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Darf ich mich vorstellen...

Seit je habe ich mich für Sprache und Sprachen interessiert, und ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, alles rund um das Wort zu kommentieren. Als Kind habe ich davon geträumt, in eine Welt einzutauchen, wo ich gezwungen wäre, mich in einer ganz fremden
Sprache zu verständigen.

Dieser Traum ist mein Schicksal geworden. Seit dreißig Jahre lebe ich, gebürtiger Amerikaner, in Deutschland und bin wahrlich in die Fremdsprache eingetaucht, so sehr, dass ich mir manchmal Sorgen um meine Muttersprache machen muss.

Wer zweisprachig lebt, schwebt ständig zwischen den Sprachwelten. Andererseits habe ich mir aus
dieser Warte ein besonderes Empfinden für das Wort angeeignet: Ich erlebe die Vorgänge, die eine Sprache prägen, stets mit offenen Ohren. Außer Englisch und Deutsch habe ich gute Französisch- und
Spanischkenntnisse. Ebenfalls komme ich mit Italienisch, Holländisch, Latein und Algriechisch zurecht. Diverse semitische und slawische Sprachen kann ich notfalls entziffern.

Ein Wort zum Wort „Blog“: Mir kommt es poppig vor, aber so ist es oft mit den Neologismen aus dem Net. Das Flotte prägt sich rasch ein. „Blog“ steht bereits im neuen Duden. Der Eingang in die deutsche Sprache ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Denn der Duden hat dem Neuling noch keinen endgültigen Artikel zugesprochen.
Das allgemeine Sprachgefühl pendelt noch immer zwischen einem neutralen „das“ und dem männlichen „der“ Blog. Ich selbst ziehe letzteres vor, weil „Blog“ ähnlich kompakt gebaut ist wie „Trug“, „Bruch“ oder „Flug“.

Die Genuszuweisung in der deutschen Sprache hat übrigens häufig mit einer Analogiebildung zu tun. Als das Wort „Mail“ Ende der 90. Jahre eingedeutscht wurde, stand die Wahl zwischen „die“ und „das“ Mail. Die Analogie zu „die Post“ hat die Sache aber schnell entschieden.

Noch ein paar Bemerkungen zum „Blog“:
Dass es sich in der hastigen Sprache des Internets bei „Blog“ um eine flapsige Abkürzung von „web log“ handelt, ist jedem bekannt. „Log“ bedeutet auf Englisch „Baumstamm“. Mindestens seit dem 18. Jahrhundert war es in der Seefahrt üblich, ein Tau, das mit lauter gleichweit auseinander plazierten Knoten versehen war, an einem Baumstamm
festzumachen und diesen ins Wasser zu werfen. Man zählte die Knoten ab, die einem während eines festgelegten Zeitablaufs durch die Hände
rasten, um die Geschwindigkeit des Schiffes zu messen. Die Maßeinheit war der „Knoten“, und diese wurde in ein „log book“ eingetragen.
Daraus wurde später ein Zeitwort, „to log“, in der Bedeutung von „eintragen“ und „zurücklegen“.

Die Logbücher der Schiffsgesellschaften sollten lediglich Dienstliches festhalten. Doch die Seeleute dokumentierten bald auch andere Ereignisse an Bord und persönliche Dinge – das Logbuch entwickelte sich zu einer Art Bordjournal. Wie man sieht, hat „das“ oder „der“ Blog ehrwürdige Vorläufer – nicht nur in sprachlicher Hinsicht.

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