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Nicht schon wieder über die gendergerechte Sprache! Nein diesmal wird auch über die schöne B. erzählt

Heute ein paar hoffnungsvolle Worte für Ausländer – oder wie man in heute sagt: für AusländerInnen.

Hand aufs Herz: Welche Satz gefiele Ihnen besser, würden Sie ihm, z.B, in einem Roman oder in einem Gedicht begegnen:

eins) Heute ein paar hoffnungsvolle Worte für Ausländer

zwei) Heute ein paar hoffnungsvolle Worte für AusländerInnen.

Oder die folgenden Sätze – z.B., als Teil eines Dialogs in einem Liebesroman:

eins) Oh Magda, ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen und mache für uns heute Abend ein Verlobungsfest. Es kommen alle unsere Freunde.

zwei) Oh Magda, ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen und mache für uns heute Abend ein Verlobungsfest. Es kommen alle unsere FreundInnen.

Mögen Sie lieber die einfache – no frills – Variante (d.h. „eins“) oder die neuartige PC-Version („zwei“)?

Ich gebe zu. Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Schließlich will man auf die Gleichberechtigung Rücksicht nehmen.

Deshalb werden heutzutage Zeitschriften in Deutschland für die „Studierendenschaft“ veröffentlicht. Der Deutsche Journalistenverband (DJB) verschickt monatlich eine Zeitschrift an seine 32.000 Mitglieder. Schon immer heißt diese Zeitschrift „Journalist“, was doch naheliegend ist. Ab jetzt allerdings wird die Hälfte der Auflage unter den Namen „Journalist“ die andere Hälfte unter den Namen „Journalistin“ gedruckt…und alles nach dem Zufallsprinzip verschickt.

Ich finde die Idee gar nicht schlecht. Und deshalb hier mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn die Zeitschrift „Frau im Spiegel“ ab jetzt ebenfalls in zwei Ausführungen erscheint, die Hälfte mit dem bisherigen Titel, die andere Hälfte als “Mann im Spiegel“!

„Aber Herr Sprachbloggeurin, Frau im Spiegel ist eindeutig eine Frauenzeitschrift, während Journalist/in den Bedürfnissen beiden Geschlechtern dient“, könnten Sie einwenden.

„Mag sein“, erwidere ich, „aber ist das noch zeitgemäß? Dann bringe man meinetwegen auch Themen, die Männer interessieren könnten! Z.B. Texte über Angelruten oder Zinnsoldaten aus dem 19. Jahrhundert! Das wäre der Renner. Oder?“

Nebenbei: Die Kämpfe um die Inklusivität (zu Deutsch Miteinbegriffensein) werden nicht nur in der deutschen Sprache ausgefochten. In Spanien gehören die gleichen Auseinandersetzungen zur Tagesordnung. Auch in Frankreich. Da nennt man das Phänomen „écriture inclusive“. Écriture bedeutet „Schrift“. Z.B.: Will man „liebe LeserInnen“ auf Französisch schreiben, heißt es heutzutage „cher.e.s lecteur.rice.s“

Allerdings: In Frankreich gibt es die Academie Française. Sie gilt (notabene „sie“) als die letzte Instanz (notabene „die“) in Sache Sprache. Die Academie hat bereits beschlossen, alles beim Alten zu lassen.

Ach! Beinahe vergessen. Ich wollte an die Ausländer unter meinen Lesern ein paar hoffnungsvollen Worte adressieren. Diese folgen gleich:

Als ich frisch in Deutschland angekommen war, hab ich mich in eine junge Frau namens B. verknallt. Wir führten unsere seufzenden Gespräche stets auf Deutsch, ihre Muttersprache, meine…Lernsprache. Einmal sagte sie mir – leider hab ich das Thema des Gesprächs vergessen: „Es kommt auf die Situation drauf an“ oder so ähnlich. Ich war irgendwie überrascht, dies zu hören. Denn so viel wusste ich schon damals: Es müsste im richtigen Deutsch „Es kommt auf die Situation an“ heißen. B. hat also einen grammatikalisch falschen Satz gesprochen. War das Dialekt? Umgangssprache? Oder nur schlechtes Deutsch. Heute weiß ich, dass es alle drei waren.

Aber was tut der verliebte Ausländer in einer derartigen Situation? Ich habe B. nicht korrigiert. Wäre zu riskant, überlegte ich. Ich hab die Sache lediglich zur Kenntnis genommen und auf sich beruhen lassen.

Seitdem bin ich, was die dt. Sprache betrifft, lieber MitausländerInnen, sehr vorsichtig geworden – auch wenn ich merke, wie die MuttersprachlerInnen mit der eigenen Sprache umgehen.

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