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Wieso heißt es „schwarzer“ Freitag?

Ich wollte heute etwas über den „schwarzen Freitag“ erzählen, aber nun ist er ohnehin vorbei.

Keine Sorge. Hier erwartet Sie keine Polemik über die sündige Konsumgesellschaft, keine Besserwisserei von einem versnobten Intellektuellen. Ich wollte lediglich über den „schwarzen Freitag“ erzählen, weil ich ein sprachinteressierter Mensch bin.

Eigentlich heißt er „bläkk freidäj“ und ist made in America. Das wissen Sie aber schon.

Noch präziser: Der Black Friday bezeichnet in den USA den Freitag nach Thanksgiving (findet immer am letzten Donnerstag im November statt). An diesem Tag, laden die Warenhäuser (sowohl die konkreten wie auch die virtuellen) mit vielen Schnäppchen zum Einkauf ein, um quasi den Weihnachtssaison einzuläuten. „Shop till you drop“ heißt es in den USA. Die Preise purzeln derart, dass man damit rechnen kann, dass sich schon Stunden vor der Öffnungszeiten ein großes Publikum, lechzend und hechelnd, vor der Eingangstür einsammeln wird. In jedem Kaufhaus halten sich deshalb Journalisten und Bürgerreporter parat, um mit Fotoapparat oder Handykamera die unwürdigsten Szenen und Schlägereien zu knipsen (in der Hoffnung diese an die Medien zu verkaufen oder auf YouTube auszustrahlen).

An den Internetportalen finden freilich keine Schlägereien und unwürdige Szenen statt. Deswegen bin ich überzeugt, dass das Internet nicht lange halten wird. Mit Ausnahme von Pornoseiten und YouTube wird das WehWehWeh immer langweiliger.

In Deutschland gibt es natürlich kein Thanksgiving (zu Deutsch „Erntedankfest“) am letzten Donnerstag im November. Trotzdem hat sich in jüngster Zeit der Begriff „Schwarzer Freitag“ rapide eingebürgert. Ich glaube, ich bin irgendwo auf einen „weißen Freitag“ oder „grünen Montag“ (nicht mit dem „grünen Donnerstag“ zu verwechseln) gestoßen. Sprache macht immer erfinderisch.

Doch auch in den USA hat das mit dem „Black Friday“ keine lange Tradition. Ich hab drüber nix Genaues zu berichten. Ich hätte natürlich den Begriff auf Wikipedia nachschlagen können, war aber zu faul. Ich denke aber, dass es diese Bezeichnung höchstens seit etwa zehn Jahren gibt. Keine Ahnung.

Doch warum muss diesen Freitag ausgerechnet als „schwarz“ gelten? Denke ich an einen„Black Friday“, fällt mir anderes ein.

Zum Beispiel, an den Börsenkrach, der 1929 die USA und Europa in eine Katastrophe hineinschlittern ließ, die erst 1945 ihr Ende fand.

(Okay, weiß jemand unter fünfundzwanzig, was das Jahr 1945 für ein Bewandtnis hat?).

Sorry, schlechter Witz, aber er kommt nicht von ungefähr. Die Zeit vergeht, und die junge Generation vergisst. Anyway: War das nicht auch 1929 an einem „schwarzen“ Freitag geschehen? Nein. Es war ein „schwarzer Dienstag“ gefolgt von einem noch schwärzeren Donnerstag. Wenn der Börse abstürzt, gilt der Tag einfach als „black“.

Zur Erinnerung: Damals sind die Börsenspekulanten auf der Wall Street, in London, in Frankfurt, Paris, Wien et cetera vor lauter Verzweiflung aus den Fenstern gesprungen. Zumindest, das hat man immer erzählt.

Ob es wirklich so war, weiß ich nicht und bin zu faul um es auf Wikipedia nachzuschlagen.

Ich weiß immer noch nicht, warum ein Tag, der den Zweck hat, Menschen dazu zu bringen, Geld auszugeben, als „schwarz“ bezeichnet wird.

Man kennt „schwarze“ Gedanken, „schwarze“ Witwen, „blackouts“, „blackguards“ (Haudegen - sprich „blägg’rdz“) - alles negativ belegt.
Nur der black Freitag soll was Positives ausstrahlen. Komisch, gell? Nein, stimmt nicht ganz. In der Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den USA hieß es „black is beautiful“.

Ich habe heute leider keine Antworten auf diese wesentlichen Fragen und bin zu faul sie zu googeln. Fest steht nur: Ich hab an diesem Tag nix gekauft.