“ zu sagen.

Ich gehe davon aus, dass es diese Sitte nur deshalb gegeben hatte, weil wir mit Hollywood-Filmen gefüttert wurden. Ein Film zu produzieren, in dem einer seinem Schatzerl „ich liebe dich“ nicht zuhauchte, war damals undenkbar.

Anders gesagt: Ein Mann hatte die Pflicht, seinem Haserl „ich liebe dich“ expressis verbis auszuposaunen.

Notabene: Ich schreibe hier „Mann“. Denn damals oblag es dem Mann, diese Erklärung in Worten zu fassen. Nur dann durfte die geliebte Frau „ich liebe dich auch“ antworten. Hätte sie die Prozedere initiiert, hätte sie als vorlaut bzw. anmaßend gegolten. Der so überrumpelte Mann hätte sich gleichsam als Fliege im Spinnennetz erachtet. By the way: Damals gab es noch keine Diverse. Sie spielen hier folglich keine Rolle.

Aber zurück zu „meiner Wenigkeit“, wie man auf Deutsch über sich zu reden pflegt. Ich war damals vielleicht 19 und bereits einige Monate mit IHR zusammen. Täglich wurde mir klarer, dass ich bald meiner Pflicht nachgehen musste. Zusehends wuchs der Druck. Mit Sicherheit wartete meine junge Freundin darauf. Auch sie war ein Geschöpf dieses Zeitalters.

Wir fuhren in meinem Wagen zu ihrer Wohnung. Nein, nicht ihre eigene Wohnung. Sie lebte selbstverständlich mit Vater, Mutter und Bruder. Dann hielten wir vor der Tür an und kuschelten im Vordersitz ein wenig, wie damals üblich. Nun ahnte ich, dass der Augenblick gekommen sei…

„Ich…ich…ich…ich…“, stammelte ich. Ihre Augen wurden immer größer, ihr Blick voll Neugier. „Ich…ich…ich…ich…“ stammelte ich weiter. Doch ich stellte fest: Die Zunge wollte partout nicht mitmachen. Es herrschte Widerstand in mir. „Ich…ich…ich…ich…“, sagte ich. Derweil schaute sie mich immer erwartungsvoller an. „Ich…ich…ich…“ Die Worte stockten irgendwo in der Tiefe, und ich wusste nicht, warum. „Ich…ich…ich…“ Und dann geschah es. Ich riss mich kräftig zusammen…und: „Ich…ich…ich…LIEBE…dich.“

Irgendwie peinlich, aber ich war auch erleichtert. Ihr Blick blieb unterdessen ruhig, und sie antwortete…was sonst? „Ich liebe dich auch.“

Ein Jahr später wollten wir uns verloben. Am Tag nach der Verkündigung packte mich, erst 20 Jahre alt, der Horror. Mir war auf einmal klar, dass ich mit dieser Verlobung dabei war, mein junges Leben ganz zu verspielen. Nach einer Woche war es aus mit uns. Jeder ging seinen Weg.

Seitdem sage ich NIE „ich liebe dich“ – und wenn ich auch durchaus in der Lage bin zu lieben. Ich mag diesen Satz einfach nicht.

Als ich im letzten Jahrtausend in Deutschland ankam, erfuhr ich, dass man hierzulande so etwas nie sagt. „So reden nur die Amis“, wurde mir allerseits weisgemacht.

„Was sagt ihr?“

„Wir sagen, ‚Ich hab dich lieb‘.“

Das war damals. Längst ist „ich-liebe-dich“ im Deutschtum beheimatet. Wer Netflix glotzt, kann dies besser bestätigen als ich, da ich netflixlos bin.

Nebenbei. Ich bin auf dieses Thema nur deshalb gekommen, weil ich neulich über den Begriff „proaktiv“ nachgedacht habe. So heißt es auf Neudeutsch, wenn man (oder frau) die Initiative nimmt. Die „Proaktivität“ hat Deutschland längst im Griff.

Diese Vokabel wurde aber glatt aus dem Neuenglischen aufgeschnappt. Das ahnt aber jeder. Auf Englisch sagt man „proactive“. Doch auch „proactive“ ist ein Neuling. Ich habe diesen Begriff zum ersten Mal während eines Amerikabesuchs 1997 wahrgenommen und war nicht sicher, dass ich verstand, was damit gemeint war. Ich mochte das Wort aber auf Anhieb nicht.

