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Können Kängurus reden?

Würden Sie sich gern mal mit einem Känguru unterhalten? Dies ist kein frivoler Aufhänger, um Ihre Aufmerksamkeit einzufangen, sondern eine ernste Frage.

Vor einer Woche bin ich auf einen Artikel in der New York Times gestoßen,
dessen Überschrift prangte: „Wissenschaftler sagen, dass Kängurus mit Menschen kommunizieren können“. Klar, dass so eine Überschrift neugierig macht. Doch der Inhalt hat enttäuscht. Man erfährt lediglich, dass sich Kängurus in der Gefangenschaft an ihre „Menschen“ wenden, um ihren Hunger kundzutun.

Genauer gesagt: Sie nörgeln. Das kennen Sie schon von Hunden und Katzen.

Katzen miauen und gucken einen in die Augen, Hunde verschieben den Futternapf mit gezieltem Nasenschub, oder sie winseln.

Kängurus schauen ihren „Menschen“ mit großen Augen an und zeigen auf die Box, wo ihr Futter gelagert ist. Das wiederholen sie…bis es bei dem Menschen schnackelt.

Kein besonderes Kunststück, sondern nur Logik und nicht viel anders als das, was Jungtiere machen, um das Muttertier auf ihren Hunger aufmerksam zu machen. Denken Sie ans Vöglein mit großaufgeschlagenem Schnabel.

Damit will ich nicht behaupten, dass Tiere auch mal anderes zum Ausdruck bringen können als nur ihren Hunger kundzutun. Das weiß jeder Hundebesitzer bzw. Katzenfan.

Vor ca. 60 Jahren wurde es in der Wissenschaft modisch, Primatenjungtieren unsere Menschensprache beibringen zu wollen. Da aber Primaten (in diesem Fall Schimpansen und Gorillas) keine Stimmbänder haben wie wir, kamen die Forscher auf die Idee, ihren Primaten eine Art Gestensprache – ähnlich der der Taubstummen – als Sprechmittel zu verwenden.

Der wohl berühmteste sprechende Gorilla war Koko, eine Gorilladame, die erst vor ein paar Jahren, ziemlich betagt, verstarb (bzw. verendete).

Ich habe vergessen, wie viele Worte Koko beherrscht haben sollte. Es waren jedenfalls, wenn man ihrer Betreuerin glaubt, über ein tausend. Da die Betreuerin auch als Kokos Chefdolmetscherin diente, kann man nicht wissen, wie sehr das Wunschdenken seitens der Dolmetscherin einen Einfluss auf diese Wortzahl hatte. Fest steht jedenfalls: Koko konnte einiges „sagen“ und verstehen.

Hier ein Auszug aus einem Telefoninterview zwischen einem Reporter und Koko – übermittelt von der Betreuerin (By the way: Dieser Dialog findet man in meinem Buch über Wolfskinder „Kaspar Hausers Geschwister“, erschienen bei Steiner Verlag – ja, Schleichwerbung):

Frage: Was willst du zu Weihnachten?

Koko: Süßigkeiten, Medizin-Süßigkeiten (d.h. Vitamin C), Apfel.

Frage: Bist du glücklich?

Koko: Ich gut….

Frage: Wie ist das Leben unter Menschen für dich?

Koko: Menschen gut. Ich durstig…

Es geht weiter, wir belassen es aber bei diesem Ausschnitt, denn das Übrige befasst sich zumeist mit demselben Thema: das Fressen.

Ob Koko wirklich wusste, was Weihnachten ist, halte ich übrigens für fraglich.
Fakt ist: Tiere bedürfen keiner Menschensprache. Sie müssen nicht übers Wetter reden oder sich über Politik oder TikTok unterhalten. Sie passen sich einfach ihrer Situation in der Gruppe an. Nur wenn sie unter Menschen leben (und abhängig werden), halten sie es für nötig, auf ihren Hunger und noch ein paar Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Nebenbei: Untereinander verwenden auch „sprechende“ Primaten kaum oder gar keine erlernte Gestensprache. Denn Tiere wissen immer, was sie miteinander zu bereden haben: Fressen, Machtverhältnisse und Sex. Wie der Mensch halt.

In den 1930er Jahren wollte Prof. Winthrop Kellogg seinen kaum einjährigen Sohn Donald mit einem Schimpansenbaby namens Gua als Geschwister erziehen. Das Ziel: Gua sollte zu einem Donald werden. Kellogg musste aber das Experiment jäh abbrechen. Denn alles geschah anders: Donald war auf dem Weg eine Gua zu werden. (S. Kaspar Hausers Geschwister für die Details).

Und jetzt wissen Sie alles, was Sie über kommunizierende Kängurus zu wissen brauchen.

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