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Von Prostatamassagen, Katalonien…und dem Zufall

Fangen wir erst mit der Prostatamassage an. Darüber habe ich jüngst in Bento, der „lifestyle“ Sparte von Spiegel-Online („SPON“), erfahren. Männer, gebt acht: Hier geht es um neue Höhen des männlichen sexuellen Erlebnisses, Höhen, die ich leider nicht bestätigen kann.

Genauer gesagt: Der Leser/die Leserin wird vom Bento-Autor (hab den Namen leider vergessen) angewiesen, wie man das walnusgroße Organ namens Prostata in ein Spielzeug der Gelüste verwandelt.

Da ich’s nicht ausprobiert hab, kann ich den erstaunlichen Lustgewinn nicht bestätigen.

Nebenbei: Die von ihm beschriebenen Exerzitien beziehen sich nicht auf gleichgeschlechtliche Handlungen. Homosexuelle kennen all dies gewiss längst, weshalb sie sich wohl „gay“ (heiter) nennen.

Sie fragen sich sicherlich, liebe Leser: Worauf der Sprachbloggeur hinaus will. Schreibt er plötzlich eine erotische Lifestyle-Kolumne?

Nein, nein. Es geht hier um den Zufall: Als ich vor ein paar Tagen im den Spiegel-Online nach Berichten über das katalanische Unabhängigkeitsreferendum suchte, stieß ich auf besagte digitale Aufklärungsfibel in Sache Prostata. Hmm, hab ich gedacht. Während unschuldige Menschen in Katalonien von der Guardia Civil mit Gummigeschossen niedergestreckt werden, tun andere abenteuerliche sexuelle Entdeckungen kund. Lustige Welt!

Hab ich „Referendum“ gesagt? Dem spanischen Ministerpräsident Rajoy (sprich ra-choj) behauptete, es habe kein Referendum gegeben, lediglich eine Farce (Spanisch „farsa“).

Inzwischen hatte mein Fokus auf die Prostatastimulierung ziemlich abgeebbt. Wer denkt an seine Prostata, wenn man sich in den traurigen Ereignissen in Katalonien vertieft? Da ich Katalonien - insbesondere Barcelona - einigermaßen kenne, hat mich die Sache besonders betrübt.

Wer es nicht weiß: Die katalanische und die spanischen Sprachen unterscheiden sich in etwa wie sich das Hochdeutsch vom Niederländischen.

Genauer gesagt: Katalanisch (und ähnliche Sprachen - etwa das Provenzalisch) entstanden vor ca. 2000 Jahren entlang der Mittelmeerküste in Richtung Hispania. Die Händler und die Soldaten, die an dieser Strecke unterwegs waren, sprachen eine Art Straßenlateinisch, das ganz anders klang als die vornehme lingua latina, die man heute in der Schule büffelt. Die vornehme Sprache hingegen verfestigte sich im hispanischen Inland, wo die reichen Grundbesitzer zuhause waren. Das Hochspanisch hat immer noch viele antiquieriende Züge der alten lateinischen Hochsprache.

Wer sich für Geschichte interessiert, weiß auch, dass Katalonien einst ein unabhängiges Land mit eigener Kultur war - wie Bayern…bis beide Länder von einer größeren politischen Einheit einverleibt wurden.

So ist das Leben. Besonders grausam war aber der Diktator Franco, der den öffentlichen Gebrauch der katalanischen Sprache strafbar machte (wie übrigens einst Atatürk bzgl. der kurdischen Sprache), um aus Spanien einen sprachlichen und kulturellen Einheitsbrei zu etablieren.

Aber jetzt leben wir im Jahr 2017, und es geht uns in Europa verhältnismäßig gut, und die Katalanen dürfen ihre kulturelle Eigenständigkeit problemlos ausleben. Damit will ich sagen: Meiner Meinung nach war das Unabhängigkeitsreferendum eine dumme Idee. Die Mehrheit der Katalanen waren auch dieser Meinung und hätten das dumme Referendum mit nein abgelehnt.

Doch nun tritt der Präsident der spanischen Minderheitsregierung, Herrn Rajoy in Erscheinung. Sein Traum ist es wohl, eines Tages Präsident einer Mehrheitsregierung zu werden. Was tut man, um so etwas zu realisieren? Man zeigt Entschlossenheit und Härte, um bei manchen Wählern zu punkten. Also schickte er die Guardia Civil zu Tausenden nach Katalonien, um dort alles aufzumischen und die Bewunderung von Restspanien zu ernten.

„Jetzt erst recht“ war das Resultat: 90% der nicht beschlagnahmten Wahlzetteln der Katalanen wurde mit „Ja“, wir wollen raus aus Spanien, ausgefüllt.

Und nun denke ich: Schade, dass Herr Rajoy nicht auf besagten Artikel im Bento gestoßen wäre - und zwar Tage vor dem Referendum. Das war freilich nicht möglich, weil der Artikel erst später erschien. Der Autor verspricht himmlische sinnliche Erlebnisse, wenn die Prostata richtig stimuliert wird. Hätte sich der Präsident der Minderheitsregierung nur mit diesem biologischen Thema beschäftigt! Ach! Vielleicht hätte er dann das mit dem Referendum etwas lässiger vergehen lassen.

Das werden wir leider nie wissen. Alles im Leben ist Timing. So sehr spielt der Zufall eine Rolle in unseren aller Leben.

PS Bin nächste Woche auf der Buchmesse. Vielleicht ein Bericht vor Ort, vielleicht nicht.

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