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„Fake“: Alles, was Sie darüber wissen müssen

Wer bitte kann mir sagen, wie das Wort bzw. Unwort des vorigen Jahres (oder des vor-vorigen Jahres) lautete? Ich weiß es ganz bestimmt nicht mehr und mache mir keine Mühe, die Antwort herauszugoogeln, auch wenn dies eigentlich sehr einfach wäre. Denn so wichtig ist mir die Sache nicht.

(Un)Wörter des Jahres gibt es wie unverkaufte Schokonikoläuse. Dahingegen behaupte ich, dass es auch wahrhaftige Wörter (bzw. Unwörter) des Jahres, des Jahrzehnts oder gar des Jahrhunderts gibt. Sie müssen nicht einmal Preisträger gewesen sein. Sie sind einfach das, was sie sind. Einst davon ist erst jüngst entstanden: „fake“.

Diese Vokabel genießt, seitdem der neue US-Präsident im Amt ist, Hochkonjunktur. Zuerst in der Losung „fake news“, die sich längst in beinahe allen europäischen und sicherlich auch manchen nichteuropäischen Sprachen eingebürgert hat.

„Fake news“ war nur der Anfang. Inzwischen redet man auch von „fake shops“. Sie wissen schon: Das sind jene digitalen Straßenräubernester, die auf den Irrwegen des WehWehWehs auf Opferfang lauern. Man bestellt, z.B., ein iPhone oder sonst was Edles zu einem lächerlich billigen Preis, zahlt und zack! Geld weg und iPhone kommt nicht an oder ist womöglich ein „Fake“, ein nachgemachtes. Früher hätte man dazu eine „Fälschung“ gesagt.

Das mit den Fälschungen ist natürlich keine Erfindung des Infozeitalters. Auch in der Antike hat man Münzen gefälscht. Schon Hammurabi hat gegen die babylonischen Gewichtsfälscher schwadroniert. Und selbstverständlich wurden Fakten immerdar verfälscht. Doch früher sagte man dazu „Desinformation“. Neu ist lediglich der Gebrauch des Wortes „Fake“. Das es zum globalen Begriff geschafft hat, haben wir Mr. Trump zu verdanken.
Inzwischen hat „fake“ beinahe ein Bekanntschaftsgrad erreicht wie „okay“.

„Fake“ hat aber auch eine - weniger bekannte - positive Seite. Seit Jahrzehnten kennen und schätzen Jazz-Musiker die sog. „Fake-books“ (nicht mit „Facebook“ zu verwechseln, obwohl…). Das sind dicke Notenmappen, die verschiedene Evergreens und Ohrwürmer in schlichter Notenform wiedergeben - meistens mit den begleitenden Akkorden zusammen. Der Jazz-Musiker bedient sich eines „Fake-book“, um zu „fake“-en. „To fake“ auf Englisch bedeutete einst in der Sprache der Musiker „improvisieren“. Heute sagt man lieber „improvise“.

Kein Mensch weiß, woher diese allseits beliebte Vokabel „Fake“ stammt. Es gibt lediglich Theorien.

Eine besagt, dass ein dt. (bzw. niederländisches) Wort: „fegen“ (oder nl. „vegen“) Pate steht. Ich hab vergessen, wie man darauf kommt, und ich glaub es ohnehin nicht. Fest steht nur, dass es das Wort „fake“ im heutigen Sinn im Englischen seit dem 18. Jh. gibt.

Ich habe eine eigene Theorie über die Herkunft von „fake., die ich sonst nirgends begegnet bin. Ich behaupte, dass „fake“ mit „facsimile“ zu tun hat. Eine „Faksimile“ ist eine Kopie eines Originals. Dieser Begriff machte übrigens bereits im 17. Jh die Runde.

Ich vermute, dass „fake“ einst als Abkürzung entstanden ist. So was gibt es oft: „bio“, „abi“, „Coke®“ usw. Vielleicht hat man es auf Englisch „fac“ (sprich „fäk“) ausgesprochen. Und vielleicht ist dann aus „Fäk“ mal „fäjk“ geworden. Das wäre irgendwie nachvollziehbar.

Mehr hab ich heute nicht über dieses Thema zu sagen. Also Ende der Vorlesung.

PS Bin bald auf Erkundungsreise. Nächster Beitrag Anfang März. To be continued…

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