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„Meme“ verstehen – endlich!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie eine Fremdsprache lernen. Bei mir jedenfalls sitzen manche Wörter einfach nicht, egal wie ich sie büffele. Sie weigern sich, in mein Gedächtnis fixiert zu werden. Wie wenn man mit Sekundenkleber einen Henkel an eine Tasse anzubringen versucht, und er fällt trotzdem wieder ab.

Wörter sind zwar keine Henkel, doch manchmal brauchen auch sie einen besonderen Klebstoff, damit sie endlich im Gedächtnis haften.

Das war mein Erlebnis, z.B., mit dem Wort „geraten“, als ich dabei war, die deutsche Sprache zu erobern. Ausgerechnet dieses Wort spielte ständig Versteck mit mir. Ich könnte es mir nie merken, war ständig dabei, es in meinem dicken Wörterbuch nachzuschlagen. (Damals gab’s noch kein Wiktionary, Kinder).

Nur mit einem Trick konnte ich den Sinn endlich befestigen: Ich habe ein dt. Synonym entdeckt. In diesem Fall war es „landen“. Naja, die Bedeutungen gehen doch ein bisschen auseinander. Außerdem erfordert „geraten“ einen Akkusativ, wo „landen“ auf den Dativ fixiert ist.

Hoppla! Wie bin ich in diesem Kanal gelandet (bzw. in diesen Kanal geraten)? Eigentlich wollte ich über etwas ganz anders schreiben: und zwar über das Wort „Mem“, Mehrzahl „Meme“. Womöglich kennen Sie das Wort auch als „Meme“ (sprich „miem“)? Denn das „Meme“ ist seit ein paar Jahren zu einem… „Meme“ geworden.

Seit ewig will sich dieses Wort einfach nicht in meinem Gedächtnis haften. Und deshalb schreibe ich jetzt darüber. Vielleicht hilft das.

Der dt. Begriff „Mem“ (Englisch „Meme“ – sprich „miem“) existiert seit 1976. Genauer gesagt: Er ist die Erfindung des britischen Biologen Richard Dawkins. Dawkins hat dieses Wort bewusst als Pendant zu „Gen“ aus dem Boden gestampft. So wie ein Gen die biologische Einheit ist, die für die Vererbung von körperlichen Eigenschaften verantwortlich ist, dient das Mem – Dawkins zufolge – als kleinste Einheit für die Verbreitung (Vererbung) von kulturellen Phänomene.

Genauer gesagt: Ein Mem ist der Einfall eines Einzelmenschen, der eventuell zum Massenphänomen ausufert. Laut dem bekennenden Atheisten Dawkins ist auch die Religion ein Mem, das, wie man heute sagt, „viral“ gegangen ist. Doch nicht nur die Religion, jede Idee hat das Potential, ein Mem, ein memetisches Phänomen zu werden – auf langer Zeit oder nur kurz. Letzteres bezeichnen wir als eine „Mode“.

Alles klar?

Eine nette Vorstellung, um die Ausbreitung von Moden, Riten, kulturellen Errungenschaften etc. zu deuten. Dawkins hat allerdings nicht nur Befürwörter für seine memetische Theorie. Manche Kollegen halten die Sache für reine Quacksalberei, Pseudowissenschaft.

Aber egal. Das soll nicht unser Problem sein. Immerhin: Man sieht mit diesem Beispiel, wie ein waschechter Begriff entsteht. Das „Mem“ hat sogar ein Geburtsdatum.

Inzwischen ist aber das Wort „Mem“ selbst zum „Mem“ geworden. Aber dann spricht man es amerikanisch aus: „Meme“ (also „miem“).

Heute heißt jegliche modische Erscheinung im Internet, die sich steppenbrandartig ausbreitet (viral) ein „Miem“. Das sind ja YouTube-Videos, Instagram-Schnappschüsse, Facebook-Beiträge oder irgendwelche rassistische oder sonstige Lügen, die durch die Blogs und Vlogs fliegen.

Das sind die Miems.

Ich denke, ich habe dieses Thema für jetzt genügend erläutert. Bin sicher, dass wenigstens ich es endlich für alle Zeiten verinnerlicht habe. Ich denke, dass diesmal das Wort endlich auf die richtige Fahrbahn geraten ist.

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