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Orte der derben körperlichen Bedürfnisse

Ich hab mich sooo gefreut, als ich es zum ersten Mal erblickte: ein steinernes Haus an einer Isaruferstraße. Oberhalb von der Türe las ich Folgendes – im grauen Stein gemeißelt: Pissort.

Notabene liebe Lesierende**Innen. Mein Rechtschreibkorrekturprogramm scheint dieses Wort nicht zu kennen. Es steht rot unterstrichen auf dem Bildschirm. Kann es sein, dass der Grund meiner damaligen Freude bereits als Derbheitchen der Vergangenheit aus dem Wörterbuch geflogen ist?

Doch damals. Damals war es noch okay Pissort in Stein zu meißeln – als Lohnübersetzung freilich, so nehm ich jedenfalls an, fürs französische „Pissoir“. Noch heute werden diese Erleichterungsanstalten auf Französisch so genannt. Nebenbei: Mein Rechtschreibkorrekturprogramm meckert nicht, wenn ich „Pissoir“ schreibe…aber bei „Pissort“... Warum wohl?

Ja, ich habe dies damals sehr begrüßt, weil ich eine derartige Offenheit, was die körperlichen Bedürfnisse betrifft, aus meinen heimatlichen USA vermisste.

Daheim war meistens die Rede vom „bathroom“, also „Badezimmer“. Ging man ins Restaurant und musste mal, dann fragte man*Innen den/die Kellnierende**Innen**: Excuse me, where is the bathroom?“

Die Engländer hingegen bezeichneten jenes Örtchen als „toilet“ oder „WC“ (sprich: dabbel-ju-ssie).

Witz aus der Zeit: Kommt ein Amerikaner nach England und fragt, wo das bathroom sei. Antwortet der Engländer: „Why? Do you want to take a bath.“ Haha.

Dieser Witz hatte wohl Folgen. Amerikanische Reisende gaben zunehmend acht, um sich nicht als Hinterwäldler zu blamieren. Sie fragten dann lieber nach dem „restroom“, eigentlich „Ruhestube“. Keine Ahnung, wie es dazu kam, dies als Bezeichnung für „Toilette“ zu benutzen. Ruht man dort wirklich?

Oder man erkundigte sich wegen des „men’s room“ bzw. „lady’s room“. Das sagt man auch im Deutschen mit „Herren“ und „Damen“ oder auf Ungarisch „ferfi“ und „nö“. Selbst die Engländer sind gegen „Gents‘“ und „Ladies‘“ nicht geneigt.

Eine gewisse Prüderie an den Tag zu legen, ist eigentlich nix Neues, wenn es um dieses Thema geht. Aber warum? Warum? Erwarten Sie von mir bitte keine Antwort auf diese Frage. Ich weiß es selber nicht.

Selbst der Begriff „Toilette“ ist ein Euphemismus (Griechisch für „Schönrederei“) und stammt, wenn ich mich entsinne, aus dem 18. Jh. Eigentlich wies dieses Wort ursprünglich auf den Ort hin, wo sich man – in diesem Fall üblicherweise „frau“ – das Gesicht mit einem „Tüchlein“ (fr. „toilette“ ) schminkte.

Amerikaner – meistens weibliche Amerikaner - sagen noch immer „powder room“, (wörtlich, der Raum, wo man sich pudert), wenn sie WC meinen. Es heißt aber, dass sich manche Frauen dort tatsächlich die Nase pudern. Das kann ich aber aus eigener Erfahrung leider nicht bestätigen.

Vielerorts – auch in Deutschland – hat sich WC längst eingebürgert. Ein pragmatischer Begriff, denn er schildert ein mechanisches Verfahren, das verwendet wird, um Ausscheidungen verschwinden zu lassen. Im „water closet“ spült man nämlich ab. Irgendwie.

Dem Gesetz der faulen Zunge folgend, ist das dt. „Klo“, so stellt man leicht fest, der letzte Rest des aus dem Englischen verdeutschten WasserKLOsetts.
Fragt man in Spanien nach der „Toilette“, versteht jeder, was gemeint ist. Doch die Spanier sagen untereinander lieber „aseo“, was eigentlich „Sauberkeit“ bedeutet. ¿Donde está el aseo? „Wo ist die Sauberkeit? Ja, gute Frage: Wo ist die Sauberkeit? (Ich meine im Allgemeinen). Die Griechen bleiben beim fr. „Tuallett“.

Gab es mal eine Zeit, wo das Ausscheidungsverfahren nicht mit Umschreibungen behaftet war? Das muss ich noch recherchieren. Könnte man sogar daraus ein schönes Buch machen. Wie jeder weiß, sind die Verlage manchmal sehr scharf auf Scheiße.

Übrigens: Ich glaube, dass der oben erwähnte Pissort an der Isaruferstraße längst…wie sagt man? ... “renoviert“ wurde.

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