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„Pussy Terror TV“?! Eine Gegendarstellung

Seit 2015 läuft im Fernsehen eine Sendung mit dem Titel „Pussy Terror TV“.

Ich habe erst letzte Woche in einem Werbevorspann kurz vor der Tagesschau davon erfahren.

Wäre ich früher auf dem Laufenden gewesen, hätte ich diese Glosse längst geschrieben!

Kinder, Kinder, was macht Ihr mit meiner Muttersprache?

Ich meine, falls Sie hier neu sind, das Englische.

Man (bzw. frau) will frech und keck auftreten, und zu diesem Zweck plündern Unberufene den (Wort)Schatz des Englischen.

Nun etwas Englischunterricht. „Pussy“ hat auf Englisch – viele wissen es schon – mehrere Bedeutungen. Primär ist es eine verniedlichende Bezeichnung für eine Katze…ähnlich „Kätzchen“. Ich vermute, dass der Begriff ursprünglich lautmalerisch war. Katzen reagieren nämlich interessiert, wenn man ganz sanft „pss pss pss“ sagt. Unsanft gesprochen, klingt dieser plosiver Laut hingegen in den gespitzten Ohren einer Katze wie ein aggressives Fauchen: Psssssssssss!

Als zweite Bedeutung versteht jeder Muttersprachler „Pussy“ als Bezeichnung für die weiblichen Genitalien. Sicherlich war der Urheber dieser Sinngebung männlichen Geschlechts. Ich meine: Ein Katzenfell ist weich und, tja, erstrahlt Sinnliches. Das Wort in diesem Sinn klingt sogar in einer intimen Situation ausgesprochen liebenswürdig. Sonst gilt es im Englischen als vulgär, sehr vulgär sogar. Zu vergleichen mit dem französischen „chaton“.

Irgendwann mal und eigentlich folgerichtig wurde das Wort zu einer Bezeichnung für eine Frau schlechthin – nach dem uralten Prinzip des „pars pro toto“ (also: der Teil bezeichnet das Ganze). In diesem Sinn gilt „Pussy“ allerdings als höchst vulgär.

Und letztlich gebraucht mann dieses Wort, um einen – seiner Meinung nach – verweichlichten Geschlechtsgenossen darzustellen. Nebenbei: Es gibt in Neuenglisch die Vokabel „wuss“ (reimt sich mit „puss“ mit englischem „double-u“) im Sinne von „Weichei, (vulg. „Schlappschwanz“), wahrscheinlich eine Verkürzung von „pussy wussy“.

Achtung: All dies bitte nicht mit „puss“ verwechseln! „Puss“ bedeutet im amer. und engl. Slang „Gesicht“ – ähnlich dem österreichischen „Goschen“: z.B. „Shut your ugly puss“ (sehr unfreundliche Ausdrucksweise). Das Wort stammt aus dem Irisch/Keltischen.

Aber nun zurück zu „Pussy Terror TV“. Ja, dieser Title klingt fürs dt. Ohr ausgesprochen putzig – irgendwie leicht und liederlich. Oder? Man denkt auch an die berüchtigte russische Girl-Band „Pussy Riot“. Wahrscheinlich daher der Name.

Fakt ist aber: „Pussy Terror TV“ ist für den Native-Speaker schwer zu verdauen. Im Ernst.

Stellen Sie sich vor, liebe dt.- Muttersprachler*Innen. Sie sind zu Besuch in New York. Im Abendfernsehen stoßen Sie auf eine lustige Sendung mit dem Titel „Mösen-Terror“. Na? Was halten Sie davon? Sie denken: Die Amerikaner spinnen. Die verstehen nix von der dt. Sprache. Okay. Ich gebe zu. Das Beispiel ist utopisch. Kaum ein Amerikaner wäre in der Lage, „Möse“ korrekt auszusprechen. Aber Sie verstehen, was ich meine.

Ach du liebe Scheiße. Die Welt fällt aus den Fugen, und ich befasse mich mit belanglosen Kleinigkeiten, mit Fliegenschiss quasi. Aber jetzt habe ich genug Zeit damit verbracht, Ihnen dieses dumme Thema zu veranschaulichen. Die nächste Baustelle wird ein bisschen heikler sein: den Umgang in der dt. Sprache mit dem englischen „fuck“ mal zu erläutern. Doch das ein anderes Mal.

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