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„Gott“ für Anfänger

Kommt er, oder kommt er nicht? Damit meine ich natürlich Covid-19, alias Coronavirus. Oder soll ich eher „kommt es fragen? Nein, nicht nötig. Darüber, ob es der oder das Virus heißt, habe ich schon geschrieben.

Reden wir heute, liebe Mitsterbliche, lieber über Gott.

Keine Sorge. Wir machen uns nicht plötzlich auf „religiös“ oder so etwas. Mir fällt nur auf: Wenn eine Gefahr imminent zu sein scheint, fängt jeder vernünftige Mensch über Dinge nachzudenken, die etwas tiefer in der Seele verankert sind als die Wahl des nächsten Bundeskanzlers oder die Tauglichkeit eines Akku-Handstaubsaugers.

Ja, Krankheiten haben es manchmal in sich, wenn es darum geht, den Menschen aufs Wesentliche einzustellen.

Aber zurück zu Gott. Denn auch „Gott“ ist ein Wort. Und schließlich bin ich ein Sprachbloggeur. Neulich hab ich mich gefragt, warum „Gott“ ausgerechnet „Gott“ heißt. Anders gesagt: Jedes Wort, auch „Gott“ verfügt über eine Sprachgeschichte, sprich „Etymologie“. Woher kommt „Gott“?

Komischerweise scheint „Gott“ für die alten Germanen keine große Rolle gespielt zu haben. Ihre Götter hatten alle Namen wie Odin, Thor, Freja, Loki usw. Ich weiß nicht, ob die Germanen sie damals zusammenfassend bzw. generisch als „die Götter“ bezeichneten. Was ich doch behaupten kann: Diese Germanen haben, als sie zu Christen wurden, ausgerechnet diese Vokabel (gotisch „GuÞ“ also „Guth“) ausgewählt, um Gott auszudrücken.

Keine Ahnung, warum. Denn diese Vokabel „Gott“ oder „GuÞ“ scheint – so die Experten – mit dem Wort „gießen“, „gegossen“ verwandt zu sein. Man spekuliert nur – zum Beispiel, dass das „Gegossene“ (Blut? Wein?) im Opferkult etwas Göttliches oder Heiliges an sich hatte. Nebenbei: Im Plattdeutsch sagt man heute noch anstelle von „gießen“, „gegossen“ „geten“, „goten“. Nun wissen Sie alles, was man über „Gott“ weiß. Sonstiges wäre nur Beiwerk.

Weniger undurchsichtig ist „deus“, das lateinische Wort für „Gott“. Denn die Römer haben ihre Götter, d.h. Jupiter, Juno, Diana, Neptun usw., schon immer als „dei“ bezeichnet. Hier sind die Sprachforscher einig, dass dieses Wort ursprünglich etwas wie „leuchten“ zu tun hatte, was irgendwie naheliegend wäre, wenn von Gott die Rede ist. Gott also als helllichte Erscheinung. Das lateinische Wort „dies“ (also „Tag“) ist auch damit verwandt. Eigentlich logisch. Auch das dt. „Tag“ war einst der „Helle“.

By the way: Die Griechen nannten ihren wichtigsten Gott „Zeus“, doch das „Z“ in „Zeus“ war einst ein „dj“. „Djeus“ war also ursprünglich ein Gott des Lichtes.

Und damit jetzt auch nach Griechenland, wo „Gott“: „theos“ hieß (und heißt). Sprachennarren, wie ich einer bin, wissen, dass das „th“ im Griechischen einem lateinischen „f“ entspricht. Das Wort „theos“ ist folgerichtig mit dem lateinischen „feriae“ (wie dt. „Ferien“) verwandt, und es bedeutete der „Heilige“.

Mein Gott, ich fürchte, dass diese Glosse allmählich zu einem sprachwissenschaftlichen Traktat ausartet, und ich bitte deshalb um Verzeihung. Doch wenn wir es bisher geschafft haben, dann machen wir einen kurzen Abstecher in Richtung Nahost, wo „Allah“, der Gottesnamen der Muslime und „Elohim“, der Gottesname der Juden heimisch sind. In anderen alten Kulturen des Nahost, etwa bei den Phöniziern, gab es kurz und knapp ein „El“. Alle miteinander bedeuten der „Mächtige“.

O je, nun hab ich mich so weit aus dem Fenster gelehnt, dass es unfreundlich wäre, wenn ich die slavischen Sprachen vernachlässigte. „Bog“ heißt „Gott“ im Russischen und klingt irgendwie ähnlich im Polnischen, Ukrainischen usw. Dieses Wort ist wahrscheinlich mit dem Englischen „big“ verschwägert.

Sie sehen. Gott ist hell, er ist machtig, er ist groß. Oder auf „Ungarisch“, wo er „Isten“ (sprich „isch-tenn“) heißt, ist er der „Alte“.

Mit Sicherheit werden eingefleischte Me-too-isten bemängeln, dass ich bisher diesen Gott stets als männlich attestiert habe. Tut mir leid. Vielleicht als Trost: Mein Freund Ian in Florida schreibt immer „The goddess only knows“. Er ist nämlich Befürworter einer himmlischen Gleichberechtigung. Ich könnte noch mehr über dieses Thema schreiben, aber heute möchte ich keinen langen theologischen Aufsatz verfassen.

Anyway, jetzt haben Sie eine Vorstellung von dem, was „Gott“ bedeuten könnte. Wenn wir Glück haben, lässt uns Covid-19 in Ruhe. Dann müssen wir nicht alle so schnell zu beten anfangen.

Ein letzter Gedanke: Ein Mädchen, etwa 16jährig, eine Figur in einer uralten, sog. „Off-Broadway-Show“, „The Fantastics”, (bitte googeln) betet um Folgendes: “Please God, let me be special.”

Das wünsche ich auch Ihnen.

Kommentare

Hallo blogierender Sprachwissenschaftler, da hätte ich eine Frage: Was ist etymologisch betrachtet von der Wendung "Gott ist pleite" zu halten? Ich habe gelesen, dass pleite etwas mit Flucht/Fliehen zu tun hat...? Damit wäre die Übersetzung s. Betreff eher nicht zutreffend, oder? Herzliche Grüße aus dem Wald der Bedeutungen...

Lieber Rossologe, ja eine gute Frage. Aber für wen gut? Denn God ist weder broke (pleite) noch broken (kaputt). Das sind nur die Menschen, die meinen, sie verstehen etwas von Gott. Ich gehöre nicht zu denen. Manche bekommen sogar Botschaften von Gott, und dann schlachten sie andere ab usw. Ein heikles Thema, das mit Gott. Deshalb bleib ich mit meinen Spekulationen bei den Menschen. Ja, "pleite" bedeutet in der Tat "Flucht". Es ist ein hebr. Wort, das ins jidd. und von dort ins Rotwelsch abwanderte. Eigentlich heißt "pleite machen" "flüchten". Die "plejtim" sind die Überlebenden. Überleben ist noch wichtiger als Geld, wenn man auf der Flucht ist. Grüße in den Sinnewald. PJB

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