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“Political-Correctness” und Sex

Vor ein paar Tagen stieß ich in einer Schweizer Zeitschrift auf die Formulierung „die Political-Correctness“. Ich wurde gleich stützig. Denn eigentlich hatte ich hier mit dem Artikel „das“ gerechnet.

Meine Begründung: Das englischsprachige Suffix „-ness“ ist eindeutig mit dem dt. Suffix „-nis“ verwandt. Da man, z.B., „das Missverständnis“ sagt, könnte man schließen, dass...Okay. Ich gebe zu. Das mit „-nis“ haut nicht jedes Mal hin. Denken Sie an „Säumnis“, das (die) so wohl „die“ als auch „das“ Säumnis heißen kann. Ein „Hindernis“ bleibt allerdings immer ein Hindernis.

Hmm, überlegte ich. Vielleicht sagt man nur in der Schweiz die Political-Correctness, zumal die Schweizer „das Email“, und nicht wie in Deutschland „die Email“ sagen. Sie machen manches gern anders als die Deutschen.

Der Deutsche denkt an „die Post“ (warum nicht an „der Brief“?), während der Schweizer „das Schreiben“ im Kopf hat. Keine Ahnung.

Nach diesen kurzen Betrachtungen fragte ich meine Frau, welcher Artikel für sie zu „Political-Correctness“ am besten passt.

„Klar“, antwortete sie ohne lang zu zögern. „Es heißt die Political Correctness“.

„Aber warum?“

„Weiß ich nicht“, antwortete sie, als hätte man kein Bedürfnis (notabene: Neutrum) auf so eine Frage zu antworten. Deutschmuttersprachler reagieren stets lässig, wenn sie etwas über ihre Sprache verstehen, das dem Migrantler nicht logisch erscheinen kann. Es steckt natürlich eine Portion Sadismus in so einer Reaktion. „Es ist einfach so.“

(Upps! Eigentlich müsste ich im Jahr 2020 „DeutschmuttersprachlerInnen“ schreiben. Alles sonst wäre für Studierende der dt. Sprache gar nicht politisch korrekt und führte langfristig in die Irre).

Aber zurück zu meiner Frau. Denn auf einmal bemühte sie sich freundlicherweise doch um eine Antwort. Vielleicht hat sie mir meine linguistische Verzweiflung angesehen. „Wahrscheinlich heißt es ‚die‘ und nicht ‚das‘ Political-Correctness, weil man an ‚die‘ politische Korrektheit denkt. So würde ich jedenfalls argumentieren.“

„Sag ehrlich. Kommt es dir nicht ein bisschen wunderlich vor, dass ausgerechnet der Begriff ‚Political- Correctness‘ in der deutschen Sprache weiblich ist? Als verträte der Begriff ausschließlich der Interessen von Frauen? Wenn du mich fragst, sollte ‚Political-Correctness‘ – wenigstens aus Gründen der Fairness – neutral sein. Oder?“

„Ach! Diese männliche Überempfindlichkeit! Aber wieso? Es ist halt, wie es ist. Schau. Gerade hast du ‚Fairness‘ gesagt. Fällt dir nicht auf, dass auch ‚Fairness‘ weiblich ist?“

„Irgendwie unfair.“

„Ich weiß, was du meinst, mein lieber Mann. Aber auch du betonst immer wieder, dass keine Sprache fair sein kann.“

Natürlich hatte meine Frau recht. Sprache ist in dem Sinne unfair. Noch dazu: Sie ist selten logisch!

Und daher folgende Überlegung: Wenn Sprache weder fair noch logisch ist, warum wird sie in den letzten Jahren so arg zurechtgebogen, um eine sprachliche Fairness künstlich zu äffen? Sie wissen mit Sicherheit, was ich damit meine.

Upps! Habe ich „äffen“ geschrieben? Hoffentlich sind keine Spione von PETA in der Nähe. (Achtung! Heißt es „der“, „die“ oder „das“ PETA? „People for the ethical treatment of animals”). Sonst droht heftige und möglicherweise gefährliche Kritik.

Nebenbei: Wie lautet die Mehrzahl von „SpionIn“?

Stopp! Heute schwadroniere ich nicht über die Gender-Correctness, die momentan die bekanntesten europäischen Sprachen pandemisch befallt. Vielleicht ein anderes Mal.

Die gute Nachricht: Endlich weiß ich, dass „Political-Correctness“ weiblich ist. Den Fehler mit dem das PC mache ich bestimmt nie wieder.

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