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Meine Problematik mit Algorithmen und Avataren

Zunächst ein wenig über „Algorithmus“. Dieses Wort irritiert mich. Ich weiß nicht, warum. Man will damit auf eine Vorgehensweise hinweisen, mit der man ein Problem löst. Wer „Algorithmus“ in Sätzen zu verwenden versteht, überzeugt schnell, dass seine Vorgehensweise, um ein Problem zu lösen, die richtige ist oder war.

Der Begriff geistert schon seit Jahrhunderten durch die Fachliteratur herum. Heute aber ist er so beliebt wie noch nie. Ich denke, er war wie prädestiniert, in den Jargon der Programmierer aufgenommen zu werden. Schließlich sind Programmierer immer auf der Suche nach Vorgehensweisen, um Probleme zu lösen. Schachspieler, Menschen, die Stadtpläne lesen usw. sind auch auf der Suche. Jeder aber, der das Ergebnis einer solchen Suche als Algorithmus bezeichnet, macht sich jedoch besonders beliebt. Stellen Sie sich vor: Heute kann man sogar Sätze bilden wie „Der Algorithmus der Soziale Medien beeinflusst uns täglich.“

„Algorithmus“ klingt wie eine Mischung aus „Algebra“ und „Arithmetik“ -, etwas Mathematisches also. Und irgendwie hat es etwas mit der Mathematik zu tun - wenn zwar nur indirekt…

Denn das Wort leitet sich vom Namen Abu Dscha’far Muhammed ibn Musa Al-Chwarismi ab, einem Araber, der im 9. Jahrhundert in Bagdad ein Buch über die indischen Ziffer (also 1,2,3,4,5…usw.) veröffentlichte. „Al-Chwarismi“ bedeutet eigentlich „Der Choresmier“. Ich weiß nicht, wo Chroresmien liegt. Kann jeder für sich selbst googeln. Fest steht nur: Sein Vater, Musa Al-Chwarismi, stammte wahrscheinlich von dort.

Al-Chwarismis Buch über Zahlen war seinerzeit ein Renner, was irgendwann dazu geführt hat, dass der Name gleichbedeutend mit Zahlen verstanden wurde, was wiederum irgendeinen Mathematiker, o.ä., im Abendland dazu verführt hatte, diesen Namen in einen mathematischen Begriff zu verwandeln.

Heute kann man mit diesem Wort richtig punkten. Wirklich. Probieren Sie’s mal.

Was mich nun auf den Begriff „Problematik“ bringt. Was ist eine Problematik? Ganz klar: etwas, was man anhand von einem Algorithmus lösen kann! Man sagt: „Die Problematik liegt in der Beschaffenheit der Materie.“ Doch meine Frage: Warum heißt es hier „Problematik“ und nicht „Problem“? Ich denke, manche Wörter haben es einfach in sich.

Z.B, „Avatar“. So wurde (und wird) in der hinduistischen Religion ein Wesen aus der Geisterwelt (bzw. eine hinduistische Gottheit) genannt, das als Mensch geboren wird (inkarniert), um uns Menschen mit unseren Problematiken zu helfen.

So, zum Beispiel, Maher (sprich mäj-hr) Baba. Er war ein Guru aus Indien, der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr viele Anhänger hatte: ein freundlich aussehender Mann mit großem Schnurbart. Man könnte ihn als Kellner in einem indischen Restaurant vorstellen. Eins seiner Bücher hieß „I am God“. Damit wollte er wohl sagen: Alle Menschen haben etwas Göttliches in sich. Man munkelte damals, er sei ein Avatar. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Einmal, so hab ich gelesen, spielte Maher Baba mit seinen Anhängern Volleyball. Er spielte gern Volleyball. Die Vorstellung wurde aber für mich zur großen Problematik, für die ich auch keinen Algorithmus finden konnte. Ich fragte mich: Wie ist es? Muss man Gott beim Volleyball gewinnen lassen? Darf man ihm den Ball eine auf die Birne hauen? Kann (bzw. darf) Gott verlieren, wenn er Volleyball spielt? Usw.

Inzwischen hab ich erfahren, dass heute „Avatar“ eine ganz andere Bedeutung hat als zur Lebenszeit von Maher Baba. In der Sprache des Infozeitalters ist ein „Avatar“ nämlich ein virtueller Mensch, der einem hilft Probleme zu lösen. Mit anderen Worten: Der „Avatar“ ist zum „Algorithmus“ geworden!

Sprachroboter Siri ist, zum Beispiel, ein „Avatar“. Auch Dienstleistungsprogramme wie Instant Messenger werden als „Avatare“ bezeichnet. Sie sehen: Es gibt Algorithmen für jede Problematik.

Vielleicht frag ich Siri mal, ob Gott immer gewinnt, wenn er Volleyball spielt.

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