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Die Sprachenschnapper stehen vor der Tür!!

Wer kennt noch den Film „Die Dämonischen“? Schöner Titel, im Original noch besser: „The Invasion of the Body Snatchers“ (Invasion der Körperschnapper).

Plötzlich sind die Außerirdischen da…

…und eines Tages findet man wassermelonenartige Dinge, in den Garagen und in den schnieken Gärten einer amer. Kleinstadt. Komische Dinge, aber was soll’s? Was man nicht ahnt: Aus diesen fremden Hülsen werden bald seelenlose Parasiten entschlüpfen, die den Körper ganz normaler Menschen in Besitz nehmen werden, um das Opfer, vielleicht den Nachbar, in einen seelenlosen Handlanger zu verwandeln.

Man sagt „Hallo!“ zum Nachbar, zur Nachbarin, und merkt schon bald, dass der andere, ja, irgendwie anders geworden ist, kalt, gefühlslos.

So geht es weiter im Film, bis schließlich nur noch ein einziger Normalo in der Stadt übrigbleibt. Dieser flüchtet mit Karacho aus der Geisterstadt und will den Menschen in der nächsten Kreisstadt davor warnen, was auf sie bald zukommen könnte. Es ist aber schon zu spät. Er spricht jemanden an, aber dieser antwortet mit eisiger Kälte…

Allmählich fühle ich mich wie der Mensch in diesem Film. Denn auch ich möchte vor etwas warnen, das auf uns in Bälde zukommen könnte.
Die Rede ist von den Sprachenschnappern. Denn schon haben sie die dt. Sprache im Visier.

Panikmache?

Hier die Fakten. Sie sitzen momentan gemütlich vor Ihrem Rechner, Tablet, oder Phone und wähnen sich sicher, zumindest sprachlich. Derweil bahnt sich etwas Schreckliches an. Angefangen hat es in Amerika, d.h., da, woher die meisten Neuigkeiten stammen.

Es geht um Folgendes: Eine sehr hartnäckige (noch) Minderheit in den USA will die Pronomina „he“ und „she“ abschaffen und beide mit „they“ ersetzen. Der Grund dafür: Sie verstehen die grammatikalische Unterscheidung zwischen Männlein und Weiblein als Mittel, um die Chancengleichheit der Geschlechter kaputt zu machen.

Die Sache wird allmählich ernst. Vor ein paar Tagen machte sich nämlich ein namhafter Journalist namens Farhad Manjoo in der NY Times dafür stark. Er schrieb, dass er einen Sohn und eine Tochter habe. Er wolle, dass beide die gleichen Chancen bekommen. Dies sei gewisser, wenn beide mit „they“ angesprochen werden. Zwei Tage später veröffentlichte die NY Times wieder eine Art Plädoyer zu diesem Thema.

So würde diese Neuigkeit klingen: „Meet my friend George. They is a student.“ “Have you seen Mary? Yes, they ate lunch.”

Sie denken vielleicht: Die Amerikaner, die spinnen oder dass es unmöglich wäre, eine Sprache so radikal, so schlagartig zu verändern. Falsch. Beispiel Dänisch. Am Ende der 1960er Jahre stellten die Dänen im Namen der Gleichberechtigung das Siezen ein. Heute gilt das „De“ (Sie) im Dänischen als rundum veraltet.

Ja, auch im Deutschen ist das allgemeine Duzen stark auf dem Vormarsch – vor allem unter der Jugend…und sie sind diejenigen, die die Sprache weitergeben werden.

Schon jetzt verschwinden die „Studenten“ und die „Studentenschaft“ heißt nur mehr „Studierendenschaft“. Die Lehrer werden zu einer „Lehrkraft“, die „Freunde“ zu „Freundin*Innen“. Nur die „Terroristen“ bleiben „Terroristen“.

Ja, die Sprachenschnapper sind unterwegs. Sie fliegen nicht, fahren lieber elektronisch…auch wenn Akkus große Umweltverschmutzer sind.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor „er“ und „sie“ zu…hmm… „ser“? „säj“? wird.

Vor ein paar Tagen hab ich eine Story in der „Guardian“ über einen genderfluiden Menschen gelesen. Da war die Rede von „they is“ usw. Es hat eine Weile gedauert, aber dann hat es bei mir doch geschnackelt.

Ja, die Sprachenschnapper stehen ante portas, liebe Leser (oder „Lesende“ oder Leser*Innen). Hand aufs Herz: Der Neusprech wird Sie nicht glücklicher machen…

Kommentare

Lieber Sprachbloggeur, Sie haben völlig Recht. Es ist schlimm, dass Menschen denken, man könne die richtige Sprache von oben verordnen. Aber eine kleine Anmerkung habe ich. Das Wort "Studierende" ist seit Jahren für mich das Paradebeispiel des galoppierenden Irrsinns, aber nun musste ich bei Goethe an vielen! Stellen entdecken, dass auch Herr Goethe dieses Wort benutzte. Hier nur eins von vielen Beispielen: Wilhelm Meister Wanderjahre: "Da nun unser jungen Studierenden..." Also nicht jede Verrücktheit ist auf dem Mist der jungen Generation gewachsen.

vielen Dank für den Hinweis, Lili Spatz. Schade, dass Goethe nicht mehr lebt. Er hätte von der Lektüre des Sprachbloggeurs bestimmt sehr profitiert. Herzliche Grüße P.J. Blumenthal

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