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Mundtot auf der Puszta

Wo sind die „Wutbürger“, wenn man sie braucht?

Erst letzte Woche bin ich auf dieses Wort gestoßen. Keine Ahnung, wie lange es den „Wutbürger“ schon gibt oder wer sein Urheber ist.

Für das amerikanische Ohr – und schließlich sind meine Ohren „made in America“ – klingt „Wutbürger“ irgendwie bulettenhaft. Das deutsche Ohr merkt davon nichts. „Wutbürger“ wäre – zumindest in Amerika - ein schöner Name für eine Fastfoodkette.

Die Wutbürger sind diejenigen, die Thilo Sarrazin – den politisch korrekten Rügen der Politik zum Trotz – zu einem Bestseller-Autor machten. Die Wutbürger widersprechen den lahmen Kommentatoren (Leuten wie dem Sprachbloggeur), die die Wikileaks als unwichtig oder unverschämt verschreien. Die Wutbürger machen Stuttgart21 zu einem heißen Pflaster.

Darüber hinaus: Die Wutbürger besitzen „media savvy“, bedienen sich anhand von Facebookforen, Twitter, Blogs der neuen Medien, schreiben Leserzuschriften an die Online-Zeitungen und –Zeitschriften usw., die früher nie in Zeitungen erschienen wären – zumindest nicht in solchem Umfang. Ja, die Wutbürger mischen ganz schön auf.

Anbruch eines neuen Zeitalters der Demokratie?

Schön wäre es. Aber dann erfuhr ich heute Früh in den Radionachrichten vom neuen Mediengesetz in Ungarn.

Schon davon gehört, liebe Wutbürger?

 Kurz gesagt: Ab dem 1. Januar 2011 werden die ungarischen Medien…hmmm…wie soll ich das am besten beschreiben?... die ungarischen Medien werden…gleichgeschaltet. So will es das von der rechtsnationalen Fidesz Partei initiierte Gesetz, das in diesen Tagen mit Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament verabschiedet wurde.

Wie sieht das genau aus? Neben den öffentlichen-rechtlichen Medien werden auch private Medien – also Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen, Zeitschriften und Internetportale – auch Blogs also – unter Aufsicht genommen. Die Medienbehörde NMHH entscheidet, was anstößig und was anständig ist. Verstöße gegen das Gesetz können mit Bußgeldern bis 90.000 Euro geahndet werden.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán beteuerte vor ein paar Tagen bezüglich des neuen Gesetzes, und hier zitiere ich aus der „Zeit-Online“: "Es enthält kein Element, dass es nicht im Mediensystem in irgendeinem europäischen Land gäbe."

Ungarn übernimmt 2011 den EU-Vorsitz Nun sind Sie, liebe Wutbürger, ebenso oberflächlich informiert wie ich. Es ist in den letzten Jahren Tradition geworden, sich über die USA und Israel zu entrüsten, als handelte es sich um die Erzbösewichte auf Erden schlechthin. Es hat ebenfalls Tradition, mit dem hegemonischen China, das Tibet usw. zerdrückt; mit dem paranoischen Nordkorea; dem virulenten Iran, der im ganzen Nahosten Unheil stiftet und mit vielen anderen mehr Nachsicht zu zeigen.

Geht also die Gleichschaltung Ungarns im üblichen Lärm unter?

Aber bitte. Jetzt werde ich zu polemisch, und das ausgerechnet so knapp vor Weihnachten. Ein frohes Fest wünscht der Sprachbloggeur. „Wehret den Anfängen“ sagt das Christkindl.

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