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Von Spaßvögeln und Spießern

Vor wenigen Tagen hat mir Freund Wolfgang Goede (siehe rechts den Hinweis auf seinen Blog "Open Science“) ein Buch zukommen lassen: "Happy Aua 2“, geschrieben vom sprachglossierenden Kollegen Bastian Sick. Leider hatte ich tagelang keine Zeit, darin zu schmökern.

Dann kam gestern Abend ein Nachbar vorbei, um bei mir etwas im Internet nachzuschlagen. Plötzlich hörte ich aus meinem Arbeitszimmer ein Schmunzeln. Dann ein Kichern. Bald lachte er mit voller Stimme.

"Was hast du denn?“ fragte ich.

"Ich lese in diesem Buch von Bastian Sick“, antwortete er. Was heißt antworten? Während er sprach, kullerten ihm die Lachtränen herunter. Er konnte sich kaum mehr beherrschen.

Nun wurde ich neugierig und nahm mir etwas Zeit, um "Happy Aua 2“ näher kennen zu lernen. Es heißt "2“, wie ich schnell erfuhr, weil es bereits einen mir unbekannten Vorgänger gibt, der einfach "Happy Aua“ heißt. Einer Fortsetzung den gleichen Namen wie den des Vorgängers zu verleihen, kann nur bedeuten, dass der Titel sich schon gut verkauft hat. Sowas wissen die Werbefachleute aus Erfahrung. Deswegen werden manche Kinofilme wie "Texas Chainsaw Massacre“ oder "Halloween“ sauber durchnummieriert.

Aber zur Sache. "Happy Aua 2“ ist eigentlich ein Bilderband. Auf etwa 150 Seiten werden Texte aus Zeitungen, aus der Werbung, von Plakaten usw. bunt abgebildet. Der Clou: Die Texte sind nie ganz fehlerfrei. Mal geht es um einen grammatischen Patzer, mal um die Rechtschreibung und mal um die Unschärfe der Formulierungen. Hier einige Beispiele: Auf einem Informationsschild von Burg Rheinfels bei St. Goar liest man Folgendes, "Das Werfen von Gegenstände ist verboten“. Das "n“ im Wort "Gegenstände“ hat der Schilddrucker also verschlampt. Oder unter dem Suchbild eines putzigen kleinen Hunds haben die Besitzer geschrieben "Wir vermiesen unsere kleine Chihuahua Hundin, kurz- und rothaarig…Wir vermiesen sie sehr, und besonderes unsere zwei Kinder.“ Oder dieses hastig gekritzelte Plakat eines aufgeregten neuen Vaters an der Eingangstüre seines Berliner Lokals: "Wegen der Geburt meiner Frau heute geschlossen.“

Kurzum: Das Buch ist schnell zu verdauen und – wie die Reaktion meines Nachbarn bezeugt – äußerst unterhaltsam. Auch ich fand manches lustig, wenn ich ehrlich bin. Darüber hinaus ist es mit einem weichen Plastikumschlag versehen, wie man ihn von den kleinen Langenscheidt Wörterbüchern her kennt. Sehr handsam also, und gut in der U-Bahn oder auf der Reise mitzunehmen.

Mich irritiert nur eins: Der Inhalt hat ausschließlich den Zweck, andere Menschen wegen ihrer Sprachfehler bzw. Gedankenlosigkeit lächerlich zu machen. Meiner Meinung nach ist es keine Kunst, sich über den anderen zu mokieren. So denke ich zwangsläufig an das Wort "Spießer“ (s. Sprachbloggeur 13. Oktober 2006), einen Begriff, den man fast ausnahmslos auf den anderen und äußerst selten auf sich selbst bezieht.

Ganz ehrlich: Wer will wohl auf die eigene Spießigkeit hinweisen oder sich über eigene (Sprach)fehler lustig machen, wenn das Verspotten Anderer allemal einfacher ist? Wer sich an der Dummheit der anderen ergötzt, kann sich schon jetzt auf die nächste Folge der "Happy Aua“-Serie freuen.

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