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„Hype“: das großartige Prequel

Heute, liebe Sprachinteressierte, reden wir über das spannende Wort „Hype“.

Das Wort interessiert mich brennend, weil ich es in letzter Zeit kaum vermeiden kann. Bin überall damit konfrontiert: im Gespräch, in den „Medien“, womit ich sowohl digital wie auch print meine. Auch im Traum.

Es handelt sich um ein „Fremdwort“. Darf man heute noch „Fremdwort“ sagen? Oder klingt das ein wenig wie „Lebensraum“ und „Einsatzkommando“?

Immerhin hat „Hype“ bereits einen deutschen (und höchstwahrscheinlich auch einen österreichischen) Pass erhalten. Im Eilverfahren sogar. Komisch, wie sich Wörter rascher integrieren als Menschen. Damit meine ich Flüchtlinge, Migranten und sonstige Einwanderer. Nehmen Sie mich als Beispiel.

Diese Vokabel, „Hype“, kenne ich übrigens schon lange – auch bevor sie den dt. Pass bekam. Schließlich stammt sie aus dem Englischen. Man könnte sicherlich eine Doktorarbeit über die Frage schreiben, warum das Wort momentan so beliebt ist.

Die deutsche Version scheint, so bilde ich mir jedenfalls ein, ca. zwei Jahre im Gebrauch zu sein. Oder könnte es noch länger sein?

Und noch etwas interessiert mich über dieses Wort: sein grammatisches Geschlecht. Und deshalb schreibe ich diese Glosse.

Jeder Deutschsprechende weiß, dass ein jedes dt. Hauptwort eines Artikels bedarf – also ein „der“, „die“, „das“ – , um offiziell als dt. Wort gelten zu dürfen. Keine Ausnahmen. Sorry, so sind auch in den heutigen, liberalen Zeiten die Regeln.

Auch ich wurde 1975, also im Jahr meiner Ankunft in Deutschland, mit einem Artikel versehen. Man nannte mich „der PJ“ (sprich „piedschäj“). Ja, ich bin ein Der. Ich bekam sogar einen zweiten Artikel verpasst. Denn manche (meistens Frauen) sagten zu mir damals auch „das PJlein“. Heute übrigens nimmer. Bin wieder bei einem Artikel gelandet.

Und„Hype“? Wie lautet hier der Artikel?

Ich persönlich hätte „die“ gesagt. Und mit gutem Grund. „Hype“ auf Englisch ist eine Abkürzung von „hyperbole“ („Übertreibung“), was mit „Hyperbel“ verdeutscht wird. Ein ausgesprochen feudales Wort. Auch „Hype“, bedeutet „Übertreibung“.

Für diejenigen, die gern etwas mehr in die Tiefe gehen: Die Vokabel „hyperbole“ wird von zwei griechischen Wörtern: „hyper“ (über) und „bole“ „(Wurf) zusammengeschustert. „Hyperbolen“, bzw. „Hyperbeln“ entstehen also, wenn etwas zu weit geworfen wird. Ist doch logisch.

Wie schon gesagt: Ich hätte auf „die Hype“ getippt, da das Wort mit „die Hyperbel“ verschwistert ist.

Dem ist aber nicht so. Man sagt „der Hype“. Manche sogar „das Hype.“

Aber warum? Meine Frau ist der Meinung, dass die Neigung zur Übertreibung durchaus eine männliche Charaktereigenschaft ist. Vielleicht hat sie recht. Ich weiß es aber leider nicht. Und deshalb ist Deutsch so schwierig.

Wie dem auch sei. Ich bin überzeugt, dass wir es mit einem wertigen Neuling in der deutschen Sprache zu tun haben und sage: „Lieber Hype, du bist großartig! Willkommen in Deutschland. Fortan bist zu zuhause.“

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