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"Emos" und "Hopper"

Gelegenheit ist Gelegenheit. Man muss den Stier bei den Hörnern packen, wie man so schön sagt. Nur alle vier Jahre kann man am 29. Februar eine Glosse schreiben. "Once in a blue moon“, heißt es auf Englisch, wenn man auf die Seltenheit eines Ereignisses hinweisen will. Der Witz ist: Es gibt so gut wie keinen "blauen Mond“, dafür aber 41 Monate pro Jahrhundert einen mit zwei Vollmonden.

Heute wäre es vielleicht passend, etwas Sprachliches unter die Lupe nehmen, zu dem wir am nächsten 29. Februar zurückkehren können, um über sein Befinden erneut urteilen zu können, etwas, das ätherisch ist wie ein blauer Mond. Ich denke an "Emos“ und "Hopper“.

Alles der Reihe nach.

Ich habe erst gestern während des Abendessens von "Emos“ erfahren. Ich kann den Ablauf des Gesprächs leider nicht perfekt rekonstruieren. Fest steht: Ich hatte etwas Geistreiches gesagt, das mein Sohn mit den Worten, "Du bist so emo“, quittierte. Damit meinte er, ich sei ein Volltrottel.

"Was bedeutet ‚emo’?“ fragte ich, immer neugierig auf neue Wörter. Man kann es übrigens auf zweierlei Weisen aussprechen: als "i-mo“ oder als "e-mo“.

"Das Wort wird bei uns in der Bedeutung von 'cool’ gebraucht, aber im negativen, ironischen Sinn, weißt du“, antwortete er.

"Hat es etwas mit 'Emotionen’ zu tun?“ fragte ich, um mit meinem analytischen Vermögen zu brillieren.

"Ja, natürlich. Die 'Emos' sind Sensibelchen. Sie hören gerne gefühlsbetonte Musik, mögen Poesie, Tränen und so ein Zeug.“

"Das klingt wie Goethe, Schiller und Co…“

"Ja, so ist es. Das sind die heutigen Sturm-und-Drang-Fritzen.“

"Vielleicht bin ich ein "Emo’ – oder war zumindest in meiner Jugend einer.“

"Nein, du bist nur ein Grufti.“

Um Ihnen den Rest dieses Dialogs zu ersparen, möchte ich hier eingestehen, dass ich im Lauf unseres Gesprächs sehr wenig Konkretes über "Emos“ erfuhr. Ich fragte, ob sie mit den "Gothen“ verwandt seien. Dies wurde zuerst bejaht, doch hieß es alsbald, dass sich "Emos“ nicht anziehen wie "Gothen“. Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann sind sie eigentlich ganz unauffällige Menschen. Es gehe hauptsächlich um eine Zurschaustellung der Emotionalität.

Heute googelte ich den Begriff "Emo“ und erhielt prompt 59.800.000 Treffer. Das fand ich beeindruckend, obwohl ich die Zahl für völlig absurd halte. Bei "Wikipedia“ findet man einen ellenlangen Beitrag über "Emos“, der beinahe an eine Diplomarbeit denken lässt. Da können Sie sich übers Thema bestens informieren: über Geschichte, Entwicklung, Ausbreitung usw. Ebenfalls entdeckte ich eine Seite mit dem Namen "Stupidedia“ – war mir bisher kein Begriff. Hier wurden die "Emos“ gnadenlos durch den Kakao gezogen.

Schließlich stieß ich auf die Webseite www.testdich.de. Da hatte ich die Möglichkeit anhand von 16 Fragen zu prüfen, ob ich selbst "emo“ bin. Ich habe aber – mit Absicht – falsche Antworten angekreuzt, die nicht zu einem Sensibelchen passen würden. Mit dem Ergebnis, dass ich als "Hopper“ geoutet wurde. Inzwischen weiß ich, dass „Hopper“ mit "Hiphop“ zu tun hat. Der "Hopper“ ist also das Gegenstück zum "Emo“.

Fest steht: Ich werde nicht schlauer, wenn ich versuche die Struktur und den Wortschatz der Jugendkultur genau zu erklären. Deswegen mein Vorschlag: Wir schauen am 29. Februar 2012 wieder nach dem Befinden der "Emos“ und der "Hopper“ . Nichts ist interessanter als eine alternde Jugendkultur.

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