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„Newsweek“ und das Boko-Haram-Chaos

Zuerst etwas Hintergrund…

Vor einigen Jahren hatte ich „Newsweek“ abonniert. Damals gab es eine Abo-Aktion, und ich dachte: Warum nicht? Für das wenig Geld, kann ich’s riskieren, zumal ich jede Zeit kündigen kann, falls ich es mir mal anders überlege.

Ich abonniere Zeitschriften selten. Denn nach meiner bisherigen Erfahrung weiß ich, dass Verlage Anschriften ihrer Kunden gerne weiterverkaufen – auch wenn man dies expressis verbis verbietet. Das hab ich mal bei der „Herald Tribune“ erlebt. Um diese Eventualität zu kontrollieren, wende ich einen Trick an: Ich baue einen kleinen Fehler in meinen Namen oder meine Anschrift ein. Falls ich „junk mail“ – das postalische Äquivalent von „Spam“ – mit diesem Fehler erhalte, weiß ich, dass meine Daten verraten wurden. Genau dies ist mir bei „Newsweek“ widerfahren.

Als Reaktion kündigte ich das Abo. (Es dauerte allerdings nahezu ein Jahr und erforderte mehrere Anrufe und Emails, bis ich die 11,60 Euro-Restgeld endlich zurückerstattet bekam). Danach geriet „Newsweek“ für mich in Vergessenheit.

„Newsweek“ hingegen hat mich nie vergessen. Seit einem Jahr bekomme ich– täglich und unaufgefordert – Mails von der Nachrichtenzeitschrift. Es handelt sich um sogenannte „Teasers“, Schlagzeilen, die mich auf die weitere Lektüre einer Story neugierig machen sollen. Sobald man aber auf den Link klickt, um weiter zu lesen, bekommt man die Aufforderung , die Zeitschrift zu abonnieren.

Ich lese die „Teasers“ trotzdem. Warum nicht? Heute war einer über die islamische Terrormiliz Boko Haram aus Nigeria. Nebenbei: Wissen Sie was „Boko Haram“ bedeutet? Oft wird es in den Medien mit „westliche Kultur ist eine Sünde“ oder „westliche Kultur ist verboten“ übersetzt.

Nun hat mir Katschi – sie kommt aus Nigeria und arbeitet gelegentlich im Paradies, meinem Lieblingsobstundgemüseladen – erklärt, dass „boko haram“ Hausa-Wörter sind. Hausa wird im nördlichen Nigeria gesprochen. „Boko“ kommt vom englischen „book“ und wird insbesondere gebraucht, um „westliche“ Bücher und Kultur zu beschreiben. „Haram“ ist arabisch und bedeutet „verboten“. Der „Harem“, ist die Frauenabteilung eines Wohnhauses und ist für Männer „verboten“.

Aber zurück zu „Newsweek“. Im heutigen „Teaser“ war folgender Satz zu lesen:

„Despite claims they have been ‚technically‘ defeated, Boko Haram continue to wreack havoc in Nigeria’s northeast.”

Nun frage ich: Erkennen Sie in diesem Satz einen Sprachfehler?

Ich finde zwei.

Erstens: Das Wort „wreack“ ist falsch geschrieben. Und das im Zeitalter vom „Spellcheck“! Das Wort muss „wreak“ heißen, eine seltene Vokabel, die mit dem deutschen „rächen“ verwandt ist. Früher bedeutete es auch im Englischen „rächen“. Heute wird es nur noch im Sinne von „verursachen in einem negativen Sinn“ gebraucht. Meistens wird es mit „havoc“ („Verwüstung“) verwendet, auch mit „mayhem“ („Chaos“). Man kann auch „wreak terrible damage“ sagen.

Der/die Korrekturleser(in) (meistens sind es Frauen, da diese dröge Arbeit so schlecht bezahlt ist) hat die Form „wreack“ wohl deshalb durchgelassen, weil man dieses Wort heutzutage oft mit „wreck“, also „zerstören“ verwechselt.

Zweitens: „Newsweek“ macht „Boko haram“ zu einem Plural – wie „Taliban“. Normalerweise aber wird es aber im Singular benutzt – wie „Al Kaida“ oder „ISIS“.

Für mich ist obiges Beispiel ein Wink mit dem Zaunpfahl. Wäre Englisch Lateinisch, dann würde ich sagen, wir leben nicht im Goldenen Zeitalter dieser Sprache, sondern vielmehr im 5. Jahrhundert, als das Lateinische in Begriff war, restlos zu verfallen.

Und jetzt, liebe Deutsch Muttersprachler, wenden wir uns dem Deutschen zu…