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Heute Praktisches: Wie man Spammer, Phisher und Co. Paroli bietet

Psychiater haben einen guten Riecher für Kundschaft. Das müssen sie auch. Sie wissen: Wer über sich viel redet, wird sich gleich zuhause auf der Analytikercouch fühlen. Seelensorger unter meinen Lesern warten vielleicht auch eifrig auf mich in ihren Praxen. So sehr jammere ich seit Monaten meine Probleme vor.

Zur Erinnerung aber: Es war der passionierte Zigarrenraucher Sigmund Freud, der einmal behauptete, dass nicht jede Zigarre ein Phallussymbol sei.

Seit Monaten beschwere ich mich, weil die Software dieser Seite nicht hundert Prozent funktioniert. Mal passiert es, dass Beiträge zwei- drei- ja auch vierfach erscheinen. Mal, weil das Kommentieren sehr umständlich geworden ist. Heute übrigens, dank meinem gewissenhaften Host, funktioniert alles – oder fast alles wieder. Zwar muss man auf „weiter“ klicken, um den ganzen Beitrag zu sehen…Ich bleibe jedenfalls weiterhin voller Hoffnung. Weshalb die Seite eine grüne Haut trägt. Sorry, liebe Seelensorger.

Aber da ich gerade von Problemen spreche, wie wäre es, wenn ich schon wieder über meine Spammer erzähle. Sie als Leser kennen nämlich nur die öffentlichen Geschäftsräume meines kleinen Wortladens. Sie waren noch nie im Lagerraum oder im Keller. Sie können also nicht wissen, dass ich beinahe täglich damit beschäftigt bin, Ungeziefer zu tilgen – in diesem Fall Spammer und Phisher, die versuchen, auf Teufel komm raus, meinen schnieken Laden zu verdrecken und zu verpesten.

Hier plaudere ich ein bisschen aus dem Nähkästchen, aber vielleicht kennen die Kollegen unter meinen Lesern (damit meine ich natürlich auch die Leserinnen) das Problem. Fast täglich finde ich, zum Beispiel, in meiner sog. „Benutzerliste“ neu „Benutzer“. Eine Zeitlang fühlte ich mich sehr geschmeichelt, dass so viele Leser Stammgäste werden wollten. Ich habe mich nur gewundert, dass die Namen oft so eigenartig klangen. Hier ein kleiner Auswahl: „harryschaefergw“, „chi32“, „Ugg58441“, „Sasdas321“, „Jdeplppty“, „Xrumersoftware“, „UnpagounpashY“ usw. Auch ihre Adressen muten häufig fantasievoll an – etwa @126bop.com oder @giganaga.org. Manche Namen sind freilich mit einem einfachen „@gmail“, „aol“ etc. versehen.

Es ist schon mal vorgekommen, dass diese „Benutzer“ es gelegentlich schafften, ihre Botschaften – zumindest kurzfristig – als veröffentlichte Kommentare einzuschmuggeln. Anfänglich hat es sich lediglich um Werbung für Potenzmittel, Kasinos, Ferienwohnungen, Uhren usw. gehandelt. Heute nehmen die „Kommentare“ eine ganz neue Dimension an. Ich finde nämlich als „Kommentare“ oft reihenweise Hypertextlinks , die aus reinen Nonsense-Buchstaben bestehen – etwa: „xiwpjfamntxrrrzsyhj“. Aber Vorsicht: Wer auf einen dieser Links klickt, wird sein blaues, oder besser, pechschwarzes Wunder erleben.

Hier ein kleines Interview – nicht das erste – , das ich mit einem aus der neuen Generation von Spammern geführt habe.

Ich: Warum machen Sie das?

Er: (nota bene selten sie – Spammer und Phisher sind fast ausschließlich männlich): Xsyxidehmfetuidefeyidekaf.

Ich: Sprechen Sie kein Deutsch?

Er: Riraeiarjiqwhfwhea6.

Ich werde Sie nicht weiter mit diesem Interview behelligen. Es bringt ohnehin nichts. Fakt ist aber: Die meisten dieser hartnäckigen Vertreter der Antisprache sprechen in der Tat kein Deutsch. Vielleicht Englisch (oder Gebrauchsenglisch), Russisch, Chinesisch, Polnisch, Albanisch, Urdu, Hindi und eine ganze Palette schöner und exotischen Sprachen dieser Welt.

Und natürlich interessieren sie sich nur um eins: Sie hoffen, dass Sie versehentlich – oder aus Neugier – auf so einen Nonsense-Link klicken werden. Tun Sie das, wird Ihr Rechner innerhalb von vier bis fünf Sekunden mit einem Malware-Programm, einem sogenannten Trojaner – womöglich „zeuS“ – infiziert. Es ist wie unsafe sex, kurzes Vergnügen, langes Leiden.
Die neueste Generation von Spammern, Phishern usw. möchte lediglich Ihre Passwörter stibitzen – am liebsten die, die Sie für online Banking brauchen. Kreditkartennummer werden auch gerne eingesammelt. In den USA ist die Rede von „identity thieves“. Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe Erdbewohner.

Deshalb möchte ich hier meine geniale Lösung vortragen, um dieses Informationsungeziefer effektiv zu bekämpfen. Mein Vorschlag: Jeder, der ins Internet einloggen will, muss sich künftig einer Sicherheitskontrolle unterziehen lassen. Alle Worte, die er vorhat, auf die digitale Reise mitzunehmen, werden erst durchleuchtet, geröntgt und für Sprengstoff geprüft. Notfalls wird auch eine Vollkörperuntersuchung fällig. Nur dann darf er den Innenbereich des Internets betreten. Auch Schuhe soll er ausziehen, um auch die kontrollieren zu lassen. Spammer versuchen ihre Scheußlichkeiten auf verschiedene Weise zu schmuggeln.

Wer mit verbotenen Inhalten erwischt wird, kommt sofort in den Cybergewahrsam.: Wer dort landet, mein lieber Scholli, der findet sich schwer wieder raus.

Aufmerksamen Lesern wird es vielleicht schon aufgefallen sein, dass meine Ideen an die Flughafenkontrolle erinnert. Das ist kein Zufall.

Es geht hier um Kommunikationsnetze. Die wurden schon seit immer von Straßenräubern usw. befallen. Jedes Zeitalter lernt, Paroli zu bieten.

Oder haben Sie einen anderen Vorschlag? Bin ganz offen für Ideen.

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