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Machen Videos dumm?

Hallo Stranger, hallo Freunde und Bekannte. Glück gehabt. Sie sind beim Sprachbloggeur gelandet. Glück gehabt, weil Sie, wenn Sie den Sprachbloggeur besuchen, nach Belieben lesen, überspringen, querlesen oder gar ausklinken können.

Blipp! Gedankeneinschub: Stellen Sie sich vor: Nun läuft ein Video des oben Gesagten. Sie sehen den Herrn Sprachbloggeur, anstatt ihn zu lesen. O Gott! Sieht er nicht schön aus! Eine Frage aber: Was dauert länger: das Ansehen oder das Lesen obigen Absatzes?

Antwort: das Ansehen, of course!

Und jetzt ein Fakt für jede Cocktail-Party-Unterhaltung: Die Fähigkeit zu lesen hat Sie in die Lage versetzt, logische Gedanken zu formulieren. Im ernst. Das Lesen-lernen tut nämlich etwas im Hirn. Wenn Sie Zeichen als Sprache zu erfassen lernen, werden Sie als Beigabe automatisch im logischen Denken geschult. Notabene: Das Wort „lesen“ bedeutete ursprünglich „aussuchen“, „entscheiden“, „herauspicken“, „aufnehmen“ usw. Und genau das ist das Lesen. Sie sind auch dabei zu entscheiden, wie viel Text Sie aushalten.

Hier ein Beispiel aus dem Reich des logischen Denkens: 1.) Alle Säugetiere haben vier Beine. 2.) Der Hund ist ein Säugetier. 3.) Der Hund hat also vier Beine. Das nennt man seit Aristoteles einen „Syllogismus“. Klingt einfach, aber nur Menschen, die lesen, verstehen diese Logik.

Das Gegenteil von „logisch“ heißt „mythologisch“. „Mythos“ und „Mund“ sind verwandt. Schriftlose Kulturen sind mythologisch.

Die Menschheit liest seit ca. 5000 Jahren. Am Anfang dienten Schriftzeichen nur der Buchhaltung. Irgendwann stellte man aber fest: Man kann anhand von Zeichen die ganze Sprache erfassen, Zeichen also als Symbole für Laute. Was man schreibt, wird festgehalten. Schreibt man, was gestern passiert ist, hat man einen historischen Text verfasst. Schreibt man schöne Lieder auf, hat man die Literatur erfunden usw.

Ohne Schrift muss man sich auf das eigene Gedächtnis verlassen, was selten, wie jeder weiß, zuverlässig ist. Denken Sie an „Stille Post“.

Grund fürs heutige Schwadronieren: die Videos! Neuerdings wollte ich bei CNN eine Story lesen. Prompt erschien neben dem Text ein Video auf dem Schirm. Ich hatte nun die Wahl: Video oder Text. Der Inhalt des Videos war zwar dem Text ähnlich. Es gab aber Unterschiede. Man geizte nämlich mit manchen Details.

Endlich hab ich verstanden: Wenn ich lese, kann ich eine Story detailliert verfolgen oder überfliegen. Bei einem Video werde ich zum Gefangenen der Zeit.

„Speed-Reading“ kann man lernen, aber „Speed-Videoanschauen“ gibt es nicht. Man kann zwar irgendwie mittels eines virtuellen Schiebers vorspulen. Das ist aber sehr unzuverlässig. Das Querlesen ist allemal effizienter.

Noch wichtiger: Das Hirn wird beim Videoanschauen weniger strapaziert als beim Lesen.

Stellen Sie sich vor. Sie hätten diesen Text nicht gelesen, sondern mit hübschen Bildern nur angeglotzt. Sie wären längst nicht so schnell fertig wie jetzt der Fall…auch wenn Sie den Text nicht überflogen hätten. Über Videos fliegen nur Vögel.

Ende der Vorlesung.

PS: Auch Spiegel-Online ist mit von der Partie...

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