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"Bad bank" oder "ehrenamtlich" – welches wird 2009 Wort des Jahres?

Finden Sie auch, dass das Jahr 2009 rekordverdächtig ist, was neue Wörter und Begriffe betrifft?

Die Wortschmiede aber auch der einfache Verbraucher kommen dieses Jahr reichlich auf ihre Kosten. Und es handelt sich zum Teil um Vokabeln mit richtigem Tiefgang.

So, zum Beispiel „Schweinegrippe“. Das Wort gibt nicht nur den Namen eines Virus wieder. Es schwillt mit Nebenbedeutungen, die auf metasprachlicher Ebene mitvermittelt werden. Etwa: Angst, Hohn, Gleichgültigkeit. Es sind beihnahe soviele Beigeschmäcke wie in einer gut gewürzten Sauce.

Natürlich gehört auch „Conficker“ auf die Liste, oder haben Sie dieses Wort schon vergessen? Denn man hört seit mehreren Wochen nichts mehr über diesen virtuellen Wurm. Warten Sie nur ab. Bald wird es in der Zeitung heißen, dass der gefürchtete Cybererreger einen neuen Termin gesetzt hat, um sämtliche Rechner auf der Welt in blinde Augen zu verwandeln. Alles eine Frage der Zeit. Dann wird fieberhaft nach dem Täter gesucht. Und ich kann Ihnen schon jetzt versprechen: Sollte „Conficker“ die Geschäfte kaputtmachen, wird man mit dem genialen Hacker, der dahinter steckt, kurzen Prozess machen. Denken Sie an die tschetschenischen Oppositionspolitiker.

Und wer möchte an dieser Stelle die „giftigen Papiere“ vergessen? Hätten Sie sich früher vorstellen können, dass Papier giftig sein könnte? In Krimis passiert es gelegentlich. Auch Autoren können giftig sein und verschmähte Liebhaber erst recht. Aber Papier? Hier handelt es freilich um eine sehr gelungene Lehnübersetzung des neuamerikanischen „toxic mortgages“, die „toxischen“ – also „giftigen“ Hypotheken, die Auslöser für die jetzigen Weltfinanzkrise waren. Mit „Papieren“ sind mittlerweile alle wertlose Wertpapiere – nicht nur die Hypotheken – gemeint. Sehr geschickt.

Jawohl! Es macht wirklich Spaß, diese neuen Wörter hier aufzulisten. Doch der Tag ist schnell vorbei, und ich werde diese Aufzählung leider unvollständig lassen müssen. Meine zwei allerliebsten Neuschöpfungen habe ich natürlich für den Schluss aufbewahrt.

Die kennen Sie aber schon, weil ich sie im Titel bereits verraten habe. Meinen Sie auch nicht, dass „bad bank“ als Wortschöpfung kaum zu übertreffen ist? Dieser Begriff ist so nagelneu, dass man ihn noch nicht großschreibt. Aber wenn es so weit ist, wie wird man ihn orthographisch verdeutschen? Wird man ihn zusammenschreiben oder mit Bindestrich zum Tandem machen? Werden beide „B“s großgeschrieben oder nur das erste? Es sind Fragen, für die es momentan keine Antwort gibt. Sicherlich werden uns die Zeitungen es bald vormachen. Doch das Allerschönste an diesem neuen Begriff, ist dass er den eigenen Gegensatz voraussetzt und in die Sprache mitbringt. Ich meine: Wenn es eine „bad bank“ gibt, dann muss man davon ausgehen, dass es auch eine „good bank“ gibt. Ist das nicht schön, die Banken in „gut“ und „böse“ einzuteilen? Ein Signal, dass wir in einem demokratischen Zeitalter leben, wo alles eine Stimme hat.

Aber nun zu meinem zweiten Lieblingswort: „ehrenamtlich“. Zugegeben, dem Anschein nach handelt es sich keineswegs um eine neue Vokabel. Das stimmt aber nicht. Dieses Wort hat in jüngster Zeit eine ganz neue Dynamik gewonnen. Überall wo ich hinschaue, erfahre ich, dass die ehrenamtliche Arbeit total „in“ ist: in den Altersheimen, in den Krankenhäusern, den Schulen und vielleicht bald an Ihrem Arbeitsplatz! Nicht zu vergessen: Wirtschaftskrise is’. Die abgeplagten BWLer sind schwer damit beschäftigt, die Firmen (und die eigenen Stellen) zu retten, koste, was es wolle. Was wäre denn doch sinnvoller als diese kecke Neuheit, die „Ehrenamtlichkeit“, einzuführen? Kostensparend ist es allemal!

Doch nun zu meinem Dilemma: das Wort des Jahres zu wählen. „Bad bank“ und „ehrenamtlich“ sind meines Erachtens beide preisverdächtig, und ich habe große Schwierigkeiten, mich zu entscheiden. Schön wäre es, wenn man dieses Jahr ausnahmsweise zwei Sieger ehren könnte.

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