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Schon wieder ein „Wort des Jahres“! Meine Alternative finden Sie unten…

Haben Sie die Nachricht schon gehört (gääähn)? Ich meine darüber, welches Wort von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum „Wort des Jahres“ gekürt wurde (gääähn). Wahrscheinlich schon. Falls nicht: Es war…gääähn…“Corona-Pandemie“. Im Ernst. Hand aufs Herz.

He, liebe LeserInnenInnen, sind Sie noch da? Ich will Sie partout nicht einschläfern, aber mir ist gerade eingefallen, dass, wenn einer zu gähnen anfängt, fangen auch die anderen zu gähnen an.

Und? Haben Sie gerade gegähnt?

Es gibt wohl eine physiologische Erklärung für dieses Phänomen. Doch leider hab ich sie vergessen. Ich glaube meine Katze, sie hieß Catulla und ist längst im Katzenhimmel, hat auch gegähnt, wenn sie mich gähnen sah…und umgekehrt.

Anzunehmen ist, dass das Wort „gähnen“ lautmalerisch entstand. Gleiches gilt fürs englische „yawn“. Beide sind nämlich Wörter, die man ausspricht, indem der Sprecherin den Mund aufmacht, wenn er redet. „Bâiller“ heißt es auf Französisch, „bostezar“ auf Spanisch. Letzteres klingt allerdings nicht unbedingt lautmalerisch. Dafür aber das ungarische „ásít“ (sprich „aah-schiiit“).

Und da wir zufällig bei der Vokabel „gähnen“ gelandet sind, möchte ich Ihnen jetzt das Wort mitteilen, das die Gesellschaft für deutsche Sprache mit dem zweiten Platz im Wort-des-Jahres-Wettbewerb gekürt hat. Also, Mund weit auf…eins…zwei…drei… Das Wort heißt „Lockdown“. (Gääähn). Dritter Platz ging an „Verschwörungserzählung“. Leider kenne ich Letzteres nicht. Vielleicht weil ich dank social distancing“ usw. zu selten unter Menschen bin.

Für diejenigen, die besonders gern leiden, hier ein paar Erstenplatzler aus der Vergangenheit…2019: „Respektrente“; 2018: „Heißzeit“; 2017: „Jamaika-Aus“; 2016: „postfaktisch“…ich könnte auch weiter, tu es Ihnen aber nicht an…

Aber genug der Langeweile. Nun möchte ich Ihnen ein Wort vorstellen, das zweifelsohne den ersten, zweiten und dritten Platz hätte beziehen sollen und müssen. Sitzen Sie? Denn jetzt wird’s aufregend…

Das Wort des Jahres hätte lieber…“Gaslighting“ heißen sollen!

Vielleicht kennen Sie es nicht. Dict.cc zufolge ist es bereits ein deutsches Wort, und zwar erwartungsgemäß mit dem Artikel „das“ versehen. Ich persönlich hätte „Gaslichten“ bevorzugt. Es klingt schöner fürs dt. Ohr.

Für den Fall, dass Ihnen dieser Begriff doch unbekannt ist, Folgendes: „Gaslighting“ ist – hier zitiere ich Dict.cc: „jemanden an seiner Wahrnehmung der Realität zweifeln lassen“. Der Gaslighter wirkt auf die Gegaslichtete (bzw. den Gegaslichteten) so lange ein, bis das Opfer kaum weiß, ob das, was es erlebt, Wirklichkeit ist. Ein wahrhaft böses, krankhaftes und niederträchtiges Spielchen.

Beispiel: A: (die Stimme freundlich) Kannst du bitte das Licht ausmachen. B: Hab ich aber schon. A: (noch immer freundlich) Aber das Licht ist noch an. Vielleicht hast du‘s dir nur eingebildet, dass du das Licht ausgeschaltet hast. B: Ich weiß es nicht mehr…etc.

Sie sehen den Mechanismus.

Falls Sie neu auf diesem Planeten sind: Das Wort „Gaslighting“ entstammt einem Hollywoodfilm aus dem Jahr 1944 und hatte als Vorlage ein brit. Krimi. Der Regisseur hieß George Cukor. Die Hauptrollen spielten der sehr charmante Charles Boyer (als „Gaslichtler“) und die schöne und begnadete Schauspielerin Ingrid Bergman (als „Gegaslichtete“). Es ist fürwahr ein grausamer Film, der
s e h r unter die Haut geht.

Die deutsche Version (1947) wurde „Das Haus der Lady Alquist“ (gääähn) genannt.

Wieso halte ich „Gaslichten“ als geeignetes Wort des Jahres? Ganz klar! Weil das Phänomen des Gaslighting immer aktueller wird!

„Fake News“ quasi als Vehikel, die Wahrheit zu diskreditieren. Das ist auch eine Art Gaslighting. By the way: Wieso wurde „fake news” nie zum “Wort des Jahres” gekürt?

Fakt ist: In anno Coronae I führt beinahe jeder jeden hinters Licht, um aus Wahrheit einen Wirrwarr zu machen. He! „Hinters Licht führen“. Wäre auch eine schöne dt. Übertragung fürs „Gaslighting“. Schließlich ist das mit dem Licht ist in beiden Begriffen von Bedeutung.

Doch lange Rede kurzer Sinn. Schauen Sie sich selbst besagten Film von 1944 an. Ich glaube, er ist bei YouTube kostenlos zu begaffen. Bald wird es klar, wie sehr das Gaslichten zum Problem geworden ist. Ach ja: Dieser Beitrag ist ideologiefrei! Aber das wissen Sie schon…gell?

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