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Was heißt: "Berlin sein"?

Letzte Woche erfuhr ich, dass die Stadtväter (und -mütter?) Berlins nach Monate langen geheimen Konsultationen mit einer Werbeagentur endlich über einen neuen "Slogan“ für die Hauptstadt einig geworden sind: "Be Berlin“.

Dieser "Slogan“ (hieß das nicht früher "Schlagwort“, "Losung“, "Motto“ usw.?) soll als "Aufhänger“ für eine neue Werbekampagne dienen.

Große Begeisterung scheint die neue Losung nicht ausgelöst zu haben. Bloggerin Helene schreibt darüber im "Hauptstadt-Blog“: "Alles nicht so peinlich wie vorangegangene Vorschläge: "Bärlin – zum KNUTschen’ zum Beispiel oder das biersabberige DFB-Hooligan-Credo 'Wir fahren nach Berlin’.“ Ganz ehrlich: In meinen Ohren klingt das wie Resignation.

Deutlicher drückte sich ein gewisser Nick in einem Kommentar beim "Hauptstadt-Blog“ aus. Ich zitiere: "Wahnsinn. Nur die deutsche Hauptstadt kann es fertigbringen, für sich selbst in einer anderen Sprache zu werben.“ Das stimmt aber gar nicht. "Pfiffige“ englische Sprüche werden, wie jeder weiß, gerne und oft verwendet, um den müden Werbetrommel lauter pauken zu lassen. Denken Sie ans vorjährige "Wien & Wein - Wine in the City".

Glauben Sie mir: Ich bin beileibe kein Deutschtümler. "Deutsch ist geil“ ist wirklich nicht meine Sache. Im Gegenteil: In der Diskussion über das Denglische habe ich stets für Besonnenheit plädiert. Eine Sprache ist nunmal ein lebendes Wesen, und neue Wörter sind ihre Lieblingsspeise. Doch eine Sprache frisst wahllos, das ist ihre Natur, sie will sich alles Mögliche in den Mund stopfen. Letztendlich wird aber nur das verdaut, was den Sprachkörper ernährt, der Rest wird früher oder später– ohne Spuren zu hinterlassen – ausgeschieden.

Ich gehe davon aus, dass auch "Be Berlin“ zur letzteren Nahrungskategorie gehört.

Warum ausgerechnet "Be Berlin“? Oder geht es hier vielleicht gar nicht um ein englisches Wort, sondern um die deutsche Vorsilbe "be-“ wie in "bekloppt“ oder "bescheuert“? Oder handelt es sich vielleicht nur um ein zögerliches Stottern? Das Erstaunliche: Die Stadt hat für die neue Losung sage und schreibe 10,6 Millionen Euro ausgegeben. Für 50 Euro hätte ich gerne eigene Vorschläge angeboten. Etwa: "Mein Berlin!“ oder "Dein Berlin!“ oder "Nur Berlin!“ oder "Berlin…ja!“ Oder noch schöner: "Werde Berlin!“ Diese Ideen beinhalten die Denkarbeit von etwa 60 Sekunden.

Gerade habe ich das Stichwort "be berlin“ gegoogelt. Ergebnis 179.000 Treffer. Tendenz steigend. Das Beste aber: Da die URLs "beberlin“ und "be-berlin“ schon belegt waren, hat sich die offizielle Webseite für diese neue Berliner PR-Kampagne www.sei.berlin.de nennen müssen! Finden Sie nicht, dass "Sei Berlin“ pfiffiger klingt als "Be Berlin“?

Ich sehe schon, ich habe soeben, ohne dass es meine Absicht war, eine hitzige Polemik verfasst. „Be Berlin“ sollte lediglich als Aufhänger für eine ganz andere Glosse über den Missbrauch des Denglischen dienen. Stattdessen habe ich mich ins Zeug gelegt. Die andere Geschichte schreibe ich an einem anderen Tag.

Zum Schluss sage ich mit Matthias, einem Kommentator beim "Hauptstadt-Blog“ Folgendes: "Nun, dann werde ich mal in mich gehen und überlegen, wie ich Berlin sein kann.“

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