Inzwischen weiß ich, dass es sich hier um einen Terminus aus dem psychologischen Wortschatz handelt. Er wurde zum ersten Mal ca. 1933 aus der Taufe gehoben – und zwar als Gegensatz zu „reaktiv“.

In meinem Webster’s Dictionary von 1996 sucht man nach diesem Wort vergeblich. Gleiches gilt für „proaktiv“ als dt. Begriff. In meinem alten Duden „Großes Wörterbuch der deutschen Sprache“ steht er ebenso nirgends.

Heute leben wir in einer proaktiven Zeit. Aber wissen Sie was: Es gab schon immer diese Proaktivität, auch damals, als es noch kein gängiges Wort dafür gab. Nein. Stimmt nicht. Früher sagte man ganz einfach, wenn man die Initiative ergreifen wollte: „ich liebe dich“.

Ist Liebe proaktiv?

Erinnern Sie sich, als Sie das erste Mal jemandem, den Sie besonders gerne hatte, “Ich liebe dich“ deklarierten? Ich schon. Es war auch das letzte Mal.

Meine Erfahrung mit der Floskel „ich liebe dich“ war im Grunde eine Ausgeburt eines verflossenen Zeitgeists. Will sagen: Es gehörte damals in den USA zum guten Ton dem Schatz – Neudeutsch „der Schatzin“ – „ich liebe dich“ zu sagen.

Ich gehe davon aus, dass es diese Sitte nur deshalb gegeben hatte, weil wir mit Hollywood-Filmen gefüttert wurden. Ein Film zu produzieren, in dem einer seinem Schatzerl „ich liebe dich“ nicht zuhauchte, war damals undenkbar.

Anders gesagt: Ein Mann hatte die Pflicht, seinem Haserl „ich liebe dich“ expressis verbis auszuposaunen.

Notabene: Ich schreibe hier „Mann“. Denn damals oblag es dem Mann, diese Erklärung in Worten zu fassen. Nur dann durfte die geliebte Frau „ich liebe dich auch“ antworten. Hätte sie die Prozedere initiiert, hätte sie als vorlaut bzw. anmaßend gegolten. Der so überrumpelte Mann hätte sich gleichsam als Fliege im Spinnennetz erachtet. By the way: Damals gab es noch keine Diverse. Sie spielen hier folglich keine Rolle.

Aber zurück zu „meiner Wenigkeit“, wie man auf Deutsch über sich zu reden pflegt. Ich war damals vielleicht 19 und bereits einige Monate mit IHR zusammen. Täglich wurde mir klarer, dass ich bald meiner Pflicht nachgehen musste. Zusehends wuchs der Druck. Mit Sicherheit wartete meine junge Freundin darauf. Auch sie war ein Geschöpf dieses Zeitalters.

Wir fuhren in meinem Wagen zu ihrer Wohnung. Nein, nicht ihre eigene Wohnung. Sie lebte selbstverständlich mit Vater, Mutter und Bruder. Dann hielten wir vor der Tür an und kuschelten im Vordersitz ein wenig, wie damals üblich. Nun ahnte ich, dass der Augenblick gekommen sei…

„Ich…ich…ich…ich…“, stammelte ich. Ihre Augen wurden immer größer, ihr Blick voll Neugier. „Ich…ich…ich…ich…“ stammelte ich weiter. Doch ich stellte fest: Die Zunge wollte partout nicht mitmachen. Es herrschte Widerstand in mir. „Ich…ich…ich…ich…“, sagte ich. Derweil schaute sie mich immer erwartungsvoller an. „Ich…ich…ich…“ Die Worte stockten irgendwo in der Tiefe, und ich wusste nicht, warum. „Ich…ich…ich…“ Und dann geschah es. Ich riss mich kräftig zusammen…und: „Ich…ich…ich…LIEBE…dich.“

Irgendwie peinlich, aber ich war auch erleichtert. Ihr Blick blieb unterdessen ruhig, und sie antwortete…was sonst? „Ich liebe dich auch.“

Ein Jahr später wollten wir uns verloben. Am Tag nach der Verkündigung packte mich, erst 20 Jahre alt, der Horror. Mir war auf einmal klar, dass ich mit dieser Verlobung dabei war, mein junges Leben ganz zu verspielen. Nach einer Woche war es aus mit uns. Jeder ging seinen Weg.

