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Zu guter Letzt die Querdenker*I*nnen

Wahrscheinlich sind Sie heller als ich. Für mein Leben war ich unfähig die Redewendung „zu guter Letzt“ grammatikalisch zu enträtseln.

Ich weiß: Diese Frage klingt etwas esoterisch. Und schließlich gibt es auch Wichtigeres auf der Welt momentan…zum Beispiel die Pandemie, verhinderte Urlaubspläne oder die Querdenker*I*nnen. Aber mehr darüber unten.

Zunächst „zu guter Letzt“. Meine Frage lautet: Wieso heißt es in diesem Zusammenhang „guter“ und nicht etwa „gutem“ sprich: „zu gutem Letzten“?
Oder gibt es ein Wort „die Letzt“ auf Deutsch?

Ich hab dieses esoterische Problem recherchiert, kam aber leider nicht weiter. Zu guter Letzt musste ich in den sauren Apfel beißen und Vorsitzenden Google um Hilfe beten. Sie weiß sowieso alles…zumindest fast alles. Denn leider hatte die gütige VorsitzenderIn in diesem Fall selbst keine Ahnung. Einzig und allein wollte er mir die spannende Frage beantworten: Welches ist richtig „zu guter Letzt“ oder „zuguterletzt“. Ja, natürlich muss man „zu guter Letzt“ schreiben.

Auch meine Frau fragte ich, ob sie vielleicht als Nativespeakerin eine verbindliche Antwort auf diese Vexierfrage hätte. Sie war ebenso ahnungslos wie ich.

Schließlich kam ich ganz allein auf die gesuchte Antwort Und nun folgt sie:
„Zu guter Letzt“ ist mit der Redewendung „zuallerletzt“ verwandt und auch gleichbedeutend. – mit dem einzigen Unterschied, dass man Letzteres zusammenschreibt, ersteres nicht. (Gleiches gilt für „zuallererst“ und „zu guter Erst“).

Und nun fiel mir ein, dass das „aller“ in „zuallerletzt“ (und in „zuallererst“) ans englische „last of all“ und „first of all“ erinnert. Der Rest war easy. Das „of all“ in der engl. Version lässt an einen Genitiv denken. Aha! Dieses „aller“ ist also höchstwahrscheinlich ein dt. Genitiv! Und Gleiches gilt wohl für „guter“. „Zu guter Letzt“ bedeutete also in einem früheren Stadium der dt. Sprache etwas wie „als Letztes der guten Dinge“ oder so. Hurra! Problem gelöst. War gar nicht so schwer.

Viel schwerer ist das mit den „Querdenkern“.

Nur nebenbei: Etymologisch gesehen könnte man das Wort „Querdenker“ zu „queer thinker“ verenglischen. „Queer“ auf Englisch bedeutete – ursprünglich – „seltsam“ oder „schräg“. Heute wird es meistens im Sinn von „schwul“ verwendet. Nicht dass die heutigen Querdenker unbedingt Homosexuelle sind. Es sind aber sicherlich einige auch dabei. Warum nicht?

Doch zurück zum Thema. Fest steht: Der Begriff „Querdenker“ ist in den Medien meistens negativ besetzt. Oder bilde ich mir das nur ein?

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass all jene deutsche Begriffe, die auf einen Beruf oder personifizierte ideologische oder pathologische Richtung hinweisen, von den neu entstehenden sprachlichen Erfordernissen der Gendergleichheitsbewegung befreit sind? Das heißt: Man kommt nie auf die Idee, solche Wörter mit einem „*Innen“ zu versehen. Denken Sie an „Vergewaltiger“, „Bankräuber“, „Dieb“, „Terrorist“ etc. etc. etc. Auch „Querdenker“ gehört, so kommt es mir vor, in diese Kategorie.

Oder habe ich etwas verpasst? Schreibt man in den Medien auch manchmal „QuerdenkerInnen“ oder vielleicht „Querdenkende“?

Komisch, nicht wahr?

Aus diesem Grund stelle ich zu guter Letzt fest, dass auch ich – was die ideologische Verunstaltung der deutschen Sprache betrifft – allmählich zum Querdenkenden werde.

Ja und noch eine letzte grammatikalische Frage, liebe Deutsch Muttersprachler: Sagt man im Singular „die QuerdenkerIn“ oder „der QuerdenkerIn“? Das weiß ich für mein Leben nicht. Ich glaube, ehrlich gesagt, dass keiner es weiß.

Kommentare

...man schreibt es, denke ich, wie im Betreff. Oder doch: der/die/das? "Das" steht dann für all jene, die wie ein Haus oder Auto fühlen...wenigstens manchmal...Oder besser: die/der/das? Oder: das/die/der? Die Reihenfolge hat was zu bedeuten? Oder doch nicht? Manchmal kommen die wichtigen Aussagen auch erst am Schluß eines Satzes, eigentlich meistens. Also welche Reihenfolge ist die gerechteste? Der Reihenfolg? Der/die/das GerechtestIne? Oder wir nehmen statt der/die/das folgendes: daiers? aber wäre es nicht besser so: diasre? Puh...ich weiß nicht mehr weiter...(das Ich? Wieso denn das?????!!!!! Wieso das denn??????)

Ja, lieber Rossology (oder müsste man vielleicht "liebe Rossology" schreiben - "-logy" also wie in Psychologie bzw. Psychology ist immer ein "die"), die Frage ist schwerer, als man/frau denkt. In 50 Jahren wird diese dt. Sprache kaum mehr wiederzuerkennen sein. Kann alles sein. Was würde Goethe dazu sagen? Ist ohnehin wurscht. Er war letztendlich ein alter, weißer Mann - und die darf man/frau nach Geschmack verunglimpfen. Viele schöne Grüße PJB

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