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Haben Sie Ihre E-Bibliothek schon angelegt?

Falls Sie es noch nicht wissen: Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat einen neuen Roman verfasst. Er heißt "Neid“ und ist, glauben Sie mir, eine Glanzleistung. Doch fragen Sie in der nächsten Buchhandlung nicht danach. Er ist nur im Internet erhältlich.

Wer des Textes habhaft werden möchte, kann ihn also direkt am Bildschirm gratis lesen. Wer ungern am Bildschirm liest, hat die Möglichkeit das Buch auszudrucken. Allerdings: Es hat ungefähr tausend Seiten. Die Aufwendungen für Papier, Tinte und Druckerverschleiß sind also nicht unerheblich.

Die Autorin macht es manchen sonst willigen Lesern nicht einfach. Auch Verlegern wird’s ein bisschen mulmig, wenn Autoren auf die Dienste eines Verlags verzichten.

Hier zum Thema etwas O-Ton der Autorin aus einem kurzem Beitrag "Ein paar Anmerkungen zu 'Neid’“ (man findet ihn auf der EJ-Homepage): "Ich möchte nur gern sagen, wie ich es mir vorstelle: Man soll den Text überhaupt nicht ausdrucken. Man kann natürlich, aber man soll nicht…Dieser Text mit Namen ‚Neid’ gehört nicht in ein Buch. Er gehört nicht auf Papier, er gehört in den Computer hinein, dort habe ich ihn hineingestellt…“

Willkommen im 21. Jahrhundert. Überall steht man unter Strom. Auch die vorliegende Sprachglosse lebt letztendlich nur von Bits und Bytes, falls Sie dies vergessen haben. Elfriede Jelineks Vorhaben ist also völlig zeitgemäß. Und das wissen auch alle Verleger, die ihre Matratzen nicht nur mit Papierknäueln vollgestopft haben. Das "E-Book“ ist kein Spielzeug mehr. Nur eine Frage der Zeit, dass man auf einem ansehnlichen äußerst tragbaren Gerätsehr in sehr verschiedenen Büchern – unter ihnen sicherlich "Neid“ – (und Zeitschriften) im Flugzeug, im Bett, in der U-Bahn oder vielleicht am Strand schmökern kann.

Das "E-Book“ hat erhebliche Vorteile. Vor allem ist es platzsparend. Seit einem Jahr verwende ich ein eletronisches Taschengerät, das sowohl verschiedene anspruchsvolle Wörterbücher fürs Englische, Französische und Spanische wie auch das neue "Duden-Universalwörterbuch“ beinhaltet. Anstatt fünf schwere (und für mich nötige) Bücher mit herumzutragen, habe ich alles in einem kleinen, bequemen Paket zusammengeschnürt.

Ist das Papier also ein Auslaufmodell? Keine Sorge. Manches wird man nach wie vor gerne ohne Batterien lesen. Schön ramponierte Bücher passen so perfekt in die Jackentasche, hübsche Bände stehen im Klo als treue Sitzungsbegleiter. Außerdem hat noch kein gewiefter Informatiker das elektronische Pendant zum gemütlichen (und manchmal unerlässlichen) Durchblättern entdeckt.

Gewöhnen Sie sich daran: Das E-Buch ist auf dem Vormarsch. Und man soll froh sein, dass es so ist. Selbstverständlich muss man das mit dem Bezahlen von Autoren neu regeln. Manche Menschen (Verleger und Leser) haben ohnehin noch nicht verstanden, dass auch Autoren von etwas leben müssen.

Dennoch bereitet die Frage der Haltbarkeit von elektronischen Daten noch immer berechtigte Sorgen. Immerhin: Den Strom kann man ein- und abschalten. Es wäre schade, wenn eines Tages alle Erzeugnisse unseres Zeitalters unerreichbar würden, weil die Hardware und die elektronischen Protokolle fehlten, um sie aufzurufen.

Das Überleben von Literatur war wohl auch zu besten Zeiten Glückssache. Schriftliches muss halt tradiert werden – kopiert und wiederkopiert auf immer neue und (man hofft) stabile Speichermedien. Das Papier hat sich zu diesem Zweck in besonderem Maße bewährt, weshalb es auch in Zukunft das Papier seine bisherige Funktion behalten wird. Ich bin stets der Optimist.

Wetten, dass Elfriede Jelineks "Neid“ einmal als dickes, gedrucktes Buch erscheint?

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