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Good Deutch shreiben: eine Einführung

Zeit wieder, dass der Schriftsteller aus dem beruflichen Nähkästchen plaudert.

Mir wurde neulich mitgeteilt, dass die Fehlerquote meiner Glossen in letzter Zeit merklich zugenommen hat. Das ist verständlich, zumal mein Sprachguru Ernst-Theo Rohnert im Dezember mit beinahe 97 Jahren gestorben ist. Wöchentlich hatte er mir Änderungsvorschläge und Fehlerkorrektur gemailt.

Fast jeder Schriftsteller braucht jemanden, der für ihn Korrektur liest. Denn der Buchstabencode ist eine ideale Brutstätte für Fehler. Aus Wörtern kann schnell Buchstabensalat werden. Dennoch sollte man das Problem nicht überwerten. Im Internet kursieren schlaue Botschaften über die Rechtschreibung. Wahrscheinlich kennen Sie sie schon. Da heißt es, dass man beim Lesen Fehler oft übersieht, vroasugeseztt der ertse und der lettze Buhcsatbe koerrkt geshcribeen snid. Es stimmt auch.

Zugegeben: Meine Patzer sind mit denen eines Muttersprachlers nicht immer zu vergleichen. Das liegt daran, dass man eine Zweitsprache anders einprägt als eine Erstsprache. Für manches bleibt das fremde Ohr verständlicherweise schwerhörig. Deshalb gebrauche ich bisweilen die falsche Artikelform, oder bin unsicher, ob ich „meiden“ oder „vermeiden“, „reichen“ oder „langen“, „weigern“ oder „verweigern“ verwenden soll. Manche Fehler teile ich allerdings gemeinsam mit Muttersprachlern – etwa den falschen Gebrauch des Plusquamperfekts und des Konjunktivs. Schuld daran ist aber mitunter die Evolution der Schriftsprache.

Es kann schon mal frustrierend sein, mit der eigenen Fehlleistungen schwarz auf weiß konfrontiert zu werden. „O my God“, denke ich, „schon wieder ein Fehler. Meine Leser werden mich nie ernst nehmen. Ich verfluche den Tag, an dem ich mich entschloss, in dieser Scheißsprache zu schreiben“ usw.

Keine Angst, liebe Leser. Ich habe hier nicht vor, Sie mit irgendeiner drögen Larmoyanz zu behelligen. Zumal ich inzwischen neue Erkenntnisse zum Thema Schreibfehler gewonnen habe. Ich bin nämlich dabei, mein Buchmanuskript zu bearbeiten und stelle zu meiner Überraschung fest, dass meine Patzer für die meisten Leser wohl belanglos sind.

Es handelt sich um mein Sachbuch „Kaspar Hausers Geschwister“, das 2003 zum ersten Mal erschien und Ende dieses Jahres bei dtv neu, ergänzt und völlig überarbeitet in Druck geht.

Ich erinnere mich noch an den Schock, als ich 2003 entdeckte, dass das Buch vor Fehlern nur wimmelte. Ich war entsetzt und reichte dem Verlag bei jeder neuen Auflage Verbesserungen ein. Als das Buch 2005 als Taschenbuch erscheinen sollte, händigte ich der Lektorin zwanzig Seiten mit Korrektur, die meine treue Vorlektorin Alina mühevoll angefertigt hatte. Somit wollten wir die Sünden von 2003 aus der Welt schaffen.

Leider landete Alinas Liste wohl im Papierkorb. Denn die Taschenbuchausgabe war genauso fehlerhaft wie das gebundene Buch. Doch nun schreiben wir das Jahr 2012. Alina hat sich wieder die Mühe gemacht, mir eine neue Korrekturliste zu erstellen. Ich trage die Verbesserungen diesmal selbst in das Manuskript ein.

Damit will ich sagen: Dieses Buch ist seit neun Jahren auf dem Markt und reichlich fehlerhaft. Für „erklomm“ steht, zum Beispiel, „erklimmte“, für „Nüsse knacken“ „Nüsse schälen“. Natürlich findet man auch jede Menge Artikelfehler. Wie kann das sein? Ganz einfach, weil die Verlage seit Jahren auf Sparkurs sind. Sie überlassen dem Autor die Korrektur. Oder sie verlassen sich auf primitive Korrekturprogramme.

Trotz alledem wurde dieses Buch fast immer positiv besprochen. Kein einziges Mal las ich in einer Rezension einen Hinweis auf die Schlampigkeit des Textes. Im Gegenteil. Ein Rezensent bezeichnete das Werk als „elegante Wissenschaftsprosa“. Na, was Sagen Sie dazu?

Mir fehlt Ernst-Theo sehr. Ab jetzt lernen Sie den Sprachbloggeur aber ungeschminkt kennen – mit allen Pickeln und Narben also. Um die Perfektion bemüht, stehe ich künftig unbedingt zu meinen Fehlern.

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