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Zum Verkaufen: eine Akropolis (Zustand: gebraucht)

Auch ich will meinen Beitrag leisten, um die Welt zu bessern. Erst recht, weil die anhaltende Finanzkrise in Europa mir allmählich Sorgen macht.

Eine Zeitlang haben wir geglaubt, das Schlimmste sei schon vorbei. Man meinte, dass die Folgen der wertlosen Derivate, mit denen die Investmentbanken usw. lange gezockt hatten, eingezäunt worden seien und dass sich die Wogen im Jahr zwei n.L (nach Lehman Brothers) endlich geglättet hätten. Ich will hier die schmutzige Wäsche von gestern nicht schon wieder an die Leine hängen.

Dann war plötzlich von der Insolvenz Griechenland die Rede. Und bald stellte sich heraus, dass die gleichen Banker, die uns die sogenannte „Finanzkrise“ beschert hatten, auch hier kräftig mitgemischt haben.

Auch darüber brauche ich keine ellenlangen Details zu erzählen. Fest steht: Seit Tagen teilen die Medien mit, dass die Investmentbank Goldman Sachs in hohem Maße dazu beigetragen hat, die maroden Finanzen Griechenlands zu verschleiern. Damit sollte unserem Mittelmeernachbarn geholfen werden, den Sprung in die „Eurozone“ zu schaffen. Genauer gesagt: GS hat in Griechenland Geld vorübergehend deponiert, damit sich jeder denkt, es gehe der griechischen Wirtschaft gut – was offenbar nicht der Fall war.

Nun wird’s brenzlig um die Traumwährung „Euro“.

Ich halte es deshalb für meine Pflicht, an dieser Stelle einen Ausweg aus der misslichen Lage vorzutragen. Mein Vorschlag ist sowohl einfach wie auch genial: die Akropolis verkaufen!

Bitte lachen Sie nicht. Das ist hier mein Ernst. Glauben Sie mir: Es gibt genügend Präzedenzfälle für einen solchen Vorgang: den Verkauf, zum Beispiel, 1968 der „London Bridge“ an den amerikanischen Unternehmer Robert P. McCulloch für 2.460.000 US-Dollar. Heute überspannt dieses Prachtstück aus dem alten Europa den künstlichen See Lake Havesu im Bundesstaat Arizona. 1925 kaufte der Ölmillionär John D. Rockefeller die Ruine eines mittelalterlichen französisichen Klosters für 600.000 Dollar (damals ein Haufen Geld). Stein für Stein wurde es in New York wieder aufgebaut und wird bis heute unter den Namen „The Cloisters“ bewundert.

Zugegeben: In der jetzigen Sache kommen die Amerikaner als Käufer nicht mehr in Frage. Dafür ist die eigene finanzielle Lage viel zu labil. Die Briten vielleicht? Immerhin: Schon lange beanspruchen sie einen Teil der Akropolis für sich, die „Elgin Marbles“, die im British Museum ständig ausgestellt werden. Nein, auch die Briten kommen jetzt nicht in Frage. Auch sie sind knapp bei Kasse. Wie wäre es mit den Saudis? Nein, unmöglich! Ein heidnischer Tempel in Arabien! Fundamentalisten würden ihn bald in die Luft jagen. Einst hätte ich vielleicht Dubai als Käufer vorgeschlagen. Aber dann kam die Sache mit dem Burj Khalifa. Auch dieses Traumland ist mittlerweile zu klamm geworden.

Außerdem: Die Akropolis ist nicht irgendein Denkmal. Sie ist ein Symbol der europäischen Zivilisation schlechthin . Wer sie ergattern will, muss also über astronomische Geldsummen verfügen. Nicht einmal ein Bill Gates oder ein Warren Buffet hätte so viel Geld. Nicht einmal „Google“!

Würde man den Verkauf über Sotherbys oder Christies oder vielleicht Ebay ausschreiben lassen, wäre allein die Provision gigantisch.

Wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich nur einen Käufer, der momentan in der Lage wäre, sich dieses Sonderangebot zu leisten. Die Chinesen, natürlich! Und ich bin sicher, dass sie nicht nein sagen würden. Denn letztlich wäre der Kauf – trotz des hohen Preises – für sie ein Bombengeschäft. Allein der Touristenstrom würde nach wenigen Jahren die Kosten mehr oder weniger ausgleichen. Weiter schlage ich vor: Man sollte die Akropolis gleich in der Nähe der Chinesischen Mauer aufstellen. Der geneigte Tourist könnte also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, was sehr zeitsparend ist.

Zugegeben: Die Griechen würden dem Verlust eines so wichtigen Symbols der eigenen Identität lange nachtrauern. Aber warum auch? Wenn sie eines Tages finanziell wieder besser da stehen, können sie eine stabile Kopie der alten Ruine errichten. Die meisten Touristen würden den Unterschied ohnehin nie merken. Außerdem haben die Griechen genügend alte Statuen usw. in ihren Museen. Und bitte: Warum soll es so wichtig sein, ob man das Original oder eine Kopie besitzt? Wie hat die neue 17jährige Leuchte der Literatur Helene Hegemann doch so schön gesagt: „Es geht nicht um die Originalität, sondern um die Echtheit.“

Ich bin überzeugt: Mit dem Verkauf der Akropolis würde in Europa schnell wieder  der Wohlstand einkehren. Das täte uns allen gut. Außerdem: In dieser Sache würden nur die Investmentbanker leer ausgehen. Darüber wäre aber kaum jemand traurig.

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