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Boko Haram und Quarantäne: Vergleiche und Unterschiede

Sie haben es sicherlich erfahren: Boko Haram hat über 300 Schüler (Jungs, alle miteinander, liebe Sprachpolizei, also keine „*Innene) aus einer Schule im Norden Nigerias entführt. Wissen Sie, warum? Hoffentlich sitzen Sie oder eine Kotztüte vom letzten Urlaubsflug zu Hand haben …

Sie haben diese 300 Schüler deshalb entführt, weil sie…“Verbotenes“ lernen.

Was heißt „Verbotenes“? Ganz einfach: alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation, also Mathe, Geschichte, Naturwissenschaft, Sprachen etc. etc.

By the way: Wissen Sie, was “Boko Haram” bedeutet? Altgediente Leser dieser Seite könnten es noch wissen. Denn ich habe dieses Thema, wenn ich mich nicht täusche, vor etlichen Jahren mal erläutert. Damals hatte ich eine nette Nigerianerin kennengelernt, eine Studentin aus einer Uni irgendwo in Bayern. Sie hat mich in dieser Sache aufgeklärt.

„Boko“ ist eine Verballhornung des englischen „book“. „Haram“ ist ein arabisches Wort, das „verboten“ bedeutet.

Vielleicht kennen Sie den Begriff „Halal“. So werden bei Muslimen auf Arabisch erlaubte Lebensmittel (meistens handelt es sich um Fleisch) bezeichnet. „Haram“ ist das Gegenteil und bezeichnet unerlaubte, also „verbotene“ Lebensmittel. „Haram“ wird auch für andere Lebensbereiche verwendet. Doch für zusätzliche Details reichen meine Kenntnisse des Islam nicht aus.

By the way: „Harem“, also das Wohnquartier der Frauensammlung eines Sultans ist mit dieser Vokabel „haram“ sprachlich verwandt. „Harem“ bedeutet allerdings „Heiligtum“. Man tauscht lediglich ein Vokal aus und zack! Ein neues Wort! Denken Sie an „Hülle“ und „Hölle“.

Aber Bücher verbieten??! Und nur deshalb, weil diese das Wissen von ca. 4000 Jahren Menschengeschichte vermitteln?! Und diese Untat mit einer verkorksten Ideologie rechtfertigen, die Morden, Rauben, Vergewaltigen, Brandschatzen etc. zulässt?!

Genug der Fassungslosigkeit. Eigentlich hatte ich heute vor, über das Wort „Quarantäne“ zu referieren, ein Wort, das ebenfalls mit einem „Verbot“ zu tun hat. In diesem Fall wird einem verboten, um eine Seuche einzudämmen, einen Aufenthaltsort zu verlassen. Der Grad des Verbots kann allerdings variieren.

Neulich haben wir in Deutschland eine „Quarantäne light“ erlebt, jetzt wird dies auf „hart“ intensiviert.

Ich weiß übrigens in dieser Angelegenheit, wovon ich rede. Denn meine Frau war vorige Woche in Quarantäne, und zwar weil, wie es sich herausstellte, dass ihre Physiotherapeutin „positiv“ war. Inzwischen hatten wir beide, meine Frau und ich, den „Test“ und gelten als „negativ“. Schauen Sie, wie schnell uns dieser neue Wortschatz vereinnahmt hat!

„Bücher nein igittigitt!“ ist freilich ein anderes Kaliber des Verbots als ein vorübergehender Hausarrest, der der allgemeinen Gesundheit dient. Im ersteren Fall sind die Verbietenden im Grunde „Querdenker“, die uns ihre Meinung notfalls durch Gewalt aufoktroyieren möchten; im letzteren Fall sind es die Verbotsgegner, die die sich „Querdenker“ nennen. So kompliziert ist die Welt.

Doch nun möchte ich meine persönlichen Einwände gegen diesen Begriff Quarantäne vortragen. Es geht um Folgendes: Mich irritiert die Aussprache dieses Wortes in der deutschen Sprache: „ka-ran-tä-ne“. Als der Begriff plötzlich so allgegenwärtig wurde, bin ich des Öfteren über diese Aussprache gestolpert. Mir wäre „kwa ran-tä-ne“ lieber gewesen. Immerhin werden auf Deutsch Wörter, die mit „qua…“ anfangen, üblicherweise mit „kwa…“ ausgesprochen. „Quatsch“ und „Quark“, zum Beispiel…oder „Qualität“.

Wie kommt es, dass man ausgerechnet dieses Wort anders behandelt?
Meine Theorie: Die Deutschen haben das Wort von Franzosen übernommen.
Auf Französisch heißt es nämlich „quarantaine“ und klingt wie „ka-ran-tenn“.

Letztendlich aber entstammt die Quarantäne der italienischen Sprache, wo sie
„quarantena“, sprich „kwa-ran-te-na“, heißt. Denn so nannten die Venezianer im 15. Jh. die vierzig Tage („quaranta“ = „vierzig“), währenddessen fremde Schiffe im Hafen vor Anker lagen, um zu versichern, dass die Matrosen keine ansteckenden Krankheiten in die Inselstadt importieren.

Vor ein paar Tage rief H., ein Bayerisch sprechender Bekannte an. Wir haben ein bisschen gequatscht, und plötzlich höre ich, dass er „kwarantäne“ sagt.

Nun wurde ich verunsichert.

Gleich am nächsten Tag rief ich I. in Niederbayern an. „Sagt man bei euch „kwarantäne“? fragte ich.

„Nee“, antwortete sie. „Niemand sagt das. Es klingt auch doof.“

Ja, Sie sehen, was ich für Probleme habe, liebe Leser. Und ich wünsche auch Ihnen Probleme des gleichen Schwierigkeitsgrades. Denn diese beleben auch.

Wahre Probleme haben diejenigen, die Bewegungen beitreten, wo behauptet wird: „Bücher…nein!!“

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