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Shit happens

Heute rundum die "Scheiße“.

Anlass für diese Gedanken war ein Gespräch in der Familie über das englischsprachige "bullshit“, das sich im Deutschen längst so heimisch gemacht hat, dass Herr (oder Frau) Duden es mit dem Artikel versehen hat. Es heißt also "der“ Bullshit.

Das Wort wird sowohl im Englischen wie auch im Deutschen im Sinne von "Unsinn!“ oder "Schmarren!“ verwendet. Natürlich hat dieser Begriff einen fäkalen Hintergrund, der auf die Bedeutungslosigkeit der Tierausscheidungen zielt. Weniger (wenn überhaupt) bekannt im Deutschen ist die Parallelkonstruktion "Horseshit“, die – zumindest in den USA – ebenso häufig vorkommt wie ihr Pendant aus der Rinderwelt.

Unbekannt im Deutschen ist hingegen der beliebte amrikanische Begriff "bullshit artist“ (bzw. "Bullshitter“). Das ist der Mensch, der die Kunst des Unsinnredens gemeistert hat. Das Deutsche kommt mit einer fäkalienfreien Redewendung aus, um Gleiches zu erörtern. Man redet vom "Schaumschläger“.

Nebenbei: Vor zwei Jahren stand in den USA ein Buch mit dem Titel "On Bullshit“auf der Bestsellerliste, vom Philosophen Harry G. Frankfurt. Eine deutsche Fassung ist ebenfalls erschienen. Im (zumindest vordergründlich) prüden Amerika hat man diesen Titel in den Zeitungen gschamigerweise nur gekurzt (etwa "On B…“) wiedergeben, damit bloß keiner daran Anstoß nehme. Ich habe das Buch gelesen. Leider habe ich die tiefschürfende Aussage des Autors bereits vergesssen.

Die "Scheiße“ und der "Shit“ gehen auf eine Wurzel, die man im Wort "scheiden“ findet, zurück. Denn Fäkalien sind nunmal etwas, das man "ausscheidet“.

Sowohl im Englischen wie auch im Deutschen galten diese Ausscheidungen Jahrhunderte (wenn nicht Jahrtausende) lang als sprachliche Selbstverständlichkeit und partout nicht als Vulgarität. Doch bereits Shakespeare zauderte vor dem Gebrauch dieses Wortes. In München gibt es eine "Schittgablerstraße“ – wohl nach jemandem aus der Familie Schittgabler genannt, die im 17. und 18. Jahrhundert in Unterschleißheim bei München heimisch war.

Im heutigen Deutsch wird "Scheiße!“ meistens im Sinne von "Verdammt!“ oder "schlecht“ wie in "Scheißwetter“, "Scheißkerl“ usw. verwendet. Die Situationen, in denen man das Wort verwendet, sind jedenfalls klar vorgeschrieben: 1.) um das "Ding an sich“ zu beschreiben, 2.) als Ausdruck einer Gereiztheit oder 3.) um eine gewisse Intimität vorzuweisen. Damit meine ich: Wenn Menschen sich die Freiheit erlauben, skatologisch ("vulgär“ – "skata“ is Griechisch für "Scheiße“ und mit dieser auch etymologisch verwandt) auszudrücken, ist dies ein Zeichen, dass sie sich im Umgang mit dem Unterhaltungspartner wohl fühlen. Im Englischen ist der Gebrauch von "Scheiße“ und Co. im Gespräch praktisch eine Art des "Duzens“. Dies gilt allerdings nur in männlichen Kreisen. Frauen vermeiden diese Wörter.

Ach! Und noch eine Redewendung möchte ich hier kurz ansprechen, die sich in der deutschen Umgangssprache seit geraumer Zeit eingebürgert hat: "Shit happens“. (Wörtlich "Scheiße geschieht“). Wir Amerikaner gebrauchen sie im Sinne von "c’est la vie“ oder "nichts für ungut“ – manchmal ist sie negativ, manchmal positiv behaucht. Neulich las ich in der Münchener "Abendzeitung“ ein Interview mit dem belgischen Sänger Helmut Lotti . Lotti erzählte von einer unerwarteten Liebschaft und kommentierte das Ereignis mit einem lapidaren "Shit happens.“ Klingt, meiner Meinung nach, auf Deutsch noch etwas angeberisch, doch nichts für ungut.

Genug der Scheiße für heute.

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