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Nur Lösungen heute – aber sie kosten

Haben Sie Probleme? Keine Sorge. Hilfe ist unterwegs.

Das weiß ich, weil ich täglich die Überschiften im Spiegel-Online (auch „SPON“ genannt) lese. Heute, zum Beispiel hieß es: „Diese Maschine wird unser Leben ändern“.

Hmm, hab ich gedacht. Um welche Maschine wird es wohl handeln? Nein, nicht die Waschmaschine (die unser Leben tatsächlich geändert hat), auch nicht der Rasenmäher oder der Toaster. Nein, es ging um den… Quantencomputer! Schönes Wort. Scheint wohl mit der Quantenmechanik (s. Max Planck) und dem Computer zu tun. Er soll jedenfalls, so SPON „Millionen Mal schneller als moderne Schnellrechner“ rechnen. Und er könne „die großen Probleme der Menschheit“ lösen. Das alles habe ich im Vorspann gelesen.

Was mich natürlich neugierig gemacht hat. Aber dann…

Ja, dann stellte ich fest, dass ich, um noch mehr über das Thema zu erfahren, eins von zwei Dingen erst tun müsste: entweder da wo „mehr“ steht, klicken, was wiederum zu einem Bezahlportal führt, wo man sich registrieren lässt und – wenn ich mich richtig entsinne – für 49 Cents den Artikel lesen darf, oder die neue Spiegel-Printausgabe kaufen. Da erscheint der Artikel nämlich in gedruckter Form.

Es gäbe freilich andere Lösungen, um an erwähnte spannende Information zu gelangen. Man geht, z.B., in die nächste Stadtbücherei. Hat man Glück, liegt die gesuchte Ausgabe des Spiegels vor. Das erfordert natürlich etwas mehr Zeit. Oder man googelt den Begriff „Quantencomputer“ und hofft, auf andere Webseiten zu stoßen, die – kostenlos – über das gleiche Thema berichten.

Aber Vorsicht: Es gibt nix für nix. War aber schon immer so. Würde man einfach auf gut Glück googeln, könnte man auf einer Seite landen, die darauf besteht, „Cookies“ (allmählich mag ich dieses verharmlosende Wort nicht) auf Ihren Rechner zu platzieren, damit Werbetreiber Ihren Weg durch das WehWehWeh mitverfolgen dürfen, um Informationen über Ihre Gewohnheiten etc. einzusammeln. Die Menge an Privatinfos, die sich so aufklauben lässt, ist riesig. Hätte früher das Herz zahlloser Schlapphüte höher schlagen lassen.

„Alles kostenlos heute. Das kann nicht gut gehen“, sagt meine Frau. „Man soll ruhig für Dienstleistungen bezahlen.“

Ja, hat sie recht. Aber demnach müsste man eigentlich für den Besuch bei jedem „Dienstleister“ im Web ein Obolus hinwerfen. Würde auch für diese Seite gelten. (Keine Sorge, liebe Leser. Der SB bleibt kostenlos. Nur so fühl ich mich frei, alles zu sagen, wozu ich Lust und Laune habe).

Stellen Sie sich vor: Eine ganze Generation wird bald heranwachsen, ohne zu wissen, wie es früher war. Ich meine: dass man in einen Zeitungsladen (bzw. einen Kiosk) ging und dies oder jenes Blatt kaufte. Ja, so war es in der Analogwelt. Jedes Blatt hatte sein Publikum…oder nicht.

Spiegel ist marktführend im Nachrichteninternet. Er hat sich ein schlaues Geschäftsmodell ausgedacht. Wer will, bekommt eine kostenlose Dienstleistung. Wer mehr will, muss durch das Bezahlportal durch. Doch auch die nichtzahlenden Besucher verhelfen der Zeitschrift zu einem Gewinn. Denn ohne Abschalten des Werbeblockers darf man den SPON nicht lesen. Willigt man ein, so landet man prompt in einem See von Inseraten.

Wie bin ich denn auf dieses Thema gekommen? Eigentlich wollte ich vom Quantencomputer erzählen. Dem SPON zufolge stehen wir nämlich vor einer „technischen Revolution“. Man liest so was, und zack! wird man neugierig.

Doch jetzt habe ich keine Zeit mehr. Falls Sie mehr über dieses Thema wissen möchten, wenden Sie sich bitte an den SPON, oder fragen Sie Onkel Google (manche sagen der Gleichberechtigung zuliebe „Tante Google“). Er oder sie hilft gern weiter.

Ich jedenfalls lass mich überraschen. Wäre nett sämtliche Probleme lösen zu können, nur weil man schnell rechnen kann.

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