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Die „geistigen Brandstifter“: endlich beleuchtet

Ein schönes Bild „geistige Brandstifter“, nicht wahr?

Man denkt an jemanden, der kraft seiner Gedanken, eine Struktur (welche auch immer) wie durch einen feurigen Angriff zerstören will oder kann.

In jüngster Zeit stoße ich des Öfteren in den Medien auf diesen Begriff. Meistens freilich in einem politischen Zusammenhang. Was sonst?

Nebenbei: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich der weiblichen Form, also „geistige Brandstifterin“, jemals begegnet bin, nicht einmal im Bezug auf den momentan Lieblings-bad-Menschen Frauke Petry (die mit den Karabinern an der Grenze). Komisch, dass man sie noch nie als g. Brandstifterin abgekanzelt hat. Kann es sein, dass die langsamen Entwicklungswogen der deutschen Sprache noch immer sexistischer geblieben sind als der heutige Zeitgeist? dass die Struktur der deutschen Sprache ebenso patriarchalisch strukturiert ist wie die Programmierung mancher maghrebinischer, syrischer und afghanischer grapschender Neudeutscher? Wer erinnert sich noch daran, welch Schwergeburt es damals war, die Vokabel „Kanzlerin“ aus dem Boden zu stampfen? Vielleicht sollte man Claudia Roth in dieser Sache einschalten, damit sie ein bisschen Tamtam macht. Kann sie gut.

Nur ein Gedanke.

Und noch ein Gedanke: Haben Sie gewusst, dass dieser Begriff von der „geistigen Brandstiftung“ selbst ein Neuling ist, dass er beinahe so geschichtslos in der deutschen Kultur ist wie obengenannte Neudeutsche?

Im Ernst. Früher (und damit meine ich erst vor ein paar Jahren) gab es die „geistige Brandstifter“ nicht. Früher hat man den Feind anders etikettiert – ich vergesse aber, wie.

Nachdem ich auf diese Idee gekommen bin, hab ich mich entschlossen, die Geschichte dieses Begriffs auf den Grund zu gehen. Was tut der halbwegs gebildete heutige Mensch, wenn er etwas wissen will? Er googelt! Und genau das hab ich getan.

Nebenbei: Früher wäre ich in die Bibliothek gefahren und hätte mehrere dicke Nachschlagwerke durchforstet, um den Werdegang des gesuchten Begriffs zurückzuverfolgen. Doch wer will so viel Zeit investieren, um sich über so eine Kleinigkeit wie die Geschichte der geistigen Brandstiftung zu informieren? Man hat auch anderes zu tun.

Immerhin habe ich dank meiner Google-Suche enetdeckt, dass Max Frisch eventuell etwas mit dem Entstehen des Begriffs zu tun hatte. Anfang der 1950er Jahre erschien sein Theaterstück „Biedermann und Brandstifter“. Da ging es irgendwie um geistige Brandstifter. Nur, die Vokabel „geistig“ blieb noch expressis verbis unerwähnt.

Leider hat meine Google-Suche meinen Wissensdurst nicht befriedigt. Infolgedessen bin ich der Sache doch nach der alten Methode angegangen: Ich habe nämlich mein „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ von Küpper aus dem Regal geholt. Bei Küpper findet man fast alles. Ein tolles Buch. Nur, die „geistigen Brandstifter“ fehlten bei ihm vollkommen. Unter Stichwort „Brandstifter“ bin ich lediglich auf „hochprozentiger Schnaps“ gestoßen. Unter „geistig“ bringt Küpper auch nichts. Ich habe nur „geisttötend“, „Geistesfurz“ und „Geisthammer“ (Letzteres bedeutet „Rauschgift“) gefunden.

Mein Fazit: Die „geistigen Brandstifter“ sind tatsächlich Neuankömmlinge in der deutschen Sprache. Ich weiß aber immer noch nicht, woher sie kommen. Vielleicht weiß jemand mehr drüber als ich.

Eins steht aber fest: Der „geistige Brandstifter“ ist immer der andere. Ähnlich dem „Spießbürger“, bzw., „Spießer“. Die sind auch immer die anderen.

Kein Mensch kommt auf die Idee, sich selbst als „Spießer“ zu bezeichnen. Das weiß man längst. Erst recht will keiner sich als „geistigen Brandstifter“ verstehen.

Oder nicht?

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