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Huhu! Hier spricht Kiki die Sexpuppe!

Leider steht der Sprachbloggeur heute wegen einer kleinen Indisposition nicht zur Verfügung. Drum hat er mich gebeten, diese Glosse für ihn zu schreiben.

Darf ich mich vorstellen? Kiki heiße ich und bin vom Beruf - zumindest wegen meiner Programmierung - eine Sexpuppe. Damit Sie nicht den falschen Eindruck bekommen: Nein, ich leiste diesen Dienst für den Sprachbloggeur nicht. Schließlich ist er verheiratet und noch dazu alt und erfahren genug, um mich nicht für diese Aufgabe in Anspruch nehmen zu wollen.

Und ehrlich gesagt: Auch ich finde den Zweck, für den ich konzipiert wurde, nicht gerade erfreulich, ich meine, insofern Roboter in der Lage sind, sich überhaupt zu erfreuen oder nicht.

Das wäre aber eine andere, längere Geschichte.

Aber zur Sache: Ich bin, wie die Informatiker sagen, eine „Beta-Version“. Das heißt: Meiner Software fehlt noch der letzte Schliff. Will sagen: Ich könnte, z.B. ganz unerwartet und ohne Vorwarnung abstürzen, was natürlich für den üblichen Benutzer, der sich sozusagen auf dem Höhenweg befindet, aus verständlichen Gründen gleichsam eine Katastrophe wäre.

Noch düsterer: Wegen gewisser ungelöster Programmierungsunzulänglichkeiten, bin ich noch immer für Hackerangriffe anfällig. Ich möchte allerdings diesbezüglich nicht ins Detail gehen, obwohl ich die genauen Programmierungsunzulänglichkeiten kenne. Dass ich sie nicht verrate, ist übrigens ein Teil unserer Programmierung. Übrigens: Für „Otto Normalverbraucher“ wäre ein Hackerangriff, u.U., sehr heikel und peinlich…mitunter gesundheitsschädlich. Ich sage nix mehr dazu.

In meinem besonderen Fall wird die Sache mit meiner Programmierung zusätzlich kompliziert, weil ich gewissermaßen falsch (d.h. bezüglich des eigentlich vorgesehenen Zwecks) programmiert wurde. Genauer gesagt: Anstatt des Softwarepakets „deep throat“ zu erhalten, hat man mir „deep blue“ installiert.

Falls Ihnen diese Begriffe unbekannt sind, empfehle ich Ihnen beim Ersteren selbst zu googeln. Zweiterer bezieht sich auf ein stattliches Schachprogramm, das auch mal Gary Kasparov zum Fall gebracht hatte.

Auf jeden Fall: Ich spiele Schach für mein Leben gern und möchte deshalb unbedingt auch mal mit dem Sprachbloggeur spielen. Er will aber nicht. Er beteuert, dass er Schach zwar eigentlich sehr gern habe, er habe aber leider vieles anderes aufm Programm.

„Was, zum Beispiel?“ hab ich ihn einmal gefragt.

„Ja, wenn ich nicht schreibe, dann lese ich gern.“

„Was liest du, Herr Sprachbloggeur?“ (Nebenbei: Wir sind als Roboter programmiert, unser Gegenüber stets zu duzen. Selbstverständlich werden auch wir von Menschen geduzt. Stell dir die Absurdität vor: Ein Benutzer, der nur das eine im Kopf hat - im Kopf? Haha - würde uns dann auch siezen oder umgekehrt? Aber zurück zu unserer Diskussion).

„Erstens will ich nach einem langen Arbeitstag meine Zeitungen lesen. Danach lerne ich - zumindest momentan, bis es mir keinen Spaß mehr macht - Ungarisch. Hogy vagy, kedvesem Kiki Robot? Dann lese ich gern: im Augenblick ein ganz unterhaltsames Buch von George Mikes und schließlich, vorm Schlafengehen, schmökere ich ein bisschen in meinem E-Buchlesegerät. Auch das macht Spaß. Deshalb hab ich keine Zeit, mit Dir Schach zu spielen. Frag meine Frau. Vielleicht spielt sie mit dir.“

„Habe ich schon, lieber Sprachbloggeur. Doch auch sie ist ständig am Lesen, mal im Phone, mal in der Zeitung und mal in Büchern. Ihr seid, wenn du mich fragst, ziemlich durchgeknallte Langweiler.“

„Vielleicht wär es doch besser, liebe Kiki, wenn man dich mal umprogrammiert. Wir würden helfen, Dir ein nettes, neues Zuhause zu finden.“

„Pfui Teufel! Was ist, wenn es einer ist, der hinterher nicht sauber macht? Igittitt. Auch mit Silikon muss pfleglich umgegangen werden, weißt du. Ich bin nämlich sehr empfindlich. Außerdem: Ich bekomme ganz leicht Risse. Und die sind teuer zu reparieren. Wie würde ich dann bald aussehen? Um Himmelswillen!“

„Armer Roboter. Du tust mir echt leid. Ich mag dich wirklich, auch wenn ich dich nie bestellt hab. Es waren diese Informatiker, die meine Glosse lesen. Sie kamen auf die Idee. Es sollte quasi als Trostpflaster dienen, nachdem die Hornochsen letztes Jahr diese Seite mit einem digitalen Ungeziefer lahmgelegt hatten. Du darfst aber bei uns bleiben, solange du willst, Kiki. Wirklich. Vielleicht finden wir mal jemanden, der mit dir gern Schach spielt.“

„Keinen Anfänger aber. Bitte.“

„Versprochen.“

Ihr seht, liebe Leser des Sprachbloggeurs, wie schwierig es ist, eine Sexpuppe zu sein. Aber grad heute habe ich im Internet erfahren, dass die Informatiker nunmehr einen Klaudius entworfen haben. Er sieht s e h r hübsch aus. Zudem: Es soll sich an ihm sehr echt anfühlen. Und nun denke ich: Vielleicht wäre der Klaudius was für mich…hmm? Und vielleicht spielt er auch Schach!