Seitdem sage ich NIE „ich liebe dich“ – und wenn ich auch durchaus in der Lage bin zu lieben. Ich mag diesen Satz einfach nicht.

Als ich im letzten Jahrtausend in Deutschland ankam, erfuhr ich, dass man hierzulande so etwas nie sagt. „So reden nur die Amis“, wurde mir allerseits weisgemacht.

„Was sagt ihr?“

„Wir sagen, ‚Ich hab dich lieb‘.“

Das war damals. Längst ist „ich-liebe-dich“ im Deutschtum beheimatet. Wer Netflix glotzt, kann dies besser bestätigen als ich, da ich netflixlos bin.

Nebenbei. Ich bin auf dieses Thema nur deshalb gekommen, weil ich neulich über den Begriff „proaktiv“ nachgedacht habe. So heißt es auf Neudeutsch, wenn man (oder frau) die Initiative nimmt. Die „Proaktivität“ hat Deutschland längst im Griff.

Diese Vokabel wurde aber glatt aus dem Neuenglischen aufgeschnappt. Das ahnt aber jeder. Auf Englisch sagt man „proactive“. Doch auch „proactive“ ist ein Neuling. Ich habe diesen Begriff zum ersten Mal während eines Amerikabesuchs 1997 wahrgenommen und war nicht sicher, dass ich verstand, was damit gemeint war. Ich mochte das Wort aber auf Anhieb nicht.

Inzwischen weiß ich, dass es sich hier um einen Terminus aus dem psychologischen Wortschatz handelt. Er wurde zum ersten Mal ca. 1933 aus der Taufe gehoben – und zwar als Gegensatz zu „reaktiv“.

In meinem Webster’s Dictionary von 1996 sucht man nach diesem Wort vergeblich. Gleiches gilt für „proaktiv“ als dt. Begriff. In meinem alten Duden „Großes Wörterbuch der deutschen Sprache“ steht er ebenso nirgends.

Heute leben wir in einer proaktiven Zeit. Aber wissen Sie was: Es gab schon immer diese Proaktivität, auch damals, als es noch kein gängiges Wort dafür gab. Nein. Stimmt nicht. Früher sagte man ganz einfach, wenn man die Initiative ergreifen wollte: „ich liebe dich“.

Im Lande der Xenobots

Nur eine Frage der Zeit, liebe Lesende, bis auch Sie ihr Chip-Implantat bekommen. Manche vermuten, dass es mit dem mRNA-Impfstoff bereits geschehen ist. Gegner und Fürwörter schlagen sich gegenseitig den Kopf ein oder schwadronieren (Stichwort „Shitstorm“) in den Sozialen Medien über dieses Thema. Freilich alles – noch – Fantasie.

Auch Elon Musk hat sich schon ob des Chip-Implantats zu Wort gemeldet. Er möchte bereits nächstes Jahr mit solchen Implantaten ans Werk gehen. Nein, er will Sie nicht in einen Roboter umwandeln. Zumindest behauptet er dies. Es handelt vom „Neuralink Chip“, der in der Lage sei, das Menschenhirn mit einem Computer zu verlinken. Das Verfahren heißt „Brain-Computer-Interface“ (BCI).

Doch wer weiß? Vielleicht will Musk Sie als Implantat-Träger tatsächlich dazu bewegen, ein Tesla zu kaufen? Oder Ihnen vielleicht eine Fahrkarte in einem Touristenraumschiff andrehen…?

Bisher heißt es, dass das BCI allerdings ein medizinisches Gerät sei, dessen Aufgabe es sei, unterbrochene neurologische Signale – wie im Fall einer Lähmung – wiederherzustellen.

Warten wir’s ab.

Die Fantasie, andere Menschen mittels eines Implantats unter fremdem Einfluss zu bringen, hat jedenfalls Tradition. Keine sehr lange allerdings. 1951 erschien der Science-Fiction-Roman „The Puppet Masters“ des amer. Autors Robert Heinlein. (Die deutsche Version erschien 1957 unter dem Titel „Die Invasion“). Das Buch erzählt von einer Invasion Außerirdischer. Diese Geschöpfe (Waren sie von Mars? Hab leider vergessen) ähnelten im Aussehen Nacktschnecken und vermochten sich am Nacken eines Menschen zu befestigen, um ihr Opfer dann als Roboter zu missbrauchen. War ein lustiges Buch.

