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Sprachliches über mein Blatterl im Gau

FYI hatte ICH, der Sprachbloggeur, mal das siebt beste Blatterl im ganzen südbairischen Gau geschossen.

Ursprünglich hieß es sogar, dass ich das sechst beste Blatterl geschossen hatte, aber dann kam einer im letzten Augenblick daher und hat mich mikrometermäßig übertrumpft. So ist das Sportleben.

Da ich zur Zeit der Ehrenverleihung verreist war, hat unsere Schützenmeisterin den Preis stellvertretend für mich entgegengenommen.

Wahrscheinlich wären Sie nie auf die Idee gekommen, dass ich Schütze bin. Eigentlich ganz passend, weil ich auch im Sternzeichen Schütze geboren bin.

Ach! Beinahe hab ich vergessen zu fragen, ob Ihnen die Abkürzung „FYI“ geläufig ist? Natürlich ein englischsprachiges Kürzel. Steht für „for your information“, sinngemäß: „damit Sie es wissen“. Inzwischen hat auch dieses „eff-uei-ei“ neben anderen Anglizismen nachhaltig in der dt. Sprache fußgefasst.

Zu diesem Kürzelklub zählen auch „BTW“, steht für „by the way“, also “übrigens; und “ASAP”, “as soon as possible” (so schnell wie möglich).

Moment mal. Heißt es richtig „so schnell wie möglich“ oder „so schnell als möglich“? Meinem Schweizer sprachbloggierenden Kollegen Dr. Bopp zufolge sind beide, d.h., sowohl das eine wie das andere korrekt (oder heißt es „sowohl das eine als das andere“?).

(Was „sowohl…wie auch“ und „sowohl… als auch“ betrifft. Auch hier seien beide Versionen möglich. So hab ich es gelesen – nicht aber bei Dr. Bopp. „Sowohl…als auch“ scheint aber verbreiteter zu sein als „sowohl…wie auch“, das in Norddeutschland heimisch ist. Alles klar?)

BTW: Ich fürchte, dass ich inzwischen s e h r weit von meinem ursprünglichen Thema abgedriftet bin. In der Schule nennt man dieses Abdriften „Themenverfehlung“, was mit einer schlechten Note belegt wird. O je! Kein Wunder, dass die Schreibkunst zu verdammt schwierig ist.

Also denn: Zurück zum eigentlichen Thema, für das die Anekdote über mein Blatterl als Einstieg dienen sollte. Denn nicht mein Blatterl, sondern das Wort „Gau“ interessiert mich, eine Vokabel die, wie man weiß, sehr leicht in die falsche Kehle rutschen kann. Man hört – „Gau“ und denkt „Gauleiter“!

Da Schützenvereine Waffenklubs sind (wenn auch meistens mit Luftgewehren und Luftpistolen geschossen wird), geraten sie mehr denn je in den Ruf, Brutstellen einer Rechtsaußendenkweise zu sein. Manche verknüpfen das Sportschießen quasi automatisch mit Terrorismus, Nationalismus, Deutschtümelei, Frauenfeindlichkeit usw.

Erfährt man obendrein, dass die Bezirke der Schützenvereine in „Gäue“ eingeteilt sind, wird es nur noch schlimmer. Nebenbei: Das Wort „Gau“, eine sehr alte dt. Vokabel, ist wahrscheinlich mit dem altgriechischen Wort gaia also „Erde“ (wie in „Ge-ologie“, „Ge-ometrie“) verwandt. Die armen Schützen und Schützinnen (Altdeutsch für „SchützInnen“) fühlen sich mittlerweile derart verunsichert, dass sie unter sich diskutieren, ob man das „Gauschießen“ als „Bezirksschießen“ umtaufen sollten. Meiner Meinung nach klingt „Gauschießen“ allemal schöner.

Die Sache wird aber noch haariger. Raten Sie mal, was die Schützen sagen, wenn sie eine(n) der ihrigen mit einem Abzeichen beehren wollen und sie ihre Begeisterung verbal zum Ausdruck bringen? Hoffentlich sitzen Sie, während Sie diese Zeilen lesen. Denn eine(r) ruft nämlich: „Schützen…“, und die anderen antworten mit Gebrüll…“Heil!“

Ja, so ist es. Auch so ein Ausdruck der Begeisterung rutscht mit einer Leichtigkeit – bei Außenstehenden – in die falsche Kehle. Und schon wieder reagieren die Schützen und Schützinnen verlegen und meinen, diese Art Ehrenbekundung unterbinden zu müssen. Manche schlagen als Ersatz vor: „Schützen….Hurrah“. Finde ich persönlich ausgesprochen lahm.

Sie sehen wie kompliziert es sein kann – nur wegen sprachlicher Assoziationen – einen Schützenverein als einen harmlosen Sportverein darzustellen! Was heißt „harmlos“? „Sinnvoll“ wäre eine trefflichere Beschreibung. Denn junge – und alte – SchützInnen lernen durch diese Sporttätigkeit sehr viel Disziplin und Konzentration. Versuchen Sie mal ein Blatterl zu treffen. Glauben Sie mir. Einfach ist es nicht.

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