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Das voll krasse Hirn-Sparabo

Lola hat mir eine schöne Liste mit Begriffen aus der Jugendsprache zusammengestellt. Wer sie sucht, findet sie als Kommentar zur vorigen Glosse, mit der sie eigentlich thematisch nicht verwandt ist. Ich spare Ihnen die Sucherei und gebe die Liste hier wieder:

Achselterror
Arschfax
Asi-Schale
Aufbitchen
Aufpimpen
Bogenhusten
Checker
dissen
Dude
durch die Hose atmen
Brauereitumor
Funzen
Fratzengeballer
Honk (Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse)
Ische
Isch geb' dir korrekt
konkret
lol
krass
Mehrfachtwen
Münzmalle
Mucke
Pornobrille
Pampersbomber
das voll krasse Hirn-Sparabo

Jetzt stelle ich mein Können und meine peinliche Ignoranz öffentlich zur Schau (das Schicksal eines jeden Schriftstellers) und gebe meine Anmerkungen dazu ab.

1.) "Checker“, "Dude“, "lol“ ("lots of luck“), "krass“ sind mittlerweile alte Freunde geworden. Meine Prognose: Diese einst frischen Begriffe aus der Jugendsprache kommen allmählich in die Jahre. Nach nicht allzu langer Zeit werden die heute Zwölfjährigen sie wie das Brot von gestern kaum mehr in den Mund nehmen.

2.) "Dissen“ kommt aus dem Englischen – wohl durch Hiphop- und Raptexte – und ist ursprünglich ein Begriff aus dem afroamerikanischen Dialekt in den USA. Eigentlich ist "diss“ eine Abkürzung für "disrespect“, "geringschätzen“, "missachten“.

3.) Was "Ische“ betrifft: Hier hat die Jugendsprache eine althergebrachte bayerische Vokabel aufgegriffen, die wiederum zu Urzeiten aus dem Jiddischen entlehnt wurde und schlussendlich das gängige hebräische Wort für "Frau“ ist.

4.) Und "Honk“? Dieses Wort stellt eine Diskriminierung dar nicht unähnlich allen Begriffen mit "Asi“ ("asoziale“ – z.B., "Asi-Schale“, d.h., "Pommes und Currywurst“). Aber bitte, eine Jugendsprache ohne Diskriminierung, ohne den Schatten des Rassismus, des Sexismus usw. wäre letztendlich keine echte Jugendsprache.

5.) Übers "Aufpimpen“ habe ich schon mal ausführlich berichtet (siehe 15. Januar). "Aufbitchen“ im Sinne von "sich schminken und aufdonnern“ kannte ich nicht. Eins möchte ich aber über das Wort "bitch“ ("Hündin“) hinzufügen. Diese Vokabel ist im Englischen sehr starker Tobak. Man muss wirklich wissen, wann man es sagen kann/darf. Vorsicht ist hier geboten.

6.) "Funzen“ im Sinne von "funktionieren“ finde ich reizend, bin leider zu alt, es zu gebrauchen, ohne mich lächerlich zu machen.

7.) "Achselterror“ (ja, das muss man niemandem erklären), "Bogenhusten“ (das, was geschieht, nachdem man zu viele "Asi-Schalen“ verschlungen hat), "durch die Hose atmen“ (Sie wissen schon)) "Brauereitumor“ (rulps), "Münzmalle“ (auch "Coffin Cancer“ genannt, also "Solarium"; "Malle"= "Mallorca"): Darüber kann ich nur sagen, dass ich insbesondere die bildhafte Sprache liebe und wäre gerne noch einmal jung (aber nur kurz), bloß um diese Wörter benutzen zu dürfen. Meiner Meinung nach sollten die namenlosen Erfinder dieser Redewendungen Preise erhalten. Das sind Gedichte.

8.) Was bleibt noch übrig: Ach ja, "Fratzengeballer“ – einzige Gewalttätigkeit auf der Liste (sehr brav). "Pamperbomber“, mir unbekannt, aber offenbar eine Neuauflage der Nuckelpinne (auch wenn ich zunächst ganz spontan an Fäkales gedacht habe.). "Pornobrille“ finde ich, ahem, krass für den coolen St-Tropez-Sonnenbrillenlook der 60er Jahre oder den bedrohlichen Sonnenbrillenglanz der Diskohelden (mit schmalen Schlips) der 80er Jahre.

9.) Aber nun wird es schwierig. Denn bei "Arschfax“ muss ich wirklich passen. Zuerst habe ich ans "Luftlassen“ gedacht. Stimmt aber nicht. Es scheint etwas mit der Sichtbarkeit eines Etiketts an der Hose zu tun. Sichtbarkeit aus Gründen der Angeberei oder der Unaufmerksamkeit? Keine Ahnung. Und "Mucke“? Eigentlich eine Neuauflage des "Mugge“: Sprich "Musikalisches Unterhaltung Gegen Geringes Entgelt“.

10.) Wie so oft im Leben ist das scheinbar Einfachste aber das Schwierigste. Das gilt insbesondere für "konkret“. Denn dieses Wort verstehe ich wirklich nicht außer…tja… es bedeutet…“konkret“. Was "Mehrfachtwen“ betrifft: Damit bin ganz bestimmt ich gemeint. Denn ich bin schon leicht das Mehrfache von "twen“ ("zwanzig“).

Ja, liebe Lola, isch geb Ihnen korrekt, das war ein voll krasses Hirn-Sparabo, was Sie mir geschickt haben. Nur eins möchte ich noch wissen: Was ist eigentlich ein "Hirn-Sparabo“?

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