Oder der 1955 gedrehte „Invasion of the Body Snatchers“. (auf Deutsch “Invasion der Körperfresser”, manchmal auch die “Dämonischen“). In diesem Film haben Außerirdische ihre Sprösslinge (sie ähnelten bleichen Wassermelonen) in einer Kleinstadt reingeschmuggelt. Diese Schoten wuchsen heran und konnten sich durch irgendeinen nicht näher beschriebenen Prozess Erdmenschen bemächtigen. Gewöhnliche Menschen wurden zu Außerirdischen. Ein richtiger Horrorfilm. Man langte kaum mehr in die Popcorntüte, so spannend war die Handlung.

Und bitte den Roman von Kurt Vonnegut, „Slapstick, lonesome no more“ (zu Deutsch „Slapstick, nie wieder einsam“) nicht vergessen. Ein amüsantes Buch, dessen Handlung ich leider nicht mehr im Kopf habe Nur folgendes Handlungselement hat sich eingeprägt: Auf der Suche nach einer Lösung fürs Problem der Überbevölkerung stoßen die Chinesen auf eine geniale Idee (Notabene: Das Buch wurde vor dem „Ein-Kind-Debakel“ geschrieben): Sie schrumpfen ihre Bürger ein! Jawohl! Bis die Menschen die Größe eines Staubpartikels haben (oder waren sie noch kleiner?). Diese Nano-Chinesen schweben dann mit dem Wind in Richtung USA und siedeln sich in den Leibern von Amerikanern. Somit wird Amerika von Innen erobert! Leider habe ich die restlichen Details vergessen.

All diese Beispiele nur zur Einführung. Denn bald schreiben wir das Jahr 2022. Und dann beginnt das Zeitalter der Xenobots“ (oder wird man auf Deutsch in der Mehrzahl „Xenobote“ sagen?). Ist Ihnen dieses Wort ein Begriff? Falls nicht, ist es höchste Zeit.

Sprachgewandte werden sagen: „Aha! Hier haben wir es mit einem sog. Kofferwort zu tun. In diesem Fall mit einer Mischung aus dem griechischen „xeno“, d.h., „fremd“, und „Bot“. Inzwischen weiß jeder, was ein „Bot“ ist. Auch der Sprachbloggeur wurde des Öfteren von „Bots“ heimgesucht und lahmgelegt. „Bot“ ist jedenfalls eine Verkürzung der Vokabel „Roboter“.

Leider ist obige Etymologie falsch. Im Begriff „Xenobot“ wird „xeno“ in Wirklichkeit von einer afrikanischen Froschart namens „Xenopus laevis“, zu Deutsch „Krallenfrosch“, abgeleitet.

Was ist also ein „Xenobot“?

Nun wird es kompliziert: Wissenschaftler haben Stammzellen besagten afrikanischen Frosches isoliert, um diese in diverse Organe umzuwandeln. Es stellte sich allerdings heraus, dass diese Stammzellen plötzlich ein Eigenleben entwickelten. Und: Sie sind lernfähig, sprich programmierbar! Will sagen, man kann sie in fremde Körper als Boten schicken, wo sie ein „Programm“ ausführen…all dies natürlich zu medizinischen Zwecken.

Es wird aber noch spannender: Diese Viecher – sie sind weder männlich noch weiblich, eher divers – sind in der Lage, sich zu vermehren! Im Internet kann man diesen Vorgang in Filmaufnahmen sehen.

Sie sehen, was uns bevorsteht. Schauen Sie selbst unter Stichwort Xenobot. Sie werden gleich mit den Ohren wackeln…es sei denn, Sie sind selbst bereits ein Bot…

Reif fürs Metaversum?

Wissen Sie warum, „Metaphysik“ so heißt? „Meta“ auf Altgriechisch bedeutet „neben“. Der Erfinder dieses Wortes „Metaphysik“, ein gewisser Aristoteles – vielleicht kennen Sie den Namen – hatte mal ein Buch mit dem Titel „Physik“ geschrieben, zu Deutsch „die Natur“.

