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Frisch von der Fabrik: die allerneuesten Wörter

Es gibt nichts Einfacheres als über neue Wörter zu berichten – vor allem, wenn sie bereits existieren. Wir machen es heute anders. Wir werden die Wortfabrik besuchen, den Ort, wo Wörter, die noch kein Mensch in den Mund genommen hat, kreiert werden.

Sie müssen sich eine brodelnde Ursuppe vorstellen. Sie kocht und blubbert wie Lava im Vulkan. Man kann sie zwar mit dem Auge nicht sehen, sie existiert aber stets im kollektiven Willen einer Kultur. Ständig schießen neue Wortschöpfungen aus dieser Ursuppe, und diese treten alsbald ins Bewusstsein, um dann als Eintagsfliegen ihr kurzes Dasein zu fristen oder um lange zu gedeihen.

Obiges poetisches Bild nur zur Einführung. Ich berichte über zwei Wörter, die es im Deutschen eigentlich noch nicht gibt. Ich behaupte aber: Sie werden bald in aller Munde sein. Die Rede ist von "Douchie“ und "Douche“ (Notabene: Sie werden beide mit dem männlichen Artikel "der“ versehen).

Zu bemerken: Ich habe diese Wörter selbst nicht erfunden. Es sind gängige Begriffe aus der US-Jugendsprache. Ich bin aber überzeugt, dass sie den Sprung über den großen Teich bald schaffen.

Nebenbei: Ich kenne diese Wortfamilie aus ihrer früheren Inkarnation. Während meiner Jugend sagten wir "douche bag“ für ein tölpelhaftes männliches Wesen. Wörtlich ist ein "douche bag“ (und war schon vor meiner Zeit) ein Slangbegriff für einen gewissen Apparat der weiblichen Intimhygiene. Das Wort ist selbstverständlich mit "Dusche“, also "Brause“, verwandt und wird ursprünglich vom italienischen "doccia“, "Wasserrinne“ abgeleitet.

In einem früheren Beitrag (15. Dezember 2006) habe ich ausführlich vom "Gesetz der Mundfaulheit“ berichtet. Dies besagt, dass wir sprechende Geschöpfe aus Gründen der Bequemlichkeit ständig dabei sind, Wörter zu verkürzen, was wiederum eine wichtige Rolle im Sprachwandel spielt. Denken Sie an die griechische Stadt Thessaloniki, die man heute nur noch "Saloniki“ nennt. Genau dies ist dem "douche bag“ im Sinn von "Trottel“ passiert. Die heutige Jugend hat diesen Begriff zu "Douche“ verkürzt – und als Verniedlichungsform wiederum zu "Douchie“ ausgedehnt. Letzteres wird allerdings auch als Adjektiv gebraucht in der Bedeutung von "sinnlos“ oder "doof“. Schauen Sie unter www.urbandictionary.com. Sie werden buchstäblich Hunderte von Wörtern aus der "douche“-Familie entdecken – inklusive "Douchasaurous Rex“ und "DoucheBaguette“.

Wie gesagt: Ich behaupte, dass obige Wörter bald große Verbreitung in der deutschen Jugendsprache finden werden. Als ich dies meinem jüngsten Sohn prophezeite, schaute er mich skeptisch an und meinte, es wären die albernsten Wörter, die er je gehört hätte, dass kein vernünftiger Mensch auf die Idee käme, sie in den Mund zu nehmen. Zudem: Ich würde nicht ganz richtig ticken, wenn ich meinte, sie würden jemals populär werden, usw.

Mein ältester Sohn hingegen, hatte bereits begonnen, "Douche“ und "Douchie“ zu gebrauchen, auch bevor ich sie thematisiert hatte. Er meinte, er habe sie im Internet bei der "Daily Show“ aufgeklaubt.

Falls man auch in Ihrer Gegend mal beginnt, diese Vokabeln zu verwenden, vergessen Sie nicht, wo Sie das erste Mal über sie erfahren haben: Beim Sprachbloggeur – wie immer zu Ihren Diensten.

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