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Uli, sind Sie noch da?

Mein Rat: Kaufen Sie sich keine Wohnung im Internet. Das Internet ist nämlich ein gefährliches Pflaster – nicht wie die Bronx, meine geliebte Heimat, oder die rumorenden Banlieus von Paris. Im Internet kann es passieren, dass ein Mensch in einer Nanosekunde einfach verpufft. Existenz ade. Dieses Schicksal, so befürchte ich, hat treuen Leser Uli, der mir am Wochenende ein offenes Wort über meinen letzten Blog hinterlassen hat, ereilt. Der Grund für meine Sorge: Als ich heute nach seinem Kommentar suchte: Puff! war er weg.

Glücklicherweise hatte ich mir den Inhalt seiner Bemerkungen bereits beherzigt und kann sie fast dem Wortlaut nach wiedergeben: "Leider muss ich Ihnen widersprechen, werter Herr Sprachbloggeur. Wenn ich davon ausgehe, dass das Bild oben links Ihr Antlitz darstellt, dann muss ich wohl schließen, dass Sie nicht 'guter Hoffnung’ sind. Nur fruchtbare Frauen können dies von sich behaupten. Sie meinten sicherlich, Sie seien 'guter Dinge’ oder 'optimistisch’. Tut mir leid. Ich bin ein unverbesserlicher Korinthenkacker.“

Uli, falls Sie nicht ganz von den bösen Bytes des Internets verschlungen wurden, dann hören Sie gut zu: Sie sind kein Korinthenkacker. (Wenn Sie wirklich ein Korinthenkacker gewesen wären, hätten Sie bemerkt dass ich "Pustekuchen“ falsch geschrieben hatte. "Pusterkuchen“ war mein erstes Angebot, bis Freund Ernst-Theo mich glücklicherweise angerufen hat, um mich auf diesen wie auch andere kleine Fehler hinzuweisen). Im Gegenteil, Sie haben mit Recht gemaßregelt. Im 10bändigen Duden wird "guter Hoffnung“ mit "in der Hoffnung“ gleichgesetzt – also in der Bedeutung von "schwanger“.

Die Redewendung wird etwa so gebraucht: "Schau dir die Lisa an, sie ist in guter Hoffnung.“

Mein "guter Hoffnung“ wird dagegen von einem erklärenden Nebensatz gefolgt. Etwa: "Ich bin guter Hoffnung, dass…“. Somit kann man eine Schwangerschaft meinerseits mit ziemlicher Gewissheit ausschließen. Mein Internist wird dies notfalls bestätigen. Zusätzlich fragte ich einige Leser (auch Ernst-Theo, immerhin ehemaliger Verlagslektor), ob sie in meinem Satz, "ich bin guter Hoffnung, dass…“, einen Hinweis auf meine Schwangerschaft witterten. Keiner war über dieses Idiom gestolpert.

Es gibt freilich einige deutsche Redewendungen, die unmissverständlich auf eine Schwangerschaft hinweisen. Wenn ich gesagt hätte: "Ich habe ein Brot im Ofen“ oder „ich habe einen Fußball verschluckt“, oder "ich sitze auf der Wartburg“, dann hätte ich gerne alle Glückwünsche entgegengenommen.

Doch Ulis Kritik weist auf ein interessantes Sprachphänomen hin: Unwissen – in diesem Fall mein Unwissen – trägt nicht selten dazu bei, dass sich Wörter, Phrasen, ja ganze Sätze einem Bedeutungswandel unterziehen. Wer weiß zum Beispiel heute, dass sich "bei jemandem einen Stein im Brett haben“ auf ein Brettspiel aus dem Mittelalter bezieht? Oder nehmen sie den Ausdruck "einen Bärendienst erweisen“. Eigentlich etwas Negatives. Doch immer häufiger begegnet man ihm im positiven Sinn. Unwissen halt.

Ich bin jedenfalls guter Hoffnung, dass Uli aus dem geheimnisvollen Tiefen des Cyberspace wieder auftauchen wird, um diesen Kommentar auf seinen Kommentar guter Dinge entgegenzunehmen.

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