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Crappers und Blockbusters

Mein Sohn war der Meinung, ich sollte vielleicht eine Glosse über Thomas Crapper schreiben. Ich war nicht so ganz überzeugt, zumal ein deutsches Publikum anders auf diesen Namen reagiert als ein angelsächsisches.

Die Fakten: Mr. Crapper war ein englischer Installateur und lebte von 1836 bis 1910. Er geht in die Geschichte ein als einer der Väter der heutigen Spültoilette. Ich habe mich mit ihm nicht so intim befasst, dass ich Ihnen seine Erfindung detailliert beschreiben könnte. Immerhin benutzte ich eine waschechte Crapper-Toilette einmal in Berkeley, California. Wir schreiben das Jahr 1970. Die eigentliche Erfahrung bleibt mir weniger in Erinnerung als der Name, der auf dem Porzellan gedruckt war.

Zu sagen ist nur: Thomas Crapper & Co. hatte seinerzeit einen sehr anständigen Ruf. Auch Gullideckel hat die Firma produziert.

Wer über gute Englischkenntnisse verfügt, weiß natürlich, dass im Englischen das Wort „crap“ im Sinne von Exkrement sehr verbreitet ist. Stammt es von Crapper?

Immerhin sagte man im 19. Jt.: „I’m going to the crapper“ und meinte damit “Ich gehe auf die Toilette”.

Ist daraus das heutige Idiom „to take a crap“ entstanden? Nebenbei: Diese Ausdrucksweise gilt ausschließlich als Männersprache auf Englisch. Jawohl, Männersprache. Frauen bringen diese Floskel äußerst selten über die Lippen.

Also doch? „Crap“ als Weiterentwicklung von „crapper“?

Fehlanzeige. „Crap“ im Sinn von Exkrement existierte in der englischen Sprache lange, bevor Th. Crapper „a twinkle in his mother’s eye“ war.

„Crap“ und „crapper“ sind also nur Zufallswortzwillinge. Das es so ist, weiß ich übrigens seit Jahren. Denn ich habe es durch die Lektüre des besten Fachbuches zu diesem Thema herausgefunden: „Das Scheiß Buch“ von Werner Pieper.

Wer dieses Buch nicht besitzt, kann sich aber auf Wikipedia ebenso ausführlich unter Stichwort „Thomas Crapper“ informieren.

Und weil ich diese Vorkenntnisse hatte, war ich von vorneherein - trotz der Empfehlung meines Sohnes - wenig geneigt, Großes über dieses Thema zu produzieren. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich meinem Sohn dies auch mitgeteilt.

Eigentlich hatte ich vor diese Woche, über Wörter zu schreiben, deren Bedeutung eine radikale Wende durchgemacht hatte, so dass nur wenig vom ursprünglichen Sinn übrig geblieben ist.

Mir kam dieser Gedanke in den Sinn, weil ich die eigentliche Bedeutung des Wortes „Blockbuster“ erfuhr. „Blockbuster“ nennt man jene Hollywoodextravaganzen, die ein großes Publikum magisch anziehen: Filme über nette Vampire, römische Gladiatoren, sinkende Schiffe, intergalaktische Kriegsführung usw.

Doch wissen Sie zufällig, was ein „Blockbuster“ in Wirklichkeit ist? Hoffentlich sitzen Sie. Während des 2. Weltkriegs bezeichneten die Alliierten, also die Briten und die Amis, ihre größten Bomben, die sie auf deutsche Städte abwarfen, so. Diese Bomben waren so stark, dass eine einzige in der Lage war, einen ganzen Straßenzug (block) zu verwüsten.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal großes Kino angucken.
Oder denken an Saddam Husseins leere Drohung von der „Mutter aller Kriege“. Nach nur wenigen Jahren hat sich die Werbesprache diesen Begriff total vereinnahmt: „Mutter aller Sonderangebote“ usw. Ich wollte noch weitere Beispiele sammeln, aber das mit dem Crapper hat mich halt abgelenkt. Tja.

Immerhin war Crappers Erfindung ein „Bombenerfolg“. Zumindest auf Deutsch. „Bomb“ in diesem Zusammenhang hat auf Englisch eine ganz andere Bedeutung als im Deutschen. Sagt man, dass Crappers geniale Porzellan Tempel „bombed“ bzw. „bombed out“, dann meint man, dass es ein Misserfolg war.

Damit ist alles zum Thema gesagt worden.

PS: Nun taucht der Sprachbloggeur ein paar Wochen unter. Geheimmission. Anfang März wieder da.

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