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Auch Fake News haben kurze Beine

Wie sollte man „dirty trick“ ins Deutsch übersetzen?

„Dirty ist einfach“, also „schmutzig“ oder „dreckig“. Und „trick“? Da stehen einige Möglichkeiten zur Wahl: „Finte“, „Dreh“, „Kunststück“, „Kunstgriff“, „Masche“.

Doch versuchen Sie nun, Teil A und Teil B vernünftig (sinnvoll) zu kombinieren. Achtung: Das Ergebnis muss idiomatisch klingen. „Schmutzige (bzw., dreckige) Finte“? Nein, zu groß die Betonung auf die Unsauberkeit. „Schmutziges (dreckiges) Kunststück“ oder „schmutziger (dreckiger) Kunstgriff“? Nein, aus gleichen Gründen. „Schmutziger (dreckiger) Dreh“ oder „schmutzige (dreckige) Masche“? Hmm. Jetzt kommen wir der Sache näher – zumindest nach meinem Sprachgefühl. Mir persönlich gefiele am besten „dreckige Masche“.

Ende der Geschichte? Leider nicht. Denn letztendlich ist eine dreckige Masche lange kein dirty trick. Es fehlt die Sprachtradition!

Sage ich „dirty trick“, denke ich automatisch an amer. Gangsterfilme der 1930er Jahre (oft war in diesen Filmen die Rede von den d.t.s) oder an Richard Nixon, den man einst „tricky Dickie“ nannte, weil er so oft gemogelt hatte. Querhinweise halt.

Bei „dreckiger Masche“ weiß ich lediglich, dass die Masche dreckig war. Punktum.

Ja, das mit dem Übersetzen ist fürwahr ein tricky business. „He doesn’t have all his cups in the pantry” wäre unwirksam für “er hat nicht alle Tassen im Schrank“. Besser wäre „He’s got bats in the belfrey.“ Also: Er hat Fledermäuse im Glockenturm…

Stopp! Heute wollte ich nicht über die Kniffligkeiten des Übersetzens referieren, sondern über dirty tricks, ja, über richtige dreckige Maschen.

Womit ich endlich auf Donald Trump zu sprechen komme. Vielleicht ist er nicht mehr US-Präsident, wenn Sie diese Glosse lesen. Er war jedenfalls ein Meister der dirty tricks. In diesem Text geht es allerdings nur um die sprachlichen.

Will sagen: Mit knappen Floskeln vermochte Trump Menschen, Länder und Institutionen in den Schlamm zu ziehen, zu demütigen, zu beschämen, zu erniedrigen. Diese Strategie nennt man auf Englisch „sloganeering“. „Slogan“ ist übrigens eine keltische Vokabel und bedeutet „Schlachtruf“. Mit garstigen Slogans zu hantieren, ist nun mal eine Art Kriegsführung.

Auf Deutsch nennt man diese Kunst „Sprüche klopfen“. Trump war ein Meister.

Allein wegen des Slogans „Fake news“ hat er es verdient, in die Geschichte einzugehen. Mit dieser Floskel schaffte er es, jede Wahrheit als Lüge zu verkaufen – und umgekehrt! Seine Fans jubelten stets.

(By the way: „News“ auf Englisch ist trotz dem „s“ keine Mehrzahl. Richtig ist: „The news is on“ und niemals „the news are on”. Prägen Sie sich dies ein! Der Fehler ist weit verbreitet).

Noch ein dirty trick aus dem Slogankasten dieses einstigen Machthabers: Er pflegte seine Gegner bzw. Rivalen mit Spitznamen niederzumachen. Die Masche ist besonders raffiniert. Diese Slogans sind in Europa weniger bekannt als etwa „fake news“. Seine Fangemeinschaft plapperte ihm all dies jedenfalls begeistert nach.

„Sleepy Joe“, z.B., um Joe Biden als trägen Opa zu diffamieren, wobei Biden gar nicht schläfrig ist. Im Gegenteil. Der Name klebte aber wie Fliegenpapier – auch in der seriösen Presse. Das ist das Tückische. So schnell prägt man sich ein Spitzname ein. Man merkt die Einflussnahme kaum.

Oder „crooked Hillary“, die krumme bzw. korrupte Hillary oder „cheatin‘ Obama“ (betrügerisch) und „Wild Bill“ (Clinton).

Im Grunde ein einfaches Mittel, um Menschen und Dinge schwarzweiß zu malen. Schauen sie sich den Wiki-Beitrag über Trumps „Nicknames“ an. Die Beispiele sind umfangreich. In der Sprache der Philosophie heißt diese Praxis übrigens: Reduktionismus. Auch ein interessantes Thema.

Ja, der gewesene Präsident war ein Großmeister der dirty tricks. Die gute Nachricht: Nichts auf Erden hält ewig. Letztendlich haben auch Fake-News nur kurze Beine.

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