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Eine Krankheit namens WehWehWeh

Herr Geldher-Duidiot - oder so ähnlich hieß er - hat mich diese Woche angemailt, um mir Folgendes mitzuteilen. Ich zitiere:

„Hallo Blumenthal P.j.,
für meine Kunden suche ich hochwertige Artikelplätze mit thematischem Bezug. Ein konkretes Interesse meines Kunden auf Ihrer Seite zu buchen besteht bereits. So bin ich auf ihre Seite aufmerksam geworden. Ich würde gern bei Ihnen einen thematisch passenden Artikel buchen…

Bieten Sie so etwas an? Können Sie mir bitte ein Beispiel und Ihren Preis mailen? Haben Sie evtl. noch weitere Seiten, auf denen so etwas möglich ist?“…usw. usw.

Der Text wurde von Herrn Geldher-Duidiot mit den üblichen „freundlichen Grüßen“ plus Kontaktdaten unterzeichnet.

Zuerst habe ich auf ein Phishing-Angebot getippt. Weit gefehlt. Die Kontaktdaten waren nicht erfunden. Herr G.-D. betreibt tatsächlich eine Webseite. Klar, dass ich nicht direkt auf den Link in der Mail geklickt habe. Ich googelte die Seite und erforschte sie anonym, wobei ich entdeckte, dass dieser Herr Spezialist ist für SEO (Suchmachinenoptimierung) und SEA (Suchmachinenwerbung - also, „advertising“).

Kaum sehe ich das Kürzel „SEO“, reagiere ich sehr allergisch. SEA hingegen war mir ein neuer Begriff aber auch da riecht man schnell den Braten.

Also habe ich die Mail meinem Webbetreiber, Herrn P., weitergeleitet, um seine Reaktion zu erfahren. Es handele sich, erklärte er mir, um eine „Kaltacquise“ (mir ein neuer Begriff). Der Herr G.-D. wolle sich bei mir anschleimen…usw.

Ja, liebe Leser, liebe Leserinnen, schon wieder will Onkel Sprachbloggeur, das gebrannte Cyberkind, seine böse Erfahrungen im Sumpf des Informationszeitalters mitteilen. Aber wissen Sie was? Ich wünschte, ich könnte in den Kopf von Herrn G.-D. genauer blicken. Wer ist er? Ist er verheiratet? Hat er Kinder? Gehen diese in die Schule? Müssen sie Hausaufgaben machen? Hilft er ihnen dabei? Macht er mit der Familie Urlaub? etc.

Diese Mail irritiert mich allerdings auch aus einem anderen Grund: Sie hat mich nämlich nicht wie üblich an meiner Sprachbloggeur-Adresse erreicht, sondern an meiner privaten Mailadresse. Das heißt: Herr G.-D. hat sich die Mühe gemacht, meine privaten Daten ausfindig zu machen.

Will sagen: Herr G.-D. hat tüchtig recherchiert (bzw. recherchieren lassen) und konnte den privaten Menschen P.J. Blumenthal mit dem öffentlichen Menschen „Der Sprachbloggeur“ verlinken.

Woher weiß ich, dass es so war? Er hat mich in seiner Mail mit „P.j. Blumenthal“ angeredet - also mit großem „P“, kleinem „j“. Das hat er gewiss nicht von dieser Seite. Woher sonst? Ich werd’s Ihnen sagen: Ich bekomme beinahe täglich Mails von einer online Computerfirma, bei der ich mal eine Kleinigkeit gekauft habe. Sie schreiben immer an „P.j. Blumenthal“.

Meine Frage: Hat diese Computerfirma meine Daten verkauft? Hat Herr G.-D. etwa eine Kundenliste erworben und dann recherchieren lassen, um mehr über die Menschen auf der Liste zu erfahren? Nach Auskunft meines Sohnes ist dies heute Gang und Gebe.

Irgendwie sehr unappetitlich.

Ja, das Internet ist noch immer ein gefährliches Pflaster - und wird wohl immer gefährlicher (siehe „Ransomware“ usw.)

Doch jetzt eine gute Nachricht: Eines Tages wird das WehWehWeh so sicher sein wie der Münchner Marienplatz im Sommer.

Leider kann ich Ihnen kein genaues Datum für dieses erfreuliche Zeitalter verraten, hoffentlich bald.