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O Memoria! O Shitstorm!

Äääääm, wie war das denn wieder? Vor längerer Zeit (ein Jahr? zwei Jahre?) hatte ich auf dieser Seite einen Text übers Wort „Shitstorm“ veröffentlicht.

Wenn ich mich noch richtig entsinne, hatte er den Titel: „Wie sagt man Shitstorm auf Englisch?“ (o.ä.). Leider kann ich aus dem Stegreif nicht sagen, ob ich diese Frage damals tatsächlich beantwortet habe oder nicht.

Fest steht jedenfalls: Die Antwort kann nicht „shitstorm“ heißen.

Heute aber weiß die Antwort, und ich werde sie Ihnen mitteilen, falls ich sie damals nicht bereits preisgegeben habe.

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr, ob ich Ihnen damals eine verbindliche Antwort auf diese Frage gegeben habe. Ich hab nämlich ein schlechtes Gedächtnis…sehr schlecht sogar. So war ich schon immer. Kein Wunder, dass ich bereits 95% von all dem, was ich jemals erlebt habe, vergessen habe – inklusive den Inhalt von Filmen, die ich einst geliebt und von Büchern, die ich eifrig gelesen habe.

„Ich behalte immer weniger von dem, was ich lese“, sagte mir neulich E. Sie klang ein bisschen beunruhigt. Sie hatte immer ein sehr gutes Gedächtnis.

„Meins war schon immer schlecht“, antwortete ich. Ich wollte sie damit trösten.

Nein, keine angehende Demenz meinerseits. Der Demenzkranke weiß nicht, dass er nichts weiß. Ich weiß es, und es stört mich nicht, weil ich weiß, dass das meiste, was ich vergesse, ohnehin nicht wichtig war.

Beispiel: Ich war neulich in meinem Lieblingsobstundgemüseladen, Paradies, und kam, während ich den Brokkoli, die Schwammerln und die leckeren Erdbeeren bezahlte, mit Frau M. und einer zufällig da stehenden Kundin ins Gespräch. Natürlich weiß ich nicht mehr, worüber – mit Ausnahme eines Punktes: Es ging um den Vornamen des Sohnes einer längst verstorbenen Freundin. Ich hatte ihn nämlich vergessen, konnte aber ein paar Hinweise wiederherstellen.

Wie durch Zauber hat die Kundin den fehlenden Namen dank meiner erinnerten Bruchstücke erraten. Das hat mich sehr beeindruckt.

Sonst ist der Inhalt dieses Gesprächs mir völlig untergegangen. Nur eins weiß ich noch: Ich war gut gelaunt und hab unentwegt Geschichten erzählt, was wiederum für andere mal unterhaltsam mal sehr langweilig werden kann. An diesem Tag hat meine gute Laune der Namen erratenden Kundin wohl gefallen. Wie soll ich sonst erklären, dass sie mir urplötzlich sagte, „Ich heiße Charlotte, wie heißen Sie mit Vornamen?“ Das hat mich überrascht. Achtung, dachte ich. Dieser Mensch tritt dir zu nahe. Ich kenne sie nicht, und sie will wissen, wie ich mit Vornamen heiße. Okay, ich gebe zu: Ich bin ein bisschen altmodisch.

Doch mir waren zwei Sachen klar: 1.) dass ich ihren Namen mit Sicherheit nicht merken würde und 2.) dass ich möglicherweise auch das Aussehen der Dame schnell wieder vergessen würde. Stellen Sie sich vor: Ein fremder Mensch ruft mir auf der Straße freundlich zu: „Hallo PJ!“ und ich, weil ich höflich bin, erwidere den Gruß schön freundlich, auch wenn ich nicht weiß, wer das ist. „Hallo!“, sage ich und denke: Wer ist denn das? Kenn ich diesen Menschen?

Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mich geweigert, der Dame meinen Vornamen zu verraten, was sie wiederum ziemlich sauer aufstoßen ließ.

Dennoch war ich sicher, dass ich das Richtige getan hatte. Was ist schlimmer, dachte ich: einen, der mich grüßt, nicht wiederzuerkennen oder jemandem einen unrealistischen Wunsch nicht zu erfüllen? Nebenbei: Sie hieß nicht in Wirklichkeit „Charlotte“. Ich habe aber den richtigen Namen leider vergessen.

Ach, ja. Ich wollte die Frage beantworten, wie man „Shitstorm“ auf Englisch sagt. Na endlich…

Die Antwort lautet „firestorm“. Ich habe den Begriff nämlich zweimal in jüngster Zeit in der New York Times gelesen. Einmal hieß es: „On Saturday Mr. Trump created a firestorm…usw.” und dann “A week after former President Clinton lit a political firestorm…usw.”

Man kann auf Englisch einen firestorm offensichtlich “create” oder “light”. Mir alles neu. „Shitstorm“ (Scheißsturm) wäre ohnehin kein Wort für die prüde NY Times.

Ich vermute, dass „Firestorm“ in diesem Sinn eine Neuigkeit sein muss. Ich jedenfalls hab es nicht gekannt, oder ich hab’s schlichtweg vergessen.

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