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Bericht aus der Gedankenfabrik

"Scheiß auf Bullen und die Bande, Punk-Rock ist der Herr im Lande. Yea Ärzte!“

Obigen, fetzigen Spruch (mit Buntstiften auf einem weißen Hintergrund geschrieben) habe ich Samstag auf einer Litfaßsäule entdeckt und meinte spontan, es handele sich um einen spritzigen Graffito.

"Nein“, sagte mir Freund Edward, "Es besteht kein Zweifel: Das ist eindeutig Werbung, die wie Graffiti aussehen soll. Ich bin sicher, ich habe den gleichen Spruch schon mehrmals in der Stadt gesehen.“

Heute muss ich Edward widersprechen. Denn ich habe diesen lustigen Text sonst nirgends gesehen, so sehr ich danach gesucht habe. Auch meine Suche im Internet ist bisher ergebnislos geblieben. Im Netz bin ich allerdings auf etwas verblüffend Ähnliches gestoßen, und zwar auf eine Seite der Firma Konnekschen Records: "Scheiß auf Alfred und die Bande, Punk-Rock ist der Herr im Lande“ lautete hier der Spruch und entpuppte sich als Auszug aus einem Songtext der Gruppe "The Buttocks“. Dieses Lied wird als "herrlich bescheuerter Anti-Alfred Hilsberg-Text“ bezeichnet. Leider hatte ich keine Ahnung, wer Alfred Hilsberg ist (aber er kennt mich wahrscheinlich auch nicht). Nach Wikipedia ist Herr Hilsberg ein Musikjournalist und "Labelbetreiber“.

Während ich Ihnen von dieser spannenden Suche erzähle, stelle ich fest, dass ich mich immer weiter von meinem eigentlichen Thema entfernt habe.

Ich kehre also jetzt zum fetzigen Reimpaar, das ich am Samstag auf der Litfaßsäule entdeckt habe, zurück. Ich habe es damals registriert, nicht weil ich vorhatte, eine CD zu kaufen, oder über Punk-Rock zu schreiben, sondern wegen des Wortes "Bulle“. Tatsache ist: Heute wollte ich Ihnen einiges über die verschiedenen Bezeichnungen für "Polizist“ erzählen. Aber Sie sehen: Ich habe mich inzwischen total verheddert. So einfach lässt sich der Mensch ablenken. Ein Vorhaben wird im Nu in andere Kanäle geleitet. Immerhin ein Beweis dafür, dass das Menschenhirn letztendlich ein multitasking Instrument ist.

Wir werden in jedem Augenblick mit abertausend Eindrücken konfrontiert – manche aus dem eigenen Körper, die meisten freilich Impulse aus der Umwelt. Es ist klar: Die Hauptfunktion des Hirns ist nicht die eines Denkcomputers, sondern eines Filters, der dafür sorgt, dass nur die allerwenigsten Eindrücke das Bewusstsein erreichen.

Und jetzt können Sie vielleicht verstehen, was mir heute widerfahren ist. Das Wort "Bulle“ war eigentlich der primäre Referenzpunkt meiner Gedanken. Doch schnell wurde ich von der Fetzigkeit des oben zitierten Reimpaars vereinnahmt, was wiederum zu neuen Gedanken über die Werbung, übers Thema Punk-Rock, über Alfred Hilsberg usw. führte. Auch Freund Edward spielte in dieser Zerstreuung meiner Gedanken eine Rolle. Das Resultat: Die "Bullen“ waren schnell verschwunden, und Sie, liebe Leser, liebe Leserinnen, haben statt einer kurzen Abhandlung über Polizisten gerade eine Glosse über die Schwächen des Menschenhirns als Instrument der Wahrnehmung gelesen.

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