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Die Giftmasken!

Haben Sie schon von den „Giftmasken“ gehört?

Falls Sie das Neueste versäumt haben, Folgendes: Es sind Masken, die man aufsetzt, um dann von der Maske vergiftet zu werden! Genauer gesagt: Sie versetzen Sie in einen Zustand, der Sie obrigkeitsgehörig macht!! Niederträchtig, geradezu teuflisch, gell?

Kein Wunder, dass bei der Großdemo in Berlin so wacker protestiert wurde. Es war im Grunde ein Protest gegen die Giftmasken. Zwischen 17.000 und 1,3 Millionen ehrbare BürgerInnen und MitbürgerInnen waren da – so hab ich gelesen – , um ihren Unmut gegen die Masken usw. zum Ausdruck zu bringen. Sie witterten nämlich eine Verschwörung, eine riesige Verschwörung, die insbesondere Europa und die USA mit einer heimtückischen, ja giftigen Gefügigkeit ersticken sollte. Im Hintergrund vermuteten die Protestierenden die schlimmsten Übeltäter und Strippenzieher: Menschen wie Bill „Wildimpfer“ Gates, George „an allem Schuld“ Soros, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Jeffrey Epstein – ja er lebt noch! (alles noch geheim) – vielleicht auch den Papst oder den Netanjahu!! Alle seien irgendwie Pädophilen, die minderjährige Sexsklaven aus dem 3D-Drucker zu produzieren drohen.

Noch perfider seien die Giftmasken selbst. Wer sie trage, vergisst bald, dass es jemals Kneipen, Konzerte, Partys, Fußball usw. gegeben habe. Nur ewigen Lockdown, Skype und Zoom-Propaganda werde man fortan über sich ergehen lassen. Auch Natursendungen, Netflix und Lieferwagenkonsum. Und noch schlimmer Auch TikTok stehe vor dem Aus!

In den USA spricht es schon lange um, dass obige Bösewichte (und andere) alles aus dem Untergrund steuern. Dieses Phänomen nennen die Retter „deep state“. Der „tiefer Staat“ habe als Aufgabe, Donald Trumps heilige Mission zu sabotieren.

So jedenfalls die Theorie, liebe Sprachbloggeur-Lesende. Eigentlich ist die Sache ganz anders.

Nachdem ich zum ersten Mal von den Giftmasken erfuhr, bin ich der Sache natürlich etwas tiefer nachgegangen. Immerhin leben wir im Google-Zeitalter. Dazu bin ich ein neugieriger Mensch.

Und siehe da! Gleich musste ich feststellen, dass das Ganze, den „Giftmasken“ betreffend, auf einem Missverständnis beruht – wie ja so oft die großen Ereignisse der Menschheitsgeschichte. „Giftmaske“ ist, so stellt sich heraus, lediglich eine verballhornte Übersetzung des englischen „gift mask“, was eigentlich nur „Geschenkmaske“ bedeutet! Ja, ich weiß, dass ich mit dieser Nachricht einige Leute enttäuschen werde. Fakt ist aber: In den USA haben einige findige Bürger während dieser Pandemie, die dort besonders verheerend wütet, lustige Masken entworfen, um von der Misere abzulenken. Sie verkaufen diese als „Geschenkmasken“, und sie sollen das dröge Maskentragen ein bisschen aufheitern. Irgendwie à la „Carnevale“.

Sorry, dass ich nichts Aufregenderes zu berichten habe.

Und jetzt ein wenig Sprachgeschichte. Vielleicht haben Sie sich mal gefragt, wieso auf Englisch die Vokabel „gift“ (von „give“) „Geschenk“ oder „Gabe“ bedeutet, das entsprechende dt. Wort etwas „Giftiges“ signalisiert.

Die gute Nachricht: Früher gab es zwei dt. Wörter die man g-i-f-t buchstabierte: einmal die und einmal das „Gift“. Ersteres hatte erwartungsgemäß die gleiche Bedeutung wie das heutige engl. „gift“ wie in „gift mask“. (Denken Sie an die „Mitgift“). Letztere deutete ebenso ein Geschenk an…bloß ein Geschenk der besonderen Art. Aber nicht das, was Sie denken. Sagte man „das Gift“, meinte man früher ein Arzneimittel!

In vielen Sprachen, z.B. im Altgriechischen, im Aramäischen, im Arabischen, bedeutet ein und dasselbe Wort „Gift“ und „Medikament“. Es kommt allerdings immer auf die Dosis an.

Was mich also zu den Masken zurückbringt. Denn nicht anders sind sie – und damit meine ich diejenigen, die wir momentan zu (er)tragen haben – ob verschenkt oder selbst erworben. Denn auch sie haben einen medizinischen Zweck, auch wenn man manchmal – vor allem bei einer großen Hitze – das Gefühl hat, man kriege keine Luft.

Und nun wissen Sie’s: In jeder Verschwörungstheorie steckt immer ein Körnchen Wahrheit!

Tragen Sie Ihre Masken weiterhin schön brav – erst recht, wenn sie Giftmasken sind. Da freut sich der/die Geber/in. Endlich wieder etwas mit ‘nem besonderen Touch zu verschenken! Hat man beileibe nicht jeden Tag.

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