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Der nächste Gottschalk? Ich! Ich! Ich!

Schade, dass Thomas Gottschalk geht. Ich verstehe seine Beweggründe aber gut. Es spricht für ihn, dass er sich jetzt so entschieden hat.

Nach dem schrecklichen Schicksalschlag des Samuel Koch (ihm wünsche ich eine vollständige Genesung) kann es für Gottschalk ab jetzt nur noch ein Vorher und ein Nachher geben.

Das Vorher mutet wie ein goldenes Zeitalter an. Man denkt mit Nostalgie daran. Dieses Erinnern schmerzt aber sehr. Denn man lebt im Nachher, dem Nachher eines Ereignisses, das sich vor dem geistigen Auge in Zeitlupe immer wieder abspielt. Man will den Film stoppen, die Bilder ungeschehen machen. Geht aber nicht.

Ich verstehe Gottschalk, weil ich am letzten Samstagabend um ein Haar das Gleiche erlebt hätte. Zum Glück geht meine Geschichte glimpflich aus. Der achtjährige Sohn eines Freundes spielte am Treppengeländer. Ich stand auf der Treppe eine Ebene tiefer. Plötzlich verlor er das Gleichgewicht, rutschte vom Geländer ab, flog an mir vorbei und prallte gegen mich oder das Geländer  oder beides. Hektisch versuchte ich ihn aufzufangen. Alles ging natürlich sehr schnell vor sich - dennoch wie in Zeitlupe. Ich griff fiebrig nach ihm, umklammerte seine Haare . Alles vergebens. Er schlug eine Treppe weiter unten auf, blieb auf dem Rücken liegen.

Ich verstehe deshalb sehr genau, was Vorher und Nachher bedeutet. In diesem Fall hatte der Junge Glück. Er konnte gleich reden und weinen, war in der Lage, Zehen und Hände zu bewegen. Er kam zur Beobachtung gleich ins Krankenhaus. Es geht ihm, Gott sei dank, gut.

Wenn ich Thomas Gottschalk wäre, würde ich auch eine Pause einlegen, mir alle Optionen offen halten. Zum Glück ist er aufs Geld nicht angewiesen.

Heute habe ich mir eine neue Hose gekauft. Sie hat 69 Euro gekostet. Für Thommy ein kleines Taschengeld. Für mich eine leichte Prasserei. Eine schöne, wollene Hose, die ich tragen will, wenn ich mich formell anziehen muss – was ohnehin nur selten vorkommt.

Nachdem ich die Hose bezahlt hatte, kam mir folgender Gedanke: Eigentlich könnte ich mich als Gottschalk-Nachfolger für „Wetten dass…“ bewerben. Ich wäre der ideale Moderator: unbekannt, manchmal witzig – außerdem habe auch ich Locken – die sind allerdings nicht blond, sondern silbern, was mich aber interessant und welterfahren erscheinen lässt. Der triftigste Grund mich als Moderator zu verpflichten, wäre jedoch ein anderer: Ich habe einen Migrationshintergrund. So was ist momentan sehr „in“.

Und noch ein Vorteil: Ich habe in meinem Leben noch nie „Wetten, dass…“ geglotzt, weil ich nur selten fernsehe. Ich habe also keine Ahnung, was sich da alles abspielt. Insofern könnte ich die Show völlig neu und unvoreingenommen gestalten.

Eins verspreche ich schon jetzt: Ich werde den Zuschauerquoten nicht hinterherlaufen. Das mache ich auch als Sprachbloggeur nicht. Schnell wird man gefällig und ängstlich. Der kreative Spaß hört bald auf.

Durch meinen Einfluss würde die Show eine ganz neue Qualität erhalten. Ich könnte, zum Beispiel, eine Wette mit dem Publikum schließen, dass ich im Lauf von, sagen wir, einer halben Stunde fehlerfreies Deutsch zu reden versuchen würde. Glauben Sie mir. Ich würde mich wirklich anstrengen. Kein Mogeln. Ich bemühe mich ohnehin stets, fehlerfrei zu reden. Nur es gelingt mir nicht. Das Live-Publikum würde als Jury genau hinhören. Wer einen Fehler entdeckte, dürfte auf die Bühne kommen und über sich erzählen oder, wenn das ihm (oder ihr) zu peinlich wäre, ein Gedicht vortragen.

Klingt das nicht lustig?

Oder man könnte drei Studiogäste ganz beliebig auswählen, um an einem Wettbewerb teilzunehmen: wer den Atem am längsten anhalten kann. Der Sieger dürfte dann ein Lied vorsingen, wenn er (oder sie) wollte.

Sie sehen. Ich habe viele klasse Ideen. Und und die habe ich gerade erst aus der Luft gegriffen.

Vielleicht stößt ZDF doch zufällig auf mich. Kann man nie ganz ausschließen.  Wie man weiß, geschehen zuweilen Zeichen und Wunder.

Übrigens: Ich koste nicht so viel wie Gottschalk. Trotzdem bin ich nicht ganz billig. Sonst wird man nicht ernst genommen.

Falls das mit „Wetten, dass…“ nicht klappt, biete ich mich ebenfalls als Chef der Europäischen Zentralbank an. Ich bin nämlich unschlagbar mit dem Taschenrechner und außerdem nicht verschwenderisch. Zinsen erhöhen und senken kann jeder. Was macht der Oberbanker sonst? Man muss nur zu seinen Entscheidungen stehen.

In eigener Sache: Nächste Woche keine Glosse. Bin auf Geheimmission. In zwei Wochen wieder Neues.

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