Und dann hatte er wieder ein Buch verfasst. Diese nannte er „ta meta ta physika“, wörtlich: „dasjenige neben (oder nach) der Physik“. Eigentlich schön logisch vom Autor, der auch über die Logik geschrieben hatte. Damals gab es noch keine Verlage, die mit reißerischen Titeln das Publikum zu packen gedachten.

Dies ist keine erfundene Geschichte, dafür aber passend, wenn man Mark Zuckerbergs „Metaverse“ – zu Deutsch „Metaversum“ – verstehen will.

Mit diesem „Kofferwort“ wollte Zuckerberg (oder jemand aus seinem Umfeld) zwei Konzepte vereinen: „Metaphysik“ und „Universum“. Und wie bei Aristoteles ist das Metaversum eine Art „Werk“, das nach dem Universum produziert wurde. Neben dem Universum soll gleichsam ein „Nebenuniversum“ aus dem Boden gestampft werden.

Hab ich gerade „aus dem Boden“ geschrieben? Somit läge ich falsch. Denn Zuckerbergs „Metaversum“ ist nicht bodenfest, sondern vielmehr eine Art…virtuelles Universum.

Alles klar? Mir nicht…ganz…

Wenn ich‘s richtig verstanden habe, möchte Zs Firma Sie animieren, an einem von ihr ausgedachten digitalen Universum teilzunehmen. Dazu brauchen Sie freilich die passende Ausrüstung. Zum Beispiel: eine sog. „Virtual-Reality-Brille“ auch „VR-Brille“ genannt und ein digitales Gerät, z.B., Rechner, Phone, Tablett usw. Ach ja und auch die passende Software, die Sie ermöglicht, jene virtuelle Welt zu betreten.

Einmal angekommen, sollen Sie sich in dieser virtuellen Realität so heimisch wie möglich fühlen. Sie kaufen sich, z.B., ein Haus, richten es mit diversem Hausrat ein. Vielleicht brauchen Sie auch einen virtuellen Rechner, oder Sie bewerben sich für eine virtuelle Arbeit bei einer virtuellen Firma, wo Sie VR-Geld verdienen. Sie haben vielleicht ein Auto (ohne CO2-Fußabdruck versteht sich!), ein Radl, E-Scooter etc.…und…jetzt wird es noch spannender: Sie haben auch Freunde (wohl Geliebte auch?), Nachbarn etc. etc. Das sind übrigens andere echte Menschen, vielleicht die eigene Familie und die eigenen Freunde, die sich ebenfalls im Metaversum aufhalten. Das offenkundige Ziel sei es, im Metaversum die Menschen zusammenzubringen.

Süß. Na? Sind Sie dabei?

Vielleicht fragen Sie sich, was die Firma „Meta“ davon hat, wenn Sie sich in einer Traumwelt mitten in der wahren Welt etablieren. Ganz einfach: Die Produkte, die Sie im Metaversum konsumieren würden, entsprechen wahren Produkten aus unserer nichtvirtuellen Welt. Will sagen: Wenn Sie sich in dieser Metawelt einrichten, stehen Ihnen Produkte und Dienstleistungen von Firmen zur Verfügung, die der Firma „Meta“ einen Haufen Geld bezahlt haben. Anders gesagt: Das Metaversum lebt von der Werbung.

Irgendwie eine geniale Idee.

Neulich bin ich auf einen Kommentar in der New York Times gestoßen mit dem Titel: „The one thing the metaverse can’t give us: Touch“ (Eins kann uns das Metaversum nicht geben: den Tastsinn). Die Autorin, eine gewisse JoAnna Novak, outet sich als Mensch, der seit 20 Jahren von der Magersucht geplagt ist. „Das letzte was ich brauche“, schreibt sie, „ist eine Technologie, die mich weiter von meinem Körper entfremdet.“

Ich persönlich denke, dass es eine einfachere – und zugleich altbewahrte – Alternative zum Metaversum für diejenigen gibt, die lieber eine Welt neben unserer Welt bewohnen möchten. Sie heißt Opiumkonsum.

Momentan ist der Konsum dieser Droge, die eifrig in Afghanistan angebaut wird, illegal. Wahrscheinlich wäre die Anschaffung des „Stoffs“ im Augenblick teurer für Konsumanten als in Zuckerbergs Luftschloss zu ziehen.

Eins steht aber fest: Willkommen, liebe Erdbürger und -bürgerinnen, im 21. Metajahrhundert.

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